Grillage schrieb:Ich denke schon, dass einige Spuren durch den Brand vernichtet worden sind. Z.B. wenn seine Kleidung zum grössten Teil verbrannt ist, dass dann daran keine DNA- oder Faserspuren von ihr mehr nachweisbar sein drüften. Die Frage ist, in wie weit das die Ermittlungen überhaupt starkt behindert hat bzw. es im Prozess zu einem Problem werden könnte, wenn es ansonsten genug Spuren gibt, die auf sie hindeuten. Z.B. ein Nachweis, dass die zur Tatzeit, die sich ja relativ gut eingrenzen lässt, am Tatort war, weil man ihrenbzw. den Weg des auffälligen Wagens über Ü-Kameras und Zeugen nachverfolgen kann.
Das halte ich für einen gravierenden Einwand.
Ich glaube, man muss sich frei machen von der Vorstellung, den einen, ultimativen Beweis für die Täterschaft von Gina H. zu erbringen.
Wenn die Beschuldigte nicht doch noch mit einem Geständnis klar Schiff macht, wird es wohl darauf hinauslaufen, aus einem Puzzle von Indizien ein Gesamtbild zu erstellen, das mit hinreichender Gewissheit ihre Schuld belegt.
Man muss Gina H. nicht unbedingt mit einem Messer in der einen und einem Kanister Grillanzünder in der anderen Hand an der Leiche von Fabian erwischt haben. Und es ist zum Beispiel auch nicht zwingend erforderlich, exakt zu wissen, wie der Junge aus der Wohnung gelockt wurde.
Entscheidend ist unter anderem vielmehr, durch Zeugenaussagen und auf andere Weise genau nachzuvollziehen, dass die Tatverdächtige am Tattag Zeit und Gelegenheit hatte, den Mord zu begehen. Eine möglichst minutiöse Rekonstruktion der Aufenthalte und der Fahrtroute von Gina H. in dem doch relativ engen Zeitfenster am 10. Oktober wäre da überaus aussagekräftig.
In Kombination mit einem schlüssigen Motiv, mit dem Nachweis verdächtiger Verhaltensweisen wie dem Bemühen um ein falsches Alibi und mit Spuren, die ihre Täterschaft erhärten, könnte sich am Ende alles zu einer Indizienkette zusammen fügen, die Beweischarakter hat.