Da braucht es dann also schon einen 3 Jahre alten russischen Propaganda-Artikel, gemischt noch mit etwas kontextlosem Geschwurbel, um die "ewige Freundschaft" hier auch weiterhin an die Wand malen zu können.

Ziemlich dünnes Eis, auf dem du dich da bewegst.

Hier habe hier ein Interview für dich:

China-Kenner Bernhard Weber im Gespräch mit der "Landeszentrale für politische Bildung"
Chinas Haltung zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine


Lpb: Herr Weber, China ist von der Bühne der Weltpolitik schon lang nicht mehr wegzudenken. Die Haltung der Staatsführung fällt international stark ins Gewicht. Wie steht sie zum Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine?

Weber: Wenn man die Verlautbarungen aus Peking ansieht, wird da sehr vorsichtig laviert. Auf der einen Seite versucht man, den Wortlaut Russlands zu übernehmen, wonach es sich nicht um einen Krieg handle. Die Führung ist äußerst vorsichtig und tut viel dafür, dass nicht der Eindruck entsteht, China würde den Krieg unterstützen und die vom Westen beschlossenen Sanktionen unterlaufen. Peking benutzt den Krieg aber auch opportunistisch, um Russland noch mehr Gefälligkeiten abzuverlangen, als es sowieso schon tut.



LpB: Was meinen Sie damit?

Weber: Ich kenne Menschen in Peking, die Einblick ins Gasgeschäft haben, das China mit Russland betreibt. Die Konditionen sind sehr gut für China. Bei anderen Rohstoffen sind die Preise so niedrig, dass Russland froh sein muss, überhaupt die Produktionskosten decken zu können.



LpB: Wie sieht die Kommunikation der Staatsführung aus, wenn es um den Krieg geht?

Weber: Man spricht in China von einer „sehr komplizierten Situation“, die den Krieg verursacht habe. Darauf wird aber nicht näher eingegangen. Man lässt also bewusst vieles offen.



LpB: Was denken die Chinesinnen und Chinesen denn über den Krieg?

Weber: Direkt nach Kriegsbeginn habe ich das bewusst beobachtet. Unter den privaten Online-Kommentaren, die nicht zensiert worden waren, gab es viele hypernationalistische Stimmen, die sich gegen die USA und gegen die NATO richteten. Und die auch sagten, man solle jetzt an Taiwan denken.



LpB: Und die anderen?

Weber: Alle, die gegen den Krieg sind, halten entweder den Mund, oder ihre Kommentare werden innerhalb von ein oder zwei Stunden zensiert. Es gab anfangs vereinzelte Berichte von Bloggern, die direkt aus der Ukraine berichtet haben. Die wurden von den Menschen auch zur Kenntnis genommen. Das waren aber Einzelfälle. Im Staatsfernsehen, an dem sich die meisten Menschen orientieren, wird die russische Sichtweise übernommen.



LpB: Glauben Sie, dass die geschlossene Reaktion des Westens Peking überrascht hat?

Weber: Ja. Das gängige Narrativ der Staatsführung ist ja, dass die EU nichts hinbekommt, dass Prozesse ewig dauern und alles mit 28 Ländern einzeln verhandelt werden muss. Dieses Narrativ ist durch den Krieg brüchig geworden. Man hatte damit gerechnet, dass der Krieg schnell vorbei sein werde. Es fällt der Führung jetzt schwer, der Bevölkerung zu vermitteln, dass dem nicht so ist.
Machtverhältnsse zwischen Russland und China – machtpolitische Verschiebung


LpB: Haben Sie den Eindruck, dass die Unterstützung Russlands durch China angesichts des Kriegsverlaufs nachlässt?

Weber: Man muss zunächst betrachten, was Russland und China überhaupt verbindet. Da gibt es nur eines: das gemeinsame Feindbild USA. Daran hat sich seit Jahrzehnten nicht viel verändert, und damit sind die Gemeinsamkeiten auch erschöpft.
LpB: Wie sehen die Machtverhältnisse zwischen China und Russland denn aus?
Weber: Die haben sich umgedreht.



LpB: Inwiefern?

Weber: Früher war Russland stets der große Lehrmeister, der den Ton vorgibt. Heute ist es genau umgekehrt. Die Chinesen betrachten die Russen heute als das, was sie sind.



LpB: Nämlich?

Weber: Der amerikanische Präsident Obama hat es ja bereits vor Jahren ausgesprochen: Russland ist eine Regionalmacht. Die Chinesen sehen Russland als wirtschaftlich überbewertetes, militärisch überbeanspruchtes Land. Was hat Russland China letztlich zu bieten? China hat für jedes Produkt, jede Dienstleistung einen besseren Handelspartner als Russland – außer, wenn es um Rohstoffe geht. Für die tatsächliche Entwicklung Chinas ist Russland nicht einmal ein Markt. Russland hat weder das Geld, um chinesische Hightech-Produkte zu kaufen, noch die Bevölkerung, um im großen Stil teure Autos zu kaufen.



LpB: Worin äußert sich diese machtpolitische Verschiebung?

Weber: Ich nenne Ihnen ein Beispiel: In Nanjing, wo ich gelebt habe, haben die Menschen unter vorgehaltener Hand über die Bilder vom Treffen von Putin und Xi bei den Olympischen Spielen in Peking gelacht. Da gab es den großen Schulterschluss vor der Kamera. Später saß Putin allein auf einer leeren Gästetribüne, nicht aber beim Zentralkomitee der KP.



LpB: Warum ist das wichtig?

Weber: Weil solche Symbole in China sehr bedeutsam sind. Ob jemand in der ersten oder zweiten Reihe sitzt, am ersten Tisch oder am zweiten, das sagt viel aus. Das wird von der Bevölkerung auch genau beobachtet und bewertet.



LpB: Offiziell heben beide Seiten jedoch die Bedeutung ihrer Partnerschaft hervor. Erst Anfang des Jahres wurde in einem Kommuniqué eine bilaterale „Kooperation ohne Grenzen“ verkündet.

Weber: Die Chinesen sind schlau und sprechen nicht aus, was sie denken. Stattdessen heben sie Gemeinsames hervor, betonen die Bedeutung Russlands. Im Prinzip betreiben die Chinesen eine extreme Realpolitik. Das mit den Freundschaftsbünden darf man außerdem nicht zu hoch hängen. Davon gab es in der Vergangenheit schon einige zwischen Russland und China.



LpB: Aber was verspricht sich China denn überhaupt von der Kooperation?

Weber: In erster Linie billige Rohstoffe. Man kann die Tatsache der Machtverschiebung aber gar nicht hoch genug bewerten. Das ist für die Generation von Politikern, die jetzt in China an der Macht ist, eine unglaubliche Genugtuung.
Quelle: https://www.lpb-bw.de/china-russland