wobel schrieb:Schwierig. Stell Dir vor sie hätte das bei der ersten Vernehmung direkt gesagt "ach, kann schon sein dass jemand anderes mein Auto genommen hat" - genau sowas hätte sie doch direkt extrem verdächtig gemacht.
Aber dazu gehören ja mehr Infos, die sie wahrscheinlich ausgesagt hat. Z.B. wo sie an jenem Freitag vormittags bis abends war. Ja nach dem, was sie da angegeben hat, kann es eben nicht sein, dass sie jemand mit dem Auto rumgefahren ist, während sie z.B. geschlafen haben will und das deswegen nicht bemerkt hat.
Ich denke, dass sie in der ersten Vernehmung, die ja wohl sehr kurz nach Fabians Verschwinden stattgefunden haben wird, frei von der Leber weg erzählt hat. Eben weil sie wusste, dass er tot ist und dass sie die Täterin ist, während alle anderen, v.a. die vernehmenden Polizisten ja noch dachten, er sei wahrscheinlich nur durchgebrannt. Trotzdem werden sie gefragt haben, wo sie sich am Freitag, als Fabian verschwunden ist, aufgehalten hat. Das ist Routine. Sie wird da also irgendwelche Storys aufgetischt, um möglichst unverdächtig zu erscheinen. Wenn man also selbst erzählt hat, man sei am Freitag mit dem Auto ganz woanders gewesen, wird es schwierig, später zu glaubwürdig zu behaupten, jemand ganz anders sei wohl mit dem Auto unterwegs gewesen, ohne dass man es selbst bemerkt hat.
So war das auch in dem Fall, den ich als Vergleich wegen der Ü-Kameras und der Identifizierung der Autos genannt habe. Zum Zeitpunkt der ersten Befragung galten die Opfer noch als vermisst. Es war bekannt, dass der nun Angeklagte sie am Abend ihres Verschwindens besucht hatte, was er in der ersten Befragung auch zugegeben hatte. Er hat dann halt über den Rest der Nacht Storys erzählt, die auf den ersten Blick auch glaubwürdig waren. Innerhalb weniger Stunden Ermittlungen hat sich dann aber ganz schnell rausgestellt, dass er an mehreren Stellen nicht die Wahrheit gesagt hatte und verschiedenen anderen Leuten außerdem unterschiedliche Geschichten erzählt hat. Das hat dann schnell dazu geführt, dass er zum Beschuldigten wurde und in der nächsten Vernehmung jede Menge unangenehme Fragen gestellt bekommen hat, bei deren Beantwortung er sich immer mehr verstrickt hat. Auffällig war vor allem, dass er für bestimmte Details, die er eigentlich nicht wissen konnte, ungefragt Erklärungen geliefert hat. Z.B. warum sie Polizisten in dem Tathaus an welcher Stelle Spuren von ihm finden werden, an denen sie aber eigentlich nichts zu suchen hatte.
Bei Gina H. kann ich mir durchaus einen ähnlichen Verlauf vorstellen. Ich halte sie auch für jemanden, der sich selbst für talentiert im Lügen und Rausreden hält, das im Alltag vielleicht sogar ist. Das mache ich z.B. an der Sache mit dem Satteldiebstahl oder auch der Dreistigkeit, mit der sie nach dem Leichenfund öffentlich ein Interview gegeben hat, in dem sie darstellen wollte, warum sie nicht die Täterin ist, fest. Auch an dem Versuch, sich eine Alibi zu verschaffen und der Tatsache, andere Personen an den Leichenfundort zu führen, wohl mit der Intention, ihnen die Tat unterschieben zu können. Ich bin auch schon mehrmals auf solche Leute reingefallen, die einem eine Story nach der anderen auftischen. Gott sei Dank nur bei eher banalen Dingen, aber im Alltag glaubt man das oft einfach, zunächst jedenfalls, und die Leute haben damit Erfolg.
Aber bei der Polizei ist das halt eine andere Sachen. Die nehmen die Aussagen halt nicht einfach für bare Münze und sammeln Spuren und Zeugenaussagen, anhand derer sie dann meist recht gut abgleichen können, ob die Aussagen stimmen können oder nicht.
Ich denke schon, dass sie sich um Kopf und Kragen geredet hat.