gagitsch schrieb:Mit Verlaub, deine Erklärung habe ich gelesen, ich stimme der aber nicht zu. Warum kann ich gern nochmal kurz darlegen. Du hast dich mit dem Beispiel "Bäcke" eindeutig nur auf die aktuelle Grammatik bezogen. Ich sagen entgegnend, das die Wortursprünge weiter in der Zeit voraus liegen und da gab es die Berufsbezeichnung nicht einmal, sondern lediglich die Beschreibung der Tätigkeit als Verb.
Ich empfinde diese Argumentation weiter als sinnlos. Ja sicher gab es das Verb vorher, wer bestreitet das? Nochmal: es geht um die Frage warum DER Bäcker männlich ist. Nicht um die Frage ob das Verb vor dem Nomen kam, hat ja nie einer gegenteiliges behauptet.
Ich hab dir den Punkt in der Sprache festgemacht: die Veränderung von der/die Bäcke zu der Bäcker. Klar, das ist immer noch vereinfachend und allein dieser Schritt umfasst einige Jahrhunderte. Aber es ist genau der um den es hier geht. Und nicht zufällig überschneidet sich das mit vielen Berufsbezeichnungen die genauso gebildet worden.
Welchen tieferen Sinn hat an der Stelle - wenn es um die Frage geht wo das Genus von Bäcker herkommt - ein noch weiterer Rückgriff auf lateinische oder gar indogermanische Sprachwurzeln? Tut mir Leid, ich erkenne keinen Zusammenhang und sehe da weiter nur Ausflüchte.
gagitsch schrieb:Das die deutsche Sprache dann die Artikel und Fälle erschaffen hat, geschenkt, ist nämlich nur die folge und Entwicklung und Auswirkung der Sprachentwicklung.
Um die Frage ging es auch nie, wann ob und wie in der deutschen Sprache Artikel und Fälle aufgetaucht sind. Es geht weiter um Berufsbezeichnungen, ursprünglich mal Lehrer, am Bäcker lässt es sich aber exemplarisch besser zeigen.
gagitsch schrieb:Und ich wiederhole gern auch, das Bäcker nicht aus Patriarchatsgründen den männlichen Artikel erhalten hat.
Ja, das wiederholst du in einer Tour ohne dafür Gründe zu nennen. Das wirkt bockig.
Wann vollzog sich der Wandel von der / die Becke zu der Bäcker? 14 - 17 Jhd. Was geschieht in dieser Zeit? Das aufkommen der Zünfte. Wer wurde durch die Zünfte vom Beruf ausgeschlossen? Frauen. Rein zufällig wird hier also ein Wort das es ursprünglich in männlich/weiblich gab und einen Beruf bezeichnete zu einem rein männlichen Begriff, erst tatsächlich nur für Männer, dann generisch für alle in dem Beruf (was eben fast ausschließlich oder sogar ausschließlich Männer waren) und diese sprachliche Entwicklung läuft parallel zu einer gesellschaftlichen Entwicklung in der sich genau das abbildet.
Und du willst ernsthaft behaupten das es da keinen Zusammenhang gibt zwischen Gesellschaftsstruktur und Veränderung des Wortes? Und das immer weiter stumpf mit einem "das sehe ich anders"? Fang mal an inhaltlich zu werden und bitte nicht mit ausflüchten man möge auf die indogermanische Wurzel vom backen schauen, das hat mit der Sache nämlich nix zu tun.
Da ich aber gerne bei der Sache bleibe, hier mal was vom lieben Jacob Grimm, 1837:
„Das masculinum scheint das frühere, größere, festere, sprödere, flinkere, das thätige, bewegende, zeugende; das femininum das spätere, kleinere, weichere, stillere, das leidende, empfangende; das neutrum das erzeugte, gewirkte, stoffartige, allgemeine, unentwickelte, kollektive.“
Quelle: Deutsche Grammatik, Band 3
Lies dir das in Ruhe durch. Grimm verbindet hier nicht nur eindeutig grammatisches und biologisches Geschlecht her, er macht das Männliche sogar zum Prototypen. Und: er ordnet dem Männlichen (grammatisch wie biologisch) das Thätigsein zu! Das ist das Resultat der historischen Veränderung die ich vorher skizziert habe, das ist die Sprache in der dann DER Bäcker unangefochten steht. Kein Zusammenhang zum patriarchalen Gesellschaftsstrukturen? Für dich immer noch nicht erkennbar?