gagitsch schrieb:Ich versuche ja zu erklären, ist mr klar, dass ich wohl die manchmal unpassende Beschreibung für den ein oder andere nutze, das vor dem Nomen erstmal das Verb, als das getane entstand. es wurde gebacken bevor sich daraus ein Beruf bildete, es wurde gelaufen bevor ein Sportler/Sport daraus entstand.
Das kann man so nicht sagen, sorry. Sobald du ein Verb hattest, hattest du auch "jemanden der das tut". Ja nicht als Beruf, nicht als Sportart o.ä.; aber als Personenbezeichnung.
gagitsch schrieb:Ja, aber nicht als Beruf oder Personenbezeichnung.
Doch als Personenbezeichnung. Das dürftest du sogar bis in früheste Sprachgeschichte finde. Der, der die Steine haut. Der, der das Wasser trägt. Und aus diesen Personenbezeichnungen (der der bäckt ist der Bäcker) entstanden dann Begriffe für Berufe, Sportler und Langschläfer. Zumindest ein guter Teil.
gagitsch schrieb:Ich weiß zwar was du meinst, aber ich meine konkret Berufe, somit Handeln und Geldgewinnung...
Du spinnerst immer noch mit der Idee rum, dass es ein Verb backen gab und man daraus dann den Beruf "der Bäcker" machte. Das ist aber einfach historisch falsch. Wenn du fragst wann da wirklich eine "Berufsidee" aufkam, dann vermutlich beim becceri. Dort wurde eine -arius - aria Endung einfach mal an ein Urgermanisches Wort rangehängt. Zeitraum irgendwo ums 8 Jahrhundert rum. -arius - aria bezeichnet im lateinischen jemanden der etwas bestimmtes tut oder von einem bestimmten Ort stammt (glaube ich mich zu entsinnen). Jedenfalls ist es dort als Berufsbezeichnung gemeint. Und beachte: es war da es pseudolateinisiert war von Anfang an geschlechtsspezifisch. Es gab von Anfang an eine Bezeichnung für Männer die Bäcker sind und Frauen die Bäckerinnen sind. Es gab nie ein neutrales Berufswort das alle bezeichnete. Das wäre auch sehr, sehr, sehr untypisch.
gagitsch schrieb:Das Artikel aber nicht zum Geschlecht des Ausführenden passt oder passen muss, darum geht es mir.
Das ist und bleibt eine Eigenheit der deutschen Sprache die sich meistens - nicht immer - historisch erklären lässt.
Das man aus dem Beck (auch Becko, Becka, Becke, Becksche und was es nicht alles für Varianten gaben) ein Pseudolateinisches Wort gemacht hat "Beckario, Beckaria" (und auch dort Myrriadenvarianten), das dann verkürzte auch Beckar, das dann nur für Männer verwendet hat, weil es genau in die Zeit der Zünfte fiel, deshalb nur die männliche Variante "der Beckar" übrigblieb, das dann generisch wurde für alle die dem Beruf nachgehen "der Bäcker" und man schlussendlich weils dann plötzlich doch wieder Frauen in dem Beruf gab mit der guten, alten -in Endung verweiblichte (die Bäckerin) - das ist am Ende alles ein sprachlicher Treppenwitz der Geschichte.
Jedenfalls hat "der Bäcker" (und mit ihm eben viele Berufsbegriffe die ähnlich gebildet werden) eine Erklärung warum, weshalb, wieso es nun ausgerechnet DER Bäcker ist. Das geht so tief, das man heute einfach alle verben, substantiviert mit -er Endung zu einer Personenbezeichnung durchweg den männlichen Artikel zuordnet. Aus der oben erzählten Geschichte ist im Deutschen eine feste Regel geworden.
Und nochmal, darum geht es hier Thread ja eigentlich: das kann und darf man hinterfragen, kritisieren und überlegen ob es so gerecht ist und was es für Alternativen gibt. Wenn sich Antiwokeness Fraktionen über sowas wie Partizipien Bildung aufregen um damit Personen zu bezeichnen, sollten sie mal auf die Ursprünge der eigenen Wörter schauen. "Der Bäcker" meint nix anderes als "Der Backende"
gagitsch schrieb:Ich will suggerieren und ggf darüber hinaus, das der grammatikalisch männlich Bäcker, durch den Artikel und die Endung -er grammatikalisch männlich ist, aber Das Nomen aus einem sachlichen/geschlechtsneutraler Ursprung (das backen)entstanden ist
Das ist und bleibt ahistorisch und falsch. Ich hab dir die Ursprünge nun groß und breit erklärt. Das die -er Endung vom schon immer geschlechtsspezifischen -arius / -aria abstammen aus dem Lateinischen (sogar dort, wo der Wortstamm überhaupt nicht lateinischen Ursprungs ist). Es gab bis ins römische Reich zurück keinen Begriff für "Backende" der nicht biologisch - geschlechtsspezifisch gewesen wäre, wo das grammatische Geschlecht nicht mit dem biologischen übereinstimmte. PUNKT. Hak diesen Unfug endlich ab.
gagitsch schrieb:aber Das Nomen aus einem sachlichen/geschlechtsneutraler Ursprung (das backen)entstanden ist, und "-er" und "der" rein gar nicht mit der Person oder dessen Geschlecht zu tun haben kann
Hat es aber. All deiner Weigerung zum Trotz ist die -er Endung hier eben eine am Ende verstümmelte Variante die geschlechtssensitiv war. Nochmal: es gab nie einen ursprünglichen "der/die/das Bäcker" der einfach zufällig einen Artikel bekommen hat und alle meinte. Es gab ursprünglich geschlechtsspezifische Varianten, so wie das heute bei uns Bäcker/Bäckerin erledigen. Es gab aber schon bei den Römern ein generisches Maskulinum. Wenn du 99 Bäckerinnen und 1 einen Bäcker hattest, waren das trotzdem die Bäcker und nicht die Bäckerinnen.
gagitsch schrieb:Das sagte ich und belegte ich bereits. Das Frauen später keine Bäckermeisterinnen und Zünftemitgleider sein durften hat da mit dem Beruf und dem Begriff nicht zu tun, denn als die Zünften sich entwickelten gab es den Beruf schon über Dekaden....
Mit der Entwicklung vom Begriff "Bäcker" hat das durchaus eine Menge zu tun, der entwickelte sich in seiner Form genau in dieser Zeit. Das man auf eine "Bäckera" verzichten konnte und die ursprünglich lateinisch anmutende Endung auf -ar/-er zusammenschrupfte ist eben nicht rein zufällig.
gagitsch schrieb:Ich muss nachfragen, denn die alten Römer und Griechen hatten nachweisloch überwiegend Frauen als Backende, wieso du davon ausgehst, dann Bäcker männlich waren. Redest du vom rrammatikalsichen oder realen Geschlecht?
Das fällt da ursprünglich nicht auseinander. Ist doch das was ich dir immer und immer wieder schrieb. ERST gab es Bäcker als Begriff für den backenden Mann, DANACH wurde daraus ein generischer Begriff für alle die den Beruf ausübten. Und das eben in einer Zeit wo Frauen aus diesem Beruf gedrängt wurden oder nur noch Hilfstätigkeiten verrichteten (die Bäckersmagd). Wäre das anders gelaufen oder zu anderer Zeit entstanden, dann hätten wir heute evt. eine Bäcksche oder Backmutter als allgemeinen Berufsbegriff. Haben wir aber nicht.