Slaterator
Profil anzeigen
Private Nachricht
Link kopieren
Lesezeichen setzen
dabei seit 2015Unterstützer
Profil anzeigen
Private Nachricht
Link kopieren
Lesezeichen setzen
Der Yogtze-Fall
gestern um 19:44Ich persönlich denke absolut nicht, dass hier alle User im Forum über keinerlei fachliche Qualifikation oder Erfahrung in einem bestimmten Bereich verfügen. Das Publikum ist bunt gemischt und selbstverständlich gibt es da auch fachlich kompetente Menschen mit Expertise. Klar, natürlich kennen wir weder die exakten Untersuchungsergebnisse, noch die vollständige Aktenlage. Keine Frage. Allerdings ist es in meinen Augen fahrlässig, deshalb -mehr oder weniger- blind dem Ergebnis zu vertrauen, nur weil der Fall offiziell abgeschlossen wurde. Nochmal, es wurde bis vor kurzem noch behördenseitig und von den Usern hier sicher angenommen, dass Hr. Stoll durch Fremdeinwirkung letal verletzt wurde. Nur weil die neuerlichen Gutachten lediglich nicht mehr ausschließen, dass Hr. Stoll auch durch einen Alleinunfall ohne Fremdeinwirkung ums Leben gekommen sein könnte, ist doch nicht alles bis dahin hier an Möglichkeiten/Szenarien diskutierte zwingend hinfällig.brigittsche schrieb:Was besagen dann Ideen von irgendwelchen Leuten in einem Online-Forum Jahrzehnte später, die Stoll weder gekannt noch untersucht, geschweige denn eine fachliche Qualifikation haben? Gar nichts, also kommt man wieder auf das nichtssagende Argument "Ja, weil er aber doch umgebracht wurde, muss das doch einen realen Hintergrund haben!"
Ich will an dieser Stelle nochmal klar ausdrücken, dass es mir eigentlich völlig egal ist, unter welchen Umständen (Mord/Suizid/Unfall) das Opfer genau zu Tode kam, wenn denn die Umstände dafür präzise aufgeklärt und schlüssig begründet werden können. Das ist hier aber in meinen Augen nicht der Fall. Das lediglich eine zuvor ausgeschlossene Möglichkeit eingeräumt und -warum auch immer- dann plötzlich als wahrscheinlich und fallabschließend angenommen wird, reicht mir persönlich da jetzt in diesem spezifischen und auch recht komplexen Fall einfach nicht aus. Dafür gibt es mMn einfach zu viele Begleitumstände die auch heute nicht ausreichend beleuchtet und erklärt werden konnten.
Weshalb bist du sicher, dass es sich um einen Infarkt gehandelt hat? Wurde der Nachbar obduziert? Ein Infarkt ist meiner Erfahrung nach eine sehr plötzliche, schwere Erkrankung, die sich nicht zwingend zuvor ankündigt. Viele Patienten sind sich vielleicht eines gewissen Risikos bewusst, weil sie z.B. übergewichtig sind, sich sehr viel Stress aussetzen, rauchen usw. Aber das sie mit ihrem Herz deswegen in Behandlung sind, ist mMn für gewöhnlich nicht der Fall. Deshalb hinkt dieser Vergleich für mich.brigittsche schrieb:Nach der Logik müsste mein Nachbar noch leben. Der ist nämlich eines Tages mit einem Herzinfarkt tot umgefallen. Da er aber nie beim Arzt, geschweige denn bei einem Kardiologen war, kann er ja gar nicht krank gewesen sein, war ja schließlich nie beim Arzt.
In dem hier vorliegenden Fall haben wir es nämlich nicht mit einer plötzlichen, unerwarteten Erkrankung zu tun. Ich bin zwar kein Arzt, aber ich kenne es eigentlich nur so, dass solche "Episoden" über einen längeren Zeitraum stattfinden, sich ggf. steigern/intensiver werden und sich der Erkrankte in den Phasen dazwischen auch über seine Erkrankung bewusst wird/ist. Auch sein Umfeld natürlich. Deshalb ist es nicht sehr ungewöhnlich, wenn ein Patient da mal bei seinem Hausarzt vorspricht, vielleicht auch einen Facharzt hinzu zieht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass G.S. eine solche Erkrankung nicht unangenehm gewesen wäre und er und sein Umfeld diese einfach ignoriert hätten.
Fakt ist allerdings, dass es zu seiner Erkrankung offensichtlich keine fachkompetente Feststellung gibt. Lediglich Personen, die mögliche Episoden (bewiesen ist die Erkrankung nicht) nach ihrem persönlichem Empfinden bewertet und geschildert haben. Mehr nicht. Wie zuverlässig Zeugenaussagen oder wahrgenommene Umstände sind, ist hinlänglich bekannt. Da gibt es reichlich Spielraum.
Aber es ist nun einmal Fakt, dass G.S. vier Personen angegeben hat, die nicht seine Freunde sind, abgehauen seien und er sogar noch so verängstigt war, dass er auch von dort weg wollte. Natürlich kann er sich das theoretisch eingebildet haben. Aber praktisch ausschließen, dass möglicherweise vier Personen involviert waren kann man auch nicht. Denn es gibt keinen Beweis das er allein verunfallte und es keinerlei Fremdeinwirkung gab. Es wird lediglich als Möglichkeit eingeräumt. Das ist alles. für mich so nicht ausreichend.brigittsche schrieb:
Ja, genauso wie: "Aber da waren doch die bösen Männer, die hinter ihm her waren, hat er doch gesagt...."Slaterator schrieb:Nur weil etwas oft geschrieben wurde, wird es ja dadurch nicht zur ultimativen Wahrheit.
Ob der Fall als Cold Case jetzt in den letzten Jahrzehnten nennenswerte Kapazitäten gefordert hat wage ich mal vorsichtig zu bezweifeln, weil im Normalfall nur einzelne Ermittler die Akte als "Wiedervorlage" auf den Tisch bekommen, sich 1-2 Tage anschauen und sie dann wieder weglegen, sofern da kein neuer Ansatz gesehen wird. Das ist also eher überschaubar. Aber lästig ist es trotzdem. Wegen der Statistik einerseits und andererseits, weil niemand in der Lage ist, diesen Fall schon seit so langer Zeit mal zu lösen. Das nagt. Von daher ist die neuerliche Initiative für mich auch nicht unerwartet gewesen. Es gab ja schonmal einen Vorstoß, wo man versucht hat, über die noch vorhandenen Asservate DNA zu generieren. Ohne bekanntes Ergebnis. Aber so sehr ich auch begrüßt habe, dass es nun zu einem Abschluss des Falles gekommen ist, so enttäuscht bin ich von dem Ergebnis. Der angenommene Geschehnisablauf erscheint mir einfach zu schwach begründet und mit Indizien/Beweisen untermauert. Nur eine Möglichkeit einzuräumen und diese dann als die Wahrscheinlichste anzunehmen um den Fall zu schließen, ist in meinen Augen hier zumindest nicht ausreichend.ExilHarzer schrieb:Damit ist die Kripo einen lästigen Fall der immer wieder Kapazitäten forderte losgeworden. Alles außer Mord wäre ohnehin verjährt.
Der "heiße Scheiß" war der Fall eher vor Jahren. Bis zu den neuen Gutachten war hier im Thread kaum noch etwas los. Im Prinzip hatte man alles ausdiskutiert und die Fronten "Helfertheorie" und "Kapitalverbrechen" standen sich quasi unversöhnlich gegenüber. Das war ziemlich "durch".brigittsche schrieb:Nur weil das in der True-Crime-Blase der heiße Scheiß ist, heißt das noch lange nicht, dass die Welt da draußen ständig über GS und yogtze nachdenkt und täglich 20mal die Polizei anruft.
Ich sehe hier keine Unterstellung, dass da Gutachter oder Behörden etwas gefälscht hätten. Es wird nur das Ergebnis angezweifelt. Das auch in meinen Augen völlig zurecht.brigittsche schrieb:Insofern sind Andeutungen oder gar Unterstellungen, man hätte da jetzt irgendwas gefakt, nur damit man seine Ruhe hat, doch Blödsinn.
Nein. Das kann man mMn nicht ausschließen. Nicht mit den alten Daten ohne neuerliche Untersuchung des Fahrzeugwracks bzw. dessen Interieurs.Nightrider64 schrieb:Es konnte ausgeschlossen werden, das ausser dem Fahrer noch jemand im Fahrzeug saß, als dieses gegen den Baum knallte mit 70 km/h
Das reicht doch schon um Fremdverschulden auszuschließen,
