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Mordfall Hinterkaifeck

47.701 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Mord, Bauernhof, Hinterkaifeck ▪ Abonnieren: Feed E-Mail
Zu diesem Thema gibt es eine von Diskussionsteilnehmern erstellte Zusammenfassung im Themen-Wiki.
Themen-Wiki: Mordfall Hinterkaifeck

Mordfall Hinterkaifeck

26.11.2010 um 13:00
Hallo,

im Pielmayr-Bericht wird ohne Bezug berichtet, dass bereits während der Schwangerschaft das Gerücht umherging, dass A.G. der Vater des Kindes sein solle, dieses Gerücht wurde insbesonders von L.S. genährt. Das Zerwürfnis zwischen L.S. und Gabriel/Gruber war also bereits während der Schwangerschaft, was sich dann bis zur Klage nach der Geburt fortsetzte.
Bemerkenswert wie es Vic dann schaffte in vermutlich einem Gespräch dieses monatelange "Zerwürfniss" umzukehren und zwar so glaubhaft, dass L.S. daraufhin die Klage widerrief. Also wenn L.S. Gutmütigkeit unterstellt wird, dies ist wohl ein treffendes Beispiel dafür.


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Mordfall Hinterkaifeck

26.11.2010 um 13:55
@canales,
na, da hat Viktoria wohl die altbewährten "Waffen" einer Frau eingesetzt, und dass Sie diese in ausreichendem Masse besass, ist kaum zu bezweifeln.
*****
Bernie


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Mordfall Hinterkaifeck

26.11.2010 um 17:02
@AngRa
Zitat von AngRaAngRa schrieb:Es gibt zum Inzest auch zu viele Aussagen, als dass man eine solche Beziehung verneinen könnte. Die Nachbarn Pöll, Schwaiger und auch Sophie Fuchs erwähnen ihn, wobei Sophie Fuchs in einer späteren Befragung sogar angegeben hat, dass Viktoria manchmal Thomas Schwaiger davon berichtet hat:
Dennoch sollte man bedenken, dass all diese Aussagen vom Wortlaut her dergestalt formuliert sind, dass es "im Ort allgemein bekannt war", dass es diesen Inzest gab. Das glaub ich auch gerne, immerhin waren die beiden 1915 ja verurteilt worden. Konkrete Aussagen, dass tatsächlich jemand etwas mitbekommen hat, sind mir nur drei bekannt:
Die Kreszenz Rieger will Vik und AG direkt beim GV beobachtet haben.
Der LS hat ausgesagt, die Vik hätte es seiner Frau erzählt.
Und die Sophie Fuchs gibt in ihrer letzten Aussage im Jahr 1984 (1951 und 1980 wurde sie schonmal befragt) zu Protokoll, die Vik hätte zuweilen zerrupft ausgeschaut und dem Wirt in Gröbern dann mitgeteilt, er wüsste eh was der Vater mit ihr macht.
Eine Aussage, die über 60 Jahre nach den Begebenheiten gemacht wurde und auch noch Interpretationsspielraum lässt.
Je nach Standpunkt ist der LS auch mal mehr, mal weniger Glaubwürdigkeit. Aber die Fr. Schlittenbauer wäre sicher eine Person gewesen, die als Zeugin aufgrund guten Leumunds ein entsprechendes Gewicht gehabt hätte. Unabhängig davon, ob sie tatsächlich die Wahrheit sagt.
Die Glaubwürdigkeit der Kreszenz kann man durchaus auch anzweifeln, muss man natürlich nicht zwingend.

Wie gesagt, ich halte es letztlich auch für wahrscheinlich, dass es den Inzest gab. Aber ganz von der Hand weisen kann ich die andere Alternative nicht, weil die meisten Aussagen nur das Gerücht wiedergeben, dass es auch sicher gegeben hat nach 1915. Aber konkrete Aussagen sind doch eher Mangelware. Was mich letztlich doch überzeugt, ist eben die Verurteilung. Es ist ein wirklich schmerzhafter Verlust, dass diese Akte nicht mehr existiert. Die hätte ich gern gelesen. Sowohl um zu wissen, wer die Anzeige erstattet hat als auch um zu sehen, wie es zu der Verurteilung kam.

Was die Verhütung usw. angeht, stimme ich Dir wieder voll umfänglich zu.

@canales
Zitat von canalescanales schrieb:ich denke es wäre sinnvoll zu einem infragekommenden Vater des kleinen Josef eine kleine Zeittafel zu erstellen:

Geburt: 07.09.1919
Zeugung daher zwischen Dez. 1918 und Januar 1919
Tod V. Schl. 1. Ehefrau von L.S.: 14.07.1918

L.S. gibt an, dass es bereits ca. 2 Wochen nach dem Tode seiner Frau zu einem ersten Geschlechtsverkehr kam.
K. Rieger berichtet dass L.S. (vermutlich) beim Gänserupfen geholfen hat. Martini ist am 10.11. dort wird traditionell Gans gegessen.

Interessant, bereits vor der eigentlichen Zeugung hat V.G. dem Nachbarn Avancen gemacht (laut Aussage L.S.).
Meines Erachtens kommt er daher auch für die Vaterschaft in Frage.
Dazu hatte ich schon in einem früheren Beitrag etwas geschrieben. Den Zeugungszeitraum sehe ich aber etwas anders.
Eine normale Schwangerschaft dauert 260 bis 294 Tage (37 bis 42 Wochen), im Durchschnitt 267 Tage. Vor der 37. Woche bezeichnet man das gemeinhin als Frühgeburt, nach der 42. Woche ist das Kind dann schon deutlich überfällig.
Nach dieser Berechnung liegt der Zeitpunkt der Zeugung zwischen 17. November und 21. Dezember 1918. Bei durchschnittlicher Schwangerschaftsdauer wäre es der 14. Dezember 1918. Januar scheidet daher als Zeugungsmonat sehr wahrscheinlich aus.
Neben Martini kommt im Übrigen auch das Schlachten der Gänse für Weihnachten in Betracht. Fraglich ist noch, wann die Affäre begann. LS gibt zwei Fakten an, die sich widersprechen. Nach dessen eigener Aussage begann die Affäre zwischen ihm und Vik etwa 14 Tage nach dem Tod seiner Frau, den er mit dem 15.10.1918 angibt (ein falsches Datum, denn das war der Geburtstag seiner verstorbenen Frau). Geht man aber davon aus, dass das Datum stimmt und das zugeordnete Ereignis nicht richtig ist, begann die Affäre erst Anfang November. War es umgekehrt, musste die natürlich 3 Monate länger andauern, damit er als Vater in Frage kommt, denn seine Frau war ja bereits Mitte Juli gestorben. Ich geh aber davon aus, dass das letztlich unproblematisch ist. Rechnen konnte der gute Mann dich bestimmt. Wäre er rein rechnerisch schon nicht in Frage gekommen, hätte er sich darauf gestützt und nicht sich damit verteidigt, dass ja auch AG der Vater sein könnte.

Beste Grüße,
G.


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26.11.2010 um 20:22
@pilvax

Ich gehe davon aus, dass Viktoria unmittelbar nach der Inhaftierung ihres Vaters am 13.10.1919 Schl. aufgesucht hat und versucht hat die Blutschande-Angelegenheit zusammen mit der Unterhaltssache zu regeln.

Einige Tage hat sie dazu gebraucht, denn Schl. hat die Anzeige erst am 25.9.1919 vor dem Ermittlungsrichter in Schrobenhausen zurückgenommen.

Interessant ist aber vor allem die Frage, warum Viktoria und ihr Vater die Sache haben so eskalieren lassen, dass sie angezeigt wurden. Sie waren wegen Blutschande einschlägig vorbestraft und da könnte man annehmen, dass sie, wenn sie wissen, dass Josef ein Inzestkind ist, alles getan haben müssten, um denjenigen, der sich bereiterklärt hat den Vater zu machen, bei Laune zu halten ( sprich keine Unterhaltsforderung stellen, großzügig für alle zusätzlichen Auslagen aufkommen usw.) , damit es ja nicht zu einer erneuten Anzeige kommt. Eine einvernehmliche Regelung im Vorfeld wäre absolut nervenschonend und vernünftig gewesen.


Nur eine solche einvernehmliche stille Einigung hat LS verhindert, indem er schon vor der Geburt des Kindes Inzestgerüchte gestreut hat. Das hat er mE aus Wut darüber getan, dass es nicht zur versprochenen Heirat gekommen ist. An einer Geldzahlung ( Erstattung seiner Auslagen /Abfindungssumme) war er nicht in erster Linie interessiert. Als er gemerkt hat, dass Viktoria ihn nicht heiraten wird, hat er das Ehehindernis, nämlich die Blutschande öffentlich angeprangert. Von dem Moment an, war es für eine finanzielle Regelung zu spät, denn Gruber und Viktoria hätten durch eine Geldzahlung für den Unterhalt des Kindes die Gerüchte noch bestätigt.

Sie hätten die Inzest-Gerüchte im Vorfeld ohnehin nur durch eine Heirat beenden können und der Preis war ihnen offenbar zu hoch.

Auch nach der Anzeige konnte Viktoria die Blutschande-Angelegenheit und die Unterhaltssache letzten Endes nur dadurch regeln, dass sie neben dem Geld auch erneut die Ehe versprochen hat.

Schl. hat das selber am 30.3.1931 so ausgesagt:

„Am dritten Tag nach der Geburt kam dann die Viktoria Gabriel zu mir, bot mir an, sie zahle das ganze Geld, was die Vaterschaft ausmacht, wenn ich die Vaterschaft übernehme. Da sie auch dazu setzte, dass wir trotzdem noch heiraten könnten, war ich schließlich damit einverstanden. Sie brachte mir dann auch gleich 2000 M. , damit ich dann bei der Vormundschaft die Abfindung bezahlen konnte.“

Entscheidend ist der Satz: „Da sie dazu setzte, dass wir trotzdem noch heiraten könnten, war ich schließlich damit einverstanden".

Schl. hat dann somit die Vaterschaft anerkannt und die Anzeige zurückgenommen, weil er weiter auf eine Ehe gehofft hat. Viktoria muss ihn von der Ernsthaftigkeit ihrer Absichten überzeugt haben. Umso größer war die Enttäuschung später als sie das Versprechen nicht gehalten hat.

Wäre Schl. nicht so gutgläubig gewesen, hätte er auf Abschluss eines Ehevertrages bestanden und dann erst die von ihm erbetenen Handlungen vorgenommen. Das mag ihm später oft durch den Kopf gegangen sein.


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26.11.2010 um 20:43
Ob es früher üblich war für zu Unrecht erlittene U-Haft Haftentschädigung zu verlangen, kann ich nicht beantworten Meiner Meinung nach war es nicht ungewöhnlich.

Ein Freispruch wegen erwiesener Unschuld hätte möglicherweise auch die Konsequenz gehabt, dass Schl. sich wegen falscher Anschuldigung gemäß § 164 StGB a.F. strafbar gemacht hat. Bei einem Freispruch mangels Beweisen ist die Sache nicht so eindeutig, denn der Nachweis, dass Schl. die Hker wider besseres Wissen wegen Blutschande angezeigt hat dürfte nicht zu führen sein.

"Wer bei einer Behörde eine Anzeige macht, durch welche er Jemand wider besseres Wissen der Begehung einer strafbaren Handlung oder der Verletzung einer Amtspflicht beschuldigt, wird mit Gefängniß nicht unter Einem Monat bestraft; auch kann gegen denselben auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden.
So lange ein in Folge der gemachten Anzeige eingeleitetes Verfahren angängig ist, soll mit dem Verfahren und mit der Entscheidung über die falsche Anschuldigung inne gehalten werden."


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27.11.2010 um 15:11
@AngRa

Hier ein „Fundstück“ aus dem Internet – vielleicht kannst du damit mehr anfangen als ich.

Aus: Die Protokolle des Preußischen Staatsministeriums, Band 9:

„.......Erwähnt sei schließlich noch das wichtige Haftentschädigungsgesetz von 1904, das S. 114f. erwähnt ist.......“


http://www.koeblergerhard.de/ZRG121Internetrezensionen/DieProtokolledespreussischenStaatsministeriums.htm


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Mordfall Hinterkaifeck

27.11.2010 um 23:29
@flaucher

Mir liegt der Gesetzestext des Haftentschädigungsgesetzes von 1904 leider nicht vor.

Soweit mir bekannt wurde dieses Gesetz durch das Strafrechtliche Entschädigungsgesetz ( StEG) abgelöst. Ich gehe davon aus,dass die Frage der Haftentschädigung bei einem "Zweifelsfreispruch" in beiden Gesetzen gleich geregelt war.

Nach den Bestimmungen des Strafrechtlichen Entschädigungsgesetzes war es früher so,dass nicht bei jedem Freispruch ein Anspruch auf Haftentschädigung bestand,sondern nur dann,wenn der Tatverdacht vollkommen entkräftet wurde. Im Falle des "Zweifelfreispruchs" ( Freispruch aus Mangel an Beweisen) ging der Betroffene leer aus.

Zu dieser Regelung gab es später eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Danach war diese Regelung "keine Haftentschädigung bei Zweifelsfreispruch" menschenrechtswidrig wegen Verstoßes gegen Art 6 II EMRK ( Verletzung der Unschuldsvermutung) und wegen Verstoßes gegen Art 6 I EMRK ( Verletzung des Rechts auf ein faires Verfahren).

______________

Zu Grubers Zeiten galt sicher,dass es keine Haftentschädigung bei einem Zweifelsfreispruch gab. Wenn Pielmaier in seinem Bericht darauf hingewiesen hat,dass Gruber keine Haftentschädigung erhalten hat,dann muss er eine solche beantragt haben,die dann aber abgelehnt worden ist.

Da die Frage,ob im Falle eines "Zweifelfreispruchs" ein Anspruch auf Haftentschädigung bestand, gesetzlich eindeutig geregelt war, hätte Gruber sich einen solchen Antrag eigentlich sparen können.


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28.11.2010 um 11:38
@AngRa

Danke für deine Erklärungen.

Dass Viktoria Gabriel erst nach der Verhaftung ihres Vaters, also dem 13. Sept. 1919 wegen Klärung der Angelegenheit, L. Schl. mehrmals aufsuchte ist absolut logisch und so wird es auch gewesen sein.
Da gibt es eine Aussage von J. Sigl: " Die Viktoria Gabriel trug damals Schürzen voller Geld zum Schl. hinunter."

Warum A. Gruber und V. Gabriel gegen die im Vorfeld aufkommenden Gerüchte wegen der Vaterschaft des zu erwartenden Kindes nicht energisch vorgegangen sind, könnte daran gelegen haben, dass Gerüchte mal da und dann mal dort auftauchten. Wirtshausdiskussionen oder Dorftratsch lassen sich halt schwer beweisen.
Außerdem könnte dass Wissen, dass es zu diesen Zeitpunkt keinen Inzest gab, dieses Verhalten von Gruber/Gabriel noch bestärkt haben.
Bei dem ihnen nachgesagtem Geiz ist es ja schon bemerkenswert, dass sie einen Anwalt zwecks Schreiben eines Mahnbriefes an L. Schl. beauftragt haben.

Was war geschehen:

L. Schlittenbauer erhoffte sich die Heirat mit V. Gabriel.
V. Gabriel wurde schwanger. Da sie etwa zum Zeitpunkt der Zeugung mit L. Schl. ein intimes Verhältnis hatte, gab sie diesen als Vater an. Das Ganze ist anhand der vorliegenden Akten nachvollziehbar.
Dass A. Gruber der Zeuger sein sollte, könnte man, wenn man von fortlaufenden Inzest ausgeht zwar vermuten, mehr aber auch nicht. Irgendwelche Hinweise hierfür existieren nicht.
Anfänglich könnte Schl. das zu erwartende Kind als Weg zur Heirat und als Tor zu HK sogar positiv bewertet haben.
Erst als ihm A. Gruber klarmachte, dass Schl. zwar seinen Vaterpflichten in Form von Unterhaltszahlungen nachkommen müsse und eine Heirat nicht in Frage komme, kam es zu dieser gerichtlichen Auseinandersetzung, die für Schl. in einen Fiasko endete.
Von dem Zeitpunkt an, an dem Schl. die Blutschandevorwürfe aus der Hand gegeben hat, war er der getriebene.

Nach diesen existenzbedrohenden Auseinandersetzungen, davon zu sprechen, dass man dann wieder gut zueinander gewesen sei, finde ich unrealistisch, ja geradezu absurd.

pilvax


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29.11.2010 um 09:35
@pilvax ,

wenn wir davon ausgehen, dass die Beziehung von L.S. mit Vic bereits begann bevor sie schwanger war, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass L.S. der Vater des Kindes war. Dass bei fortlaufendem Inzeszt über viele Jahre keine Schwangerschaft erfolgte (zumindest gibt es darüber keine Nachweise) lässt vermuten, dass hier Verhütungsmethoden angewandt wurden.

Meines Erachtens ging es L.S. in erster Linie um die Heirat was natürlich für A.G. einen Verlust seiner Machtposition bedeutet hätte, weshalb er diese Verbindung auch unterband. L.S. reagierte mit der Forcierung der Gerüchte um Inzest bis zur Klage. Er gab dann aber letztendlich seine starke Position auf als er im guten Glauben an die Heirat Vaterschaft anerkannte und die Klage widerrief.

Für ihn war nach der Ablehnung der Klage der "Siedepunkt" erreicht. Dies war vermutlich im Mai 1920. Wäre die Tat im Anschluss daran erfolgt dann würde ich durchaus einen Zusammenhang sehen. Die Tat erfolgte jedoch fast 2 Jahre später. Sollten sich die Resentiments solange gehalten haben, was nicht sehr wahrscheinlich ist, dann müsste man von einer geplanten Tat ausgehen. Dagegen sprechen der Zeitpunkt (an dem Tag als die neue Magd kam) und die Tatwerkzeuge.

Bei der Vernehmung 1931 wusste L.S. um was es dabei ging. Ich denke er wog zum ersten Mal seine Aussagen ab, bezüglich des Verdachts gegen ihn. Dies hatte er im Vorfeld nicht gemacht. Nicht weil er es nicht nötig gehabt hätte, sondern imho weil er damit nichts zu hatte, so deute ich zumindest die Aussagen bezügl. der Reuthaue und der Rückzahlung der Alimente.


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29.11.2010 um 10:55
Vaterschaft / Blutschande / Heirat

StA Pielmaier hat in seinem Bericht folgendes geschrieben:

"Schlittenbauer gibt zudem an, dass er die Viktoria Gabriel habe heiraten wollen, als er von ihrer Schwangerschaft hörte, dass aber deren Vater Andreas Gruber die Heirat verhindert habe."

Man kann also davon ausgehen, dass Schl. die Frau mit der er eine intime Beziehung hatte, heiraten wollte, nachdem sie schwanger geworden ist. So wie es üblich ist. Zumindest anfangs muss er sich der Beziehung sicher gewesen sein und sich für den Vater des ungeborenen Kindes gehalten haben und das konnte er ja nur wenn er anfangs keinen Blutschande-Verdacht hatte.

ME spricht einiges dafür, dass er dann erst Rahmen seiner Heiratsabsichten von Viktoria etwas über den weiterhin bestehenden Inzest erfahren hat.

Viktoria hat ihm womöglich die Wahrheit gesagt, nämlich dass der Vater eine Heirat wegen der Blutschande nicht zulässt. In Schl. Aussage vom März 1931 klingt ja auch an, dass Viktoria ihm erzählt habe, dass ihr Vater sie totschlagen würde, wenn sie von einem anderen Mann ein Kind bekommen würde.

Nach diesem Geständnis sind Schl.dann Zweifel an der Vaterschaft gekommen.

Sie hat vermutlich darauf gehofft, dass Schl. um sie zu schonen ( auch vor ihrem Vater) die Begründung akzeptiert, nicht weiter nachhakt, nach außen hin den Vater macht und auch eine Anzeige unterlässt, denn auch sie wäre erneut und dieses Mal zu einer längeren Freiheitsstrafe verurteilt worden.

In diesem Sinne, also dass Schl. erst später von der Blutschande durch Viktoria erfahren hat, äußert sich auch Sigl im Weltbild-Interview von 1952:

„Wir haben alle gewusst, was er für einen Hass gehabt hat auf den Gruber. Als die Geschichte war mit dem Buben –die Viktoria hat`s ihm selber gesteckt gehabt- da ist er zum Pöll gekommen und hat gesagt: „Jetzt zeig ich den Alten an. Jetzt kommt er mir dran wegen Blutschand, ins Gefängnis muss er. Dem brock ich`s ein, dass er gleich drinnen bleibt.“

Nach außen hin, also den Kriminalern gegenüber, haben die Nachbarn 1922 nach dem Mord allerdings die Sache verkürzt dargestellt. Es wurde nur erwähnt, dass Gruber die Ehe verhindert habe, aber nicht aus welchen Gründen. Die Gründe dürften aber allen bekannt gewesen sein.

Im Strafverfahren von 1920 hat Viktoria dann abgestritten, dass sie Schl. gegenüber den Inzest zugegeben hat, weil sie nicht wollte, dass ihr Vater und sie verurteilt werden.


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30.11.2010 um 09:29
@AngRa
Zitat von AngRaAngRa schrieb:Nach außen hin, also den Kriminalern gegenüber, haben die Nachbarn 1922 nach dem Mord allerdings die Sache verkürzt dargestellt. Es wurde nur erwähnt, dass Gruber die Ehe verhindert habe, aber nicht aus welchen Gründen. Die Gründe dürften aber allen bekannt gewesen sein.
Die Gründe für die Verweigerung der Ehe seiner Tochter mit L.S. nach Geburt des kleinen Josef liegen ja auf der Hand. Was aber waren die Gründe während der Schwangerschaft von Vic?
Hatte die Beziehung zu seiner Tochter einen Punkt erreicht wo überhaupt keine Ehe von Vic mehr möglich war, oder hatte A.G. Angst seine Machtposition zu verlieren?


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Mordfall Hinterkaifeck

30.11.2010 um 13:04
Zitat von canalescanales schrieb:Was aber waren die Gründe während der Schwangerschaft von Vic?
Hatte die Beziehung zu seiner Tochter einen Punkt erreicht wo überhaupt keine Ehe von Vic mehr möglich war, oder hatte A.G. Angst seine Machtposition zu verlieren?
Vielleicht...weder, noch !
A. Gruber mochte den Schl. eben nicht..........." der kommt mir nicht auf den Hof ! "

Gut möglich, dass A. Gruber auf L. Schl. wegen der Sache von 1915 nicht gut zu sprechen war ?

...............so lange war das ja noch nicht her.

pilvax


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30.11.2010 um 13:16
Zitat von pilvaxpilvax schrieb:Gut möglich, dass A. Gruber auf L. Schl. wegen der Sache von 1915 nicht gut zu sprechen war ?
Wenn damit die Anzeige gemeint ist, lege ich ein VETO ein, denn es ist nicht bekannt WER die Blutschande zur Anzeige gebracht hat; LS war in Belgien (WKI) und ob die Anzeige via Feldpost gemacht wurde wage ich zu bezweifeln.

Der Gruber wollte weiterhin die Macht über den Hof und Viktoria, das wäre mit dem Schwiegersohn LS nicht gegangen, denn der teilte ihm ja im Vorfeld schon mit, dass er den Inzest nicht dulden werde und die Viktoria auf den rechten Weg führen werde.....


Oder aber der LS war ihm einfach unsympathisch. wie @pilvax andeutete.


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30.11.2010 um 13:16
@pilvax,

meines Wissens war L.S. zum Zeitpunkt der ersten Klage im Krieg. Man müsste in den Stammrollen mal nachschauen ob er Urlaub hatte als die Klage einging. Aber selbst dann halte ich es für eher unwahrscheinlich dass er die erste Klage gestellt hatte, in der kurzen Zeit des Urlaubs wird er was Anderes zu tun gehabt haben als eine Klage zu beantragen.


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01.12.2010 um 16:48
@Heike

Konnte ein Kontakt zwischen der Magd Rieger und dem Gump nachgewiesen werden?

Die Zahlung der Versicherung nach dem Ausstand spricht für sich. Und das geliehene Geld mit der Magd in Verbindung zu bringen und evtl. eine Erpressung dahinter zu sehen, finde ich nicht uninteressant!


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01.12.2010 um 23:23
@Lu7,
nein, ich konnte bisher noch keine Verbindung finden.
Es gibt eine seeeeehr dünne Andeutung von Anton Gump, das wars dann auch schon.

Der Gedanke, Adolf könnte der Vater sein, war von mir nur "zusammengebastelt". Sollte an der "Leihmutter" Geschichte was dran sein, dann könnte es sich natürlich auch um einen anderen Mann/Vater handeln.
Dann wäre aber immer noch nicht klar, warum Anton zu den Hinterkaifeck Sache sagt "und alles nur wegen dem Kind".

Was mit aber zudem noch zu denken gibt ist folgendes:
Es gab damals viele alleinstehende Frauen, denen man die Kinder "weggenommen" und in Pflegefamilien gegeben hat -> Ok.

Mir will trotzdem nicht in den Kopf, dass sich die Oma Gruber um das Kleinkind Josef kümmerte und die kleine Viktoria nicht "einigermassen" mitversorgt haben soll.
Ein Kind... wohl genährt, umsorgt und gepflegt und das andere Kind lässt man verkommen?! Wenn Vik die Mutter war, dann könnte es von vornherein einkalkuliert gewesen sein, dass das Kind in eine Pflegefamilie kommt.

Die Beichstuhlspende soll ja kurz vor den Morden gefunden worden sein.
Rieger verschwindet von Sep./Okt. 1921, taucht im März 1922 wieder auf und geht am 25.03.1922 nach Adelshausen in Dienst. Also passierte die Beichtstuhlspende kurz vor ihrem Weggang nach Adelshausen...


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02.12.2010 um 14:09
@heike75
Tja, das kann einem schon zu denken geben.

Diesen Ansatz sollte man weiter verfolgen!


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03.12.2010 um 15:36
Mordfall Hinterkaifeck26.11.2010 um 13:55

@canales,
na, da hat Viktoria wohl die altbewährten "Waffen" einer Frau eingesetzt, und dass Sie diese in ausreichendem Masse besass, ist kaum zu bezweifeln.
*****
Bernie

Bernstein,
wer sagt das? Es heißt eigentlich nur, dass die Vic Sängerin im Kirchenchor war. Und irgend jemand sagt, dass sie nicht ganz grauslig ausgesehen hat, aber jemand anderes hat ihr keine Schönheit zugesprochen. Entschuldige meine fehlenden Quellenangaben. Die sind hier in den Forumsabgründen irgendwo nachzulesen. Vielleicht kann @AngRa dazu mehr sagen.
Grautvornix


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Mordfall Hinterkaifeck

03.12.2010 um 19:30
@Lu7,
davon kannst Du ausgehen ;-)


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Mordfall Hinterkaifeck

03.12.2010 um 19:59
@Lu7

Das am 26.3.1921 auf HK geborene Mädchen war eine Tochter der Kreszenz Rieger. Bei der Geburt anwesend war die alt-ehrwürdige Hebamme aus Waidhofen und diese hat bezüglich der Kindsmutter sicherlich keine falschen Angaben gemacht.

@Grautvornix

Du bringst die Aussage von Josef Betz vom 7.4.1922 ins Gespräch. Betz ist von KOI Reingruber in München persönlich vernommen worden. Er wurde dort im Krankenhaus vernommen.

Seine Angaben über die Hker wusste er nur vom Hörensagen und zwar von einem gewissen Peter Weber, den er der Tat verdächtigt hat. Angeblich hat Weber ihm den Vorschlag gemacht, dass man den alten Bauern erschlagen solle und sich das Geld der Hker holen solle, weil dort nur ein Mann und ansonsten zwei Frauen und Kinder auf dem Hof anwesend wären.

Viktoria Gabriel bezeichnet er als eine „gräusliche Person“, rothaarig und eine rechte Hur. Er hat sie aber nicht persönlich gesehen, sondern redet nur nach, was er so gehört hat.
Allgemein hat er nichts Gutes über die Leute aus der Umgebung von HK geredet. Von Bürgermeister Greger hat er erwähnt, dass dieser drei Töchter und einen geisteskranken Sohn habe. Wenn man allerdings nachforscht, dann erfährt man, dass der Sohn von Bgm Greger Kriegsteilnehmer war und zwar von 1916 bis 1918 und bei Kämpfen in den Siebenbürger Grenz-Karpaten eingesetzt worden war.

Ich gehe davon aus, dass die Angaben von Betz nicht zutreffend sind.

Andreas Schwaiger hat Viktoria 1980 als Person zum Verlieben bezeichnet, die schon in jungen Jahren einen Hut hatte. Fast bedauernd fügt er hinzu, dass sie zehn Jahre älter war. Ich gehe nach diesen Äußerungen schon davon aus, dass Viktoria ziemlich gut aussah.


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