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Todesstrafe

26.017 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: USA, Deutschland, Menschenrechte ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Todesstrafe

04.10.2026 um 23:29
Zitat von KangarooKangaroo schrieb:Elektrischer Stuhl ist durchaus möglich in Tenesse. Das Verbrechen muss aber vor einem bestimmten Datum begangen worden sein. Das ist bei Pikes der Fall
Blackburn will den elektrischen Stuhl wieder als erste Wahl haben, unabhängig vom Verurteilungsdatum.
Zitat von KangarooKangaroo schrieb:Wollte Pikes aber wegen ihrer Religion wie gesagt nicht.
So wie ich das verstanden habe, widersprach nur die Wahl ihrer eigenen Hinrichtung ihrer Religion.


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04.10.2026 um 23:32
Zitat von SomertonManSomertonMan schrieb:Übrigens, was passiert denn nun, wenn sie geistig behindert ist? Mit zur Tatzeit ist klar, dann darf niemand die TS bekommen. Und nun? Wenn sie geistig nicht erfassen kann, was mit ihr passiert?
Wenn sie nicht mehr begreifen kann, wofür sie hingerichtet wird, darf sie nicht hingerichtet werden. Es mag genauere Kriterien dafür geben...


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05.10.2026 um 00:24
Zitat von redsherlockredsherlock schrieb:Wenn sie nicht mehr begreifen kann, wofür sie hingerichtet wird, darf sie nicht hingerichtet werden.
Das Urteil steht nach wie vor. Aber die Urteilsvollstreckung ist gescheitert. Klingt dumm. Ist es auch.
Zitat von redsherlockredsherlock schrieb:Es mag genauere Kriterien dafür geben...
Sicher? Würde mich nicht wundern, wenn die selber nicht wissen, wie sie nun weiter verfahren sollen.


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05.10.2026 um 02:15
Zitat von redsherlockredsherlock schrieb:Aber es gibt definitiv auch viele (wenn auch in der Minderheit) Opferangehörige, die nicht auf Rache sinnen
Das ist definitiv so.

2008 wurden in Nashville ein guter Freund (32Jahre) und seine Schwester (27 Jahre) im eigenem Haus überfallen und erschossen.

Zusammenfassung eines Statements von Hans Colas dem Vater auf der Trauerfeier

Nach dem tragischen Raubüberfall im August 2008 in Nashville (Tennessee, USA), bei dem der deutsche Mesoamerikanist Prof. Dr. Pierre Robert Colas und seine Schwester Marie Christine Colas ums Leben kamen, äußerte sich ihr Vater im Rahmen der anschließenden Trauerfeierlichkeiten an der Vanderbilt University unmissverständlich zu Justiz, Vergeltung und Ethik. Seine Ansprache setzte inmitten tiefsten Leids ein klares Zeichen für Humanismus und Gewaltfreiheit.
Die Kernaussagen im Überblick:
• Strikte Ablehnung von Rache und Todesstrafe: Hans Colas stellte klar, dass die Familie für die Mörder der Geschwister weder Vergeltung noch die Todesstrafe fordert. Ein Todesurteil liefe den zutiefst friedfertigen und humanistischen Werten, für die Pierre und Marie zeitlebens standen, fundamental entgegen.
• Kein Trost für Hinterbliebene: Eine staatlich verordnete Hinrichtung der Täter kann den Angehörigen keinen echten Trost, keine Linderung oder inneren Frieden bringen. Das Leid einer weiteren Familie wiegt den unumkehrbaren Verlust der eigenen Kinder nicht auf.
• Gefahr einer endlosen Gewaltspirale: Gewalt mit neuer, staatlicher Gewalt zu beantworten, schafft kein Recht. Es setzt lediglich eine zerstörerische Gewaltspirale fort, die das Prinzip des Tötens nur noch tiefer in der Gesellschaft verankert, anstatt Gerechtigkeit zu stiften.
• Bewahrung des lebendigen Vermächtnisses: Anstatt dem Verbrechen oder den Tätern Raum zu geben, konzentrierte sich der Vater auf die Lebensfreude, die wissenschaftliche Begeisterung und die Zukunftspläne seiner Kinder. Er rief dazu auf, ihre Ideale und ihren positiven Tatendrang aktiv im Gedächtnis zu bewahren und weiterzutragen.

Quelle: https://rememberingpierre.wordpress.com/


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05.10.2026 um 05:59
Zitat von KangarooKangaroo schrieb:Ist das so?

Dann sieh dir mal diesen Artikel an:
Und das machen alle Häftlinge? Es können sicherlich auch Häftlinge morden, die keine Todesstrafe oder ähnliches erwarten.
Zitat von KangarooKangaroo schrieb:Das ist deine Ansicht dazu
Was ja rechtlich auch völlig richtig ist.


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05.10.2026 um 06:37
Zitat von SomertonManSomertonMan schrieb:Außerdem bestätigst mal wieder mit deiner Aussage, dass es (dir) nur darum geht, dass der Verurteilte gefälligst krepieren soll.
Krepieren klingt hart.
Ich habe mehrfach geäußert dass die DeathRow Inmates rechtstaatlich hingerichtet werden sollen.

Komplikationen bei der Hinrichtung lehne ich ab und ich hätte es 100% besser gefunden wenn die Hinrichtung bei CP komplikationsfrei gelaufen wäre.
Dort wo Menschen arbeiten, kann es aber zu Fehlern kommen.

Das bedeutet aber nicht, dass Menschen wie CP dann rehabilitiert sind denn die begangene Tat für die sie die Todesstrafe erhalten haben sind überaus schwerwiegend.
Komplikationen bei der Hinrichtung ändern daran nichts.

Rechtstaatlich soll die komplikationshafte Hinrichtung aufgearbeitet werden, keine Frage.
Sollte bewiesen werden, dass fahrlässig gehandelt wurde, so sollen diejenigen dafür auch zur Verantwortung gezogen werden. Notfalls mit Haftstrafen.

Aus meiner Sicht darf dies trotzdem keinen Einfluss auf die Strafe von CP haben.
Das Opfer von CP kann nichts für die komplikationshafte Hinrichtung, das Opfer ist trotzdem tot und das Leid welche sie erlebt hat bis sie gestorben hat kann auch Niemand ungeschehen machen.

Und ja, auch der Fall CP ändert meine Ansicht zur Todesstrafe nicht.
Ja, nach meiner Meinung gehört die Giftspritze abgeschafft.

Ich halte das Erschießungskommando oder aber eine Weiterentwicklung mit vorheriger MRT Vermessung des Kopfes und ein KI gestütztes System für die Exekution am sinnvollsten.
Aber das müssen Experten in Zukunft beurteilen, nicht ich.
Zitat von SomertonManSomertonMan schrieb:Wenn sie geistig nicht erfassen kann, was mit ihr passiert?
Wenn ihr, falls sie wieder aufwacht, eine geistige Behinderung nachgewiesen wird und sie die Bestrafung nicht erfassen kann, dann sollte sie auch nicht hingerichtet werden.

Ich denke das würde die USA auch nicht tun.


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05.10.2026 um 06:52
Zitat von KangarooKangaroo schrieb:Wenn ihr, falls sie wieder aufwacht, eine geistige Behinderung nachgewiesen wird und sie die Bestrafung nicht erfassen kann, dann sollte sie auch nicht hingerichtet werden.

Ich denke das würde die USA auch nicht tun.
Sei dir da mal nicht so sicher. Ist zwar gegen das US Gesetz, scheint aber nicht sonderlich zu stören.


Warren Lee Hill (Georgia, Januar 2015)
https://www.amnesty.de/mitmachen/urgent-action/usa-ernest-johnson-trotz-geistiger-einschraenkung-hingerichtet-2021-10-11

Ernest Lee Johnson (Missouri, Oktober 2021)
https://www.amnesty.de/mitmachen/urgent-action/usa-ernest-johnson-trotz-geistiger-einschraenkung-hingerichtet-2021-10-11

William Pye (Georgia, März 2024)
https://www.amnesty.de/mitmachen/urgent-action/usa-ernest-johnson-trotz-geistiger-einschraenkung-hingerichtet-2021-10-11

Wenn dir Amnesty International zu einseitig ist, es gibt ausreichend andere Quellen im Netz.


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05.10.2026 um 06:57
@Cachalot
Ich frage mich immer wieso zwar Fälle angeführt werden, welche die eigene Ansichten stützen, die gegenteiligen aber nicht.

Was ist denn mit dem Fall Joseph Clifton Smith? Oder Danny Jordan?


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05.10.2026 um 07:44
Zitat von KangarooKangaroo schrieb:Ich frage mich immer wieso zwar Fälle angeführt werden, welche die eigene Ansichten stützen, die gegenteiligen aber nicht.
Du sagst das du nicht davon ausgehst das die USA geistig Behinderte umbringt. Ich zeige das Gegenteil auf. Sie haben es getan.
Das sie sich ab und an an die eigenen Gesetze halten ist zwar schön, in dem Fall aber unerheblich. Das waren ja auch keine - oh das haben wir nicht gewusst, sorry - Fälle. Hier wurde bewusst gegen das eigene Gesetz gehandelt. Und dein - ich denke - halt widerlegt.


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05.10.2026 um 07:45
Zitat von CachalotCachalot schrieb:Und dein - ich denke - halt widerlegt.
Nein hast du nicht denn es zeigt, dass es da keine einheitliche Auslegung gibt.

Ich hab zudem von dem Fall CP und meine Einschätzung dazu gesprochen .. Von daher weiß ich nicht, was du widerlegt haben willst.


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05.10.2026 um 10:16
Zitat von WattWatt schrieb:Kein Trost für Hinterbliebene: Eine staatlich verordnete Hinrichtung der Täter kann den Angehörigen keinen echten Trost, keine Linderung oder inneren Frieden bringen.
Ich tue mir auch schwer zu glauben, dass die Todesstrafe für die Opferangehörigen echten Seelenfrieden bringen kann.
Unter anderem auch, weil bis zur Hinrichtung ja oft Jahrzehnte vergehen, im Fall Christa Pikes sind es jetzt 30 gewesen.
Das heißt, die Opferangehörigen haben den Moment des endgültigen Loslassens, des endgültigen Abschließen, den Moment, in dem in ihren Augen endlich Gerechtigkeit hergestellt wird, auf ein Ereignis verschoben, dass 30 Jahre nach dem Verbrechen liegt.
Auch wenn klar ist, dass der Tod eines eigenen Kindes ohnehin selten komplett verkraftet werden kann, ist das viel zu lange für einen Trauerprozess.
Die Angehörigen, die auf eine Hinrichtung warten, sind in einer Warteschleife gefangen, in der die üblichen Trauerphasen nicht gelebt werden können.
Und jetzt, da Christa Pikes Hinrichtung ja gescheitert ist, können die Opferangehörigen erst recht nicht loslassen und sind offensichtlich endgültig verbittert:
Colleens Mutter hingegen will die Mörderin ihrer Tochter tot sehen. „Sie hat keinerlei Reue. Sie hat in 31 Jahren nie Reue empfunden“, erklärt May. Außerdem habe sie sich niemals bei ihr für den Tod ihrer Tochter entschuldigt. „Wenn ich in diesen Raum hätte gelangen können, hätte ich das Teppichmesser genommen und sie so zerschnitten, wie sie es mit Colleen getan hat, und sie den Schmerz spüren lassen“, sagt May.
Quelle: https://www.stern.de/panorama/verbrechen/christa-pike--wie-die-opfer-mutter-die-gescheiterte-hinrichtung-erlebte-38344226.html


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05.10.2026 um 11:25
Zitat von equinoxxequinoxx schrieb:Ich tue mir auch schwer zu glauben, dass die Todesstrafe für die Opferangehörigen echten Seelenfrieden bringen kann.
Unter anderem auch, weil bis zur Hinrichtung ja oft Jahrzehnte vergehen, im Fall Christa Pikes sind es jetzt 30 gewesen.
Das heißt, die Opferangehörigen haben den Moment des endgültigen Loslassens, des endgültigen Abschließen, den Moment, in dem in ihren Augen endlich Gerechtigkeit hergestellt wird, auf ein Ereignis verschoben, dass 30 Jahre nach dem Verbrechen liegt.
@equinoxx

Da würde ich sagen, sind die Opferangehörigen so unterschiedlich wie Menschen es halt so sind. In Staaten mit einer 'Tradition' der Todesstrafe kann es sein, dass es mehr Opferangehörige gibt, die das erwarten und glauben, für sich zu brauchen. Das kann auch daran liegen, dass sie auf dem Weg in Richtung Hinrichtung ja auch sehr häufig als Zeugen auftreten und von Menschen beraten werden, die auf eine Todesstrafe des TV hinarbeiten.

Ob am Ende die Hinrichtung eine Art Genugtuung bringt oder doch nicht ist eine andere Sache.

Auf der anderen Seite stelle ich es mir auch schwer vor, wenn zB ein Kindermörder irgendwann wieder freigelassen wird und Eltern damit leben müssen, ggf sogar den Täter in Freiheit treffen zu können.


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05.10.2026 um 12:20
@equinoxx
Zitat von equinoxxequinoxx schrieb:Das heißt, die Opferangehörigen haben den Moment des endgültigen Loslassens, des endgültigen Abschließen, den Moment, in dem in ihren Augen endlich Gerechtigkeit hergestellt wird, auf ein Ereignis verschoben, dass 30 Jahre nach dem Verbrechen liegt.
Auch wenn klar ist, dass der Tod eines eigenen Kindes ohnehin selten komplett verkraftet werden kann, ist das viel zu lange für einen Trauerprozess.
Die Angehörigen, die auf eine Hinrichtung warten, sind in einer Warteschleife gefangen, in der die üblichen Trauerphasen nicht gelebt werden können.
Darüber habe ich auch nachgedacht, nachdem Youtube mir ein Short vorgeschlagen hatte, wo Colleen Slemmers Nichte über die gescheiterte Hinrichtung spricht.

Da sitzt eine junge Frau, die ihre Tante nie kennengelernt hat, weil sie erst acht Jahre nach dem Mord geboren wurde. Und was sie da sagt - und wie sie es sagt - wirkt auf mich, als sei sie in einer Familie aufgewachsen, die ihr ganzes Leben darauf ausgerichtet hat, dass Pike endlich hingerichtet wird.

Offenbar betrifft es nicht nur die unmittelbaren Angehörigen, sondern selbst die nächste Generation lebt dann mit in dieser Warteschleife.

Youtube: Nichte des Mordopfers von Christa Pike spricht nach misslungener Hinrichtung
Nichte des Mordopfers von Christa Pike spricht nach misslungener Hinrichtung
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05.10.2026 um 12:24
Zitat von raitoninguraitoningu schrieb:Da sitzt eine junge Frau, die ihre Tante nie kennengelernt hat, weil sie erst acht Jahre nach dem Mord geboren wurde. Und was sie da sagt - und wie sie es sagt - wirkt auf mich, als sei sie in einer Familie aufgewachsen, die ihr ganzes Leben darauf ausgerichtet hat, dass Pike endlich hingerichtet wird.

Offenbar betrifft es nicht nur die unmittelbaren Angehörigen, sondern selbst die nächste Generation lebt dann mit in dieser Warteschleife.
Besonders früher gab es Blutfehden zwischen Familien. Mittlerweile scheint bisweilen der Staat als Katalysator und/oder als Vollstrecker zu dienen, wenn er die Todesstrafe im Gesetzbuch hat.


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05.10.2026 um 12:35
Zitat von sacredheartsacredheart schrieb:Auf der anderen Seite stelle ich es mir auch schwer vor, wenn zB ein Kindermörder irgendwann wieder freigelassen wird und Eltern damit leben müssen, ggf sogar den Täter in Freiheit treffen zu können
Wo her willst du das wissen? Warst du schon in der Situation?

Wo her willst du wissen, dass du nicht zu ihm sagst "Lass uns treffen! Ich will alles wissen! Vor allem das Warum! Warum mein Kind."?

Denkste nicht, dass es der Verarbeitung zugute kommen könnte, als jahrelang mit Status Quo rumzuleben?

Ich weiß nicht. Manchmal sollte man sich auch bockschweren Dingen versuchen zu öffnen. Man kann es ja vorher mit dem Psychologen besprechen. Er kann ja einen einschätzen, ob es gut oder schlecht ist. Außerdem begleitet er einen ja auch.

Grenzen sind immer so ne Sache. Man setzt sich zu nem Zeitpunkt welche, wo sie nützlich sein könnten, sonst würde man sie ja nicht setzen. Aber später vielleicht? Viel später?


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05.10.2026 um 13:15
Zitat von equinoxxequinoxx schrieb:Ich tue mir auch schwer zu glauben, dass die Todesstrafe für die Opferangehörigen echten Seelenfrieden bringen kann
Wie sollte sie auch? Die Todesstrafe bringt das Opfer nicht zurück.
Den Hass den die Opferangehörigen empfinden ist verständlich, aber die Todesstrafe dreht lediglich weiter am Rad der Gewalt.


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05.10.2026 um 13:26
Zitat von raitoninguraitoningu schrieb:Offenbar betrifft es nicht nur die unmittelbaren Angehörigen, sondern selbst die nächste Generation lebt dann mit in dieser Warteschleife.
Das zeigt auf, dass durch die staatliche Institutionalisierung der Todesstrafe Gewalt als legitimes Instrument der Konfliktlösung perpetuiert und somit strukturell in das gesellschaftliche Wertefundament sogar nachfolgender Generationen übertragen wird.
Das Gegenteil sollte in der menschlichen Entwicklung der Fall sein.


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05.10.2026 um 14:51
Zitat von SomertonManSomertonMan schrieb:Wo her willst du das wissen? Warst du schon in der Situation?

Wo her willst du wissen, dass du nicht zu ihm sagst "Lass uns treffen! Ich will alles wissen! Vor allem das Warum! Warum mein Kind."?

Denkste nicht, dass es der Verarbeitung zugute kommen könnte, als jahrelang mit Status Quo rumzuleben?

Ich weiß nicht. Manchmal sollte man sich auch bockschweren Dingen versuchen zu öffnen. Man kann es ja vorher mit dem Psychologen besprechen. Er kann ja einen einschätzen, ob es gut oder schlecht ist. Außerdem begleitet er einen ja auch.

Grenzen sind immer so ne Sache. Man setzt sich zu nem Zeitpunkt welche, wo sie nützlich sein könnten, sonst würde man sie ja nicht setzen. Aber später vielleicht? Viel später?
@SomertonMan

Du stellst schwierige Fragen. Nein, ich war Gott sei Dank nie in einer solchen Situation und bin sehr dankbar dafür. Insofern kann ich auch nicht wissen, was ich dann denken würde, ich kann darüber nur Vermutungen anstellen.

Mit dem Status quo 'Kind tot' muss man dann ja leben, das ändert sich auch nicht dadurch, dass man dem Täter irgendwo durch Zufall oder aus Absicht begegnet.

Ich würde mir von einem 'erhellenden' Gespräch rein gar nichts erhoffen, dieses auch nicht suchen, es sei denn es gäbe offene Fragen wie Verbleieb eines Körpers o.ä. Den Aussagen von Kindermördern, Lustmördern und Vergewaltigern würde ich erstens keinen Mikrometer weit trauen, zweitens könnte mir niemand ein 'Warum?' begreiflich machen, weil solche Taten nicht zu erklären sind außer dadurch, dass es sich um einen Menschen ohne Charakter handelt. Und auf eine Kontextualisierung a la Anwaltssprech könnte ich erst recht verzichten. Ich würde nicht hören wollen, dass er damals bei den Bundesjugendspielen gar nicht übergetreten ist und deshalb zum Killer wurde o.ä.

Ich glaube, Zeit würde für mich persönlich im Bezug auf den Täter nichts ändern können. Jemand, der derart verkommen ist, kann nicht zurückfinden, da gibt es aus meiner Sicht auch kein 'Strafe abgesessen' oder eine Chance auf Verzeihen. Für mich stehen solche Menschen dauerhaft außerhalb der Gesellschaft und haben keinen Wert und können auch nie wieder einen haben. Das ist aber subjektiv.

Das bedeutet nicht, dass ich mir einen Rechtsstaat wünsche, der meinem persönlichen Gefühlsleben nacheifert. Ich wünsche mir auch keine Todesstrafe.


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05.10.2026 um 15:42
Zitat von KangarooKangaroo schrieb:Nein hast du nicht denn es zeigt, dass es da keine einheitliche Auslegung gibt.
Es werden geistig Behinderte umgebracht.

Entgegen deinem
Zitat von KangarooKangaroo schrieb:Wenn ihr, falls sie wieder aufwacht, eine geistige Behinderung nachgewiesen wird und sie die Bestrafung nicht erfassen kann, dann sollte sie auch nicht hingerichtet werden.

Ich denke das würde die USA auch nicht tun
.
Hervorhebung durch mich.


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05.10.2026 um 15:42
Zitat von equinoxxequinoxx schrieb:Die Angehörigen, die auf eine Hinrichtung warten, sind in einer Warteschleife gefangen, in der die üblichen Trauerphasen nicht gelebt werden können.
Und jetzt, da Christa Pikes Hinrichtung ja gescheitert ist, können die Opferangehörigen erst recht nicht loslassen und sind offensichtlich endgültig verbittert:
Colleens Mutter hingegen will die Mörderin ihrer Tochter tot sehen. „Sie hat keinerlei Reue. Sie hat in 31 Jahren nie Reue empfunden“, erklärt May. Außerdem habe sie sich niemals bei ihr für den Tod ihrer Tochter entschuldigt. „Wenn ich in diesen Raum hätte gelangen können, hätte ich das Teppichmesser genommen und sie so zerschnitten, wie sie es mit Colleen getan hat, und sie den Schmerz spüren lassen“, sagt May.
Quelle: https://www.stern.de/panorama/verbrechen/christa-pike--wie-die-opfer-mutter-die-gescheiterte-hinrichtung-erlebte-38344226.html
Zitat von raitoninguraitoningu schrieb:Darüber habe ich auch nachgedacht, nachdem Youtube mir ein Short vorgeschlagen hatte, wo Colleen Slemmers Nichte über die gescheiterte Hinrichtung spricht.

Da sitzt eine junge Frau, die ihre Tante nie kennengelernt hat, weil sie erst acht Jahre nach dem Mord geboren wurde. Und was sie da sagt - und wie sie es sagt - wirkt auf mich, als sei sie in einer Familie aufgewachsen, die ihr ganzes Leben darauf ausgerichtet hat, dass Pike endlich hingerichtet wird.

Offenbar betrifft es nicht nur die unmittelbaren Angehörigen, sondern selbst die nächste Generation lebt dann mit in dieser Warteschleife.
Das ist doch -- sorry -- krank. Nach über 30 Jahren noch diesen Hass zu haben, sogar den Gedanken haben, sie selbst mit einem Teppichmesser zu quälen... da fehlen mir die Worte. Und ja: null Verständnis. Statt einen Trauerprozess in Gang zu setzen, hat sie sich (unterstelle ich mal, aber so scheint es ja) nur in diesen Hass gesteigert und auf die Hinrichtung gewartet. Und überträgt das noch auf Verwandte. Und das staatliche Justizsystem fördert diesen Prozess. Ich bin sicher, selbst bei gelungener Hinrichtung würde die Frau keine Erleichterung finden, allenfalls Leere. Es scheinen ja keine Trauerprozesse in Gang gekommen zu sein über drei Jahrzehnte. Aber jetzt (bzw. nach gelungener Hinrichtung) soll es klappen?


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