@Konifere :
Konifere schrieb:@Dew Und inwiefern sollte einer dieser Punkte irgendjemanden genug interessieren um danach zu suchen oder gar genug Sprengkraft haben, um ein Gemetzel anzurichten?
Also, es wurden und werden schon immer Leute niedergemetzelt, ganze Familien ausgelöscht, wegen absoluten Nichtigkeiten. Leute, die sowas machen denken nicht wie andere Menschen oder befinden sich, warum auch immer, gerade in einer psychischen Ausnahmesituation.
Das stimmt schon, es gibt aber keinen belastbaren Hinweis darauf, dass sich jemand aus dem bekannten Umfeld der Hker in einer solchen Situation befunden hat. Das gilt auch für den L.S., der immer wieder gerne als der Hauptverdächtige gesehen wird.
@Kjansen86 bestätigt hier meinen Eindruck von einer professionellen Warte aus.
Kjansen86 schrieb:Meine Einschätzung von Schlittenbauers Charakter ist natürlich aufgrund der großen Distanz sehr grob. Trotzdem fallen ein paar Dinge auf: (i) das Aufnehmen von Kindern, die ihn auch konsistent als gutmütig beschreiben, (ii) die Rolle als Ortsvorsteher (eher undankbarer Job mit mehr Pflichten als Vergünstigungen), seine Hilfbereitschaft und allgemeines Wahrnehmen als vertrauensvoll. All das ist hochgradig konsistent mit hohen Werten von Verträglichkeit (Wikipedia: Verträglichkeit (Psychologie)), eine der fünf Dimensionen der Persönlichkeit. Das macht ihn untypisch für Gewaltverbrechen, und vor allem extrem untypisch für ein Verbrechen dieser Art.
Von L.S. ist weder vor der Tat noch nachher ein Hang zur Gewalt bekannt. Leute, die ihn nach der Tat beschuldigten, verleumdeten etc. suchte er auch nicht zu Hause auf, um ihnen mit landwirtschaftlichen Geräten seinen Standpunkt einzubläuen oder gab ihnen im Wirtshaus was mit dem Maßkrug auf den Schädel.
Beispiel hier nachzulesen:
https://wiki.hinterkaifeck.net/wiki/Sachverhalte:_S%C3%BChneverfahren_/_Gerichtsverfahren_Schlittenbauer_Lorenz_gegen_Sigl_JakobWieder kommen wir auf einen Nachbarn, den L. S., dessen Verhalten ihn verdächtig und für viele Ermittler und Zeitgenossen zum "Lieblingstatverdächtigen" machte. Es ging mir anfangs genauso, dass der nicht mit einem Schild rumgelaufen ist, auf dem stand: "Ich war´s!" war doch alles.
Je mehr ich mich aber mit dem Fall beschäftigte, desto unwahrscheinlicher wurde er für mich als Hauptverdächtiger. Warum?
Er passt vom Gesamtverhalten nicht dazu.
Der L. S. ist Ortssprecher, also schonmal eine herausragende Person. So einen Job kriegt in einem Dorf entweder der Dümmste ( weil´s sonst keiner machen will ) oder ein Cleverle, ein "Gschaftlhuber", ein gerissenes Bürschchen.
Den Eindruck dumm zu sein, macht er auf mich nicht. Er ist erfolgreicher Landwirt, trotz seines Asthmas und der Tatsache, dass er nicht der stattlichsten einer ist. So einer arbeitet mit dem Kopf, er haut nicht andere Leute auf denselben. Verklagen, intrigieren, das war eher sein Ding.
Gut, bei der HK-Sache hatte er sich verkalkuliert, obwohl er auf dem besten Wege zu sein schien. Sich den Nachbarhof an "Land zu heiraten", das hätte ihm schon gut gepasst. Erst Druck machen und dann die Inzest-Anzeige zurückziehen und sogar die Vaterschaft anerkennen, da hat er sich schon reingehängt um Pluspunkte zu machen. Sich, als es dann nicht klappte ( hatten ihn die HKer da etwa bewusst reingelegt? ), sogar soweit zum Deppen gemacht, dass sein eigener Sohn Kritik übte ( ein in der damaligen Zeit nicht alltäglicher Vorgang, ganz und garnicht! ).
Dass er für Viktoria leidenschaftlich entflammt war, traue ich ihm nicht zu. Als es mit Viktoria nicht klappte, heiratete er kurzentschlossen jemand anders, the Hof must go on, die Nächte waren kalt. Ganz pragmatisch.
Quelle: Ich selbst am 16.06.2008[/quote]
Damals wussten wir noch bedeutend weniger.
Kjansen86 schrieb:Gibt es außerhalb dieser Theorie, denn eine gute Erklärung für die merkwürdige Waffe? Es ist schon seltsam, dass die Waffe (i) vom Täter nicht mitgebracht wurde, (ii) überhaupt ein so merkwürdiges Werkzeug verwendet wird, (iii) die stumpfe Seite zum Einsatz kommt, (iv) der Täter trotz allem mit schlafwandlerischer Sicherheit 4 Erwachsene niederstreckt und (v) die Waffe am Ende im Fehlboden versteckt.
Daran ist nichts seltsam, im Gegenteil.
Wozu was mit sich rumschleppen, wenn passendes Werkzeug am Ort des Geschehens rumsteht? Erschlagen macht kaum Lärm, das wusste schon der alte Schmaderer.
Dass man mit Schanzwerkzeugen auch töten kann, hatten im gerade beendeten I. Weltkrieg sehr viele Leute erfahren, gelernt und getan. Davon ist eine Reuthaue nach Form und Verwendung nicht weit entfernt. Zudem der ländlichen Bevölkerung ohnehin vertraut.
Der Einsatz der stumpfen Seite ergibt sich daraus, dass man die schneller wieder frei hat für den nächsten Schlag. Das scharfe Arbeitsende, also das Blatt oder die Klinge der Reuthaue oder eines ähnlichen Werkzeugs wieder aus einem Schädel herauszuziehen, dauert in jedem Fall länger, kann bei Verkantung sogar sehr schwierig sein.
Das Versteck unter irgendwelchen Brettern des Fehlbodens war ebenfalls eher Allgemeingut, sodass es nahe liegt, dass der Reuthauenmann im Rahmen seiner Suche nach weiteren Bewohnern auf dem Dachboden oder Wertgegenständen diese Bretter damit anhob. Ob er dort Wertgegenstände fand, ist unklar, weitere Bewohner fand er jedenfalls nicht.
Da er seine Waffe demnach nicht mehr brauchte kann sie eher beiläufig dort gelandet sein, egal ob nun die Hker dort vorher etwas versteckt hatten oder nicht.
Nachdem im Dachbodenbereich auch Anzeichen für einen Aufenthalt der Täter gefunden wurden ( Heukuhlen, zu Beobachtungszwecken verschobene
Dachziegel ) wäre die Haue im Bedarfsfall für die Täter auch wieder griffbereit gewesen.
MfG
Dew