wobel schrieb:Ich glaube aber auch nicht dass die "Family App" erlaubt das Handy des anderen komplett auszuspähen, das wär ja fürchterlich, dann könnte ja die Schwiegermutter mitlesen wie der Sex letzte Nacht war...
Weil sie über die FamilyApp sehen kann, wann die FitnessTracker-App bei Dir und Deinem Mann erhöhten Puls angezeigt hat? ;-)
Agrimony schrieb:Eine Partnerschaft bei einem massiven Vertrauensbruch, wie z.B. Handyortung, hinterherspionieren usw., gleich zu beenden, ist für mich zweischneidig.
Einerseits bewundere ich so eine strikte Haltung, andererseits kommt es auch immer auf die Hintergründe drauf an.
Natürlich ist es auch wichtig, sich gegenseitig Fehler zu verzeihen und nachsichtig zu sein. Aber für mich ist das zum einen ein sehr massiver Übergriff und Vertrauensmissbrauch. Zum anderen sehe ich so etwas auch eher als Symptom, dass sehr starkes Misstrauen gegenüber dem anderen verdeutlicht. Nie im Leben würde meiner Meinung so etwas in einer glücklichen Beziehung auf Augenhöhe passieren, sondern da liegt dann noch viel mehr im Argen.
Alles ziemlich hohle und leicht dahergesagte Phrasen, ich weiß. Das Leben ist immer komplizierter und komplexer als so eine Theorie und wenn es einem nicht passiert ist, kann man leicht daher reden,was man für große Konsequenzen ziehen würde, wenn es denn passieren würde.
Agrimony schrieb:Kommunikation im Vorfeld ist da sehr wichtig und ich glaube nicht, dass diese Kommunikation zwischen Gina und Mathias stattfand.
Ich bin mir sicher, dass da sogar ziemlich viel Kommunikation über das Thema Eifersucht und Misstrauen stattgefunden hat. Und zwar in Form gegenseitiger Vorwürfe, was die Eifersucht und das Misstrauen auf der einen und wahrscheinlich Trotz auf der anderen Seite noch angestachelt hat.
Agrimony schrieb:Jemand der wie sie, wahrscheinlich von Verlustängsten geplagt, in einer abhängigen, toxischen Partnerschaft lebt, mit einem Mann, der wenig Verständnis für ihre Ängste hat, mit mindestens einer anderen Frau schreibt (wer weiß was alles), lügt bzw. Dinge verheimlicht, gerne feiern geht, dem Alkohl sehr zuspricht und dann vielleicht auch noch sehr flirty ist, dann ihm gegenüber misstrauisch ist und kontrolliert, kann ich mir gut vorstellen.
Wobei ich mich gefragt habe, was "mit anderen Frauen schreiben" bedeutet. Ist das eine verharmlosende Umschreibung dafür, dass er versucht hat, mit andere Frauen ernsthaft anzubandeln? Also sozusagen die ersten Schritte der Anabahnung einer neuen Beziehung?
Oder war das eine gelegentliche Unterhaltung mit Freundinnen, Bekannten, Kolleginnen, die sie missbilligt hat?
Es gibt Menschen, die während einer laufenden Beziehung schon ausschau nach der nächsten halten und erst Schluss machen, wenn mit der Neuen alles in trockenen Tüchern ist. Weil sie nicht allein sein wollen oder können.
Dann gibt es Menschen, die fremdgehen, manche spontan, weil ihnen eine Gelegenheit über den Weg läuft, andere chronisch, weil sie immer was am laufen und auf mehreren Herdplatten am köcheln haben wollen.
Und dann gibt es wiederum Menschen, die schon rasend vor Eifersucht werden, weil sich eine Arbeitskollgin per WhatsApp meldet und noch eine kurze Frage hat, oder weil sich eine Jugendfreundin von vor 15 Jahren meldet oder wenn man in einer Facebook-Gruppe mit jemandem schreibt, der das gleiche Hobby hat.
Matthias R hat auch das - so wie ich es intrepretiere - so dargestellt, als sei das ja eigentlich seine Schuld gewesen, dass Gina H sich so verhalten hat (eifersüchtig, SpyWare installiert). Nach dem Motto, er habe ihr ja auch die Gründe dafür geliefert, sich so zu verhalten, weil er "mit anderen Frauen geschrieben hat".
Da weiß man mal wieder nicht, was man davon halten soll. Ja, man kann es so sehen, dass sie eine von Verlustängsten geplagte Frau ist und er wenig Rücksicht auf diese Ängste genommen hat. Andererseits ist das heimliche Installieren einer SpyWare (wenn es denn je statgefunden hat!) ohne Frage ein massiver Übergriff und Vertrauensmissbrauch und in toxischen Beziehungen ist es ein sehr verbreitetes Muster, dass dem Opfer so eines Übergriffes eingeredet wird, es sei durch sein Verhalten selber Schuld, da es diesen Übergriff provoziert und nötig gemacht habe.
Agrimony schrieb:Ich möchte nicht wissen, wie viele Frauen und Männer in so einer abhängigen, unguten Beziehung leben und an dieser auch festhalten.
Traurig, aber bestimmt keine Seltenheit
Das ist ja ihre völlige Privatsache, die Dritte nichts angeht. Menschen haben unterschiedliche Gründe, an einer Beziehung festzuhalten, die andere als völlig gestört und nicht zum aushalten empfinden würde. Das sind subjektive Maßstäbe und ich will da gar nicht drüber werten.
Aber hier ist das ganze nun mal soweit gegangen, dass am Ende ein Kind tot war.
MeinName schrieb:Was mir die ganze Zeit durch den Kopf geht... Zeugen sollen ja bei der Verhandlung nicht anwesend sein, um nicht beeinflusst zu werden.
Aber wie ist das in diesem Fall, wenn die Befragung für mehrere Tage unterbrochen ist? Die Aussage des Vaters wird ja gerade überall zerpflückt, analysiert und interpretiert. Das beeinflusst doch erst recht, oder? Da könnte es doch sein, dass sich Erinnerungen plötzlich völlig anders darstellen weil völlig neue Denkansätze geliefert werden, auf die der Vater wahrscheinlich von alleine niemals gekommen wäre...
Ich denke, die Regelung wurde natürlich in einer ganz anderen Zeit getroffen, in der es eben noch kein überall verfügbares Internet und Live-Ticker direkt aus dem Gerichtssaal gab. Klar gab es schon immer Zeitungsberichterstattungen, aber die fassen so einen Verhandlungstag natürlich sehr viel gestraffter zusammen, über einzelne Zeugenaussagen wird da nur selten so sehr im Detail berichtet, wie es heute in den Live-Tickern stattfindet. Aber auch die Live-Ticker sind natürlich auch ein auf große, sehr medienwirksame Prozesse, über viele Prozessen wird gar nicht oder nur sehr sporadisch berichtet.
Im Endeffekt ist es ein Abwägung zwischen dem Gebot, dass in Deutschland Gerichtsprozesse öffentlich stattfinden sollen und damit auch eine Presseberichterstattung durchaus erwünscht ist. Und eben der Tatsache, dass man möglichst unbeeinflusste Zeugen haben möchte.
Am Ende müssen die Richter entscheiden, wie sie die Aussagen einzelner Zeugen bewerten. Vieles lässt sich ja auch durch geschickte Fragenführung rauskitzeln und die allermeisten Zeugen sind schon gewillt und bemüht, die Wahrheit zu sagen. Und bei den anderen erkennt man oft, ob sie einen Ent- oder Belastungswillen zeigen und kann die Aussagen entsprechend einordnen.
Bei größeren Ungreimtheiten werden dann die Aussagen aus vergangenen polizeilichen Vernehmungen odr andere Ermittlungsergebnisse vorgehalten. So wie hier ja auch geschehen, wo Matthias R der Inhalt von Textnachrichten und z.B. die Aussagen der ausgeladenen Großeltern vorgelesen wurden.