Motette schrieb:Mein zentraler Aufhänger ist immer wieder: was hätte ich in der Situation getan?
Ein schönes Beispiel, wie sich unterschiedliche Meinungen bilden.
Du identifizierst Dich mit dem Vater, Stephan Hensel, bzw. kannst Dich gut mit ihm identifizieren. Andere identifizieren vor allem mit den Kindern, die vom steif-bürgerlichen Leben und einer überforderten oder nicht sonderlich glücklich agierenden Mutter die Schnauze voll haben und sich zum Vater flüchten. Und dann gibt es - nicht hier im Thread, aber sicher da draußen in der Gesellschaft - die, die sich mit der Mutter identifizieren, der, wie sie glauben, Unrecht angetan wurde.
Je nachdem ist dann unsere Empathie auch stärker ausgeprägt oder nicht.
Ich habe hier im Thread schon mal kund getan, aus welchen sehr persönlichen Gründen ich meine Position habe. Und meine Erfahrungen mit Medien und Öffentlichkeitkampagnen kommen hinzu.
Es macht einen Unterschied, ob ich etwas verstehe und nachvollziehen kann. Oder ob es richtig ist. Dabei gibt es aber Grenzen.
Ich kann Schmerz, Leid und Verzweiflung von Christina Block gut nachvollziehen. Dass sie alles versucht hat, was legal war. Nicht aber, eine Söldnertruppe zu engagieren, die mit allen Mitteln den Vater diskreditieren und die Kinder heimholen will. Und das dann auch tut. Das ist falsch und außerhalb meiner Vorstellungskraft. Gleiches gilt für die Kampagne in BILD. Zum Einen, weil private Streitigkeiten in die Öffentlichkeit getragen und die Medien instrumentalisiert werden - was nur selten einen Win-win-Situation ist. Zum anderen, weil ich mich und meine Kinder ins Scheinwerferlicht zerre. Und die Kinder wurden nicht gefragt. Deren Interessen wurden nicht abgewogen. Sie werden ebenso instrumentalisiert.
Aus dem gleichen Grund halte ich halt auch die Öffentlichkeitsarbeit des Vaters für falsch. Da identifiziere ich mich mit ihm und habe die feste Überzeugung, dass ich das niemals so machen würde. Meiner Kinder wegen. Und deshalb fällt es mir da genauso schwer, das nachzuvollziehen. Da vergleiche ich nicht Äpfel mit Wassermelonen, sondern das ist für mich derselbe Grad an Verwerflichkeit.
Das gilt natürlich nicht für die Straftaten, die jetzt verhandelt werden. Was ich bei jeder Gelegenheit betone. Da habe ich null Verständnis. Die sind nicht zu rechtfertigen. Da kann ich nur Ursachen benennen. Auch das betone und erläutere ich immer wieder. Und natürlich sind nicht beide Elternteile gleich schuld. Die Straftat hat nur eine Seite begangen. Ich bin sogar der Ansicht, dass der Vater keine Kindesentziehung begangen hat, wenn die Kinder tatsächlich bei ihm bleiben und nicht auf Biegen und Brechen zurück zu Mutter wollten. Die Straftaten, die Frau Block mutmaßlich begangen hat, sind falsch und gehören bestraft. Und sind bei diesem Gericht in guten Händen.
Die allerletzte Ebene: Die Schlacht um die öffentliche Meinung setzt sich im Gerichtssaal fort. Auch hier sind wieder beide Seiten Akteure. Natürlich wird das v.a. von Bott angeheizt, aber andere können sich dann auch nicht zurückhalten. Und der Bott'sche Versprecher vom "Gegner" zeigt, wie sehr die Maßstäbe verschoben sind. Da habe ich nun wieder die Meinung, dass ein Strafprozess zwar öffentlich sein, aber nicht zum öffentlichen Spektakel verkommen sollte. Das verkennt den Ernst der Lage und tut der Wahrheitsfindung nicht gut. Dabei habe ich allergrößtes Vertrauen in das Gericht, das sich äußerst professionell verhält. Das ist Schwerstarbeit, was die Vorsitzende da leistet.
Zuletzt haben wir hier das Glück, dass uns mit
@LeonardodV eine fachkundige Person völlig unaufgeregt und jenseits jeder Moralisierung über die rechtlichen Hintergründe informiert. Dann muss ich mich nicht damit beschäftigen.