azazeel schrieb:Ich brauche zum Verständnis mal ein Beispiel für eine Diskriminierung durch Gleichbehandlung.
Einfach ist es, wenn die Steuern für alle gleich wären: 1000 Euro im Monat, egal wie viel Du verdienst. Wenn also ungleiche Sachverhalte (Einkommen) gleich behandelt werden würden.
Bei den Geschlechtern ist es schwieriger. Ich hielte es für eine Diskriminierung, wenn man getrennte Umkleiden in Bädern verbieten würde (wobei da schon die Frage ist, ob wir es bei getrennten Umkleiden und WCs mit einer Ungleichbehandlung zu tun haben). Oder den Mutterschutz abschaffen (jeder Arbeitnehmer ist gleich).
zaeld schrieb:Die Männer werden diskriminiert.
Das hatten wir die letzten Seiten sehr ausführlich. Kurz: Die Quote diskriminiert nicht Männer, sonst wäre sie rechtlich nicht zulässig. Sie ist aber zulässig, dutzende Gerichtsentscheidungen haben das unter Beachtung von Artikel 3 Absatz 2 Satz 2 Grundgesetz bestätigt (fett von mir):
Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
Quelle:
https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_3.htmlDiese Pflicht des Staates kann nur verwirklicht werden, wenn Frauen in besonderer Weise gefördert werden. Frauen können nur dann signifikant gefördert werden, wenn Männer zugleich benachteiligt und ihrer Privilegien beraubt werden. Der Kuchen ist so wie er ist. Die Anzahl attraktiver Jobs ist nun mal beschränkt. Die Quote ist ein Mittel, das auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinwirkt. Im Gegensatz zu so mancher Mär ist dafür immer die entsprechende Qualifikation erforderlich. Und bei einer Überrepräsentation von Frauen verliert die Quote ihre Berechtigung.
Das ist herrschende Rechtsprechung und Lehre. Und Praxis in vielen anderen Ländern außerhalb Deutschlands.
zaeld schrieb:Manche Politiker besonders von "progressiven" Parteien sprechen aber davon - und verstehen das selbstverständlich auch so - dass das Grundgesetz die Gleichstellung fordert. Da das aber etwas völlig anderes ist, wird das Grundgesetz und dessen Intention anders interpretiert.
Sorry, das liegt nicht an ein paar "progressiven Politikern", sondern am Grundgesetz. Es ist Dir unbenommen, dem Grundgesetz alles mögliche andere zu entnehmen. Fakt ist, dass Dir von den maßgeblichen Institutionen nicht gefolgt wird. Fakt ist auch, das es den bislang Privilegierten nicht so gefällt, wenn ihnen Privilegien genommen werden.
Deshalb gibt es nicht so progressive Parteien, deren Abgeordnete zu 90% aus Männern bestehen (alte, weiße, dicke Männer), die Angst um ihre Pfründe haben und Gleichstellung hassen wie die Pest. Ist menschlich, aber halt nicht vernünftig.