In meinem weiteren Text beziehe ich mich auf Telepathie, nicht auf Telekinese.
Nemon schrieb: Das einfachste Totschlagargument ist so simpel: Wenn wir diese Tele-Fähigkeiten hätten, wären sie Teil unserer Entwicklungsgeschichte und Kultur und nicht geheim und mysteriös
Das ist ein gutes Argument. Mein Gegenargument: Wenn das Phänomen sehr selten ist, vielleicht weil es nur ein entwicklungsgeschichtliches Artefakt oder ein Seiteneffekt der Gehirnfunktion ist, dann hat es auf unseren Alltag kaum eine Bedeutung und spielt deswegen keine Rolle. Und hier ein ganz großes Aber, denn streng wissenschaftlich gilt auch: Die Abwesenheit eines Beweises für ein Phänomen, ist kein Beweis für die Nichtexistenz eines Phänomens.
Wenn wir für das Phänomen Telepathie eine wissenschaftliche Erforschung anstreben, dann befinden wir uns auf der erste Stufe, die Diskussion darüber, ob es das Phänomen überhaupt gibt. Das ist das, was hier passiert und fern ab eines akademischen-wissenschaftliches Diskurses. Nichtsdestoweniger gibt es hier die Berichte derjenigen, die denken, es erlebt zu haben. So wie auch mein Erlebnis, nachzulesen u.a. hier:
Gedankenlesen und Telepathie (Seite 301) (Beitrag von SkeptoDreamer) Was wäre nun die weitere wissenschaftliche Herangehensweise: nach der Anerkennung, dass es ein untersuchungswürdiges Phänomen gibt, geht man in die Findung einer Hypothese, erstellt standardisierte Leitfrageninterviews und Fragebögen, führt damit Gespräche und Umfragen unter den Personen, die glauben es erlebt zu haben. Danach versucht man Muster zu erkennen und aufgrund der Muster bildet man neue Hypothesen, führt neue Interviews und Untersuchungen und überlegt sich ein angemessenes Settings für Experimente. Wenn das durchgeführt und die Daten ausgewertet sind, bestätigt sich die Hypothese oder ist widerlegt. Dann werden die Ergebnisse veröffentlicht und stellt sich der Kritik der wissenschaftlichen Gemeinschaft und darauf aufbauend, vertieft man die Forschung oder lässt sie fallen.
Wie zu sehen ist, sind wir noch sehr weit von dem wissenschaftlichen Prozess entfernt und damit fern ab, konkrete und rekapitulierbare Ergebnisse vorzuweisen. Um dort hinzu kommen, gibt allerdings einige hohe Hürden zu überwinden.
Die erste Hürde ist der wissenschaftliche Betrieb selber: wer forschen will, braucht in der Regel Drittmittel sowie das Einverständnis der Leitungs-Hierarchie an der Uni. Das dürfte bei dem Thema nicht einfach sein, zudem es wie
@Nemon beschrieben hat, keine Alltagsrelevanz hat und kein kommerzielles Interesse besteht. Zum anderen, wer an der Uni Karriere machen möchte, muss auf seine Reputation und damit auf die Themen seiner Forschungen und Veröffentlichungen achten. Das Thema Telepathie löst, wie auch in diesem Forum, entweder Schulterzucken, spöttisches Grinsen oder wütende Verachtung aus, selten interessierte Offenheit. Das ist keine gute Voraussetzung für Akademiker sich dieser Gemengelage auszusetzen. Das Risiko für die eigene Karriere ist hoch, die Chance auf den Gewinn einer außergewöhnlichen neuen Erkenntnis ist gering.
Die zweite Hürde, größer noch als die Überwindung der akademischen Aufmerksamkeitsschwelle ist das Phänomen selber. Es passiert selten und ist bislang nicht rekapitulierbar. Das Thema zieht Esoteriker, Schwurbler, Selbstdarsteller, Lügner und Betrüger an, deren Erzählungen zu trennen von den Schilderungen tatsächlicher Erlebnisse nicht einfach ist.
Und noch wichtiger: Aufbauend auf meinen Erfahrungen würde ich diese
Hypothese aufstellen:
"Telepathie ist ein seltenes Ereignis, bei dem zwischen zwei emotional sehr stark verbundene Menschen über weite Distanzen Informationen und Gefühle übertragen werden. Voraussetzung ist die Auslösung einer starken Emotion bei einer der beteiligten Person und die Bereitschaft der anderen Person, diese wahrzunehmen."So, und nun schaff mal dafür ein experimentelles Setting. Du kannst dafür also nicht wahllos Personen nehmen, sondern nur die starke Gefühle für einander haben, emotional offen sind und die bereit und in der Lage sind, Botschaften und Gefühle wahrzunehmen, die nicht die eigenen sind. Außerdem muss noch ein starkes emotional wirkendes Ereignis bei einer der Person ausgelöst werden und wir wissen, das jeder anderes auf Ereignisse reagiert. Hier genügend Leute zu finden und ein rekapitulierbaren Experimentaufbau zu schaffen, tja, alles andere als einfach.
Aus diesen Gründen dürfte es noch sehr lange dauern, bis wir zur Erkenntnissen aus wissenschaftlichen Experimenten kommen. Bis dahin können wir hier fleißig weiter diskutieren und uns gegenseitig Ignoranz vorwerfen, die einen weil sie Erlebnisse ignorieren und die anderen, weil sie außerhalb der wissenschaftlichen Erkenntnisstandes argumentieren.
:)