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Der Dyatlov-Pass-Vorfall

9.458 Beiträge, Schlüsselwörter: Vorfall, Dyatlov Pass, Dyatlov, Jekaterinenburg

Der Dyatlov-Pass-Vorfall

08.05.2019 um 10:40
passato schrieb:Also Ich bestimmt nicht :-) es kann mMn nur darum gegangen sein das Den (ob das 1. oder das 2. sei dahingestellt) noch weiter zu optimieren, und bei dieser Tätigkeit müssen sie abgestürzt sein.
Gut. Von mir aus.

Leider können wir und kaum ein Bild davon machen, wie das Gelände exakt aussah zu dem Zeitpunkt. Wenn es auch durch den Schnee teilweise nivelliert war, gab es dennoch Baumstümpfe, Absturzkanten, Schneisen und die Felsblöcke. Bei allem glaube ich, wie ebenfalls schon besprochen, nicht an den gleichzeitigen Absturz der 4 aus großer Höhe. Jedoch an ggf. mehrere Stürze durch Stolpern/Abrutschen. (Slobodin hat auch so ein Verletzungsmuster, als ob er sich nach mehreren Stürzen immer wieder aufgerappelt hätte).

Es dürfte denen schon klar gewesen sein, dass das ein Bachlauf bzw. Ravine ist (im Deutschen fehlt ein gebräuchliches Wort für eine kleiene Schlucht) ist. Da hätte ich jetzt die Spontan-Idee anzubieten, dass sie versucht haben, Steine rüber zum Den zu bringen, um die Aushöhlung zu befestigen. Wie wär's damit :) Verletzungs-Potenzial ist da auch allemal gegeben.
Die Schwerverletzten haben es nicht mal mehr zum Den zuruck geschafft. Da haben sie sich alle hingelegt (nach dem Tod von D ihr auch die Jacke noch ausgezogen). Der letzte Punkt ist der schwächste - aber schwächer als der Sturz durch die Schneebrücke in Verbindung mit anschließend geordnet hinlegen?


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Der Dyatlov-Pass-Vorfall

08.05.2019 um 10:50
Stephenson schrieb:Leider können wir und kaum ein Bild davon machen, wie das Gelände exakt aussah zu dem Zeitpunkt
Also eines können wir aber so gut wie sicher sein: ohne Skier macht man da keine längeren Ausflüge.

Ich habe selbst mal versucht, eine Wanderung in Hüfthohem, oder sogar auch nur knietiefen Schnee zu machen... nach weniger als einer halben Stunde abgebrochen!
Stephenson schrieb:Da hätte ich jetzt die Spontan-Idee anzubieten, dass sie versucht haben, Steine rüber zum Den zu bringen, um die Aushöhlung zu befestigen. Wie wär's damit :)
Super Idee! :-)

Aber wozu? ;-) Das wäre ja eine Sysyphusarbeit mitten in der Nacht ohne sichtbaren Nutzen! Da geht man doch besser einfach woanders hin, z.B. in Schneegrube 1.
Stephenson schrieb:Der letzte Punkt ist der schwächste - aber schwächer als der Sturz durch die Schneebrücke in Verbindung mit anschließend geordnet hinlegen?
Das mit dem geordnet hinlegen verstehe ich nicht so ganz. Dubinina lag ja offensichtlich nicht geordnet und die anderen drei haben sich einfach gegenseitig gewärmt, dann liegt man eben so.

Ich verstehe immer noch nicht so ganz, was dich an dem letzten Punkt stört. Ist es die Existenz einer Schneebrücke per se, der gleichzeitige Fall, oder der Fall überhaupt?

Oder suchst du einfach eine alternative Erklärung für die Verletzungen?


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Der Dyatlov-Pass-Vorfall

08.05.2019 um 11:09
@passato
Schneegrube 1 doch ist "The Den". Es gab ja keine weitere, die man gefuinden hätte.
Daher: Steine holen, um diese Grube zu ertüchtigen. Vielleicht auch einen Ofen improvisieren als geschütztere Feuerstelle.

Man liegt doch nicht so, wenn man aus mehreren Metern runtergestürzt ist. D. ist auf den Brustkorb gefallen, Rippenbrüche, konnte kaum noch atmen bzw. sich ünerhaupt rühren. Konnte sich nur noch so weit aufrappeln, dass sie wieder hoch auf die Felskante ist. In dieser Position konnten die anderen ihr (ich schau jetzt nicht mehr nach ... die Jacke? abstreifen, die einer von denen anhatte).

Ich schreibe das jetzt aber auch endgültig zum letzten Mal auf, es ist gefühlt das 10 Mal.
Durch die Schneebrücke gestürzt, schwer verletzt, mehr oder weniger liegen geblieben, D. Klamotten abgestreift, angezogen, umarmt, gestorben?

Oder doch eher: Auf dem Weg durch Ravine schwer verletzt, versucht aufzurappeln, teilweise gestorben, alle haben aufgegeben, umarmt, gestorben?

Du kennst doch die Tagebücher auswendig. Wie war der Temperaturschnitt über die zwei, drei Tage und Nächte zuvor?
Am Tag selbst ab nachmittags extremer Temperatursturz & Windchill - der Bach kam ja von hangabwärts.
Fließt da ein Bach noch, wie schnell friert der ein? (-> mit Blick auf "Bodenverhältnisse" Ravine) Kann er in den Tagen zuvor so viel Wasser transportiert haben, dass eine mehrere Meter hohe Schneedecke (so es diese denn gab) dermaßen unterhöhlt worden wäre?
passato schrieb:Oder suchst du einfach eine alternative Erklärung für die Verletzungen?
Alternative wozu?


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Der Dyatlov-Pass-Vorfall

08.05.2019 um 11:25
Stephenson schrieb:Daher: Steine holen, um diese Grube zu ertüchtigen
Das wäre aber gar nicht nötig gewesen denn Schneegrube 1 war ja nicht über dem Bach, sondern 10m daneben.
Stephenson schrieb:Vielleicht auch einen Ofen improvisieren als geschütztere Feuerstelle.
Das sie so etwas vorhatten kann ich mir durchaus vorstellen, aber sie kamen eben nicht mehr dazu
Stephenson schrieb:Man liegt doch nicht so, wenn man aus mehreren Metern runtergestürzt ist
aber solange man sich noch bewegen kann, kann man sich doch danach so hinlegen. What's the problem?
Ich versuche ja dein Problem mit diesem Punkt zu verstehen, aber ich schaff's nicht...
Stephenson schrieb:Oder doch eher: Auf dem Weg durch Ravine schwer verletzt, versucht aufzurappeln, teilweise gestorben, alle haben aufgegeben, umarmt, gestorben
1. Wo ist da der Riesenunterschied zu deinem ersten Szenarium?
2. Ich fände es halt komisch wenn 3 Leute einer nach dem anderen andauernd hinfallen und sich schwere innere Verletzungen zuziehen. Das wäre ein bisschen so wie im Comic.
Stephenson schrieb:Fließt da ein Bach noch, wie schnell friert der ein? (-> mit Blick auf "Bodenverhältnisse" Ravine) Kann er in den Tagen zuvor so viel Wasser transportiert haben, dass eine mehrere Meter hohe Schneedecke (so es diese denn gab) dermaßen unterhöhlt worden wäre?
Das weiss ich wirklich nicht, aber ich finde es durchaus vorstellbar.
Stephenson schrieb:Oder suchst du einfach eine alternative Erklärung für die Verletzungen?

Alternative wozu?
Zum Sturz durch die "Schneebrücke"


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08.05.2019 um 11:35
passato schrieb:Das wäre überhaupt nicht nötig gewesen denn Schneebrube 1 war ja nicht über dem Bach, sondern 10m daneben.
Steine von der Ravine 17 Meter weiter holen, um den Den zu ertüchtigen!
Das habe ich gesagt.
passato schrieb:Das sie so etwas vorhatten kann ich mir durchaus vorstellen, aber sie kamen eben nicht mehr dazu
Bei dem Versuch schwere Verletzungen (ggf vorher auch schon welche) und Ende.
Was sage ich denn anderes!
passato schrieb:Ich fände es halt komisch wenn 3 Leute einer nach dem anderen andauernd hinfallen und sich schwere innere Verletzungen zuziehen.
Bei zweien reichte ein Hauptsturz für die entscheidenden Verletzungen.
Wie ebenfalls schon mal geschrieben, können auch zwei einen schon Verletzten stützen, und dabei fallen drei auf einmal ohne, dass sie sich richtig abstützen können. Das kann man auch als Slapstick darstellen, okay. Ist aber, wenn man auf Schnee und Eis/und/oder Baumstämmen und Wurzeln und Moos unterwegs ist, nicht abwegig.


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Der Dyatlov-Pass-Vorfall

08.05.2019 um 11:42
Stephenson schrieb:können auch zwei einen schon Verletzten stützen, und dabei fallen drei auf einmal ohne, dass sie sich richtig abstützen können. Das kann man auch als Slapstick darstellen, okay. Ist aber, wenn man auf Schnee und Eis/und/oder Baumstämmen und Wurzeln und Moos unterwegs ist, nicht abwegig
ok, zugegeben. Dass hiesse ja im Prinzip, für dich sind die Verletzungen eigentlich überhaupt kein Rätsel, sondern im Gegenteil sogar sehr wahrscheinlich, richtig?

Aber meinst tatsächlich du dass man sich auch aus Fallhöhe "Erdboden" solche starken Verletzungen zuziehen kann?
Stephenson schrieb:Steine von der Ravine 17 Meter weiter holen, um den Den zu ertüchtigen!
Das habe ich gesagt.
Du sprachst von
Stephenson schrieb:ass sie versucht haben, Steine rüber zum Den zu bringen, um die Aushöhlung zu befestigen
Es gab aber bei Den1 gar keine Aushöhlung durch den Bach. Darauf wollte ich hinaus. Wozu sie ansonsten Steine im Den gebraucht hätten weiss ich nicht, evtl. zum Wärmen falls sie ein Feuer hätten entzünden können.


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08.05.2019 um 11:56
passato schrieb:Dass hiesse ja im Prinzip, für dich sind die Verletzungen eigentlich überhaupt kein Rätsel, sondern im Gegenteil sogar sehr wahrscheinlich, richtig?
Exakt. Darum geht es ja im Kern.
passato schrieb:Aber meinst tatsächlich du dass man sich auch aus Fallhöhe "Erdboden" solche starken Verletzungen zuziehen kann?
Hatten wir schon besprochen. Aber, ja: Aus dem Stand oder "plus X". Wie bspw. zu sehen an dem zuletzt von @YpersephoneY mitverlinkten Video. Die Pos. 3 ist so eine Stelle, wo man ganz plötzlich quasi eine Treppe runterfällt und mit dem Oberkörper ungebremst auf einem Felsen kanden kann. Das gibt das Areal aber überall her.
passato schrieb:Wozu sie ansonsten Steine im Den gebraucht hätten weiss ich nicht, evtl. zum Wärmen falls sie ein Feuer hätten entzünden können.
Wir waren doch schon so halb zu dem Schluss gekommen, dass der Den vielleicht gar nicht besonders tief gewesen sein kann. Vielleicht wollten sie mauern, wei weiter buddeln nicht möglich war; am naheliegensten wäre aber der Versuch, mit Felsbrocken eine befestigte Feuerstelle/Ofen zu schaffen.


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08.05.2019 um 12:55
Gut. Und jetzt noch meine letzte Frage im Moment:

Zelt war bei Auffindung dort wo die taschenlampe oben lag von nur einer milimeterdicken eisschicht begedeckt...

Wie passt das zusammen,dass das Zelt oben so wenig schnee hatte, während die zeltrückkehrer tief zugeschneit vorgefunden worden?

Kam der Schnee nicht zum zelt hin?aber der fallwind schon?


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Der Dyatlov-Pass-Vorfall

08.05.2019 um 13:13
@Herzöffnung
Dass der exakte Zustand des Zeltes, als der erste Suchtrupp eintraf, nicht sauber dokumentiert ist, zählt zu den großen Versäumnissen. Aber das waren Kommilitionen und Helfer (ortskundige Mansen), keine Forensiker. Es gibt in einigen Punkten widersprüchliche Aussagen zu allem, was bis zum Abtransport des Zeltes geschah und was dort wie vorgefunden wurde, sodass das mit der Taschenlampe m. E. nicht in Stein gemeißelt ist.
Wenn man so will, ist es schon auffällig, dass die Taschenlampe im Slobtsov-Report audrücklich als auffällig erwähnt wird.
Aber was heißt das? Viel Hörensagen. Du hast es auch schon in Details verändert ;)

Hier Slobtsov in der englischen Version:
When we approached the tent, they found out: the entrance of the tent came from under the snow, and the rest of the tent was under snow. Around the tent in the snow stood ski poles and spare skis - 1 pair. The snow on the tent was 15-20 cm thick, it was clear that the snow was fluffy on top of the tent, it was hard. ( the snow was accumulated by the wind on top of the tent, and then hardened by the cold into a crust - ed. note).
Near the entrance of the tent on the snow

Sheet 299

an ice ax was stuck, on the canvas of the tent, in the snow lay a pocket flashlight, Chinese make, which, as it was subsequently established, belonged to Dyatlov. It was strange that while there was a layer of snow let say 5-10 cm thick under the flashlight, there was no snow on top of it, and it was snowed slightly on either side. I took the flashlight first and found that it was not turned on. When I turned on it lit. I did not notice that day, but then I heard from other people involved in the search that there was a trace of urine in the snow near the tent.
Es war ziemlich genau ein Monat vergangen. Der harte Schnee war rund um das Zelt noch von deutlichen Spuren starken Windes geprägt. (Fotos z. T. auch hier oben auf der Seite beim Thread-Wiki) Dass hangabwärts mehr Schnee liegen geblieben ist, ist nicht unwahrscheinlich. Mit diesem Detail habe ich mich aber nicht befasst. Weil das nunmal so war, wie es war.


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08.05.2019 um 14:23
Herzöffnung schrieb:Wie passt das zusammen,dass das Zelt oben so wenig schnee hatte, während die zeltrückkehrer tief zugeschneit vorgefunden worden?
Am Hang war ja immer ein mörderischer Wind, der jede Schneeansammlung sofort weggeblasen hat (übrigens ist das ein weiterer Grund von vielen gegen die Schneeverschüttungstheorie, ich hoffe das YpersephoneY das demnächst mal ins Wiki stellt, damit man dass nicht immer alles wiederholen muss ;-)

Im Tal hingegen hat der Schnee sich dann vor dem Wald angesammelt.


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Der Dyatlov-Pass-Vorfall

08.05.2019 um 14:48
passato schrieb:Weil es Spuren von 9 Personen gab, die in Zweierreihe im Gänsemarsch vorwiegend in Socken vom Zelt zur Zeder marschiert sind. Eindeutiger geht es wohl kaum.
Eindeutig zusammen?
Also eindeutig gleichzeitig und nicht zeitlich versetzt, zum Beispiel indem eine spätere Gruppe neben den Spuren der ersten herläuft?


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Der Dyatlov-Pass-Vorfall

08.05.2019 um 14:57
Passepartout schrieb:Eindeutig zusammen?
Ja
Passepartout schrieb:Also eindeutig gleichzeitig und nicht zeitlich versetzt, zum Beispiel indem eine spätere Gruppe neben den Spuren der ersten herläuft?
Nein, unmöglich.

Das hat schon der Manse im Suchtrupp (ein Experte im spurenlesen) festgestellt der die Spuren untersuchte und genau vorhergesagt wer Socken anhatte, wer nur einen Stiefel usw. Es war alles 100% richtig was er herauslas.

Sie sind ganz eng nebeneinander in Zweierreihe gegangen, da kann man nicht später einfach so den gleichen Weg gehen ohne die anderen Spuren total kaputtzumachen.


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Der Dyatlov-Pass-Vorfall

08.05.2019 um 17:06
passato schrieb:Am Hang war ja immer ein mörderischer Wind, der jede Schneeansammlung sofort weggeblasen hat (übrigens ist das ein weiterer Grund von vielen gegen die Schneeverschüttungstheorie, ich hoffe das YpersephoneY das demnächst mal ins Wiki stellt, damit man dass nicht immer alles wiederholen muss ;-)
Jein. Bei der Expedition letzten März hatte sich nach vorausgegangenem starken Schneefall seit Mitte Februar immerhin eine stolze Schneekantenhöhe von 1,8 m am Hang in der Nähe vom Zeltplatz gebildet:

d506fb431fbb

Aber selbst die Schneemenge hätte nicht zu einem Schneebrett geführt. ;)


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08.05.2019 um 19:13
YpersephoneY schrieb:Aber selbst die Schneemenge hätte nicht zu einem Schneebrett geführt. ;)
Da bin ich ja beruhigt ;-)


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Der Dyatlov-Pass-Vorfall

10.05.2019 um 08:34
Hallo zusammen,

nach langem mitlesen habe ich mich nun auch bei allmystery angemeldet um mal meinen senf dazuzugeben bzw. um offene Fragen zu beantworten.

Ich bin seit einigen Jahren großer "fan" (wenn man das so nennen kann) des dyatlov-pass Vorfalls. Ich habe nun vor einigen Wochen das Buch "die Toten vom Dytlov Pass" gelesen und bin eigentlich sehr begeistert. Nicht von der Theorie oder die angebliche Auflösung sondern eher von den vielen Fakten und dem Wissen was sich der Auto angeeignet hat.
Hier komme ich aber auch zu meiner ersten Frage: Es wurde ja auch hier viel über das Buch diskutiert (bitte seid mir nicht böse wenn ich nicht alles lesen konnte, es sind sehr viele Beiträge hier im Forum) und ich Frage mich nun ob es Fakten oder Behauptungen aus dem Buch gibt die schlicht "falsch" sind oder als unwahr entlarvt wurden. Wenn man es objektiv betrachtet hat der Autor den Fall ja wirklich gut gelöst bzw. in die richtige Richtung gelenkt mit seiner These. Ich habe lange Zeit (und insgeheim tue ich es immer noch) an einen übernatürlichen Grund oder irgendwelche Geheimen Tests der Regierung geglaubt aber wenn man dem Buch glauben darf sprechen die Fakten ja Bände.

Außerdem Frage ich mich noch - ohne die verfechter der Theorie anzugreifen o. ä. - warum überhaupt noch über eine Schneebrett bzw. Lawinentheorie diskutiert wird? Es gibt doch wirklich unglaublich viele Fakten die einfach dagegen sprechen? Z.B. das die Objekte im Zeltinneren nicht komplett zerstört/zerdrückt wurden müsste doch schon als Fakt reichen? Mich würde wirklich interessieren wie die Anhänger der These dies verteidigen bzw. was genau Sie vermuten lässt das es eine Lawine sein muss?


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Der Dyatlov-Pass-Vorfall

10.05.2019 um 10:08
@iampox
Es wäre nett, wenn du an dieser Stelle schnell nochmal die zentralen Thesen des Buches darstellen würdest.

Zum Schneebrett/Lawine: Das sollte natürlich ein "Schneebrettler" selbst beantworten.

Ich persönlich, der hier längst nicht so lang und intensiv dabei ist wie Andere, habe das neulich nochmal durchgespielt - quasi als Tribut an @Bergfreund mit diesem Teil der Diskussion und weil ich persönlich, um etwas annehmen und verstehen zu können, zumindest in Ansätzen nochmal die Herleitung durchspielen muss.

Dabei blieb am Ende nur ein in Bezug auf "Lawine" oder "Schneebrett" unterschwelliges Ereignis übrig, mehr eine Verschüttung von Schnemann-Dimensionen. Wenn alle, die sich damit intensiver beschäftigt haben, das abgehakt haben, insbesondere in Bezug auf die Logik der Beschreibung des gesamten Hergangs - neige ich dazu, mich ihnen anzuschließen. Bis ggf. ein qualifizierter Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit einem Alpinisten eine These aufstellt, in der ein solches Ereignis zwingend zum Auslöser der folgenden Aktionen wurde, zunächst also das überstürzte Aufgeben des Zeltes.


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Der Dyatlov-Pass-Vorfall

10.05.2019 um 10:28
iampox schrieb:Außerdem Frage ich mich noch - ohne die verfechter der Theorie anzugreifen o. ä. - warum überhaupt noch über eine Schneebrett bzw. Lawinentheorie diskutiert wird?
Naja, die Schneebretttheorie war ja mal hier im Forum so was wie die unantastbare heilige Kuh, (und das ist noch gar nicht so lange her)

Trotz der von dir zitierten "unglaublich vielen Fakten die dagegen sprechen", war es fast "Blasphemie" etwas dagegen zu sagen, dann ist sogleich die Inquisition auf den Plan gekommen, ganau wie im tiefsten Mittelalter ;-) Aber diese Zeiten sind ja jetzt zum Glück überwunden :-)

Zu dem von dir angesprochenen Buch stimme ich dir zu dass die Fakten wirklich sehr interessant, detailliert und gut recherchiert sind. Es gibt sehr gute Einblicke zu den einzelnen Gruppenmitgliedern. Also auch für jemand der die Schlussfolgerung nicht teilt - so wie ich z.B. -, trotzdem sehr empfehlenswert zu lesen!


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Der Dyatlov-Pass-Vorfall

10.05.2019 um 14:35
Hallo, nachdem Lampox in diese Diskussion miteinsteigt, habe ich mich (als bisher stiller Leser) auch mal angemeldet um mitzumischen.

Mir geht es ähnlich nach der Rakitin-Lektüre. Grundsätzlich bin ich auf der Suche nach schlüssigen, natürlichen Erklärungen (Fallwind o.ä.). Allerdings bringt Rakitins Buch so viele Fakten mit sich, dass mir immer wieder Zweifel an den "natürlichen" Erklärungen aufstoßen. Als Leser muss ich erstmal davon ausgehen, dass die im Buch aufgeführten Fakten stimmen. Sollten welche widerlegt sein, würde mich das sehr interessieren, bisher habe ich nichts gefunden.
Wie Rakitin diese Tatsachen interpretiert und miteinander in Verbindung bringt, ist eine andere Sache, darüber kann man streiten. Manche Folgerungen finde ich aber schlüssig und mir konnte noch niemand glaubwürdigere Interpretationen liefern.
Beispiele für Fragen, die mir nicht aus dem Kopf gehen:

Beim Abgang vom Zelt ins Tal sind die Spuren nebeneinander, nur eine (Männer-)Spur scheint zu folgen und die anderen zu überlappen. An besagtem Abend soll die vorherrrschende Windrichtung Tal-->Zelt gewesen sein. Egal woher der Wind kommt, geht man als Gruppe mit massiven Einschränkungen (keine angemessene Kleidung) nicht grundsätzlich eher hintereinander, besonders wenn Schnee liegt, um Kräfte zu sparen und dem Wind weniger Angriffsfläche zu geben? Ich habe noch keine (Schnee-)Wandergruppe gesehen, die nebeneinander geht. Was also könte Anlass für dieses Handeln sein?

Die Position der Zeder/des Feuers war wohl relativ exponiert (irgendwo stand, auf einer kleinen Anhöhe). Wenn es als Leuchtfeuer gedacht war (für Einzelne, die zum Zelt zurück wollten), dann war es auf der falschen Seite des Baumstammes. Ich glaube um 2008 stellte eineExpedition auch fest, dass wegen eine Anhöhe die Feuerstelle vom Zelt aus gar nicht zu sehen war.
Dass jemand nach einem einschneidenden/schockierenden Ereignis und unter lebensgefährlichen Zuständen nachts auf einen Baum klettert um dort mit großer Anstrengung Zweige abzubrechen (körpergewicht erforderlich), wo angeblich im Umkreis genug Feuerholz zu sammeln war, kann ich nicht glauben. Eher, dass eine Blickachse zum Zelt geschaffen werden musste, vielleicht um die vermissten Zurückgänger zu rufen/zu suchen.

Irgendwie kann ich nicht glauben, dass alle Verletzungen auf natürlichem Wege entstanden sind. Selbst wenn es Stürze gab, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Schnee diese zum gewissen Grad abfingt, ziemlich hoch. Dazu kommt die pure Anzahl der schweren Verletzungen: Zwei Personen mit massiven Rippenbrüchen, an gleichen/ähnlichen Stellen? Was ist mit den Kopfverletzungen z.B. von Nikolay Thibeaux-Brignolle, die sehr eindeutig massiv auf die Schläfe passierten? Was ist mit dem gebrochenen Zungenbein von Lyudmilla Dubinina? Dann Verletzungen, die sich mit Kampf-/Abwehrspuren interpretieren lassen könnten, wie lädierte Handknöchel, Prellungen und Hämatome an Augen, Wangen,Oberarmen etc.
Dass einer Person ein Unfall passiert, nachvollziehbar. Dass mehreren etwas passiert in einer solchen Situation, möglich. Aber die Anzahl, Art der Verletzungen, die Fundorte der Toten,... das alles will sich in meinem Kopf nicht mit natürlichen Erklärungen (Naturgewalt) zufrieden geben. Raktitin interpretiert vieles als mögliche Kampfspuren (z.B. Festhalten einer Person am Oberarm, oder Schnittspuren an einer Hand, die ein Messer abwehrte). So sehr ich mich der Geschichte einer Räuberpistole verweigern möchte, die Verletzungen sind ein großes Rätsel, das sich nicht so einfach mit Naturgewalten/Stürzen erklären lässt. Viele vermeintliche Interpretationen (Stürze vom Baum etc.) wirken auf mich sehr konstruiert.
Dass sich jemand Gliedmaßen am Feuer verbrennt, weil diese schon taub und erfroren sind, klingt für mich dagegen nachvollziehbar.

Interessant fand ich auch den Fakt, dass an der Kleidung von Rustem Slobodin kein Ruß (Spuren vom Feuer) festgestellt werden konnte, er also (ich glaube als einzige Person) nicht am brennenden Feuer gewesen sein kann. Seine Leiche befand sich aber zwischen Zeder und Zelt, also muss er auf dem Weg bergab verblieben/gestürzt/verstorben sein. Dyatlov und Kolmogorova sind vermutlich zurück, um ihn zu suchen/zu holen. Slobodin hat in diesem Zusammenhang Verletzungen, die recht "früh" passiert sein müssen und mir merkwürdig erscheinen: Schädelfraktur, viele Gesichtverletzungen und Verletzungen an Hand und Arm, wie bei einer Abwehrhaltung.

Der Unterschlupf im Wald ("Unterlage") scheint sehr durchdacht gebaut zu sein. Nicht so leicht zu erklären ist die Ortswahl, wenn man Rakitins Interpretation ablehnt. Demnach war der Ort so gewählt, dass es nicht in einer fortgesetzten Linie (Zelt-Hang-Zeder-Unterschlupf) war, sondern eher wieder Richtung Zelt,aber seitlich versetzt, in Ruf-/Beobachtungsreichweite zum Feuer. Für mich auch völlig unerklärlich ist, warum nicht beim Unterschlupf ein (wenigstes) kleines Feuer war, Zeit dafür wäre gewesen, Glut/Licht am großen Feuer. In so einer Situation bedeutet Feuer doch Wärme, Licht, Leben, Hoffnung.

Ein anderes Thema ist das Zelt, dort gibt es laut Rakitin auch viele Ungereimtheiten. Z.B. fand man vor dem Zelt die Scheide eines Messers (die sich eher nicht mal eben von Kleidung/Körper löst), das dazugehörigeMesser soll sich aber im Zelt befunden haben. Im Zelt sollen alle Gamaschen zerissen gewesen sein, als hätte jemand darin etwas gesucht - warum, wenn die Gruppe plötzlich von einer Naturgewalt überrascht wird? Rakitin interpretiert die Situation ja so, dass die Gruppe vor dem Zelt aufgereiht stand und Kleidung/Dinge ablegen musste (kleine Gegenstände gehäuft an einem Ort, Kleidungsbündel in der Nähe,...). Die Stiefel sollen im Zelt auffallend unordentlich auf einem Haufen gelegen haben, als hätte sie jemand auf einen Haufen dort hinein geworfen.
Es gibt wohl indizien, dass jemand etwas gesucht hat (da wird noch ein kaputtes Kamerateil aufgeführt, was innerhalb der Tasche aber nicht kaputtgehen konnte, zwei Fotoaparate fehlten etc.).

Wie gesagt, ich bin keiner, der Rakitins These 1:1 übernimmt und ich würde gerne an natürliche Erklärungen glauben, auch mit besonderer Gruppendynamik in dieser Extremsituation. Aber diese vielen vielen merkwürdigen Fakten in Rakitins Buch beschäftigen mich sehr.
Entäuscht bin ich, dass bei den derzeitigen offiziellen Untersuchungen nur drei Möglichkeiten nachgegangen wird, die meiner Meinung nach viele Fakten, auch mit ganz viel Phantasie, nicht schlüssig erklären werden können.


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Der Dyatlov-Pass-Vorfall

10.05.2019 um 14:50
@Peter1979
Würde mir jetzt gerade zu weit führen, auf jeden Punkt einzugehen.

Bezüglich der Schilderungen zum Zelt und der Gegenstände. Auf was stützt sich Rakitin da?
Auf etwas anderes als die Testimonies der Suchtrupps?

Bezüglich der Verletzungen:
Bitte führe dir noch mal das Gelände szenisch vor Augen (genug Fotos, Videos von damals, von heute, mmit und ohne Schnee sind verfügbar). Und gehe da unter diesen Umständen abends/nachts durch. Wie weit kommst du ohne Sturz? Und du rappelst dich immer wieder auf.

Verletzungen: Hände, Unterarme, Gesichtspartie, Brustkorb. Stumpf und Schnitte. Warum nicht beim Stolpern, Straucheln, Stürzen in diesem tückischen Gelände. Plus Zweige abreißen mit bloßen Händen, buddeln, scharren. etc.


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Der Dyatlov-Pass-Vorfall

10.05.2019 um 15:37
@Stephenson
Das Buch habe ich leider erst wieder in ein paar Tagen zur Hand, da werde ich noch mal nachschlagen, auf was sich Rakitin stützt.

Als Laie (und nicht als fachkundiger Mediziner) würde ich glauben können, dass die Verletzungen auf natürlichem Weg entstanden sind, wie von dir geschildert. In den einzelnen Fällen.
Die Häufung beschäftigt mich aber sehr. Es wird im Buch beschrieben, dass die schweren Rippenverletzungen bei zwei der Personen und die massive Schädelverletzung von Nikolay es den Betroffenen unmöglich erlaubt hätten, weitere Strecken zurückzulegen. Die Rippenverletzungen seien so massiv, dass selbst mit zwei stützenden Personen kaum Wegstrecke möglich gewesen wäre, ein Anheben der Arme hätte die Rippen eher tiefer in Brustkorb/Lunge gedrückt. Bisher habe ich noch von keinem Mediziner gelesen, der diese Aussage relativiert oder verneint. Die schweren/tödlichen Verletzungen müssen also recht nah oder direkt am Fundort (Bachlauf) passiert sein. Wenn ich mir das als Unfall konstruiere (Schneebrücke, darunter blanke Felsen, alle drei Personen stürzen extrem unglücklich, bei zweien ist die Verletzung an fast identischen Stellen des Brustkorbs, etc.), dann streikt schon bald meine Phantasie. Angeblich fand man bei der Exhumierung von Zolotaryov dessen Schulterblätter gebrochen/zertrümmert vor, das war bei der Untersuchung vielleicht übersehen worden. Das Gelände war bestimmt herausfordernd, aber nicht hochalpin oder von tiefen Schluchten durchzogen.

In meiner Kindheit bin ich aufgewachsen inmitten der Friedensbewegung gegen den Kalten Krieg und war viele Jahre mit der Situation direkt und täglich konfrontiert. Ich habe selbst erlebt, wie groß die Anspannung war, bei Soldaten, bei Polizisten und bei Menschen, die nah am Geschehen waren (Atomraketen-Stützpunkt einen Kilometer entfernt neben der Einfamilienhaus-Idylle). Was ich selbst an Aussagen/Sprüchen/Gesten/Blicken erlebt habe, wie viel Misstrauen es teilweise gab (potentiell war jede Person der Friedensbewegung ein Spion der Gegenseite), welche Überwachung stattfand, glaubt man kaum, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Rakitin bezieht vieles auf die Anspannungen des Kalten Krieges, geheimen Machenschaften, Legen flascher Spuren, Doppelagenten etc. Dass das Dyatlov-Ereignis dazu in einem Zusammenhang stehen könnte, finde ich überhaupt nicht abwegig, kann das aber auch nicht mit Fakten unterfüttern (war auf Westseite des Eisernen Vorhangs). Interessant ist in diesem Zusammenhang vielleicht auch die These Rakitins für die Leuchtpunkte, die aus der Ferne um den Unglückszeitpunkt herum beobachtet worden waren. Demnach waren es große Leuchtgeschosse, die feindliche Aktivitäten (z.B. Flugzeuge/Fahrzeuge, die Agenten/Spione absetzen) aufdecken oder abschrecken sollten. Bei allen Erklärungen die ich bisher gelesen habe, eine der für mich nachvollziehbaren, das wurde von verschiedenen Nationen in Krisengebieten schon eingesetzt.

Ich weiß nicht, was genau passiert ist und ob sich die Ursache(n) jemals besser eingrenzen lassen, aber ich berücksichtige bei meinen Überlegungen vor allem zwei Dinge: Zum einen, ob es (und wenn ja wie viele) Widersprüche es zu einer These gibt und zum anderen, wie es sich mit Wahrscheinlichkeiten verhält, das etwas theoretisch so passierte. Klar - es passieren auch sehr unwahrscheinliche Ereignisse/Unglücke, aber die Wahrscheinlichkeit ist einfach geringer.


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