Optimist schrieb:Was jedoch viel zu pauschal von ihm ist.
Ich glaube wir müssen nicht darüber streiten ob Grimm hier Recht hat. Mir ging es um den Blick auf den Genus (grammatisch wie biologisch) nachdem sich der Wandel bei den Berufsbezeichnungen vollzogen hatte. Es ist da eben bezeichnend das Grimm alles Thätige ins männliche Geschlecht wirft, wenn doch zu seiner Zeit die Personenbezeichnungen / Berufsbezeichnungen die von einem Verb stammen eben männlich sind. Dieser Zusammenhang ist da mehr als nur ein gefühlter.
Auch die klar positive / negative Besetzung von männlich / weiblich ist frappierend. Aber Grimm war kein Frauenfeind oder Hinterwäldler. Das ist einfach die Sicht dieser Zeit.
gagitsch schrieb:Becke ist falsch, beckeri oder becker ist korrekt, als verb aus dem 12Jhrd, entstanden aus Bahhan 9Jhd und vorher bakk-a Urgermanisch.
Im Althochdeutschen hast du noch Becko (der Bäcker) / Becka (die Bäckerin), dann kam die Nebensilbenabschwächung und daraus wurde "der/die Becke" (frühmitteldeutsch), Beckeri ist eine Neubildung im Spätalthochdeutschen aus der dann im Mitteldeutschen Becker wurde. Wieder alles grob, nicht erschöpfend, aber hau hier doch kein "ist falsch" raus. Die Form "der/die Becke" im Mitteldeutschen ist gut belegt und weitverbreitet, die ganzen Familiennamen auf -beck und -becke belegen das.
Hier mal ein kleiner Exkurs zum Thema:
https://www.sprachlog.de/2014/08/07/vom-beck-und-der-baeckerin/
gagitsch schrieb:Alles bezeichnet das Backen! Nicht die männlich oder weibliche Person.
Das ist hingegen mE einfach falsch, keine Ahnung wie du darauf kommst das Beckeri oder Becker das Backen meinen könnte und nicht die Person die bäckt.
gagitsch schrieb:Jein, denn ich kann es begründen, entgegen dein Aussage ich bringe nichts. Frauen wurde lediglich als Meister und in der Zunftorganisation ausgeschlossen.
Ich nenne dir ein Beispiel. Regensburger Zunftverordnung, 1588 (
https://germanhistorydocs.org/en/from-the-reformations-to-the-thirty-years-war-1500-1648/ordinance-for-the-bakers-of-regensburg-june-17-1588). Dort kannst du nachlesen das die Zunft eine Bruderschaft war. Vermutest du nun auch Frauen in der Bruderschaft?
Anfangst (12Jhd - 14Jhd) findest du noch reine Frauenzünfte (in Frankfurt, Köln), später sind diese verschwunden. Und über genau diesen Zeitraum kommt auf einmal der Gedanke auf, das Frauenarbeit nicht "ehrbar" sei. Sorry aber "nur als Meister ausgeschlossen" haut so nicht hin.
gagitsch schrieb:Aber was passiert dann sprachlich, wenn es vorher keine Zunft oder keine Berufsbezeichnung gibt?
Irrelevant. Als DER BäckER entstand gab es schon eine Berufsbezeichnung und Zünfte. Spielt absolut keine Rolle was da vorher im Protoindogermanischen stattfand um zu klären warum es heute nun ausgerechnet DER BäckER heißt.
gagitsch schrieb:Es wird die Tätigkeit also das backen oder lehren für die Nutzung als Berufsbezeichnung substantiviert. Und mit der Substantivierung wurde dann ein Artikel zugeordnet, aber nicht aus dem Grund, das es keine Frauen als Bäcker gab. Diese Aussage ist unhaltbar.
Nochmal: spielt hier keine Rolle. DER BäckER entstand nicht im luftleeren Raum, es gab so einen Moment des "nun überlegen wir mal wie wir den Beruf der backenden Menschen nennen" ohnehin nie. Du arbeitest dich an einem Strohmann ab und entwirfst ein theoretisches Gebilde um deine Behauptung zu retten das der Berufsbegriff schon immer generisch gewesen sei. Das ist ahistorisch und hat mit der Realität nichts mehr zu tun.
gagitsch schrieb:Und mit der Substantivierung wurde dann ein Artikel zugeordnet, aber nicht aus dem Grund, das es keine Frauen als Bäcker gab.
Nochmal: DER BäckER bezeichnet zunächst NUR Männer die Bäcker waren und wird erst DANACH zum generischen Begriff für alle "Backenden" und das NICHT ZUFÄLLIG in dem Zeitraum wo Frauen aus den Berufen herausgedrängt und marginalisiert wurden. Alles was ich hier schreibe kannst du historisch nachvollziehen und prüfen.
gagitsch schrieb:Das muss man schon sehen wollen anhand einer Aussage die auch das Wort "scheint" inne hat. Und wir reden bei deinem Beispiel von 1837 und somit über eine Zeitpunkt an dem die Sprache bis auf Dialektik schon sehr einheitlich gebildet war.
*Seufz* Bist du sicher das du ernsthaft über das Thema nachdenken willst oder geht es dir nur darum dein persönliches Dogma von neutralen Berufsbegriffen zu retten? Deine Überzeugung das das Genus da "rein zufällig verteilt" wurde und schon immer alle inkludiert gewesen seien? Sorry, aber du haust Sachen raus... da kann man nur mit dem Kopf schütteln. Nimm dir doch wenigstens mal ein paar Minuten um dich in das Thema einzulesen, in dem du "isso" Sätze raushauen willst und anderen vorhältst ihre Aussagen seien falsch.