dots schrieb:Möglicherweise schildert JS aber auch Dinge die ihm widerfahren sind, als Anekdoten, die er bei ANDEREN Häftlingen als passiver Zeuge miterleben musste. Bizarr.
Ja, bizarr ist es aufjedenfall. Ich wünsche ihm nicht, dass er selber Opfer einer Vergewaltigung wurde. Das wünsche ich niemandem. Aber zugleich ist es in der Tat bizarr, wie er mit dem Thema umgeht. Ich kann mir vorstellen, dass er vielleicht tatsächlich so etwas erlebt hat und er diese Dinge, wie du schilderst, als Anekdoten anderer Häftlinge wiedergibt, um das für sich zu verarbeiten. Das ist ein ganz heikles Thema. Einerseits ist Söring zweifellos ein Täter, nämlich ein Doppelmörder. Andererseits kann er aber dennoch ein Opfer sein. Und gerade bei Opfern sexueller Gewalt ist es ein Balanceakt, wie man in diesem Bereich mit ihnen umgeht. Zweifellos wird das, falls er es selbst erlebt hat, die schlimmste Erfahrung seines Lebens sein und ihn sicherlich traumatisiert haben.
Wenn man davon ausgeht, dass dem so ist, ist seine emotionslose und kalte Schilderung des Geschehens aus der Perspektive eines "Zuschauers" psychologisch nachvollziehbar. Er muss das Geschehene von sich abtrennen, um es ertragen zu können. Gleichzeitig könnte es auch dem Erhalt seines Selbstwert dienen, damit er vor sich selbst seine Achtung erhalten kann. Denn ohne Zweifel haben Opfer sexueller Gewalt nach solchen Taten häufig Schamgefühle und ein Verlust des Selbstwertgefühls. An diesem Punkt möchte ich Söring nichts Böses unterstellen, sollte er vielleicht eigene Erlebnisse auf diese Art schildern.
Hat er jedoch tatsächlich solche Dinge nicht selbst erlebt (was ich ihm wünsche), finde ich es absolut bizarr und auch moralisch verwerflich diese schlimmen Erlebnisse anderer in derartigen Settings zu erzählen. Da wird die absolute Empathielosigkeit Sörings deutlich. Das ist dann wie eine Verhöhnung der Opfer sexuellen Missbrauchs.
So oder so ist der Umstand, wie er über die sexuellen Übergriffe spricht, sehr aufschlussreich und bezeichnend in Bezug auf seinen Umgang mit seiner Tat!
Gehen wir von Fall 1 aus, dass er seine Erlebnisse schildert. In diesem Fall könnte man Söring unterstellen, dass ihn seine Tat auch selbst traumatisiert hat. Er wehrt alles ab, was ihn damit in Verbindung bringt um zum einen seine Selbstachtung zu bewahren und zum anderen - was ganz offensichtlich ist - natürlich auch sein Gesicht in der Öffentlichkeit zu wahren ( mal von der Monetarisierung seiner Tat ganz abgesehen).
Wenn wir vom 2. Fall ausgehen, dass er einfach nur Empathielos ist, erklärt auch das sein Verhalten in der Öffentlichkeit sehr gut.
Vielleicht liegt bei Söring aber auch beides vor: Absolute Empathielosigkeit und dennoch die Doppelrolle Täter und Opfer zu sein....