Todesstrafe
05.10.2026 um 15:43Und ich hab dir Fälle genannt bei denen geistige Behinderte eben nicht umgebracht wurden .. @Cachalot
Andersherum. Akzeptierst du dass in den USA geistig Behinderte zum Tode verurteilt und umgebracht wurden?Kangaroo schrieb:Und ich hab dir Fälle genannt bei denen geistige Behinderte eben nicht umgebracht wurden
Das ist halt trotzdem Lichtjahre entfernt von "Das würden die USA nicht tun."Kangaroo schrieb:Und ich hab dir Fälle genannt bei denen geistige Behinderte eben nicht umgebracht wurden ..
Eine Hinrichtung kann das aber auch nicht ungeschehen machen!Kangaroo schrieb:Das Opfer von CP kann nichts für die komplikationshafte Hinrichtung, das Opfer ist trotzdem tot und das Leid welche sie erlebt hat bis sie gestorben hat kann auch Niemand ungeschehen machen.
Vermessung des Kopfes? Es wird doch ins Herz geschossen. Obwohl ich zustimmen muss, dass es ins Gehirn effektiver wäre (schnellere Bewusstlosigkeit!), aber die Sauerei wäre sicher noch größer, und das ist wieder nicht gewünscht. Sage das nicht ohne Zynismus.Kangaroo schrieb:Ich halte das Erschießungskommando oder aber eine Weiterentwicklung mit vorheriger MRT Vermessung des Kopfes und ein KI gestütztes System für die Exekution am sinnvollsten.
Bestreitet keiner.Cachalot schrieb:Andersherum. Akzeptierst du dass in den USA geistig Behinderte zum Tode verurteilt und umgebracht wurden?
Muss es auch nicht.redsherlock schrieb:Eine Hinrichtung kann das aber auch nicht ungeschehen machen!
Ja, Vermessung des Kopfes.redsherlock schrieb:Vermessung des Kopfes?
Ich kann mir vorstellen dass die USA sich künftig etwas intensiver mit alternativen Exekutionsarten auseinandersetzen wird.redsherlock schrieb:und das ist wieder nicht gewünscht
Joseph Rudolph Wood III was an American convicted murderer executed on July 23, 2014, at Florence State Prison in Arizona, with a two-hour lethal injection procedure that was described as "botched".[3] Wood gasped and snorted for an hour and fifty-seven minutes after the drugs were injected, and the entire procedure took almost two hours; experts said the execution should have taken about ten minutes.
The execution began at 1:52 p.m. MST and ended at 3:49 p.m. when Wood was pronounced dead. It involved injecting Wood with the drug cocktail of midazolam, a sedative, and hydromorphone, a semi-synthetic opioid,[11] each at a dose such that a single application of both drugs was supposed to be sufficient to kill him. Wood had to be dosed 15 times,[12] during which he gasped and snorted for well over one hour,[13] a media witness comparing Wood's breathing to a "fish gulping for air".[14] One Associated Press reporter said Wood gasped more than 600 times.Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft dazu:
Stephanie Grisham, then a spokeswoman for the Arizona attorney general's office, who was also a witness, said: "There was no gasping of air. There was snoring. He just [lay] there. It was quite peaceful."Und den Opferangehörigen war es offenbar nicht grausam genug:
After the execution, victim Debra Dietz's sister told the Associated Press: "What I saw today with him being executed, it is nothing compared to what happened on August 7, 1989,"In einer Videodoku (weiss jetzt nicht, ob aus der Death Row Stories oder einer anderen), hatte ein männlicher Angehöriger (der Sohn?) noch drastischere Worte in Richtung von Kritikern des Ablaufs gefunden.
Da stimme ich dir zu. Sie sind diesbezüglich konsequent inkonsequent.Kangaroo schrieb:Bestreitet keiner.
Trotzdem kann man es bei CP nicht hervorsehen weil die USA eben nicht konsequent alle hingerichtet hat.
Das stimmt leider.calligraphie schrieb am 23.09.2026:Und was die öffentliche Wahrnehmung betrifft? Das können wir ja alle life immer wieder wunderbar nachverfolgen. Der Focus liegt am Ende eher selten beim Leid der Opfer oder Opferangehörigen. Öffentlich dreht sich am Ende fast alles immer um den die Täter. Dessen Befindlichkeiten, dessen Rechte. Opferangehörige erscheinen maximal auf der Nebenkläger Bank. Die müssen ggf in Zivil Prozessen in zähe mühsame Auseinandersetzungen gehen.
Ich lag schon mehrmals im KH und geh mind. 2× im Jahr zum Hausarzt. Mein Herz wurde noch nie vermessen.Kangaroo schrieb:Ist gängige Praxis in der Medizin das Herz zu Vermessen.
Das gibt es doch alles schon lange. Nirgendwo sind die Rechte der Opfer so groß wie in den USA. Und ich finde, in einer zweifelhaften Form. Psychologische Unterstützungen wären sicherlich besser.Jules20 schrieb:Ich finde, da müsste schon etwas geändert werden. Auch, um es den Opfern von Straftaten leichter zu machen, im Prozess auszusagen, der sich ja unter Umständen auch länger hinziehen kann.
Hab Donnerstag eh einen HA-Termin. Werd ihn mal fragen. So redselig wie er ist, wird er mir sicher dann erstmal nen Vortrag über das Thema halten. 😄Kangaroo schrieb:Würde vermuten dass es doch vermessen wurde und du dir dessen nicht bewusst bist.
Um Gottes Willen, ich wollte damit nicht ausdrücken, dass Angehörige Einfluss auf das Strafmaß haben sollte.calligraphie schrieb:@Jules20
Über Dinge wie Mitspracherecht im Prozess? Besser gar nicht anfangen, mit solchen Gedanken. Weil in den Jurys nicht umsonst handverlesene, sozusagen neutrale Personen sitzen. Unbeeinflusst ( hoffentlich) von Verwandtschaftsverhältnissen, Abhängigkeiten usw.? Ein Richter hat es mal super beim Sentencing ausgedrückt in Richtung Täterangehörige und Opferangehörige. „ es hat einen guten Grund, dass niemand von ihnen als Juror geeignet wäre“. In den Gerichtsverfahren kommen ja immer Angehörige beider Seiten (vor dem Urteil) zu Wort. Die einen fordern volle Härte d Gesetzes, die anderen flehen um Gnade für den Täter. Das sind keine gute Voraussetzungen, für eine neutrale Bewertung nur nach Fakten. Sobald persönliche Emotionen dabei sind, wird’s schwierig, mit nach bestem Wissen und Gewissen, anhand der Fakten gem.d Gesetz.
Das stimmt und wollte ich so auch ausdrücken. Es wäre meiner Meinung nach auch wichtig für die Opfer und deren Angehörige.redsherlock schrieb:Psychologische Unterstützungen wären sicherlich besser.
Fall Christa Pike: Die barbarischen Staaten von Amerika | STERN.de https://share.google/mnWU6vHtPP45FR8eCTrump würde quasi alles hinrichten, wenn er dürfte.
Ein Bonmot in Washington geht so: „Politiker halten nicht an der Todesstrafe fest, weil sie gerecht ist, sondern weil Härte gegen Kriminelle die beste Währung im Wahlkampf ist.“
Erst auf Nachfrage eines Journalisten sagt er [Trump] zur gescheiterten Hinrichtung: „Das war eine interessante Situation.“
Eine „interessante Situation“, so empfindet es also der Präsident.
Viele Amerikaner fühlen da mehr. Sie sprechen von barbarischer Grausamkeit. Für sie entlarvt der Fall Christa Pike die Idee von einer „humanen Hinrichtung“ als grausame Farce, die auch Donald Trump nicht mehr vertuschen kann. Für sie steht die Todesstrafe in diesen Tagen auf dem Prüfstand.
Über eine Stunde lang hatte das Exekutionsteam nach fehlgeschlagenen Einstichen Gift in ihren Körper gedrückt, während Pike über ein unerträgliches Brennen im Arm klagte und schließlich röchelnd um Luft rang. Dass der Staat Tennessee das Verfahren schließlich abbrechen und einen Ambulanzwagen rufen musste, um eine verurteilte Mörderin vor dem eigenen Scharfrichter zu retten, ist die zynische Offenbarung staatlichen Barbarentums.
Laut dem Anästhesisten und Intensivmediziner Joel Zivot, den Christa Pikes Verteidiger vor der Hinrichtung für eine medizinische Beurteilung hinzuzogen, wirkt Pentobarbital im Gewebe wie flüssiges Bleichmittel. Autopsieberichte von über 200 Hingerichteten belegten zudem, dass das Gift schwere Lungenödeme erzeugt – die Verurteilten ertrinken innerlich an ihrem eigenen Lungensekret, während Lähmungsmittel ihnen jede Möglichkeit nehmen, ihren Schmerz nach außen zu tragen. Bereits im Mai 2026 scheiterte dasselbe Hinrichtungsteam in Tennessee beim Versuch, einem Gefangenen eine Infusion zu legen. Der Fall Christa Pike ist für Joel Zivot kein Betriebsunfall, sondern ein Systemfehler.
Voraussichtlich, so erklären ihre Anwälte, werde Christa Pike durch den stundenlangen Sauerstoffmangel bleibende Hirnschäden oder schwere körperliche Behinderungen davontragen, falls sie überlebt. Schon diskutieren Juristen in den USA: Darf sie dann erneut hingerichtet werden? Schon einmal, 1946, hat der Oberste Gerichtshof geurteilt, ein Mann sollte ein zweites Mal auf den elektrischen Stuhl gesetzt werden, nachdem der erste Versuch wegen eines technischen Defektes gescheitert war.Quelle: https://www.stern.de/politik/ausland/fall-christa-pike--die-barbarischen-staaten-von-amerika-38350716.html
Der Rechtswissenschaftler Austin Serat hingegen kommt zu einem eindeutigen Urteil: Einen Menschen nach einem stundenlangen Gift-Martyrium erneut in die Hinrichtungskammer zu schleifen, würde eine verfassungswidrige Doppelbestrafung und unerträgliche Grausamkeit darstellen. Zudem verbiete die Rechtsprechung die Exekution von Personen, die aufgrund geistiger oder körperlicher Beeinträchtigungen nicht mehr prozess- oder urteilsfähig sind. Eine Umwandlung in lebenslange Haft sei damit verfassungsrechtlich zwingend.
Im Gegensatz zu den genannten Beispielen gibt es im Fall Pike aber einen entscheidenden Unterschied. Ihr wurden die vorgesehenen Hinrichtungsmedikamente tatsächlich verabreicht. Sie erhielt zwei Dosen Pentobarbital und blieb dennoch am Leben. Tennessee erklärte danach, alle Schritte des vorgesehenen Protokolls durchgeführt zu haben.
Laut dem US-Rechtsprofessor Austin Sarat ist Pike der erste Mensch, der nach der Verabreichung der Medikamente einer Giftspritzen-Hinrichtung weiterlebte. Damit unterscheidet sich ihr Fall wesentlich von Broom und Smith. Dort gelangte kein Hinrichtungsmedikament in den Körper. Laut bisherigen Angaben gab es auch keine unvorhersehbare Panne wie bei Francis 1946.
Könnte Tennessee es trotzdem nochmals versuchen?Quelle: https://www.lessentiel.lu/de/story/gescheiterte-exekution-darf-tennessee-christa-pike-noch-einmal-hinrichten-103644778
Das ist derzeit offen. Der Supreme Court hat einen zweiten Versuch nach einer gescheiterten Hinrichtung bisher nicht grundsätzlich verboten. Pikes Anwälte könnten sich bei einem neuen Versuch vor allem auf das im achten Zusatzartikel der US-Verfassung festgehaltene Verbot grausamer und ungewöhnlicher Strafen berufen.
Dann müssten Gerichte beurteilen, ob ein weiterer Versuch nach der bereits erfolgten Medikamentengabe und den gesundheitlichen Folgen diese Grenze überschreiten würde. Für genau diese Konstellation gibt es bislang keinen höchstrichterlichen Entscheid.