Tita1992
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Wölfe in Deutschland. Wie seht ihr es, Gefahr oder nicht?
gestern um 01:18Die älteren Tiere sind meistens die, die sich vorsichtiger verhalten, das macht sich vor allem bei Angriffen auf größere Weidetiere bemerkbar, da sind es meistens so Jungspunde, die sich dort "ausprobieren". Wird aus Versehen oder weil man es nicht unterscheiden kann so ein Altwolf geschossen, kann er keine Vorsicht mehr weitergeben und die Struktur des Rudels wird nachhaltig gestört. Es ist zudem ein Irrglaube, dass die Entnahme von Tieren eine Besserung hinsichtlich der Weidetiere bringt - das ist inzwischen durch Studien belegt, Quellen findet ihr hier https://www.lupus-institut.de/Ver%C3%B6ffentlichungen/publikationen.htmlOptimist schrieb am 30.12.2025:wie meinst du das mit dem unerwünschen Effekt?
Wenn z.B. ein Älterer der auf Weiden gejagd hatte, dann fehlt, wäre das ja nicht unerwünscht, wenn er dieses Verhalten nicht mehr an die Jüngeren weitergeben könnte?
Der Wolf hat sich inzwischen in weiten Teilen Deutschlands wieder angesiedelt. Und das ist auch gut so. Aber: Wenn wir weiterhin Weidetiere wollen (und die Alternative dazu ist ja wohl die Billigfleischindustrie mit schöner Massentierhaltung, und die kann doch wohl nicht wirklich jemand ernsthaft wollen), müssen diese geschützt werden. Der Wolf ist anpassungsfähig. Mit jedem Mal, mit dem einem Wolf der Übergriff auf ein Weidetier gelingt, wird er mindestens potentiell gefährlicher. Er wird immer den Weg gehen, der ihm die leichteste Beute verspricht: Großtiere, die wehrhaft sind, werden eher gemieden, und wenn er lernt, dass das Schaf von der Weide so viel leichter zu haben ist, als das Rehwild im Wald, dann steht das Schaf bald ganz oben auf seinem Speiseplan. Die kleinen Zäune helfen ihm dabei, denn er kommt rein, das Schaf aber i.d.R. nicht raus.
Deshalb ist effektiver Schutz so wichtig. Und effektiver als Zäune ist allemal die Kombi aus Zaun und Herdenschutzhund, nur kann das nicht jeder und überall umgesetzt werden.
Auch hier ist es sicherlich so wie überall und immer: Prävention zahlt sich aus und ist besser als Nachsorge. Es braucht keine flächendeckenden unüberwindbaren Zäune im ganzen Land - sondern da, wo aktuell die Weidetiere stehen. Ist ja nicht so, dass wir davon soooo viele hätten, leider.
Alternativ könnte man mal die Nutztierhaltung und den (eigenen?) Fleischkonsum überdenken. Man könnte auch z.B. einen Teil der anfallenden Kosten auf den Fleischpreis umlegen. Dann muss der, der konsumiert, eben auch dafür entsprechend bezahlen. Aber leider leben wir in einer Gesellschaft, wo immer noch BILLIG präferiert wird. Und komm mir jetzt bitte niemand mit "wir brauchen aber Fleisch auf dem Teller", denn 99 von 100 brauchen das nicht (und wären ohne besser bedient, weil gesünder).
Solange in Deutschland ein Kalb nicht mehr wert ist, als ein Meerschweinchen (und oft auch noch weniger), wird sich leider nichts ändern. Der Verbraucher steht hier m.M.n. klar in der Verantwortung. Aber auch die Landwirtschaft. Vielleicht wäre ein Umdenken nötig, weg von hohen Förderungen für z.B. Maisanbau, der dann zu Biogas wird, und hin zu Investitionen in eine artgerechte Tierhaltung.
Aber zurück zum Wolf: Fakt ist, es ist noch immer eine geschützte Tierart, und wir täten gut daran, zu lernen, wie man mit ihm lebt. Solange es also keine besseren Mechanismen zur Abschreckung gibt, als Zaun & Hund, muss man eben schauen, wie man das zusammen kriegt. Es wäre sicherlich schon sehr viel gewonnen, wenn die Zäune, die da sind, fachgerecht gestellt und betrieben würden. Leider sieht man immer wieder das Gegenteil: Mindesthöhe nicht erreicht, kein Strom drauf, ungesicherte Tore, kein Untergrabungsschutz, und die Tiere nachts draußen schutzlos. Dann darf man sich allerdings auch nicht wundern, wenn es zu Vorfällen kommt.
Es gibt verschiedene Überlegungen, wie man für Sicherheit sorgen kann, solange es aber noch keine Alternative zum Zaun gibt, muss man eben in den sauren Apfel beissen.
Wir haben den Planeten nunmal nicht für uns alleine und es steht uns nicht zu, rücksichtslos über alles zu bestimmen. Ohne Artenvielfalt und Naturschutz geht es nicht.



