bgeoweh schrieb:Weil ihnen nix anderes übrigbleibt, nicht weil das besondere Erfolgsaussichten hätte.
Wieso, die Reservisten werden doch gar nicht eingesetzt, in der Ukraine kämpft eine "Freiwilligenarmee", im Hintergrund laufen Friedensgespräche (aktuell heute in Abu Dhabi), Putin könnte mMn jederzeit ein Einfrieren des jetzigen Zustandes bekommen. Zumindest was die Munition angeht, produziert Putin gar nicht mehr für den Krieg gegen die Ukraine.
Für mich sieht das so aus, dass er keinen Frieden WILL, nicht dass er diese Option gar nicht hat. Oder dass niemand mit ihm darüber Gespräche führen will. Als Olaf Scholz darüber Gespräche führen wollte, hat Putin i.d.R. ein Kinderkrankenhaus zerbombt.
Und das trotz der nur geringen Geländegewinne.
bgeoweh schrieb:Zwei. Russland hat offiziell zwei Millionen Reservisten, wieviele davon noch tauglich sind ist fraglich. Das klingt beeindruckend, ist aber eine Personenzahl die im zweiten Weltkrieg teilweise an einzelnen Schlachten beteiligt war. Um tatsächlich Länder dauerhaft feindlich zu besetzen reicht das bei weitem nicht aus. Schon in der "befreundeten" DDR waren mehrere hunderttausend "Freunde" stationiert...
Die zwei Millionen bezieht sich nur auf die aktuelle Mobilmachung, insgesamt sind es eher 20 Mio.
Russland verfügt über ein mehrstufiges Reservistensystem. Die sogenannten aktiven Reservisten sind etwa zwei Millionen Männer, die vom Verteidigungsministerium ein Gehalt erhalten, um ihre grundlegenden militärischen Fähigkeiten aufrechtzuerhalten: Sie nehmen zusätzlich zu ihrem normalen zivilen Leben an regelmäßigen Übungen teil.
Daneben gibt es noch eine weitere Kategorie, die sogenannte inaktive Reserve. Diese umfasst etwa 18 bis 20 Millionen Männer, die in der Vergangenheit militärische Erfahrung gesammelt haben, in der Regel im Rahmen des Wehrdienstes, aber ihre Fähigkeiten nicht weiter trainiert und auf dem neuesten Stand gehalten haben.
Der vorliegende Erlass sieht die Mobilisierung der zweiten Kategorie vor.
Quelle:
https://www.zdfheute.de/politik/ausland/ukraine-putin-reservisten-mobilisierung-dekret-100.html
bgeoweh schrieb:Im Moment hat die russische Rüstungsindustrie alle Hände voll zu tun, den Materialverbrauch der Ukraine-Aktion zu decken, und dort ist der Geländegewinn seit zwei Jahren praktisch Null.
Während der Krieg in der Ukraine auf dem jetzigen Level weiterläuft, ist ein konventioneller Krieg gegen ein NATO-Land zwar natürlich unwahrscheinlich, aber erste hybride Schritten natürlich möglich. Dazu, wie die NATO selbst es sieht, habe ich ja bereits hier einige Statements verlinkt - und ja, mir ist bekannt, dass die NATO und die Länder des Westens für Verteidigungsausgaben Geld bekommen müssen und auch deshalb vor der Gefahr warnen. Ein paar Beispiele:
Zur Bedrohung der Nato durch Russland sagte Neitzel: „Die nächsten drei Jahre sind die gefährlichsten.“ Russland rüste massiv auf und habe trotz der Verluste in der Ukraine 1,2 Millionen Mann unter Waffen. Dieser Rüstungsvorsprung existiere nur so lange, bis die Nato aufgeholt habe. „Es gibt für Putin also nur einen engen Zeitkorridor, in dem er sich entscheiden muss: Geht er in die Konfrontation oder nicht?“
Quelle:
https://www.focus.de/politik/ausland/militaerexperte-warnt-nato-die-naechsten-drei-jahre-sind-die-gefaehrlichsten_2cf263d0-7afc-4cb1-acfb-bbad1961cdbd.htmlVon verschiedener Seite weisen Expert:innen darauf hin, dass der NATO angesichts der russischen Aufrüstung nur drei bis fünf Jahre bleiben, um ihre Verteidigung gegen eine potenzielle russische Offensive auf das Bündnisgebiet zu stärken.
Quelle:
https://www.strategyand.pwc.com/de/de/branchen/luft-raumfahrt-verteidigung/kapazitaetsaufbau-verteidigungsindustrie.htmlEs gibt Befürchtungen innerhalb der Nato-Führung, dass Russland möglicherweise Angriffe auf verschiedene europäische Ziele, einschließlich Deutschland, planen könnte. Es wurde auch darauf hingewiesen, dass die Nato nur über einen Zeitraum von drei Jahren verfügt, um ihre Verteidigung gegen eine potenzielle russische Offensive auf das Bündnisgebiet zu stärken.
Quelle:
https://www.fr.de/politik/ziel-vorbereitung-ukraine-krieg-nato-verteidigung-putin-truppen-angriffe-europa-deutschland-92804488.htmlWährend in Deutschland intensiv über die Rolle von Drohnen in modernen Kriegen diskutiert wird, sieht ein vertrauliches Nato-Papier die größere Bedrohung für den Westen an anderer Stelle: in der strategischen Aufrüstung Russlands. Das berichtet die "Welt" unter Berufung auf das als geheim eingestufte Dokument aus dem nachrichtendienstlichen Bereich der Militärallianz.
Quelle:
https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/internationale-politik/id_101000952/russlands-neue-waffensysteme-nato-experte
bgeoweh schrieb:Die AFD ist politisch inkompetent, die treiben niemanden vor sich her - das ist ein Sammelbecken für Unzufriedene. Im Kriegsfall kann man Wahlen auch aussetzen, dann können sie sich auf ihren "Stimmenfang" ein Ei aufschlagen, genau wie die Vaterlandsverräter aus Links- und Wagenknecht-Partei.
Ich würde unter bestimmten Bedingungen nicht ausschließen, dass es zu AfD-Regierungen kommt, zumindest auf Landesebene, im schlimmsten Fall auch im Bund. Das Risiko ist aber wahrscheinlich überschaubar. Trotztdem schadet die AfD anderweitig, z.B. durch Spionage. Und es geht nicht um einen Kriegsfall, sondern erstmal nur auf ein hybrides Szenario (also ohne NATO-Bündnisfall). In anderen europäischen NATO-Ländern sind ähnliche Rechtsregierungen wahrscheinlicher.
bgeoweh schrieb:Russland hat keine ernstzunehmenden Verbündeten mehr.
Ich würde China, Iran und Nordkorea dazuzählen, außerdem einige der früheren Sowjetrepubliken. Auch wenn es natürlich Unterschiede gibt, und vor allem China keine "Nibelungentreue" mit Russland hat.
bgeoweh schrieb:Und man sollte auch berücksichtigen, dass "weiche" Faktoren für beide Seiten gelten - was ist denn mit möglichen Oppositionellen oder Volksaufständen in Belarus oder auch Russland selbst? Es gibt entsprechende Bewegungen und Gruppen, warum sollten die es einfach hinnehmen dass ihr Land in einen Krieg mit der NATO (oder wem auch immer) gezogen wird und nicht ihrerseits den Moment nutzen, um gegen das Regime loszuschlagen? Zu Beginn des Ukraine-Krieges gab es in Russland einen militärischen Putschversuch der anfangs Erfolgsaussichten hatte, in Belarus haben Streik- und Sabotageaktionen der Eisenbahner den russischen Angriffsplan zumindest behindert, Lukaschenko hat alle paar Jahre Großdemos auf den Straßen... im russischen "Imperium" wird auch nicht nur gemacht, was der Führer befiehlt.
Genau aus diesem Grund müsste Putin so vorgehen, dass ein konventioneller Krieg in der Propaganda nach innen nicht aus Angriffskrieg gegen die NATO erscheint, sondern im Gegenteil, dass Russland scheinbar gegen sein Willen in etwas hineingezogen wird und einen "gerechten Krieg" führt (das ist bereits jetzt das Narrativ - nur eben als "Spezialoperation").