1.21Gigawatt schrieb:Vor allem bist du in einer heteronormativen Gesellschaft aufgewachsen. Da muss man dann schon genau hinsehen um die ganzen Prägungen in der eignen Wahrnehmung überhaupt festzustellen.
Das gilt für uns alle. Und keiner von uns wird die feinen Verästelungen seiner Prägung bis ins Detail durchschauen und verstehen, es gibt dabei immer wieder neues zu lernen. Und natürlich kann das:
1.21Gigawatt schrieb:Wenn jedoch andere kommen und das Ganze grundsätzlich in Frage stellen
dabei sehr hilfreich sein, war es auch bei mir. Ohne das "Fremde" hätte ich meine eigenen Prägungen so nicht erkennen können. Wir brauchen die Differenz, das Andere um uns selbst erkennen zu können.
1.21Gigawatt schrieb:paxito schrieb:
Eine Kritik an einer nicht-binären Nomenklatur ist nicht notwendig heteronormativ.
Also binäres Geschlechterverständnis überwinden aber binäre Bezeichnungen beibehalten? Warum?
Wer sagt denn, dass die Kritik wieder von einem binären Verständnis ausgeht? Das ist doch an keiner Stelle mein Punkt, zurück zum Alten, das ist die Haltung der Konservativen, Traditionalisten, Rechten, nicht völlig unberechtigt, aber definitiv nicht mein Standpunkt.
1.21Gigawatt schrieb:Mit sich wandelndem Verständnis und Kontext wandelt sich auch stets die Sprache selbst. Ganz normal.
1.21Gigawatt schrieb:Was sich sprachlich durchsetzt wird sich zeigen. Aber dem Prozess seinen Lauf lassen müsste doch drin sein, oder?
Natürlich und jedem sei gestattet für seine Überzeugungen einzutreten und die Sprache so zu nutzen, wie er es für richtig hält. (mir ist übrigens völlig bewusst, dass ich da andauernd die männliche Form verwendet habe)
1.21Gigawatt schrieb:Was soll den eine "künstliche" Sprache sein?
Man überlegt, im besten Fall noch im akademischen Bereich, wie die Sprache wohl zu einem bestimmten Zweck beschaffen sein müsste, dann setzt man diese Sprache. Esperanto ist ein Beispiel dafür.
1.21Gigawatt schrieb:Naja, in aufgeklärten Gesellschaften doch irgendwie schon.
Nach welchen Werten willst du denn deine Werte bewerten? Und wie bewerten wir die Werte mit denen wir die Werte bewerten?
;)Ja, irgendwie schon.
1.21Gigawatt schrieb:Keine Ahnung. Du hast mir ja nur deinen Standpunk zu Klos und einem Ausweisdokument genannt.
Geht in beiden Fällen um eine sprachliche Differenzierung zwischen Geschlechtern. Mein Vorschlag: lasst die sprachliche Differenzierung weg. Wo es nur irgend sinnvoll möglich ist.
1.21Gigawatt schrieb:Du scheinst irgendwie die Befürchtung zu haben, dass durch explizite Abgrenzung nur wieder neue Kategorien entstehen entlang denen dann diskriminiert werden kann, ist auch irgendwie ein einleuchtender Gedanke.
Diskriminieren - abgrenzen, trennen, unterscheiden. Das grundlegende Element der Diskriminierung ist
nicht die Benachteiligung (Stichwort positive Diskriminierung), sondern das wir zwischen Menschen unterscheiden. Ziel jeder emanzipatorischen Entwicklung muss es sein, diese Unterscheidung aufzuheben. Selbst wenn eine utopische Gesellschaft, in der wir den Menschen nur noch als einzigartig erkennen, nicht vollständig möglich sein sollte, muss das doch das Ziel sein an dem wir uns messen.
Also ja: das Produzieren neuer Kategorien, neuer Grenzen, neuer Unterscheidungen ist das Gegenteil von Emanzipation. Es ist Puderzucker, repressive Toleranz, nichts weiter.
1.21Gigawatt schrieb:Aber in der aktuellen Situation geht es in erster Linie um Sichtbarmachung und Repräsentation
Machen wir die Situation mal nicht schlechter, als sie ist. Unsere Kanzlerin ist eine Frau, unser Gesundheitsminister schwul, unser Bundestagspräsident im Rollstuhl - und das Schönste daran, das ist völlig normal. Zumindest für die Meisten. Heißt nicht, das wir schon alles in Sachen Sichtbarmachung und Repräsentation erreicht hätten, aber wir sind da auf keinem schlechten Weg.
Und das ist der Witz bei der Sache, es kommt überhaupt nicht darauf an, dass diese Gruppen alle gesehen werden, sondern im Gegenteil, das man sie nicht mehr sehen
muss. Ich sehe Spahn nicht als Schwulen und Schäuble nicht als Menschen mit Behinderung, zumindest nicht in erster Instanz. Leiden kann ich übrigens beide nicht.
1.21Gigawatt schrieb:denn die Diskriminierung die es bereits gibt funktioniert maßgeblich über die kategorische Verleugnung oder Pathologisierung.
Daran wird sich - leider - so schnell auch nix ändern.