Zaunkönigin schrieb:Das wäre das, was eigentlich von einer Person, die offenbar in sozialen Unterstützungssystem tätig ist, zu erwarten gewesen wäre.
Ja, genauso sehe ich das eben auch.
Am Anfang ist da wohl eine Motivation, einer Familie in Not zu helfen. Das ist völlig legitim, v.a. wenn man es ehrenamtlich macht. Dann wird man aber womöglich immer mehr auf ein falsches Gleis geführt und hinterfragt möglicherweise im Prozess nicht (meine nicht den Gerichtsprozess, sondern den gesamten Ablauf), ob man noch mit einem wachen Blick auf die ganze Sache schaut oder ob man sich möglicherweise manipulieren und vereinnahmen lässt. Bespricht man so etwas noch mit KollegInnen? Entscheidet man alles selbst? Spätestens ab da hat es das Potential, unprofessionell zu werden.
Aber allerspätestens an dem Punkt, wo es um die Frage ging, "nachts nur kurz mit den Köpfen zusammengestossen" vs. "es kommt nur Schütteltrauma in Frage, die Frage ist, wer der Verursacher ist" muss man sich doch um einen externen Abgleich bemühen, wenn man selbst schon zu beteiligt ist (weil man z.B. schon die Patenschaft übernommen hat). Denn man muss doch das Risiko erkennen, dass man hier ein potentiell das Kind ("Patenkind!!") schädigendes Familiensystem unterstützt. Das kann doch nicht die Intention sein.
Sie hätte sich z.B. eine anonyme Beratung einer Insofa-Beratung einholen können. Sie hätte einen Rechtsmediziner neutral um Meinung fragen können. Dazu kann man die Leute nicht verpflichten, die helfen wollen. Aber moralisch wäre es schön gewesen und sie hätte die grundsätzliche Ahnung davon haben müssen, wo sie sich beraten lassen kann - sonst macht es keinen Sinn, sich einen solchen Fall ans Bein zu binden, egal in welcher Beziehung man zu einer Familie steht. Als Arzt könnte man doch auch nicht die Beratung eines Freundes in einer Krebserkrankung übernehmen, wenn man eigentlich Augenarzt ist und von dem Thema null Plan hat? Das wäre doch unredlich.
Die Frage für mich ist, ob es eine Motivation gab, die über das reine Helfen dieser Familie hinaus ging. Waren das narzistische Motive? War das Hybris? Wollte man einen spektakulären Fall in der Betreuung haben, deswegen auch die 20 Seiten an die Medien? Sollte das ein Exempel sein, um ggf. die Tätigkeitsfelder des dahinterstehenden Vereins zu erweitern, quasi Expertise zu demonstrieren? "Seht her, es gibt so viele Familien, denen von Behördenseite Unrecht getan wird, auch und gerade in Kinderschutzfragen, und die keine Lobby haben - wir können unterstützen, dafür brauchen wir aber Geld".
Und dazu stellt sich halt auch die Frage, wie ist sie in dem ganzen Verfahren...
a) mit ihrer Vereinsmitgliedschaft umgegangen:
War das nie ein Thema? Dann prima. Wurde kurz darauf hingewiesen, aus Transparenzgründen, aber klargestellt, dass man hier auf eigene Rechnung berät? Auch ok. Wurde so getan, als stünde der ganze Verein dahinter, alle wissen Bescheid, unterstützen das? Sollte das Eindruck beim Jugendamt schinden?
b) mit ihrem Verwantschaftsverhältnis umgegangen. War jedem eh klar, dass der Schwiegersohn Politiker ist? Wusste das niemand, spielte also eh keine Rolle? Wurde vielleicht sogar darauf hingewiesen, um der eigenen Position Gewicht zu verleihen? War die Familie ggf. froh, dass sie eine so prominente Fürsprecherin hat? Hat die Familie dafür den Wunsch gehabt, Dankbarkeit auszudrücken? Was hat es nun mit dem AMG auf sich?
Ich denke schon, dass man das klären muss. Vielleicht ist es eine völlig unschuldige Frau mit gutem Herzen, aber etwas vernebelter Sicht. Vielleicht stand aber auch ein Motiv dahinter, das weit über die reine Unterstützung in einem solchen Fall hinausging, und das man kritisch werten muss.