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Suizid(-versuche): Eure Meinung?

6.996 Beiträge, Schlüsselwörter: Selbstmord, Suizid, Freitod

Suizid(-versuche): Eure Meinung?

16.06.2019 um 13:40
@Oceansize Ich bin ja Befürworter der Sterbehilfe, aber mir fällt es bei solchen Beiträgen immer etwas schwer, den Schreiber nicht doch noch davon abzuhalten, weil ich immer denke, dass es irgendwo doch noch Hoffnung gibt - und solange es die minimale Chance gibt, dass sich etwas ändert, sollte man wenigstens versuchen, weiterzumachen. Bei dir scheinen aber alle Möglichkeiten erschöpft und Hoffnung auf baldige Heilung oder Linderung der Beschwerden scheint es nicht zu geben. Aufgrund dessen kann ich dich nachvollziehen. So würde ich auch nicht mein Leben verbringen wollen.
Sterbehilfe ist in Deutschland meines Wissens nach komplett illegal und ich vermute, dass die Ärzte - wenn sie deine Situation/dein Vorhaben für ernst einschätzen - dich wohl in die nächste Klinik stecken werden.
Fälle wie deiner sind ein Grund, wieso ich Sterbehilfe unterstütze. Ich finde es barbarisch, Menschen zum Leben zu zwingen, wenn ihr ganzes Dasein doch nur eine Qual ist. Und dann wird man mehr oder weniger dazu gedrängt, auf bestimmte Suizidmethoden zurückzugreifen, weil alles andere so ziemlich illegal ist. Absolut grauenhaft.

Könntest du dich vielleicht an die Medien wenden und deine Geschichte erzählen? Wobei man auch dann Schritte gehen wird, die dich womöglich von deinem Vorhaben abhalten werden. Aber über solche Fälle wird viel zu wenig gesprochen mMn bzw. das Thema wird nicht oft genug behandelt (und durch Stillschweigen ändert sich nichts).
Ich hab auch von Leuten gehört, die extra in die Schweiz gereist sind, um dort friedlich zu sterben, aber über die genauen Möglichleiten diesbezüglich für deutsche Staatsbürger hab ich mich nie informiert. Scheint meines aktuellen Wissenstandes nach eine Option zu sein.


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16.06.2019 um 13:41
Oceansize schrieb:Was meint ihr genau zu dieser Angelegenheit? Wie würdet ihr an meiner Stelle vorgehen?
Das muss sehr schwer sein, tut mir leid.

Ich kann dir nicht wirklich sagen, wie ich da vorgehen würde, weil ich keine Vorstellung davon habe, was du mitmachen musst.
Jedoch finde ich, ist es immer das Beste, wenn man sich mit solchen Gedanken an jemanden wendet, den man vertraut. Schon alleine weil das Sprechen darüber helfen kann.

Du warst auch sicher schon bei sehr vielen Ärzten, aber vielleicht gibt es ja doch noch Hoffnung, dass genau der richtige Arzt noch kommt. Vielleicht findest Du doch noch den einen richtigen Spezialisten, der, wenn nicht heilen kann, Dir aber evtl "genug" helfen kann, dass Du mit dieser Krankheit auch umgehen kannst.


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16.06.2019 um 13:50
Oceansize schrieb:Was meint ihr genau zu dieser Angelegenheit? Wie würdet ihr an meiner Stelle vorgehen?
Wichtig ist nicht, was andere machen würden, sondern, was du machen würdest.
Es ist auch deine Entscheidung.
In Deutschland will das Gesetz zwar mitreden, was eine Unterstützung anbelangt, aber Selbstmord(versuche) sind nicht strafbar, jedoch würdest du tatsächlich gegen deinen Willen in eine Klinik gehen, wenn andere davon hören würden.


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16.06.2019 um 13:59
sunshinelight schrieb:Jap, man sucht sich seine Schicksalsschläge halt in nem Katalog aus. Wer kennt das nicht?
Wer sagt denn sowas?

Erzähle doch einmal, wie du es schaffst mit sehr schweren Situationen umzugehen?
Vielleicht hilft das anderen, die vielleicht deinee Einstellung teilen, dass man selbst nichts ändern kann.
sunshinelight schrieb:“Du kannst es ändern“ ist der absolut falscheste Satz, den es gibt.
Oder bist du der Meinung, man sollte das nur nicht sagen?

Ich bin schon der Meinung, dass man mit einer positiven Einstellung Vieles besser überwinden kann.


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16.06.2019 um 14:08
@Applesauce

Genau das ist ebenfalls meine Befürchtung: ich habe ja bereits angedeutet, dass es sich bei mir um neurologische Symptome handelt, d.h. rein äußerlich betrachtet sehe ich wahrscheinlich recht gesund aus. Man wird daher alles auf die Psycho-Ebene schieben und mir meinen Wunsch nicht gestatten. Und die schlimmste Vorstellung ist für mich die, dass ich nicht mehr in der Lage bin, mein Leben selbst zu beenden, wenn man mich nämlich in einer Anstalt an ein Bett fesselt oder Ähnliches... Das ist ja gerade der größte Trost: das Wissen, dass ich es jederzeit beenden kann, wenn die Qual wirklich zu groß wird.

Ich sehe es auch genau so wie du: für mich ist die Idee eines selbstbestimmten Todes die höchste Form der Freiheit. Ich bin auch schon seit vielen, vielen Jahren ein Befürworter von Sterbehilfe, hätte mir aber niemals erträumen lassen, dass ich selbst einmal darauf angewiesen bin. Das Problem ist immer folgendes: Außenstehende können keine wirklichen Aussagen über den Zustand eines Menschen treffen, gerade wenn es um Dinge wie Schmerzen, Leid und Qual geht. Man ist immer geneigt, zu sagen: "Ist doch gar nicht so schlimm!". Und genau deswegen würde ich mich auch nicht an die Medien wenden: man hätte da einen jungen Mann vor sich, der sich noch zusammenhängend ausdrücken kann, weshalb man ihn und seinen Sterbewunsch dann wohl nicht ernst nimmt. Außerdem würde das eine enorme Energie erfordern, die ich im Moment nicht aufbringen kann. Für mich ist jeder Tag eine Qual, und ich bin froh, wenn er überstanden ist.

@Areela

Tatsächlich habe ich in zwei Wochen einen Termin bei einem weltweiten Spezialisten für meine Form von Erkrankung. Ich warte bereits seit vielen Monaten auf den Termin, muss eine lange Anreise in Kauf nehmen und werde den vierstelligen Betrag für die Untersuchung auch selbst bezahlen müssen. Aber dieser Arzt ist sozusagen mein letzter Strohhalm.

@sunshinelight

Manchmal denke ich auch: "Okay, dann steckt mich halt in eine Klinik und pumpt mich mit Medikamenten voll". Vielleicht ginge es mir ja dann besser als jetzt... In meinen positiven Momenten denke ich auch an die weisen Worte von David Foster Wallace: "kein Zustand ist so schlimm, dass er nicht zumindest eine Sekunde lang ertragen werden kann. Und wenn jede Sekunde für sich allein ertragen werden kann, dann kann auch die Summe all dieser Sekunden ertragen werden."


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16.06.2019 um 14:24
Oceansize schrieb:Tatsächlich habe ich in zwei Wochen einen Termin bei einem weltweiten Spezialisten für meine Form von Erkrankung. Ich warte bereits seit vielen Monaten auf den Termin, muss eine lange Anreise in Kauf nehmen und werde den vierstelligen Betrag für die Untersuchung auch selbst bezahlen müssen. Aber dieser Arzt ist sozusagen mein letzter Strohhalm.
Ich drücke dir da ganz fest die Daumen!


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16.06.2019 um 14:45
Areela schrieb:Wer sagt denn sowas?
Du. Jeder ist für sein Glück verantwortlich und wer Pech hat, ist selber schuld. Das ist die Aussage von “Du bist verantwortlich für dein Glück“, “Für das, was ist“ und “Nur du kannst es ändern“.
Areela schrieb:Erzähle doch einmal, wie du es schaffst mit sehr schweren Situationen umzugehen?
Spielt keine Rolle. Ich würde DWT nie sagen, wie ich damit umgehe, da es nicht von Bedeutung ist. Denn ich bin nicht er. Und nicht dasselbe Problem. Wir haben nicht dieselben Voraussetzungen. Und schon gar nicht kann ich sagen, dass nur er es ändern kann.
Ich kann ihm nur sagen, dass ich für ihn hoffe, dass es besser wird und es nicht so weit kommt, Suizid tatsächlich als letzten Ausweg zu sehen.
Areela schrieb:Oder bist du der Meinung, man sollte das nur nicht sagen?

Ich bin schon der Meinung, dass man mit einer positiven Einstellung Vieles besser überwinden kann.
Eine positive Einstellung verschwindet nicht grundlos, nicht so mir nichts, dir nichts. Sie verschwindet, wenn man permanent gemerkt hat, fuck, dass alles schief läuft, warum trifft es immer mich, warum kann nicht mal was Gutes sein? Warum immer Scheiße, warum geht es mir scheiße und wieso kann ich es nicht ändern? Ich mach doch alles.
Man ist verzweifelt, wendet sich an andere.
“Nur du kannst es ändern“.
Brilliant.
Man hat es mehrere Jahre lang versucht, bis man am Ende ist, den Sinn nicht mehr sieht, gemerkt hat, man kann es nicht ändern, aber ja, der Satz ist wirklich die Offenbarung. Auf die ist man Jahre zuvor nicht gekommen, man hat nicht versucht, sie jahrelang umzusetzen, man braucht dann eine ausgebildete Pflegerin oder gerade jemanden, den man sich anvertrauen möchte, der einem sagt, auf was der Blöde akute Typ niemals kommen würde und dachte, dass das die Lösung wäre.
Oceansize schrieb:Manchmal denke ich auch: "Okay, dann steckt mich halt in eine Klinik und pumpt mich mit Medikamenten voll". Vielleicht ginge es mir ja dann besser als jetzt
Vielleicht. Aber ist das dann wirklich das Wahre? Das Leben schlechthin? Die Pflege fährt abends vergnügt nach Hause, geht ins Kino und du liegst zugedröhnt im Bett und bist nicht vergnügt im Kino? Ist das Leben?
Oceansize schrieb:kein Zustand ist so schlimm, dass er nicht zumindest eine Sekunde lang ertragen werden kann. Und wenn jede Sekunde für sich allein ertragen werden kann, dann kann auch die Summe all dieser Sekunden ertragen werden."
Bedeutet, wenn ich eine Sekunde Folter ertrage, ertrage ich das auch mehrere Jahre?
Ich kenne diesen David nicht, aber das klingt nicht sehr weise.


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16.06.2019 um 14:51
@sunshinelight
Vielleicht. Aber ist das dann wirklich das Wahre? Das Leben schlechthin? Die Pflege fährt abends vergnügt nach Hause, geht ins Kino und du liegst zugedröhnt im Bett und bist nicht vergnügt im Kino? Ist das Leben?
Nein, natürlich ist es nicht das Wahre. Aus diesen Gedankenspielen ergeben sich eher grundlegende philosophische Fragen, zum Beispiel die, ob jede Form von "Am-Leben-sein" dem Tod vorzuziehen ist. Ich persönlich würde auch mit "nein" antworten, aber bei diesen endgültigen Dingen sollte man von seinem Handeln wirklich zu 100% überzeugt sein.
Bedeutet, wenn ich eine Sekunde Folter ertrage, ertrage ich das auch mehrere Jahre?
Ich kenne diesen David nicht, aber das klingt nicht sehr weise.
Ja, genau das bedeutet es. David Foster Wallace war ein Schriftsteller, der mit seinem Roman "Infinite Jest" Literaturgeschichte geschrieben hat. Nahezu allen seinen Figuren ist gemein, dass sie leiden und irgendwie versuchen, diesen Zustand zu ertragen. Das oben genannte Zitat wird im Laufe des Romans wie ein Mantra immer wieder vorgetragen... Es ist sehr ironisch, dass Wallace sich später das Leben nahm.


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16.06.2019 um 14:55
Oceansize schrieb:aber bei diesen endgültigen Dingen sollte man von seinem Handeln wirklich zu 100% überzeugt sein.
Richtig, du musst es wollen. Zu hundert Prozent. Solange Zweifel bestehen, ist auch etwas Glaube da. Solange kann man noch festhalten.
Oceansize schrieb:Es ist sehr ironisch, dass Wallace sich später das Leben nahm.
Ich sagte ja, nicht sehr weise...


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16.06.2019 um 15:19
sunshinelight schrieb:Jeder ist für sein Glück verantwortlich und wer Pech hat, ist selber schuld.
Das habe ich nicht geschrieben.
Ich schrieb:
Areela schrieb:Auch ich bin der Meinung, dass man zum Großteil selbst für sein Glück verantwortlich ist. Meine Erfahrung zeigte mir, dass die eigene Einstellung sehr wohl helfen kann sehr schlimme Zeiten besser zu überstehen. Aber das ist meine Erfahrung, du hast wohl eine andere Erfahrung gemacht.


Bitte beachte das Fettgedruckte. Zum Großteil ist man nun für sich selbst verantwortlich.
Wenn man ein Problem hat, wird ihn sehr wahrscheinlich niemand für einen lösen können. Das muss man (leider) selbst angehen oder sich Unterstützung holen. Aber auch diese Unterstützung muss man sich meistens holen und auch annehmen. Die sitzt nicht sehr wahrscheinlich nicht auf dem Sofa neben einem und wartet. Das meine ich mit selbst verantwortlich.
Man sollte sich auch aktiv auf irgendeine Art beteiligen, wenn man etwas lösen oder klären möchte/muss.
Vielleicht verstehst du jetzt was ich damit ausdrücken möchte.
sunshinelight schrieb:Spielt keine Rolle. Ich würde DWT nie sagen, wie ich damit umgehe, da es nicht von Bedeutung ist. Denn ich bin nicht er. Und nicht dasselbe Problem. Wir haben nicht dieselben Voraussetzungen. Und schon gar nicht kann ich sagen, dass nur er es ändern kann.
Ich kann ihm nur sagen, dass ich für ihn hoffe, dass es besser wird und es nicht so weit kommt, Suizid tatsächlich als letzten Ausweg zu sehen.
Weißt du, das mag für dich funktionieren und für dich eine angemessene Reaktion sein. Mir hätte persönlich deine Aussage "Boah, blöd. Hoffe du schaffst es irgendwie" nichts gegeben oder gebracht.
Mir half es z.B. sehr mit anderen über meine Probleme zu sprechen. Nicht weil sie zu 100% das gleiche erlebt haben oder wie ich sind, sondern weil es gut tun kann, wenn man merkt, dass man mit diesen ganzen Problemen nicht alleine ist. Es gibt Menschen, die haben viel Schlimmes überwunden und können einem Hoffnung geben, dass es vielleicht doch eines Tages besser wird. Manche haben Tipps wie man mit bestimmten Situationen besser umgegangen werden kann. Genau das hat Cicada (und andere) versucht.
sunshinelight schrieb:Eine positive Einstellung verschwindet nicht grundlos, nicht so mir nichts, dir nichts. Sie verschwindet, wenn man permanent gemerkt hat, fuck, dass alles schief läuft, warum trifft es immer mich, warum kann nicht mal was Gutes sein? Warum immer Scheiße, warum geht es mir scheiße und wieso kann ich es nicht ändern? Ich mach doch alles...
Ich verstehe ganz genau was du meinst. Es gibt manchmal diese kurzen knappen Antworten "ach was, ist doch nicht so schlimm" oder "das wird schon". Wenn du da in dem tiefen Loch sitzt, kann das sein wie ein zusätzlicher Tritt ins Gesicht....

Aber ebenso kann es mit der Einstellung in die andere Richtung gehen. Man kann lernen irgendwie bei kleinen Dingen positiver zu denken und das nach und nach zu steigern.

Welche Aussagen von anderen helfen dir am meisten? Hilft es dir, wenn du mit anderen Erfahrungen austauschen kannst? Oder hilft es dir einfach mal zu schimpfen und dich "auszukotzen"?


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16.06.2019 um 16:01
Areela schrieb:Bitte beachte das Fettgedruckte. Zum Großteil ist man nun für sich selbst verantwortlich.
Meine Verantwortung ist über Jahre lang erfüllt.
Ich habe nicht nur rumgesessen.
Areela schrieb:oder sich Unterstützung holen.
Auch passiert. Was war die Unterstützung?

Nur du kannst es ändern. Klasse, super Unterstützung.
Areela schrieb:Aber auch diese Unterstützung muss man sich meistens holen und auch annehmen.
Ich war der Unterstützung weit voraus.
Ihren Ratschlag habe ich erledigt, da hat sie noch auf dem Sofa gesessen.
Areela schrieb:Man sollte sich auch aktiv auf irgendeine Art beteiligen, wenn man etwas lösen oder klären möchte/muss.
Vielleicht verstehst du jetzt was ich damit ausdrücken möchte.
Das versteh ich schon die ganze Zeit.
Aber ich sagte ja bereits:
sunshinelight schrieb:Es ist immer diese Frage, die bestehen bleibt: was glauben die Menschen, denen man seine Probleme erzählt, was man selbst immer gemacht hat? Nichts? So als würde man alles einfach zulassen und es geschehen lassen, nicht mal andere Strategien auszutüfteln, um mal andere Ergebnisse zu erzielen. Neue Hoffnung schöpfen, noch mal Vollgas geben, noch mal starten?
Auch dir bin ich weit voraus. Du zeigst genau das Verhalten, was ich anprangere.
Du gehst davon aus, man chillt und wartet.
Areela schrieb:Weißt du, das mag für dich funktionieren und für dich eine angemessene Reaktion sein. Mir hätte persönlich deine Aussage "Boah, blöd. Hoffe du schaffst es irgendwie" nichts gegeben oder gebracht.
Du hast offenbar nicht viele Suizidale kennengelernt. Suizidale, die gerade eh alles schwarz sehen, geben nichts auf deine Geschichten. Die sind nicht empfänglich.
Nicht umsonst werden sie in Geschlossene untergebracht, wo sichergestellt wird, dass sie nicht durchziehen.
Passiert sogar inmitten von Kliniken. Da sind dann Stationswechsel angesagt.
Aber hey, man könnte den Pflegern auch mal vorschlagen, dass sie sich das sparen können, man muss nur sagen, dass es nur an ihnen liegt, schon haben sie wieder Hoffnung.
Areela schrieb:Aber ebenso kann es mit der Einstellung in die andere Richtung gehen. Man kann lernen irgendwie bei kleinen Dingen positiver zu denken und das nach und nach zu steigern.
Es gab einen Grund, weshalb das Positive dem Negativen wich, also braucht das Negative nen Grund, dem Positven zu weichen.
Wie erlangt man wieder positvere Einstellungen? Richtig, wenn mal wieder positive Dinge passieren.
Areela schrieb:Welche Aussagen von anderen helfen dir am meisten? Hilft es dir, wenn du mit anderen Erfahrungen austauschen kannst? Oder hilft es dir einfach mal zu schimpfen und dich "auszukotzen"?
Nichts dergleichen.


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16.06.2019 um 17:06
sunshinelight schrieb:Ich habe nicht nur rumgesessen.
Meine Aussage betraf nicht speziell dich und das was du getan hast.

Ich hab auch schon sehr viel getan und sehr viel an mir gearbeitet und tue es nach den Jahren noch immer. Und auch in der Zukunft werde ich noch viel an mir arbeiten müssen.
Trotz allem leide ich noch an vielen Dingen, aber ich schaffte es über Jahre endlich damit besser leben zu können. Ich schaffte es, meine Einstellung in vielen Dingen zu ändern. Ich ganz alleine. Das konnte niemand für mich tun. Ich hatte Unterstützung, auch mit Medikamenten, aber es ist ein langer Weg, den ich alleine gehen muss.
Und ich erwarte nicht mehr völlig und zu 100% glücklich zu sein. Manche Tage sind es nur 5%, aber damit kann ich inzwischen umgehen. Die Narben sind da, ich lerne nur damit besser zu leben.
sunshinelight schrieb:Nur du kannst es ändern. Klasse, super Unterstützung.
Gab es in den Kliniken nur die eine doofe Pflegerin mit dem einen Spruch? Keine sonstige Unterstützung?
sunshinelight schrieb:Auch dir bin ich weit voraus. Du zeigst genau das Verhalten, was ich anprangere.
Was für ein Verhalten? Dass ich behaupte, man kann es schaffen? Dass ich grob meine Geschichte erzählte um eventuell jemandem die Hoffnung zu geben, dass es wieder werden kann? Müsste ich ausführlicher darstellen was ich schon durch habe, damit meine Aussagen mehr Wert haben?
Keine Hoffnung zu haben ist das, was viele umbringt. Warum also nicht versuchen Hoffnung zu geben?

Also statt zu erzählen, dass alles nur scheiße ist, sag doch was besser hilft?
sunshinelight schrieb:Du hast offenbar nicht viele Suizidale kennengelernt. Suizidale, die gerade eh alles schwarz sehen, geben nichts auf deine Geschichten. Die sind nicht empfänglich.
Wieviele muss man denn kennen um deiner Meinung nach mitreden zu dürfen?
Oder wieviele Jahre mit einem zusammengelebt haben?
Wie oft muss man selbst daran gedacht haben, nicht mehr leben zu wollen, damit die eigene Erfahrung zählt? Oder was muss man deiner Meinung nach erlebt haben?
Ich weiß was es heißt nur schwarz zu sehen. In einem tiefen Nebel zu sitzen, keine Luft mehr zu bekommen, keine klaren Gedanken mehr fassen zu können. Alles "Normale" ist ein riesiger Kraftakt. Das Zittern und das Herzklopfen wenn man doch raus muss. Der Druck in der Brust, der einfach nicht mehr weggeht. Die ewige Müdigkeit. Es gab Zeiten, da konnte ich tagelang nicht mal richtig Essen noch Trinken, weil ich vor lauter Weinen und Aufregung alles auskotzte. Der Kopf voll mit tausend Gedanken, die man einfach nicht abschalten kann. Dann die körperlichen Schmerzen. Ich knirschte nachts meine Zähne kaputt. Extreme Kopfschmerzen. War alle zwei Wochen erkältet oder krank. Ohrenpfeifen, sah oft verschwommen... Ach und noch so viel mehr.
Ich schreibe hier nicht mit, weil ich "nur mal von sowas gehört habe".
sunshinelight schrieb:Es gab einen Grund, weshalb das Positive dem Negativen wich, also braucht das Negative nen Grund, dem Positven zu weichen.
Wie erlangt man wieder positvere Einstellungen? Richtig, wenn mal wieder positive Dinge passieren.
Das stimmt. Wer kann am besten dafür sorgen, dass einem wieder positive Dinge passieren?
sunshinelight schrieb:sunshinelight schrieb:
Es ist immer diese Frage, die bestehen bleibt: was glauben die Menschen, denen man seine Probleme erzählt, was man selbst immer gemacht hat? Nichts? So als würde man alles einfach zulassen und es geschehen lassen, nicht mal andere Strategien auszutüfteln, um mal andere Ergebnisse zu erzielen. Neue Hoffnung schöpfen, noch mal Vollgas geben, noch mal starten?
Man meint in der Situation oft, man hätte schon alles versucht. Man versucht alles was man kennt, aber was ist mit den Dingen die man evtl nicht kennt? Vielleicht hat man das Richtige nur im falschen Moment versucht. Was ist, wenn die Ergebnisse und Fortschritte einfach länger brauchen? Was ist, wenn man "einfach" ein paar Jahre länger braucht, um ein Thema halbwegs aufzuarbeiten? Wenn man keine Hoffnung hat, dann fehlt die Kraft durchzuhalten.


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Suizid(-versuche): Eure Meinung?

16.06.2019 um 19:09
Areela schrieb:Meine Aussage betraf nicht speziell dich und das was du getan hast.
Stattdessen wird so ein Satz pauschal rausgehauen, ohne groß darüber nachzudenken.
Halt etwas, was man schnell mal erzählen kann.
Areela schrieb:Ich hab auch schon sehr viel getan und sehr viel an mir gearbeitet und tue es nach den Jahren noch immer. Und auch in der Zukunft werde ich noch viel an mir arbeiten müssen.
Trotz allem leide ich noch an vielen Dingen, aber ich schaffte es über Jahre endlich damit besser leben zu können. Ich schaffte es, meine Einstellung in vielen Dingen zu ändern. Ich ganz alleine. Das konnte niemand für mich tun.
Glaubst du im Ernst, dass jemand erwartet, dass jemand anders etwas für einen tut?
Oder warum hat dieser Satz so eine Faszination, dass man das immer verwenden muss?
Es geht auch nicht mal um die Arbeit an irgendwas oder auch an sich. Die meisten sind nicht mal verkehrt oder so, sie haben einfach unglaubliches Pech gehabt und das fortlaufend. Es ist nicht mal der Wille, nicht mal der Fleiß, sondern das Glück. Oder Möglichkeiten.
Oder manche finden es einfach nicht fair, zu beten, dass das durchhalten funktioniert.
Manche haben einfach keinen Bock mehr, dass sich nichts ändert, egal, was man selbst auch verändert und finden es scheiße, in der Vergangenheit schon Einschnitte gehabt zu haben, in der Gegenwart und dann auch noch in der Zukunft?
Dein Satz steht bei demjenigen einer ganzen Lebenserfahrung gegenüber. Nicht deiner, sondern seiner.
Areela schrieb:Und ich erwarte nicht mehr völlig und zu 100% glücklich zu sein. Manche Tage sind es nur 5%, aber damit kann ich inzwischen umgehen. Die Narben sind da, ich lerne nur damit besser zu leben.
Das ist also das Ergebnis von “Nur DU kannst es ändern“. Im Endeffekt änderst du nur deine Erwartung und Hoffnung, doch noch das Leben zu finden. Das ist bestimmt ein bemerkenswertes Ziel. Für dich vielleicht genug, für andere nicht.
Areela schrieb:Gab es in den Kliniken nur die eine doofe Pflegerin mit dem einen Spruch? Keine sonstige Unterstützung?
Ich sag dir, was es gab. Es gab Pfleger mit zu vielen betreuenden Patienten, für die sie dann eh keine Zeit haben, weil Bürokratie darf ja nicht schlafen und dann die Relativierung der Probleme der Patienten. So als hätten wir die gleichen Probleme wie sie, nur als würden wir ein wenig überdramatisieren.
Areela schrieb:Was für ein Verhalten?
Dass du so tust, als würde man nichts tun.
Areela schrieb:Wieviele muss man denn kennen um deiner Meinung nach mitreden zu dürfen?
Hab ich dir verboten, mitzureden? Wo denn?
Areela schrieb:Ich weiß was es heißt nur schwarz zu sehen. In einem tiefen Nebel zu sitzen, keine Luft mehr zu bekommen, keine klaren Gedanken mehr fassen zu können. Alles "Normale" ist ein riesiger Kraftakt. Das Zittern und das Herzklopfen wenn man doch raus muss. Der Druck in der Brust, der einfach nicht mehr weggeht. Die ewige Müdigkeit. Es gab Zeiten, da konnte ich tagelang nicht mal richtig Essen noch Trinken, weil ich vor lauter Weinen und Aufregung alles auskotzte. Der Kopf voll mit tausend Gedanken, die man einfach nicht abschalten kann. Dann die körperlichen Schmerzen. Ich knirschte nachts meine Zähne kaputt. Extreme Kopfschmerzen. War alle zwei Wochen erkältet oder krank. Ohrenpfeifen, sah oft verschwommen... Ach und noch so viel mehr.
Ich schreibe hier nicht mit, weil ich "nur mal von sowas gehört habe".
Und deswegen weißt du, dass jemand anderes es schaffen kann? Diese Passage heißt alles oder nichts, sie macht halt nicht klar, was dein Problem ist, wo es herrührt und welche Methoden es gibt, es zu behandeln und in wie weit das vergleichbar ist mit den Dingen anderer. Ich könnte dir immer noch nicht vollen Gewissens sagen, hey Areela, schaffst du.
Ich könnte noch nicht mal mich mit dir vergleichen, wenn das jetzt so wahnsinnig von mir gewollt wäre. Du genauso wenig. Wie könntest du mir also Hoffnung geben? Oder Tipps?
Wie du siehst, hab ich selber für mich Tipps, ich brauche niemanden, der mir sagt, hey sunshinelight, wenn du Probleme hast, mach was. Auf diesen Gedanken bin ich während eines Geistesblitzes selber mal gekommen. Man verliert den Glauben nicht, weil man keine Richtung kennt, sondern jede schon gegangen ist und kein Weg mehr übrig ist.
Areela schrieb:Das stimmt. Wer kann am besten dafür sorgen, dass einem wieder positive Dinge passieren?
Genau davon rede ich ja. Du hast weder Schicksalsschläge (Pech) in der Hand, noch das Pendant (Glück). Du kannst nicht entscheiden, hach, heute passiert mir was Positives.

Wer positiver eingestellt ist, dem passiert auch Positives. Bullshit. Hätte als sorgloser kleiner Junge niemals gedacht, dass mir was Schlechtes passiert. Dazu noch die eigenen Eltern.
Wenn der Satz stimmen würde, würde so vielen Menschen aus heiterem Himmel nicht plötzlich die gesamte Welt einstürzen.

Als wäre jeder, der suizidal ist, nur aufgrund einer Einstellung am Ende. Also so selbst Schuld, weißt du? “Alles nur in deinem Kopf“, du bist die Matrix. Es gibt keinen Löffel.
Areela schrieb:Man meint in der Situation oft, man hätte schon alles versucht.
Wenn dem so wäre, könnte man mir was aufzeigen, statt das zu brabbeln, was ich auf meiner To-Do-Liste schon abgehakt habe. Mehrmals.


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16.06.2019 um 22:34
@sunshinelight
Du willst mit Deinen Aussagen zwar den Eindruck vermitteln, schon alles gesehen, erlebt, probiert und verstanden zu haben.
Aber gerade den einen wichtigen und tatsächlich entscheidenden Satz "nur Du kannst etwas ändern" hast Du ganz offensichtlich nicht verstanden.

Du entscheidest, welchen Einfluss Dinge/ Menschen/ Erfahrungen/ auf Dich haben, wie Du damit umgehst, welchen Raum und welche Macht Du ihnen gibst.

Ich versuche es jetzt mal mit einem Beispiel: Meine Mutter ist früh an Krebs verstorben, sie gerade mal 40, ich gerade mal 10. Mein Vater hatte nach wenigen Monaten (die Kondolenzkarten waren noch nicht mal verräumt) bereits eine neue Partnerin am Start die bei uns einzog. Da mein Vater die gesamte Verwandtschaft meiner Mutter um Geld betrogen hatte, deren Loyalität zu unserer Familie mit dem Tod meiner Mutter beendet war, verlor ich von einem Tag auf den anderen nicht nur meine Mutter, sondern auch gleich noch den Rest der Großfamilie.
Ist jetzt sicher nicht die Knaller-Geschichte zu traumatischen Erfahrungen, mich hat sie jedoch geprägt.
Meinen ersten Suizidversuch wollte ich kurz nach dem Tod meiner Mutter, also mit 10, durchführen. Ich fand aber keines der sicherlich wirksamen "Krebs-Medikamente" und was ich fand war nicht hilfreich.
Danach hielten mich die Liebe zu meiner Schwester und mein Verantwortungsgefühl ihr gegenüber (sie war zwar 6 Jahre älter, aber ich fühlte mich dennoch für sie verantwortlich) am Leben. Meinem Vater (war immer ein Papa-Kind) lief ich erfolglos hinterher, immer wieder entschied er sich gegen mich und für seine neue Frau.

Das dümpelte so über die Jahre dahin, ich entwickelte Strategien um dieses Leben - überwiegend auf mich allein gestellt - irgenwie zu meistern.

Passiert ist noch vieles: eine gescheiterte Ehe nebst Abbruch einer aussichtsreichen beruflichen Karriere - der postiven beruflichen Entwicklung meines damaligen Mannes zuliebe - dem (mir natürlich nur rücklickend erkennbaren) beharren auf bisherigen Strategien, dem kompletten Versagen aller bisher angewandten Möglichkeiten.

Da haben mich dann erstmal meine Schwester und ihr Mann gerettet. Haben mir die Möglichkeit eröffnet aus dieser Ehe raus zu können, mich neu zu orientieren.

Hat auch geklappt. Aber dann machte ich mit den mir vertrauten Strategien weiter. War ja alles, was ich als bewährt kannte.

Funktionierte nur nicht mehr. Denn ich, mein Leben, mein Umfeld hatte sich geändert.

Ich hielt an bewährten Methoden fest, irgendwann war ich festgefahren, sah keinen Ausweg mehr. Ich hatte alles mir mögliche versucht, um etwas zu ändern, habe gekämpft, mich bewährt und das alles nur, um irgendwann zu merken: ich kann nicht mehr. Ich habe Angst, ich bin kraftlos und leer.
Was folgte war ein sog. "Bilanzsuizid"-Versuch. Ich hatte ein Resümee gezogen und beschlossen, das ist es mir nicht wert. Ich sehe nicht, wie sich das jemals ändern könnte, jemals gut werden könnte.
Mein Versuch ist gescheitert, die sich daraus ergebenden Folgen versetzten mich in Panik. Ich war hilf- und ratlos, eine Freundin kam - alarmiert von Dritten - vorbei und verschaffte sich mit einem Ersatzschlüssel Zutritt zu meiner Wohnung und mich dann in die Psychiatrie.

Dieser grobe/ unvollständige Abriss meines Lebens soll nur dazu dienen, verständlich zu machen, dass ich weiß wovon ich rede.

Denn nach meiner Erfahrung läuft es auf den von Dir so "verhassten" Satz: "Nur Du kannst das ändern" hinaus.

Nur ich bewerte meine Erfahrungen, gebe ihnen einen Stellenwert und damit Einfluss.
Nur ich gebe anderen Menschen Macht über mich und deren Einfluss auf mich.
Nur ich bestimme, was, wen und wie ich jemanden oder etwas an mich heranlasse.

Damit kann ich keine gegen mich gerichtete Gewalt (physich oder psychisch) verhindern, aber ich habe Einfluss darauf, was diese Gewalt im weiteren bewirkt.

Als Beispiel: Ich war ein Papa-Kind. Sein Verrat an mir hat mich zutiefst verletzt, sich nachhaltig auf mich, mein Selbstbild ausgewirkt, ich war der Überzeugung nicht liebenswert (im Wortsinn) zu sein.
Erst durch therapeutische Arbeit und der Auseinandersetzung war es mir möglich zu erkennen, dass mein Vater aufgrund seiner eigenen Geschichte eben so gehandelt hat, wie es ihm möglich war. Er konnte es nicht besser, war selbst verlassen und irgendwie verloren.
Das entschuldigt nichts! Das befreit ihn nicht davon, dass er Fehler mit für mich fatalen Folgen gemacht hat.
Mir gibt es aber einen neuen Blickwinkel. Mit dieser neuen Sicht auf ihn, kann ich ihm vergeben und muss bei mir keine Schuld suchen, denn ich habe nichts falsch gemacht.
Das befreit mich und eröffnet mir neue Möglichkeiten. Und deshalb stimmt für mich dieser Satz: Nur Du kannst etwas ändern.


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16.06.2019 um 22:34
@sunshinelight

Hier haben sich Menschen geäußert, die selbst viel erlebt haben, auch mit Selbstmordgedanken und - versuchen, aber die halt auch wissen, dass es besser werden kann und das eben mitteilen möchten.

Jeder möchte ein lebenswertes Leben. Jeder hat Träume und Wünsche, oder Dinge die einem wichtig sind. Jeder hat die eine oder andere Krise. Viele Menschen müssen viel Leid ertragen und möchten nur, dass dieses Leid aufhört, egal wie.
Wenn ich schreibe, jeder ist zum Großteil selbst für sein Glück verantwortlich, heißt es für mich nicht, dass jegliches Leid verschwindet. Dass man selber Schuld ist, wenn etwas Schlimmes passiert oder dass man nur hart genug arbeiten muss, damit "alles wieder gut wird".
In meinen Augen ist das nicht realistisch. Realistisch ist es, dass manche Narben nicht verschwinden. Manche Dinge tun einem ein Leben lang weh. Aber, man kann versuchen das Bestmöglichste aus seinem Leben zu machen, mit den vorhandenen Möglichkeiten. Man kann versuchen aus den Erlebnissen zu wachsen oder sie einfach nur besser zu ertragen und ja, meiner Erfahrung nach *kann* es besser werden.

Ich dachte früher immer, dass ein sorgloses Leben Glück bedeutet. Von möglichst vielen geliebt zu werden, viele Freunde, einen guten Job, ein ehrlicher Partner.... uvm. Das übliche "normale" Leben halt. Aber diese Einstellung zu meinem persönlichen Glück musste ich (zum Großteil) verwerfen, denn diese Dinge waren/sind für mich nicht erreichbar. Es haben mich so einige Erlebnisse aus der Bahn geworfen und es hat mich krank gemacht Dinge erreichen zu wollen, die ich nicht erreichen konnte oder Dinge verändern zu wollen, die ich nicht ändern konnte.
Ich lernte kleine Fortschritte zu erkennen und mehr zu würdigen. Mir mehr Zeit zu geben. Mich an kleinen Dingen mehr zu erfreuen, aber auch an großen Dingen, die man sonst als selbstverständlich sieht.
Es wird niemals alles gut werden, aber es kann besser werden.

Dieser Satz bedeutet auch für mich, dass andere für einen nichts richten können, (vorallem nicht mit einem einfachen Spruch) wenn man sowieso in einem tiefen Loch sitzt.
Was es aber durchaus geben kann, ist ein kleiner Moment, in dem man für wenige Minuten oder Sekunden nicht alles komplett schwarz sieht. In diesem Moment hilft vielleicht die eine Geschichte, der eine Spruch, oder Ratschlag, dass man noch ein paar Minuten oder Stunden doch etwas "klarer" die eigene Situation und die Möglichkeiten sieht.
Auch kann es helfen, wenn man hört, dass man eben nicht alleine ist und es durchaus Menschen gibt, denen der gleiche Mist passiert ist oder die auch wahnsinnig viel Pech oder sogar noch viel mehr Pech haben. Man fühlt sich dann weniger, als wäre das Schicksal, das Universum oder was auch immer persönlich gegen einen.

"Nur du kannst es ändern" oÄ klingt tatsächlich irgendwie so, als wäre man Schuld, dass alles so ist wie es ist und andere gar nichts für einen tun können. Das wäre natürlich absoluter Quatsch und ich glaube kaum jemand meint das tatsächlich so, wie es sich vielleicht anhören kann. Es ist tatsächlich schwer die richtigen Worte auch noch im richtigen Moment zu finden. Aber nichts zu sagen, ist auch nicht immer richtig.
Genauso wie "es geht vorbei". Es ist tatsächlich auch ein Satz, den man manchmal nicht hören mag. Aber weißt du was? Er ist sogar sowas von wahr.
Alles geht irgendwann vorbei.


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Suizid(-versuche): Eure Meinung?

17.06.2019 um 00:41
Ich denke, bei dieser Diskussion ist es schwierig, einen Konsens zu finden.

Im Hinblick auf Sterbehilfe bei altersbedingten schweren und ganz offensichtlichen Gebrechen finde ich das Verbot in Deutschland völlig Banane, fast schon rückständig.

Allerdings fängt da sicher die Diskussion an, wie und v.a. wer stuft ein Leiden ein? Aber ich meine, die haben es doch auch ganz gut geschafft, das mit den unterschiedlichen Pflegestufen zu reglementieren. Dazu noch eine Art "Sterbewilligung", erstellt zu helleren Zeiten, ich sehe da kein großes Problem.

Schwierig wird es hingegen aber tatsächlich bei psychischen Erkrankungen.


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Suizid(-versuche): Eure Meinung?

17.06.2019 um 04:42
@amerasu
Ich kann dich gut verstehen.
amerasu schrieb:Denn nach meiner Erfahrung läuft es auf den von Dir so "verhassten" Satz: "Nur Du kannst das ändern" hinaus.
Eben.
amerasu schrieb:Nur ich bewerte meine Erfahrungen, gebe ihnen einen Stellenwert und damit Einfluss.
Eben.
Und das ist das. Ich bin ich. Mit allem, was dazu gehört.
Und es gibt keinen Ausschalter. Keine Pille.
Wenn ich es ausschalten will, muss ich auch mich ausschalten.
amerasu schrieb:Als Beispiel: Ich war ein Papa-Kind. Sein Verrat an mir hat mich zutiefst verletzt, sich nachhaltig auf mich, mein Selbstbild ausgewirkt, ich war der Überzeugung nicht liebenswert (im Wortsinn) zu sein.
Erst durch therapeutische Arbeit und der Auseinandersetzung war es mir möglich zu erkennen, dass mein Vater aufgrund seiner eigenen Geschichte eben so gehandelt hat, wie es ihm möglich war. Er konnte es nicht besser, war selbst verlassen und irgendwie verloren.
Das entschuldigt nichts! Das befreit ihn nicht davon, dass er Fehler mit für mich fatalen Folgen gemacht hat.
Mir gibt es aber einen neuen Blickwinkel. Mit dieser neuen Sicht auf ihn, kann ich ihm vergeben und muss bei mir keine Schuld suchen, denn ich habe nichts falsch gemacht.
Das befreit mich und eröffnet mir neue Möglichkeiten. Und deshalb stimmt für mich dieser Satz: Nur Du kannst etwas ändern.
Du konntest es aufgrund von Begebenheiten, derer es möglich war, anders auf eine Sache blicken, die auch gereicht hat, irgendwie damit abzuschließen.
Ich bin mir völlig im Klaren, keine Schuld zu haben. Ich hatte zahlreiche Therapeuten, hat man im Heim irgendwann automatisch. Später zahlreiche Kliniken . Hat sich was geändert? Ja. Ich wurde nur skeptischer, hoffnungsloser.

Für dich mag der Satz stimmen. Aber er lässt sich nicht pauschal auf andere übertragen.
Areela schrieb:Hier haben sich Menschen geäußert, die selbst viel erlebt haben, auch mit Selbstmordgedanken und - versuchen, aber die halt auch wissen, dass es besser werden kann und das eben mitteilen möchten.
Und dennoch habe ich es noch nicht bestätigen können. Menschen, die einen Suizid vollzogen haben, ebenfalls nicht. Es ist immer egal, was der ein oder andere erlebt hat, denn es sind nicht dieselben Bedingungen. Manche Geschichten sind ähnlich, ja, aber auch da gibt es wieder Unterschiede. Wie stark ist der Mensch? Wie hart hat es ihn getroffen? Was ist mit ihm passiert? Welches entscheidende Detail macht da den einen großen Unterschied?
Areela schrieb:Wenn ich schreibe, jeder ist zum Großteil selbst für sein Glück verantwortlich, heißt es für mich nicht, dass jegliches Leid verschwindet.
Das habe ich auch nicht angeprangert.
Der Satz stimmt einfach nicht.
Ich bin auch nicht für meine Vergangenheit verantwortlich.
Und wenn du sagst, dass es nicht die Gegenwart ist, stimmt. Aber damals war es die Gegenwart und auch damals war ich nicht dafür verantwortlich.

Erfolg oder Misserfolg, Pech oder Glück.

Ich kann versuchen, ein Haus zu bauen. Das heißt aber nicht, dass ich dabei Erfolg haben werde. Verstehst du, worum es mir geht?
DU hast nicht alles in der Hand.

Es gibt viele Faktoren, die im Leben einfach mitreden wollen.
Myon-Neutrino schrieb:Ich denke, bei dieser Diskussion ist es schwierig, einen Konsens zu finden.
Richtig. Es ist alles nicht deckungsgleich.


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Suizid(-versuche): Eure Meinung?

17.06.2019 um 07:43
sunshinelight schrieb:Für dich mag der Satz stimmen. Aber er lässt sich nicht pauschal auf andere übertragen.


Dieser Satz passt zu vielen Menschen und zu vielen Situationen.
sunshinelight schrieb:Es ist immer egal, was der ein oder andere erlebt hat, denn es sind nicht dieselben Bedingungen. Manche Geschichten sind ähnlich, ja, aber auch da gibt es wieder Unterschiede.
Ja natürlich sind alle Geschichten unterschiedlich, darum geht es ja gar nicht. Mann muss nicht alles auf einer Skala bewerten, nur damit man über ein Thema sprechen kann und damit man versuchen darf, jemanden ein Funken Hoffnung zu geben.

Les doch nochmal den Eingangspost. Der DL wünschte sich ein Austausch über dieses Thema. Genau das hilft vielen Menschen.
Es mag für dich nicht funktionieren, aber das ist deine eigene Bewertung, die du persönlich für dich festgelegt hast.
sunshinelight schrieb:Das habe ich auch nicht angeprangert.
Der Satz stimmt einfach nicht.
Ich bin auch nicht für meine Vergangenheit verantwortlich.
Und wenn du sagst, dass es nicht die Gegenwart ist, stimmt. Aber damals war es die Gegenwart und auch damals war ich nicht dafür verantwortlich.
Man ist nie verantwortlich für Dinge, die einem angetan werden. Das habe ich schon gesagt.
sunshinelight schrieb:Ich kann versuchen, ein Haus zu bauen. Das heißt aber nicht, dass ich dabei Erfolg haben werde. Verstehst du, worum es mir geht?
DU hast nicht alles in der Hand.
Das mit dem Haus ist tatsächlich ein wunderbares Beispiel.
Angenommen man möchte ein Haus bauen und man hat keinen Erfolg, dann hat man mehrere Optionen.

1. Es weiterversuchen (sich mehr Zeit geben)
2. Sich Rat oder Unterstützung holen
3. Sich weiter über Hausbau informieren

Wenn das nicht alles nicht klappt, weil es ja auch ein schwieriges Unterfangen ist, dann hat man immer noch Optionen.
Vielleicht reicht es doch, wenn es nicht ein ganzes Haus ist, sondern nur ein Zimmer. Vielleicht reicht eine Holzhütte, aber vielleicht ist ja ein Haus gar nicht das was man wirklich "braucht", sondern ein Rucksack und feste Schuhe.

Wie ich schon sagte
Areela schrieb:und es hat mich krank gemacht Dinge erreichen zu wollen, die ich nicht erreichen konnte oder Dinge verändern zu wollen, die ich nicht ändern konnte.
Ich persönlich kann kein Haus bauen. Vermutlich werde ich es niemals können.
Meine Gefühlswelt ist dem Haus ähnlich.
Statt ein Haus, habe ich nun eine schäbige kleine Hütte, mit einem kleinen Fenster, es tropft vom Dach und ist alles andere als das, was ich mir ursprünglich immer wünschte. Mehr war nicht drin, mehr schaffte ich bis jetzt nicht. Aber ich bin verdammt stolz auf diese Hütte. Es ist immerhin besser als ein Loch.
Wenn man es besser nicht kann, darf man trotzdem sehr stolz sein, auf das was man erreicht hat und mit weniger zufrieden sein. Das kann man tatsächlich lernen! DAS hat man durchaus in der Hand.

Man könnte natürlich auch in dem Loch sitzen bleiben und darauf hoffen, dass irgendwann etwas Gutes passiert. Man kann aus dem Loch steigen und mit aller Gewalt versuchen ein Haus zu bauen. Man kann aber auch versuchen sich (erstmal) mit weniger zufrieden zu geben. Es ist nun mal für die meisten Menschen ziemlich unrealistisch, dass sie jemals ein Haus bauen können, vorallem wenn bestimmte Voraussetzungen nicht gegeben sind.
Und wer weiß, nach vielen Jahren des Hüttenbauens hat man eventuell das Wissen erlangt, irgendwann doch noch ein vernünftiges Haus hinzustellen.


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Suizid(-versuche): Eure Meinung?

17.06.2019 um 10:16
sunshinelight schrieb:Und das ist das. Ich bin ich. Mit allem, was dazu gehört.
Und es gibt keinen Ausschalter. Keine Pille.
Wenn ich es ausschalten will, muss ich auch mich ausschalten.
Aber die meisten wollen das nicht hinnehmen dass man so ist wie man ist.. zuerst schon aber nach einer Zeit nicht mehr.. das ist traurig. Jeder hat das Recht zu sein wie er ist. Vor allem kann man sein Wesen nicht von jetzt auf gleich ändern! Und wenn man in sich selbst gefangen ist dann sowieso nicht!
Alles geht zu Bruch weil man nicht aus seiner Haut kann.


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Suizid(-versuche): Eure Meinung?

17.06.2019 um 11:08
Areela schrieb:Dieser Satz passt zu vielen Menschen und zu vielen Situationen.
Und zu vielen auch nicht. Das ist der Knackpunkt.
Areela schrieb:Ja natürlich sind alle Geschichten unterschiedlich, darum geht es ja gar nicht. Mann muss nicht alles auf einer Skala bewerten, nur damit man über ein Thema sprechen kann und damit man versuchen darf, jemanden ein Funken Hoffnung zu geben.
Auch dagegen habe ich nichts. Aber Sätze, die indirekt anderen Unterstellungen machen oder eben nicht helfen, weil sie keine so große Neuigkeit sind, sind dann immer wieder schwierig.
Areela schrieb:Das mit dem Haus ist tatsächlich ein wunderbares Beispiel.
Angenommen man möchte ein Haus bauen und man hat keinen Erfolg, dann hat man mehrere Optionen.

1. Es weiterversuchen (sich mehr Zeit geben)
2. Sich Rat oder Unterstützung holen
3. Sich weiter über Hausbau informieren
Du vergisst, dass viele sich mehrmals Unterstützung gesucht haben und es ihr Leben lang weiterversuchen. Der Wille ist eben nicht mehr da, Suizidgedanken am Mann.
Was verstehst du eigentlich daran nicht? Weißt du, was Resignation ist? Weißt du, was der Wunsch zu sterben bedeutet? Wenn du diese Erfahrungen hast, dann müsstest du eigentlich wissen, dass die Hoffnung verschwunden ist und der Wille, es weiter zu versuchen, eben weil all die unzähligen Versuche gescheitert sind.
Du kannst etwas immer wieder versuchen, aber irgendwann wirst du dich fragen, was für einen Sinn es hat, wenn es eh nichts bringt.
Areela schrieb:Wenn das nicht alles nicht klappt, weil es ja auch ein schwieriges Unterfangen ist, dann hat man immer noch Optionen.
Vielleicht reicht es doch, wenn es nicht ein ganzes Haus ist, sondern nur ein Zimmer. Vielleicht reicht eine Holzhütte, aber vielleicht ist ja ein Haus gar nicht das was man wirklich "braucht", sondern ein Rucksack und feste Schuhe.
Schöne Metapher. Also man braucht kein glückliches Leben, sondern vereinzelt ein paar Glücksmomente? Scheiß doch auf dein Bedürfnis, scheiß auf Wünsche - ok, dafür muss man aber nicht leben. Da kommen viele dann auf Suizid.
Entweder vernünftig leben oder gar nicht.
Denn man scheißt nicht auf Glück, Bedürfnisse, Wünsche und Ziele, sondern eher auf darauf, etwas zu ertragen oder hinzunehmen, was man eigentlich gar nicht will und einen ständig runterzieht.
Areela schrieb:Ich persönlich kann kein Haus bauen. Vermutlich werde ich es niemals können.
Meine Gefühlswelt ist dem Haus ähnlich.
Statt ein Haus, habe ich nun eine schäbige kleine Hütte, mit einem kleinen Fenster, es tropft vom Dach und ist alles andere als das, was ich mir ursprünglich immer wünschte. Mehr war nicht drin, mehr schaffte ich bis jetzt nicht. Aber ich bin verdammt stolz auf diese Hütte. Es ist immerhin besser als ein Loch.
Wenn man es besser nicht kann, darf man trotzdem sehr stolz sein, auf das was man erreicht hat und mit weniger zufrieden sein. Das kann man tatsächlich lernen! DAS hat man durchaus in der Hand.
Manche möchten aber nicht lernen, etwas hinzunehmen.
Areela schrieb:Und wer weiß, nach vielen Jahren des Hüttenbauens hat man eventuell das Wissen erlangt, irgendwann doch noch ein vernünftiges Haus hinzustellen.
Irgendwann, wenn alles zu spät ist. Du weißt schon, dass das Leben begrenzt ist und eine lange Zeit davon auch noch alt verbringst, oder? Zeit ist überhaupt nicht drin.
TheWalkingDead schrieb:Aber die meisten wollen das nicht hinnehmen dass man so ist wie man ist.. zuerst schon aber nach einer Zeit nicht mehr.. das ist traurig. Jeder hat das Recht zu sein wie er ist. Vor allem kann man sein Wesen nicht von jetzt auf gleich ändern! Und wenn man in sich selbst gefangen ist dann sowieso nicht!
Richtig. Manche leben in sich selbst gefangen.


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