Rerun schrieb:Und ja, ich habe eine Abneigung gegen Frauen, die immer und überall betonen, dass sie eine Frau sind, so als wäre das ihre wesentliche Qualifikation. Es sexualisiert, spaltet die Geschlechter und schafft gerade keine Gleichberechtigung. Ich wende mich gegen dieses Geschlechtsbetonung also ein bestimmtes Verhalten und nicht gegen Frauen an sich, was Voraussetzung für Misogynie wäre.
Ob Frauen immer und überall betonen, dass sei eine Frau sind, ist zu trennen von der Frage, wie sie sich bezeichnen. Ich halte es für sehr nachvollziehbar, dass eine Frau sagt: "Ich bin Ärztin/Lehrerin/Facharbeiterin" wie auch "Ich bin Mutter von drei Kindern". Und es ist in meinen Augen selbstverständlich zu sagen: "Sie ist Ärztin/Lehrerin/Facharbeiterin" oder "Mutter". Und wenn sie sich als "Vorständin" bezeichnet, darf sie das, ohne als doof angesehen zu werden. Nur ist es dann nicht selbstverständlich zu sagen "Sie ist Vorständin". Darauf gibt es auch keinen Anspruch (wie auch nicht auf die Nennung des "Doktor" vor dem Namen - das ist reine traditionelle Höflichkeit).
Ich würde halt sagen: "Sie ist im Vorstand des xy-Vereins".
Davon zu trennen sind die Sammelbezeichnungen bzw. zwingenden Doppelnennungen in weiblicher und männlicher Form. Und alle sonstigen Verrenkungen, die begangen werden, damit die Sprache ordentlich "gegendert", aber nicht mehr gut verständlich ist und mehr Fehler passieren, weil die Genderei mehr Aufmerksamkeit frisst denn der Inhalt. Sprache wird aufgebläht, der Informationsgehalt bleibt gleich, denn dass das BGB von 1898 auch für alle weiblichen Bürger(-innen) gilt, ist auch ohne gegenderten Gesetzestext klar.
Und ich halte es auch für eine große Illusion, dadurch werde tatsächlich etwas im Bewusstsein verändert. Das mag ja noch teileweise für die 50/60/70er Jahre zutreffen, als bestimmte Berufsgruppen (Professoren/Politiker usw.) fast ausschließlich eine männliche Domäne waren. Aber seitdem wir 16 Jahre eine Bundeskanzlerin hatten, wird den Frauen jetzt auch alles, aber wirklich auch alles, zugetraut.
Hohles Phrasendreschen - nichts anderes ist die Genderei - nervt nur und bewirkt quasi nichts. Und missachtet wird:
rainlove schrieb:Sprache dient der Verständigung und missgendern ist Neuzeit Erfindung mMn
Nun, die Neuzeit gibt es schon seit 1492 und sie ist noch nicht vorbei. Diese "Erfindung" wird in einigen Jahren oder spätestens Jahrzehnten wieder auf ein gesundes Mittelmaß zusammen schrumpfen. Es geht nicht anders, da ist keine Legitimation vorhanden. Ich denke, der "Peak" ist schon überschritten. Denn viele Menschen, die mit den Belangen der Frauen, ihrem Kampf um Emanzipation und Gleichstellung sympathisieren, denen gehen die ganzen Pflichtübungen "Lehrerinnen und Lehrer/Fußgehende und Radfahrende/Vorständinnen und Vorstehende usw." ziemlich auf den Senkel.
Die gesellschaftlichen Änderungen sind anderswo. Bei der AfD z.B. Oder Trump. Und das lässt sich nicht mit Sprache aufhalten, sondern mit einem gerechten Sozialstaat, mit Empathie statt Technokratie und mit einer weiblicheren (=unmännlicheren) Politik, die den Kapitalismus nicht als etwas Gottgebenes oder gar zu Förderndes hinnimmt.