redsherlock
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Todesstrafe
gestern um 19:05Du greifst hier immer sehr spezielle Einzelfälle heraus. Du musst auch lesen, dass ich Psychopathen, maligne narzisstische Persönlichkeiten und auch Sexualtriebtäter bei meiner Aussage rausnehme. Deine Beispiele fallen aber erstens in diese Kategorie, und zweitens liegen zusätzliche Behördenfehler vor.Kangaroo schrieb:Würde ich dir auch raten.
Wie sieht es denn mit dem Fall Unterweger aus?
1976 wegen grausamen Mord zu Lebenslang verurteilt. Unterweger hat sich im Gefängnis vorbildlich verhalten, holte Schulbildung nach und verfasste sogar ein Roman.
Wegen seiner guten Führung und wegen dem öffentlichen Druck wurde er wegen seiner guten Prognose 1990 vorzeitig entlassen.
Nach seiner Entlassung wurde er ein Medienstar und begann gleichzeitig eine Mordserie.
Oder wie sieht es mit dem Fall Travis Lewis aus?
Er ermordete als 16 jähriger eine prominente Frau. Während den 23 Jahren Haft zeigte er sich reuig, bildete sich weiter und verhielt sich vorbildlich.
Das beeindruckte selbst die Tochter des Mordopfer Martha McKay weswegen sie sich auch für Lewis freilassung eingesetzt hat.
Nach seiner Entlassung 2018, stellte sie ihn sogar auf dem Familienanwesen ein.
2020 wurde Martha McKay ebenso wie die Mutter zum Mordopfer von Travis Lewis.
Und zwar an dem exakt genauen Ort, wo er zuvor die Mutter getötet hatte.
Jack Unterweger ist wahrscheinlich das Paradebeispiel, auf den wohl alles zutrifft: Psychopath, narzisstische Persönlichkeitsstörung, Sexualtriebtäter. Zudem enormer Frauenhass. Psychopathen können sehr charmant sein und Leute 'einwickeln'. Bei Unterweger war es die künstlerische 'High Society', und gewisse Frauen, die ihm auf den Leim gingen. Er galt als Vorzeigebeispiel des resozialisierten Mörders, weil er im Gefängnis Bücher geschrieben hat. Das ist natürlich ein völliger Trugschluss. Er hat das alles nur für sein Ego und für seinen Vorteil gemacht, und er wusste, wie man die 'Szene' anspricht. Eine psychiatrische Begutachtung gab es meines Wissens erst, als er wieder in Haft kam. Und da findet man den obigen Reigen von Diagnosen. Unterweger wurde direkt in die 'Künstlerszene' entlassen, feierte Parties mit etc. Ein schwerer Behördenfehler. Danach haben sich die Abläufe bei Begnadigungen und Freilassungen in Österreich geändert.
Bei Lewis war es sicherlich ähnlich. Auch da hat man nicht genau hingeschaut. Er konnte der Tochter seines Mordopfers, eine gläubige Buddhistin, genau das vermittlen, was sie hören wollte. Sie ging ihm auf dem Leim. Und weil Opfer in dem US System ja so enormen Einfluss auf Begnadigungen haben und sich die Tochter für ihn eingesetzt hat, ließ man ihn frei, ohne noch genauer hinzusehen. Das war ein schwerer behördlicher Fehler, auch, weil man hier dem Opferangehörigen zu sehr vertraut hatte.
Ein ähnlicher Fall ist Reginald McFadden aus Pennsylvania (PA). Der ein Life Sentence absaß und erfolgreich seine Commutation bewilligt kam. Damals reichte eine 3:2 Mehrheit im Board of Pardons, um dem Gouverneur eine positive Empfehlung zu geben, und dieser hatte ihn dann begnadigt. McFadden hat dann innerhalb von drei (?) Monaten nach Freilassung zwei weitere Menschen ermordet. Auch hier stellt sich heraus, dass es ein schwerer Behördenfehler war. Warnhinweise wurde nicht beachtet, u.s.w. Für den Gouverneur war das der Worst Case. Das hatte zur Folge, dass das Commutation-Verfahren in PA nur noch sehr (!) restriktiv gehandhabt wurde/wird. Erstens muss es jetzt einstimmig 5:0 im Board sein, was eine extreme Hürde ist. Die meisten scheitern daran, weil schon der Opfervertreter im Board dagegen stimmen kann (und meist auch tut). PA gilt als einer der absolut strengsten Staaten bei LWOP. Durch den fatalen Behördenfehler sind pauschal über ca. 2000 Lifer in PA bestraft worden. Selbst kranke 60- oder 70--jährige, die schon 40 oder 50 Jahre abgesessen haben, kommen so gut wie nicht raus. Siehe z. B. den folgenden tragischen Fall, der zudem auch die Absurdität des Opfermitspracherechts verdeutlicht:
https://www.spotlightpa.org/news/2025/03/pennsylvania-pardons-commutations-clemency-revoked/
Dies sind drei Extrembeispielevon Tätern und gehören genau zu der Tätergruppe, die ich eben gerade nicht meine. Es reicht auch nicht zu sagen: 'Täter A hat sich jetzt in den letzten zwanzig Jahren im Gefängnis nichts zu schulden kommen lassen, hat seine GED (High School Abschluss) nachgeholt, war immer freundlich und nett. Ist resozialisiert.' Lewis z. B. soll seine Tat später auch geleugnet haben. Insofern war echte Reue bei ihm swieso nicht zu erwarten. Keiner von diesen drei Fällen hat sich in die Krankenstation begeben, und sterbenden Mithäftlingen die Hand gehalten oder den Arsch abgewischt. Oder ähnliche nicht-egoistische Dinge getan, regelmäßig, über einen langen Zeitraum.
Statitsich gesehen begehen ca. nur unter 2% der Mörder innerhalb von 9 Jahren einen weiteren Mord. Das sind diese Psychopathen, Narzissten, Triebtäter natürlich mit dabei, und vielleicht machen diese auch den Großteil aus.
Siehe Table 9 im verlinkten Artikel. Man muss die Tabelle richtig lesen. Zunächst sieht es nach 4.5% aus. Man muss es aber so lesen: Von denen, die wegen Mord (Homicide) neu inhaftiert werden (innerhalb von 9 Jahren einer vorherigen Haft), saßen 4.5% davon schon vorher wegen Mordes in Haft. Das heisst. Umgekehrt gesehen, der Anteil derjenigen, die vorher wegen Mordes inhaftiert waren und jetzt erneut wegen Mordes verhaftet werden, liegt weit unter 4.5%, eher unter 2%. (Das könnte man jetzt auch durch die weiteren Zahlen in der Tabelle genauer begründen.)
Quelle: https://bjs.ojp.gov/content/pub/pdf/rsorsp9yfu0514.pdf



