Grillage
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Der Mordfall Weimar
um 15:06Ist das jetzt Ironie oder meinst Du das ernst?sören42 schrieb:Bei der "Kugel auf zwei Beinen" dürfte es sich um Kevin P., den Liebhaber ihrer Mutter handeln, deutlich zu erkennen an dem kurzen militärischen Haarschnitt, der sie beeindruckt hat, so dass der Kopf übergroß dargestellt wird.
Was hier als "phallusartig" wahrgenommen wurde, dürfte schlicht die Brille des Kevin P. sein, die aufgrund der Perspektive (Blickwinkel) eigentlich nicht sichtbar wäre, die das Mädchen aber darstellen wollte.
Für mich ist das irgendein Dinosaurier- oder Drachentier mit Vogelbeinen, Rückenkamm und einem Schildkrötenkopf (der meiner Meinung nach auch zu so was Reptiloiden passt). Ich käme nie auf die Idee, da eine menschliche Person drin zu sehen, allein schon wegen dieser Vogelbeine und den fehlenden Armen (das was nach links aus der Kugelschaut, soll meiner Meinung nach ein Schwanz sein, auf dem auch zwei solcher Rückenstacheln sitzen).
Und das mit der Brille musst Du mir noch mal erklären, wo und wie Du die erkennen willst?!
Das die mittlere Figur eine Frau sein soll empfinde ich auch so, allerdings sehe ich keine hochhackige Schuhe, sondern ich sehe in den Strichen an den Füßen eher unterschiedlich viele Zehen. Allrdings hat die Frau (vielleicht!) längere Haare, es läuft da so ein längerer Strich von rechts nach links über den Kopf, das Ende hängt links frei. Ich bin aber nicht mal sicher, ob die linke Figur nicht den gleichen Strich hat, der aber (unbeabsichtigt, denn dass das Kind die Striche nicht allzu präzise kontrillieren konnte ist denke ich an dem Bild eindeutig erkennbar) enger an der Rundung des Schädels verläuft.
Ich finde es auch schwer, anhand des Schwarz-weiß-Bildes zu sagen, dass die beiden menschlichen Figuren düster und dunkel dargestellt sind, weshalb die Stimmung des Bildes "bedrohlich" erscheine (so hat Strate das interpretiert, zu lesen in dem Text unter dem Bild oben in der Abbildung). Die Kleidung könnte auch dunkelrot (und damit vielleicht sogar eher lebendig und fröhlich wirkend), blau oder grün gemalt sein und eben nur durch die schwarz-weiß-Wiedergabe als dunkel gezeichnet wirken.
Und ja ich empfinde es auch so, dass die Figuren erschrocken und zurückweichend aussehen. Aber das ich meine Interpretation der Gesichter, die auf mich durch die großen Augen ohne Pupillen, die weit aufgerissenen Münder (die ebenfalls wie dunkel Löcher wirken) und die hochgezogenen Augenbrauen, sowie der nach links ausweichenden Körperhaltung.
Aber ganz ehrlich: für mich als erwachsene Person wirkt das so und ich vermag nicht zu unterscheiden, was davon von der Zeichnerin beabsichtigte, gewollte Darstellung ist und was dem Unvermögen geschuldet ist, präzise das zu zeichnen, was man wie darstellen möchte. Hinzu kommt auch noch ein seletive Wahrnehmung und ein noch nicht sehr ausgeprägtes Wissen über Anatomie bei Kindern in dem Alter. Keine Ahnung, ob ein Kindergartenkind weiß, dass Augen normalerweise mit Iris und Pupille gezeichnet werden?! Ich kann mir halt vorstellen, dass ein Kind sie zunächst erst mal einfach als runde Kreise oder Punkte darstellt und erst im fortgeschritteneren Alter und mit mehr Zeichenerfahrung dann halt irgendwann mandelförmige Öffnungen mit dunklern Kreisen drin malt.
Ich erinner mich halt, dass ich für den Einschulungstest eine Figur malen musste und der Fehler war, dass ich an eine Hand zu viele Finger gemalt habe. Von einem Kind mit Schulreife wurde offenbar erwartet, dass es solche Eigenschaften schon bewusst beobachten und korrekt wiedergeben kann. Von einem Kind das jünger ist aber eben nicht (wie man hier z.B. an der variierenden Zahl an Zehen an den Füßen der Personen sieht).
Hinzu kommt dann noch, dass Kinder eben den Stift noch nicht kontrollieren können und vor allem wenig vorausschauen in Bezug auf die Bildkomposition vorgehen. Für mich sieht es aus, als habe sie zuerst den Dino gezeichnet, und dann versucht, die Figuren, die Sonne und vor allem zuletzt das Haus noch mit ins Bild einzupassen. Wenn sie dabei an den Füßen angesetzt und diese zu nah am Dino platziert hat, dann musste sie irgendwie das Problem lösen, dass die Figuren noch dahin passen und deshalb kippen sie so nach links weg.
Ich würd der Tatsache, dass die Figuren größer als der Dino sind und das Haus viel kleiner als der Dino keine Bedeutung beimassen.
Ich erinner mich auch, dass ich als Kind eindeutige Lieblingsfarben hatte, die ich für alles immer wieder verwendet habe, obwohl der gezeichnete Gegenstand in der Realität eine ganz andere Farbe hatte. Ich wollte halt, dass die Blume, das Haus und die Hose rot waren, weil ich rot mit Abstand am schönsten Fand. Wer übles denken wollte hätte ja dann auch leicht sagen können, dass die Hose die ich gezeichnet hatte, blutdurchträngt war...
Wir hatten damals Malbücher (mit Motiven von damals populären Zeichentrickserien: Biene Maja, Heidi, Wicki, Sindbad) und mit meiner Cousine hatte ich eine ständige Konkurenz, wer es beim Ausmalen der rel. großen Flächen schafft, am seltensten "über den Strich zu malen". Irgendwie war das immer ein Gekritzel und wir haben es selbst bei den großen, wenig komplexen Flächen nie geschafft, nicht über den Rand zu kritzeln. Insofern geben ich auf die Strichführung in so einer Kinderzeichnung nicht viel.
Ich erinnere mich, dass damals "Dinos" eine zeitlang schwer in waren bei Kindern. Meine Cousins, die etwas älter als ich waren, waren da ziemlich besessen von und hatten lauter Dino-Spielzeugtiere und -spiele. Insofern weiß ich nicht, ob da nicht einfach nur ein reptiloider Fantasie-Dino dargestellt ist und zwei Personen, die sich (vielleicht !) vor dem Dino erschrecken, weil irgendwer ihr irgendwann mal erzählt hat, wie riesig und monsterähnlich Dinos waren.
Also ich finde diese ganzen pseudo-psychologischen Interpretationen dieser Kinderbilder sehr an den Haaren herbeigezogen. Selbst Strate schreibt ja:
Zwar sind die Bilder interpretationswürdig, diese wirken aber auch für einen ungeschulten Betrachter beunruhigend, düster und nicht kindgerecht. DQuelle: https://strate.net/wp-content/uploads/2026/03/LG_Darmstadt_26-03-17_A.pdf, S. 131
Für einen geschulteren Betrachter scheinen sie ja aber wohl weder beunruhigend, noch düster und serh wohl kindgerecht gewirkt zu haben, denn als "geschulte Betrachter" würde ich Kindergärtnerinnen durchaus bezeichnen wollen. Die sehen doch jedes Jahr hunderte Kinderbilder. Und die Kindergärtnerinnen scheinen ja an den Bildern und den Motiven nichts sexuelles, düsteres oder bedrohliches gesehen zu haben, denn sonst wären diese ja sicher nicht im Kindergarten an die Wand gehängt worden, mitten zwischen die fröhliche Winterdekoration aus Tannenbäumen und Schneemännern.
Ich glaube also, dass das kindertypische, kritzelige, ungelenke Zeichnungen sind, auf denen die Zeichnerin irgendwas darstellen wollte, was sie halt gerade durchaus positiv beschäftigt hat.



