Gendern zur Pflicht machen?
um 10:25Ein interessanter Gesichtspunkt. Leider kein guter, wenn wir uns die Politik ansehen. Dort herrscht statt des früheren Typus des Honoratioren, der nach beruflichem Erfolg in die Politik ging, "um was für das Gemeinwohl zu machen", immer mehr der Berufspolitiker vor, der mit 16 aus einem Akademikerhaushalt kommend in eine Jugendorganisation eintritt, mit 18 nebenher im Bürgerbüro arbeitet und unendlich Sitzfleisch für jede Parteiversammlung mitbringt, 16 Stunden täglich für Partei und Politik, mit 28 nach mühsam abgeschlossenem Politikstudium dann Wiss. Mit. eines MdB wird und ihn fünf Jahre später beerbt. Die Leute sind es dann schon - wie Influencer - gewohnt, in schwarzen Limousinen durch die Gegend kutschiert zu werden, irgendwie extrem wichtig zu sein und gut "Show" machen zu können.zaeld schrieb:Dem würde ich widersprechen. Wie ich schon anmerkte, verhalten sich Männer und Frauen grösstenteils recht ähnlich, nämlich dass sie gar kein Verhalten aufweisen, wie man es in der Politik findet, diese ganz grob 98%und 99%, die sich politisch überhaupt nicht engagieren und noch nicht einmal in irgendeiner Partei Mitglied sind. Oder anders gesagt, die allermeisten Männer und Frauen sind sich so ähnlich, dass sie sich politisch nicht engagieren.
Umgekehrt würde ich zumindest nicht widersprechen und halt es für möglich oder sogar wahrscheinlich: Um in der Politik erfolgreich zu sein, braucht man ein bestimmtes Verhalten oder Charakter. Dieser Charakter tritt bei männlichen Personen häufiger auf als bei weiblichen. Das war es dann aber auch, dieser Charakter ist nicht "typisch männlich", die meisten der Männer haben diesen Charakter gar nicht.
Das Volk lässt sich beeindrucken und wählt diese Vertreter, bei denen der Idealismus schnell zu Opportunismus transformiert - und die als berufliche Perspektive eben nur die Politik oder die Tätigkeit bei einem Lobbyisten haben.
Nur am Rand sei bemerkt, dass Menschen mit Durchschnittseinkommen, Migranten, Arbeiter und kleine Angestellte, Arme, Arbeitslose, Überschuldete, Rentner, Alleinerziehende, Schwerbehinderte usw. (weit über 25% der Gesellschaft) im politischen Betrieb absolut unterrepräsentiert sind. Sie können in diesem Betrieb schlicht nicht bestehen.
Was auch immer diese Qualifikation ist. Sollen lauter Juristen, BWLer, VWLer und Finanzwirte im Bundestag sitzen? Oder die gerade von mir skizzierten Berufspolitiker, die den politischen Prozess am besten kennen? Oder Dichter und Denker (Habeck lässt grüßen)? Oder Sozialarbeiter, Erzieher, Pflegekräfte und Betreuer?zaeld schrieb:Naja, bei politischen Ämtern und Funktionen spielt die Qualifikation keine wirkliche Rolle.
Deshalb ist der immer gerne verwendete Satz "Die Quotenfrauen sind halt nicht genug dafür qualifiziert." nicht wirklich durchschlagend. Und zwischen der Persönlichkeit und der Qualifikation der Ministerinnen Reiche und Warken liegen Welten, obwohl beide Frauen sind.
Ein wichtiger Punkt. Der erste Satz stand bereits 1949 im Grundgesetz. Der entscheidende zweite Satz dazu wurde erst am 15. November 1994 ergänzt:Tussinelda schrieb:Männerdiskriminierung?
Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.Quelle: https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_3.html
Aus heutiger Sicht machte das Staatsgebot, die "tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung" zu fördern und "auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinzuwirken" erst Quoten möglich. Die Bevorzugung von Frauen - und damit die verfassungsrechtlich zulässige Benachteiligung von Männern zur Erreichung dieses Ziels.
Das war ein "Booster" für viele Entwicklungen v.a. seit 1998.
Zulässig ist die "Männerdiskriminierung" aber eben auch nur, soweit Nachteile beseitigt und die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung gefördert werden muss. In einigen Bereichen kommen wir meiner Ansicht nach an die Grenze, wenn z.B. an einem Oberlandesgericht schon seit zig Jahren mehr Frauen als Männer tätig sind, Präsidentin und Vizepräsidentin Frauen sind sowie die Vorsitzenden der Senate überwiegend von Frauen besetzt sind. Hat da das Institut einer Gleichstellungsbeauftragten (die nur von Frauen gewählt wird) noch ihre Berechtigung?
Andererseits frage ich mich, ob sich überhaupt bestehende Nachteile beseitigen lassen, so lange es nur Frauen sind, die den Nachteil (oder das Glück) haben, schwanger zu werden und Kinder gebären zu können. Und der Status "alleinerziehend" neben Arbeitslosigkeit und schwerer Krankheit das Armutsrisiko Nr. 1 sind?
Wenn ich mir die letzte "Reform" der Grundsicherung (ehm. "Hartz IV" und "Bürgergeld") ansehe, werden die Privilegien der Reichen nicht angetastet und die Nachteilsbeseitigung allein auf ein Geschlecht begrenzt. Unser Blick für Gerechtigkeit verengt sich extrem auf die Geschlechterfrage und macht uns ziemlich blind für alle anderen Formen der Diskriminierung.




