ottercat schrieb:Ich gehe davon aus, dass die nächsten Zeugen das weiter so berichten werden. Wobei, meine Meinung, das trotzdem sehr naiv und dämlich wäre.
LeonardodV schrieb:Entweder waren nur Dilettanten am Werke oder (was mE näherliegend ist) gingen die Israelis tatsächlich davon aus, dass ihnen in Deutschland keine Strafverfolgung droht. H
M8nix schrieb:doof kann man eigentlich gar nicht sein, dass man in einem Ausmaß Spuren hinterlässt, die jedem geradezu in Auge springen müssen.
Eher haben sie sich einlullen lassen durch irgendwelche Dokumente und nicht genug insistiert.
Ich möchte jetzt wirklich nicht den Anwalt für die fünf "Spätzugänge" aus Israel spielen, die erst drei Tage vor der Entführung nach Hamburg kamen. Man kann das Verhalten gegenüber den Kindern mit nichts entschuldigen.
Ich versuche trotzdem mal zumindest eine Erklärung zu finden, wie es sein kann, dass fünf erwachsene Männer aus unserer Sicht so viele Fehler bei einem Verbrechen machen.
Beim 48. Podcast mit Prügel-Jonathan fiel mir enttäuschend auf, dass Maske/Piltz das (für zwei renommierte Journalisten) auch recht banal abtaten.
Ich hole mal ein bisschen weiter aus
:) Meine Meinung ist aber ganz sicher nicht der Weisheit letzter Schluss
:DMaske/Piltz behaupten, dass es nicht glaubhaft sein könnte, dass sich keiner der Entführer Gedanken über die Legalität der Aktion gemacht haben soll.
Ich finde - im Gegensatz zu Maske /Piltz - die Argumente der sehr spät angeheuerten Entführer (ohne das Model), dass sie hereingelegt wurden aber durchaus plausibel und nachvollziehbar.
Natürlich nur als Erklärung, ganz sicher nicht als "Entschuldigung" für ihre Tat:
Piltz und Maske sind hochgebildete, kritische Journalisten, aufgewachsen im behüteten Deutschland. Ich glaube, da ist ein Perspektivwechsel schwierig und ihre Haltung fast schon arrogant.
Die fünf kurzfristig angeheuerten Israelis sind alles Männer gewesen, die im Nah-Ost-Konflikt aufgewachsen/sozialisiert wurden (seit Generationen im Krieg bzw. in Kriegsbereitschaft) und nicht in Westeuropa, wo die meisten Menschen nur durch TV-Krimis wissen wie herum man eine Waffe hält.
Das waren hauptsächlich Kampfsportler bzw Ex-Soldaten (und DAS sind quasi fast alle israelischen Bürger; Männer mind drei Jahre Wehrpflicht; alle Frauen mind zwei Jahre! Das ist eine prägende Zeit... ).
Die Gruppendynamik bzw - zwang in diesen Männergruppen ist auch ohne diesen Background so, dass bei so kurzfristiger Zusammenstellung sehr schnell eine Hierarchie akzeptiert wird.
Zumal es sich um eine Gruppierung ehemaliger Befehlsempfänger handelt, die kein Problem damit haben die Verantwortung und Befehlsgewalt an Barkay/einen Führer abzugeben.
In Westeuropa ist zB der Fokus in den letzten Jahrzehnten immer mehr auf dem selbstbestimmten Individuum; in Israel hingegen ist trotz Wandel in der sozialistischen Kibbuz-Kultur die Verpflichtung bzw Unterordnung zur Gemeinschaft immer noch vorherrschender als das Individuum.
Und dann halten auch noch deutsche Anwälte, bzw Juristen wie Costard und Hanning wichtig aussehende Dokumente vor (mit Sicherheit nicht in hebräischer Übersetzung) über die 'Rechtmäßigkeit'. Wer hinterfragt das, wenn man doch in einer Gruppe gleichgesinnter Männer ist? Das war ja fast wie eine staatliche, offizielle Mission zu verstehen.
Lt. Zeitleiste war das Treffen der fünf "späten" Entführer vor Silvester wenige Stunden nach Eintreffen aus Israel in Hamburg. Null Zeit sich über die genauen Umstände schlau zu machen.
Und eine gute Bezahlung für eine gute Tat lässt den letzten Zweifel schwinden, so fern überhaupt etwas hinterfragt wurde.
David Barkay und Keren T (und die beiden IT-Menschen) sind die Einzigen gewesen, die das aufgrund von Dauer und Vertiefung in die monatelange Aktion und mit ihren Lebenserfahrungen hätte durchschauen können und müssen. (Barkay sagte bisher übrigens als Einziger ausser Tal S, dass er für seine Fehler die Verantwortung übernimmt.)
" Ich bin erwachsen, ich bin verantwortlich für meine Fehler. Das ist der Preis, der gezahlt werden muss."
Quelle:
https://www.mopo.de/hamburg/gericht/liveticker-block-prozess-tag-35-david-barkay-christina-block/#google_vignette [/spoiler]
Aber: vielleicht ist auch Barkay und Keren dem Dolce Vita im Hotel Grand Elysée, den Schmeicheleien von EB/AC und natürlich dem zerbrechlichen Charme von CB erlegen. (Ich erinnere nur an Tzach K.: "wie Lady Di; wie eine Prinzessin") Barkay wurde sicherlich regelrecht hofiert und umgarnt und gegen Ende auch unter Druck gesetzt. Und natürlich sehr gut bezahlt.
Und ganz zum Schluß, um quasi den Sack zuzumachen, legt die manipulative, schluchzende, scheinbar hilflose Drama-Queen drei Tage vor Silvester noch eine Show vor der versammelten Mannschaft hin (OT zu GD in ähnlicher Situation: "lass mich allein hingehen, dann wirke ich glaubhafter"), damit den Jungs auf dem Weg nach Dänemark nicht doch noch der Gedanke kommt, dass diese Hauruck-Aktion vielleicht keine gute Idee sein könnte.
Das sind große Jungs gewesen mit einem Superman-Komplex, in deren Welt Gewalt und Fremdbestimmung alltäglich ist und nicht hinterfragt wird.
Quelle:
https://shows.acast.com/ein-echter-krimi-der-fall-block/episodes/folge-48-jonathan-c-spricht-seine-version-und-die-offenen-fr