Eddot schrieb:Sie widersprechen dem Motiv, dass Fabian für Gina H. im Weg war oder sie ihn als störend empfunden hat und sie dadurch Wut auf ihn hatte.
Grillage schrieb:Dieses Motiv hat aber auch nie jemand offiziell benannt. Aus der Pressemitteilung der StA wissen wir nur, dass diese ihr in der Anklage "niedrige Beweggründe" vorwerfen. Darunter kann man sich jede Menge verschiedene Motive vorstellen.
Offiziell sind nur zwei Mordmerkmale für die Tötung von Fabian benannt worden: Heimtücke und niedrige Beweggründe.
Heimtücke ist dabei leicht nachvollziehbar. Als der Junge aus dem Haus gelockt, an den Tümpel bei Upahl gebracht und dort mit mindestens sechs Messerstichen ermordet wurde, dürfte er arg- und wehrlos gewesen sein.
Bei den niedrigen Beweggründen ergibt sich im Grundsatz eine viel größere Bandbreite. Da können Hass, Wut , Eifersucht, Rache oder ähnliche Faktoren im Spiel gewesen sein. Staatsanwaltschaft und Polizei haben bislang offengelassen, welches dieser Motive am Ende wohl ausschlaggebend gewesen sein dürfte.
Was immer Gina H. -falls sie es denn war- zu der fürchterlichen Tat veranlasst haben könnte: Ein wesentliches Moment dürfte meiner Meinung nach der Zeitpunkt des Verbrechens bilden.
Dass sich der Mord ausgerechnet unmittelbar vor dem ersten gemeinsamen „Papa-Wochenende“ von Fabian und seinem Vater ereignete, und dass er ausgerechnet dann geschah, nachdem sich Mathias R. und Gina H. tags zuvor erneut heftig gestritten haben sollen, stellt für mich keinen Zufall dar.
Ich vermute, dass diese zeitliche Konstellation die fatale Eskalation ausgelöst hat, der Fabian zum Opfer fiel. Die Trennung des Paares war ja schon acht Wochen her, in denen Gina zwar schwer zu leiden hatte und sich angeblich sogar selbst etwas antun wollte. Zumindest anfänglich hielt sie aber noch Kontakt zu Fabian, und für eine Bedrohung des Jungen gab in dieser Zeit wohl keine Anzeichen.
Der Entschluss, das Kind zu töten, könnte somit von einem Tag auf den anderen gefasst worden sein. Aber warum? Resultierte dies aus der Erkenntnis, dass es endgültig kein Zurück mehr gab in die Beziehung zu ihrem langjährigen Freund, der ihr emotional, aber vielleicht auch finanziell eine wichtige Stütze war? Konnte sie es nicht ertragen, dass fortan nicht mehr sie, sondern Fabian (wieder) im Mittelpunkt stehen sollte?
Ich hoffe, dass es dem Gericht gelingt, eindeutig zu klären, warum der Achtjährige sterben musste. Aber wenn die (mutmaßliche) Täterin ihr Motiv nicht selbst offenbart, wird das wohl kein einfaches Unterfangen.