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PEGIDA

PEGIDA

23.12.2014 um 07:07
Nun ist Deutschland auf dem Wege, der ganze Welt zu helfen, zu unterstützen und aufzunehmen. Bis dato und auf Weiteres wird dies geschehen. Daran ist nichts verkehrt, jedoch die konzentrierte und geballte Unterbringung der, sagen wir mal z.Zt. strömenden, Flüchtlingsmassen in die gewohnte Gesellschaft bringt Unruhe. Wie ein weisses Blatt mit einem schwarzen Punkt. Der fällt natürlich ins Auge. Es geht auch nicht um die zu recht behüteten Flüchtlinge. Aber um den Weizen von der Spreu zu trennen, benötigt man Zeit.
Natürlich ist dieser derzeitige Missfallen der PEGIDA am System ein gefundenes Fressen für unlautere Gewerke. Aber auch hier muss man den Weizen von der Spreu trennen. Dem "Wut-Bürger" eine nationalsozialistische Neigung zu unterstellen, ist das Gleiche Fundament wie zu sagen " Alle Ausländer sind kriminell" o.Ä.. Man sieht, die Grundlagen beider Fraktionen sind nicht allzu verschieden. Doch wer ist jetzt im Zugzwang ?


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PEGIDA

23.12.2014 um 07:17
@che71
Und ja, hast recht ,als mein ehemaliger chef, hat sich Sarrazin nicht mit Ruhm bekleckert, gerade bei der Belegschaft.


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PEGIDA

23.12.2014 um 07:25
Mal eine andere Frage:
Wie kommt PEGIDA ( Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes ) auf die Idee jetzt zu protestieren ? Angekündigt von offizieller politischen Seite waren christliche Flüchtlinge .


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PEGIDA

23.12.2014 um 08:05
@pathofdecay

es kamen auch vorher zu einem großen zahl christliche flüchtlinge. Das ist den meisten demoteilnehmern, falls sie es überhaupt wissen, relativ schnuppe


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PEGIDA

23.12.2014 um 08:08
Sind es denn nur christliche Flüchtlinge ? Ok, schwer zu beantworten, aber ich finde eine berechtigte Frage. Selbst wenn ja, ist doch die Bewegung nicht gegen die Flüchtlinge ansich.


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Egalite
ehemaliges Mitglied

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PEGIDA

23.12.2014 um 10:07
@Rho-ny-theta
Meiner Meinung nach sind die Einkommens- und Vermögensspreizung, das Nachhaltigkeitsproblem in Rente und Pflege sowie die ungerechte Besteuerung von Arbeits- und Kapitaleinkommen sowie die schizophrene Behandlung von Vermögen und Erbschaften ein größeres Problem, dem man mehr Aufmerksamkeit widmen sollte.
Genau deswegen habe ich auch den Beitrag aus dem Standard hier angeführt.
Experte: Seit EU-Beitritt stieg Ungleichheit
21. Dezember 2014, 13:36
Auf die relativ egalitäre Verteilung der Nachkriegszeit folgte auch in Österreich in den 1980er-Jahren eine steigende Ungleichheit

Wien - Die Ungleichheit ist in Österreich in den vergangenen 20 Jahren seit dem EU-Beitritt gestiegen, allerdings hat dieser Trend nicht mit dem EU-Beitritt begonnen. Der Wendepunkt sei schon in den 1980-er Jahren gewesen mit dem Aufkommen der neoliberalen Wirtschaftspolitik, erläutert Arbeiterkammer-Experte Matthias Schnetzer.

"Der EU-Beitritt war nicht der Auslöser für die steigende Ungleichheit", sagt Schnetzer. Die EU habe diesen Trend aber auch nicht gestoppt. Der Verteilungs-Experte verweist auf einen globalen Trend in den entwickelten Staaten in Richtung steigender Ungleichheit, wenn auch mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten in einzelnen Ländern.

"In den Hocheinkommensländern steigt die Ungleichheit etwa seit den 80-er Jahren", so der Ökonom. Von diesem Trend sei auch Österreich voll erfasst. Zuvor habe es jahrzehntelang einen Trend zu mehr Gleichheit in der Einkommensverteilung gegeben. In der Nachkriegszeit, den "goldenen Jahren", habe eine "relativ egalitäre Verteilung" geherrscht - vor allem in den 70-er Jahren aufgrund niedriger Arbeitslosigkeit, einem starken Ausbau des Wohlfahrtsstaates sowie den hohen Steuern auf Top-Einkommen und Vermögen . In Österreich habe es bis zu Beginn der 80-er Jahre de-facto Vollbeschäftigung gegeben.

Ab Anfang der 80-er Jahre kam dann international die Wende: Die Spitzensteuersätze und die Erbschaftssteuern wurden drastisch gesenkt, die Spitzeneinkommen zogen davon. In der Wirtschaftspolitik fasste der Neoliberalismus Fuß mit der Vorstellung, dass möglichst freie Märkte zu einem optimalen wirtschaftlichen und sozialen Ergebnis kämen. Gesellschaftspolitisch bedeute das, dass nur Leistungsfähige reüssieren sollten.

Mehr Privat, weniger Staat

Neoliberale Wirtschaftspolitik habe die Losung ausgeworfen, "mehr Privat, weniger Staat", und damit propagiert, dass der Staat keine Unternehmen führen könne. Man solle daher öffentliches Eigentum an Unternehmen privatisieren und die Staaten sollten ihre Sozialsysteme zurückfahren. Verbunden war dies auch mit einer Liberalisierung auf den Märkten, vom Gütermarkt zum Arbeitsmarkt, überall wurden "Schranken" abgebaut.

Dieses Denken habe sich in die Wirtschaftspolitik seit den 80-er Jahren eingebrannt und habe zu starken Veränderungen im Steuersystem und den öffentlichen Haushalten geführt: Top-Einkommen werden entlastet, Vermögenssteuern reduziert oder gleich ganz abgeschafft, wie in Österreich. Das sei keineswegs auf Europa beschränkt, sondern ein globaler Trend: In den USA sei die Ungleichheit noch stärker gestiegen.

Bei den öffentlichen Haushalten habe sich das "Dogma der bösen Verschuldung" durchgesetzt: Bei öffentlichen Investitionen wurde auf die Bremse gedrückt, die öffentlichen Schulden wurden rein auf negative Auswirkungen reduziert. Mehr öffentliche Investitionen würden die Verteilung gleicher machen, ist der AK-Experte überzeugt. Direkte Folge der Schuldenreduktion in den Staatsbudgets sei mehr Ungleichheit. Denn öffentliche Investitionen würden oft für Infrastruktur-Projekte verwendet und Arbeitsplätze und Einkommen schaffen sowie die Konsumnachfrage ankurbeln. "Öffentliche Investitionen verringern Ungleichheit, wenn sie ausbleiben wird Ungleichheit nicht eingedämmt".

Schwankende Konjunktur befeuert Ungleichheit

Die steigende Ungleichheit werde auch durch die schwankende Konjunktur befeuert: Seit den 80-er Jahren gab es immer wieder lange Rezessionen, demgegenüber standen phasenweise boomende Finanzmärkte. Da in der Realwirtschaft keine überbordenden Profite mehr möglich seien, gehe das Kapital auf die Finanzmärkte, wo noch hohe Renditen locken. Dadurch steige aber auch die Gefahr der Blasenbildung auf den Märkten. "Diese Entwicklung, dass an Finanzmärkten steigende Erträge erzielt werden können, trägt zur Ungleichheit bei, weil da nur bestimmte Akteure teilnehmen, keine Arbeitnehmer sondern Vermögende, Unternehmen und Banken".

Die besonders in Schwächephasen der Realwirtschaft steigende Arbeitslosigkeit habe Auswirkungen auch auf die Arbeitenden, weil sie die Verhandlungspositionen der Gewerkschaften in Lohnverhandlungen schwäche. "Mit einem großen Arbeitslosenheer im Rücken ist es auch für Gewerkschaften schwierig, ihre Forderungen durchzusetzen". Das habe zu einer sinkenden Lohnquote gegenüber der Gewinnquote geführt: Ein immer größeres Stück vom Volkseinkommen geht in die Vermögenseinkommen , während die Arbeitnehmer immer weniger davon bekommen.

Betrug die Lohnquote in Österreich 1994 noch fast 75 Prozent, lag sie 2013 nur mehr bei knapp 67 Prozent - mit langfristig sinkender Tendenz. Gegenläufig verlief die Entwicklung der Arbeitslosigkeit: Lag die Arbeitslosenquote Anfang der 80-er Jahre bei 2 Prozent, stieg sie bis zum EU-Beitritt auf 7 Prozent und kletterte in den vergangenen Jahren weiter auf 8 Prozent. Nach dem EU-Beitritt 1995 stabilisierte sich die Arbeitslosigkeit auf hohem Niveau, bis sie in Folge der Wirtschaftskrise 2008 erneut anstieg.

Durch den Steuerwettbewerb innerhalb der EU für Unternehmen und Top-Verdiener sei die Ungleichheit jedenfalls weiter gestiegen: "Die einzelnen EU-Staaten unterbieten sich gegenseitig bei den Steuersätzen auf Gewinne und Vermögen, um Kapital anzuziehen - eine verhängnisvoller Abwärtsspirale", meint Schnetzer. Auch das Bankgeheimnis begünstige die Vermögenden, ebenfalls die in Österreich fehlende Erbschafts- und Schenkungssteuer. "In 18 EU-Staaten gibt es Erbschafts- und Schenkungssteuern", Österreich habe hier Aufholbedarf. "Österreich ist in vielerlei Hinsicht eine Steueroase für Vermögende: Im OECD-Vergleich hat Österreich eine der niedrigsten Abgabenquoten auf Vermögen".

Kein Verständnis für Steuerschonung

Diese Steuerschonung für Vermögen sei nicht einzusehen, kritisiert Schnetzer: Großen Vermögen sollte ein Beitrag zur Finanzierung des Allgemeinwohls abverlangt werden. Durch den EU-Steuerwettbewerb nach unten drohe europaweit eine wichtige Quelle für die Finanzierung des Transfersystems und für öffentliche Investitionen verloren zu gehen.

Öffentliche Investitionen in Infrastruktur und insbesondere in den geförderten Wohnbau helfen den Geringverdienern, indem dadurch Mieten erschwinglich bleiben. Öffentliche Dienstleistungen, vom Gesundheitsbereich bis zu Kindergärten, helfen jenen, die sich diese Leistung nicht privat finanzieren können, erläutert er. "Wenn man diese Standards aufrechterhalten will, muss die Finanzierungsbereitschaft da sein - durch Steuern und auch über die Aufnahme öffentlicher Schulden".

Die EU-Politik habe durch den Fiskalpakt mit der Schuldenbremse die Investitionstätigkeit der Staaten eingeschränkt - was wiederum die Ungleichheit gefördert habe. Die internationalen Wirtschaftsorganisationen OECD und IWF sähen mittlerweile einen klaren Zusammenhang zwischen steigender Ungleichheit und der Wachstumsschwäche in der EU, während im Jahreswachstumsbericht der EU die Verteilung nicht einmal erwähnt werde. "Da sind die internationalen Institutionen deutlich weiter im Verständnis für Ungleichheit als die EU-Kommission", kritisiert Schnetzer. (APA, 21.12.2014)
http://derstandard.at/2000009657553/Experte-Schwankende-Konjunktur-befeuert-Ungleichheit

Und TTIP würde das Ganze noch weiter verschärfen, denn TTIP wird dafür sorgen, dass die normalen Bürger der EU noch mehr verlieren werden. Der Euro hat mittlerweile schon ganze Arbeit geleistet und wird in der Zukunft weiter seine glanzvolle Arbeit verrichten. Die aktuelle Russlandpolitik der EU ist auch so ein Meisterstück an Diplomatie und Stärkung der Volkswirtschaften der Zone.
Auf der Linken stößt die Mischung aus Kritik an der amerikanischen Hegemonie, an der Nato und an der EU bei gleichzeitigem Verständnis für Putins Politik auf ein breites Echo. Als Sprecher dieser Strömung tritt der frühere Verteidigungsminister Präsident Mitterrands Jean-Pierre Chevènement auf, der 2012 von Außenminister Laurent Fabius zum „Sonderbeauftragten“ für Russland ernannt wurde. Seither hat sich Chevènement unter dem Einfluss der „Ewigen Sekretärin“ der Académie française, Hélène Carrère d’Encausse, zum Anwalt Putins aufgeschwungen. Gegen die offizielle Politik des Quai d’Orsay wirbt er für eine „strategische Partnerschaft“ mit Russland. „Persönlich“ sei er für die Auslieferung der Hubschrauberträger, sagte Chevènement nach seinem jüngsten Vermittlungsversuch in Moskau. Für den Wortführer der Linkspartei, Jean-Luc Mélenchon, reagiert Frankreich gegenüber Moskau nur noch wie ein Vasall Amerikas: „Unsere lächerliche Russland-Politik zeigt, wie sehr wir uns Washington unterworfen haben.“
http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/frankreich-mit-putins-werten-13331741-p2.html?printPagedArticle=true#p...


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PEGIDA

23.12.2014 um 10:50
So, gestern waren also um die 17.500 Pegidianer in Dresden und haben Weihnachtslieder gesungen. Eine kleine Steigerung. Dagegen sind in München um die 10.000 - 12.000 Menschen gegen Pegida auf die Straße gegangen. Jetzt ist erstmal Weihnachtspause und am 5. Januar möchte man wieder spazieren gehen.

Fraglich, ob diese Bewegung das Potential hat, noch weiter zu wachsen, auch wenn es in diversen europäischen Ländern Ableger gibt. Eins ist aber sicher: Auch wenn diese Bewegung scheitert, die Büchse der Pandora ist geöffnet.


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def
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PEGIDA

23.12.2014 um 10:57
@Aldaris
Aldaris schrieb:die Büchse der Pandora ist geöffnet
Echt ey... demonstrierende Bürger. Widerlich! Und eine Gefahr für die Demokratie... oh... wait!


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Mao1974
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PEGIDA

23.12.2014 um 11:11
@Aldaris

Tja, so kann es halt kommen, wenn man Probleme verschweigt und jahrelang politisch korrekt übertüncht.


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PEGIDA

23.12.2014 um 11:16
@def
Also ich weiß ja nicht wie du aus dem Begriff der Büchse der Pandora entnehmen kannst das Aldaris den deutschen Bürgern das demonstrieren verbieten will, aber ich finde die Redewendung auch treffend. Nicht weil auf einmal Leute anfangen sich zu politisch zu engagieren, sondern weil die Leute schon wieder irgendwelchen Realitätsverdrehern hinterherlaufen ohne dabei mal ein bisschen weiter zu denken. Warum sich grade die Demonstranten die sich sonst damit brüsten frei von jeglicher Manipulation zu sein, Leuten wie dem guten Lutz folgen wird mir wohl noch lange ein Rätsel sein.


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PEGIDA

23.12.2014 um 11:22
def schrieb:Echt ey... demonstrierende Bürger. Widerlich! Und eine Gefahr für die Demokratie... oh... wait!
Was redest du wieder für Mumpitz?


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Mao1974
ehemaliges Mitglied

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PEGIDA

23.12.2014 um 11:23
@NovaBaby

Hm, findest Du nicht, daß das für beide Seiten gilt?
Realitäten werden beiderseits verdreht.

Von den Pegidafreunden genauso wie von Multikultiaposteln, die reale Probleme schlicht nicht wahrnehmen. Ich habe grade ein Interview mit Heinz Buschkowsky gesehen, der aus seinem Stadtteil berichtet. Er spricht Probleme an, die nicht nur Neukölln betreffen und ist ganz sicher kein Rassist.


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unreal-live
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PEGIDA

23.12.2014 um 11:25
Ein etwas differenzierteres Interview zur Bewegung

Der Politikwissenschaftler Werner Patzelt hat die Reaktion von Politikern auf die Pegida-Demonstrationen kritisiert. Im Deutschlandfunk sagte er, diese hätten viel zu früh behauptet, zu wissen, worum es geht. Inzwischen würden sie zumindest das Gespräch mit den Demonstranten suchen.
Mario Dobovisek: Am Telefon begrüße ich Werner Patzelt, er ist Politikwissenschaftler an der Technischen Universität in Dresden, wo er die Pegida-Bewegung intensiv verfolgt. Guten Tag, Herr Patzelt!
Werner Patzelt: Guten Tag, Herr Dobovisek!
Dobovisek: Ist Pegida, wie wir gerade hörten, bloß ein lokales Phänomen, bloß Folklore?
Patzelt: Es ist viel Folklore dabei, aber Pegida scheint mir nicht nur ein lokales Phänomen zu sein. Hinter Pegida versammeln sich viele, die das Gefühl haben, dass die Politik sie mit ihren Sorgen alleine lässt und jede Menge von Forderungen an einfache Leute stellt, die in den Wohnquartieren der besseren Kreise nicht so erfüllt werden.
Dobovisek: Welche Forderungen sind das?
Patzelt: Nicht mit allzu vielen Asylbewerbern und Bürgerkriegsflüchtlingen, die man vor Ort einquartiert, allein gelassen zu werden, nicht in der eigenen Lebenswelt die Veränderung dahingehend zu haben, dass die Schulen nur noch zu einem geringen Teil von deutschsprachigen oder von der Muttersprache her deutschsprachigen Kindern besucht werden - also kurzum alles das, was in Gegenden wie Ruhrgebiet oder Berlin immer wieder öffentliche Erregung zeitigt.
Dobovisek: Warum ist Pegida dann gerade in Sachsen so stark geworden, in Dresden?
Patzelt: Es ist die Sorge um Zuwanderungspolitik in der deutschen öffentlichen Diskussion als ein rechtes Thema kartiert. Ein anständiger Linker macht sich über Zuwanderung keine Sorge, weil er einfach weiß, dass mit gutem Willen dieser humanitäre Grundgedanke unserer Einwanderungspolitik jederzeit durchzusetzen ist. Und das heißt: Wenn man eine Massenbewegung hinbekommen will oder wenn eine bestimmte Chance dafür bestehen soll, dass eine Massenbewegung entsteht, braucht man eine größere Stadt, die überwiegend nicht links oder grün, sondern überwiegend konservativ geprägt ist. Und unter all den ostdeutschen Städten wird man kaum eine finden, die diese Kriterien so gut erfüllt wie Dresden.
Dobovisek: Früher, als ich noch studiert habe, hieß es immer noch, hinter einer jeden solchen starken Bewegung muss auch ein mindestens ebenso starker Anführer stehen, ein zumindest charismatischer Anführer. Wo steckt der bei Pegida?
"Pegida ist die Kristallisation von allgemeinem Volksempfinden"

Patzelt: Das Missverständnis ist, dass Pegida eine Bewegung wäre. Pegida ist aber keine Bewegung, die um einen charismatischen Führer mit effektiven Organisationsstrukturen herum entstanden wäre. Pegida ist eher die Kristallisation von allgemeinem Volksempfinden, von der Freude und Genugtuung, endlich Dinge öffentlich zu hören, von denen man ... ((Telefonqualität schlecht)) nichts sagen und sei auch nicht so. Sie hat sich einfach laisiert um einen ziemlich beliebigen Anführer. Es ist das Ganze ja auch aus einer Facebook-Gruppe entstanden. Und wahrscheinlich ist niemand mehr überrascht vom Erfolg von Pegida als die ursprünglichen Organisatoren. Pegida hat den Nerv der Bevölkerung getroffen und hat viele von denen mobilisiert, die wir ansonsten im Wesentlichen als Nichtwähler zur Kenntnis genommen haben, als Leute, die gemeint haben, die Politiker kümmerten sich nicht um sie. Nur haben wir diese nicht in der Regel so verortet, dass sie einfach benachteiligt werden...
Dobovisek: Herr Patzelt, ich muss an dieser Stelle kurz einmal abbrechen, wir hören Sie tatsächlich etwas zerhackt und das wollen wir nicht, wir wollen Sie komplett hören. Deshalb spielen wir noch ein paar Takte Musik, legen Sie bitte auf, wir wählen die Nummer erneut.
Und wir sind weiter im Gespräch mit dem Politikwissenschaftler aus Dresden Werner Patzelt über Pegida in Dresden, dort wird heute wieder demonstriert, und wir waren dabei stehen geblieben, bei der Hilflosigkeit und Ratlosigkeit der Politik. Welche Fehler hat denn die Politik in den vergangenen Wochen mit Pegida begangen?
Patzelt: Der erste Fehler war, dass man schon wusste, worum es geht, bevor man genau hingesehen hat. Die ersten Interpretationen waren, dass hier die Rechtsradikalen aufmarschieren und man Neonazis und Rassisten bekämpfen muss. Im Lauf der Zeit hat man festgestellt, dass das nicht so ist, sondern dass man viele aus der üblicherweise sogenannten schweigenden Mehrheit dort findet, nicht einmal Wutbürger, sondern empörte Bürger, die sich allein gelassen von der Politik, nicht ernstgenommen und von der Öffentlichkeit als töricht, uninformiert und dumpf dargestellt empfinden. In dem Ausmaß, in dem begriffen wird, was hier tatsächlich vonstatten geht, nämlich, dass eine Art schweigende Mehrheit, eine Art abgehängte Bevölkerungsschicht hier sich artikuliert und allein durch physische Präsenz sagt, uns gibt es auch noch, wir haben auch unsere legitimen Anliegen, in dem Umfang fängt nun die Politik an, richtig zu reagieren, und das heißt, man versucht das Gespräch.
Patzelt: Die politische Klasse hat zunehmend verstanden

Man kann nicht sprechen mit den Organisatoren von Pegida, denn diese haben weder die Fähigkeit noch die Lust, mit Politik zu sprechen, noch haben sie überhaupt irgendein Mandat, weil ja Pegida keine Bewegung, sondern eine lose periodische Zusammenkunft ist. Sprechen muss man aber einerseits mit den Betroffenen vor Ort, also man muss rechtzeitig dort, wo Flüchtlinge untergebracht oder angesiedelt werden sollen, mit Zivilgesellschaft, Gewerkschaft und Arbeitgebern und Kirchengemeinden sprechen, und man braucht eine große bundesweite Diskussion über die Grundzüge, über die Leitgedanken und auch über die Grenzen unserer Einwanderungs- und Integrationspolitik. Und es mehren sich die Anzeichen, dass hier die politische Klasse verstanden hat, und dass nun differenzierter mit dem umgegangen wird, was wir auf der Straße tatsächlich sehen.
Dobovisek: Was stark zu spüren ist, ist ein, man kann es schon ausdrücken, Hass gegen die etablierten Medien, also auch gegen uns, die Großen wie ARD, ZDF oder auch den Deutschlandfunk, da sehen wir Bilder, da werden Kollegen ja fast niedergeprügelt. Sehen Sie da eine Gesprächsbereitschaft, die ausreichen könnte?
Patzelt: Es gibt keine Gesprächsbereitschaft zwischen den Demonstranten und den Medien, weil viele genug davon haben, in den Fernsehausschnitten oder in den Dokumentationen im Internet einfach als töricht, dumm und sozusagen im Tal der Ahnungslosen, weiterhin von relevanten Informationen abgeschnitten, dargestellt zu werden. Und die letzte Provokation eines RTL-Reporters brachte natürlich sozusagen eine Bestätigung für diesen weit verbreiteten Eindruck. Die Leute, die dort auf die Straße gehen, wissen ja auch, dass sie nicht die Gewohnheit haben, über so etwas Kompliziertes wie Einwanderung und Integration in einer differenzierten Weise unter weitgehender Beherrschung der einschlägigen Fakten zu reden. Sie haben ja eigentlich nur zwei Dinge, die sie vorbringen wollen: Erstens, wir haben ein Problem, und zweitens, warum kümmert sich niemand um unsere Probleme? Folglich kann man nicht mit ihnen reden, man muss aber ihre Themen aufgreifen und das heißt, man muss zunächst einmal sorgfältig auf das hören, was hinter den ganzen Sprechblasen und Vorurteilen und Stereotypen eigentlich zum Ausdruck gebracht wird.
Patzelt: Flüchtlinge kommen nicht aus Lust und Laune

Dobovisek: Wir reden also über Diskussion und Diskussionsbereitschaft. Am Ende muss dann aber zwangsläufig auch eine Tat stehen, dann müssen Konsequenzen stehen. Für viele Pegida-Anhänger sind das sicherlich weniger Flüchtlinge in Deutschland. Sind das Konsequenzen, die letztlich auch gezogen werden müssten?
Patzelt: Das sind auf alle Fälle keine Konsequenzen, die man nach Lust und Laune und kurzfristig ziehen könnte, denn die Flüchtlingspolitik wird im Wesentlichen auf der europäischen Ebene entschieden. Wir haben in Europa Freizügigkeit. Innerhalb Deutschlands wird, gemessen am Königsteiner Schlüssel, verteilt. Da lässt sich kurzfristig nichts ändern, und nach Lust und Laune können wir auch nicht die Bürgerkriege im Nahen Osten verhindern oder die Armutsimmigration aus Afrika. Das heißt, was man machen kann, ist im Grunde nur, den Bürgern klarzumachen, dass der große Teil der Flüchtlinge nicht aus Lust und Laune oder zum Zweck der Ausnutzung unserer Sozialsysteme kommt, und zweitens muss man den Leuten klarmachen, dass man aber auch nicht sehenden Auges hinnimmt, dass von 70 Prozent abgelehnten Asylbewerbern im Grunde doch ein sehr großer Teil im Lande verbleiben kann und eines Tages sich so weit integriert hat, dass er eben tatsächlich Bestandteil der deutschen Gesellschaft geworden ist, ohne dass diese darüber je eine gründliche Diskussion geführt hätte, ob und in welchem Umfang sie wirklich zu einer Einwanderungsgesellschaft werden will.
Dobovisek: Mit einem Weihnachtssingen wollen die Anhänger der Pegida heute wieder in Dresden demonstrieren, der Dresdner Politikwissenschaftler Werner Patzelt dazu hier im Deutschlandfunk-Interview. Vielen Dank dafür!
Patzelt: Danke schön!
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.
http://www.deutschlandfunk.de/pegida-demonstrationen-pegida-hat-den-nerv-der-bevoelkerung.694.de.mhtml?dram:article_id=3...


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Wolfshaag
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PEGIDA

23.12.2014 um 11:25
Aldaris schrieb: Büchse der Pandora ist geöffnet.
Was meinst Du denn damit?


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PEGIDA

23.12.2014 um 11:35
@Mao1974
Ich bin der festen Überzeugung das niemand die Wahrheit für sich beanspruchen kann, weder irgendwelche Zeitungen, noch Politiker oder Demonstranten. Jeder hat seine eigene subjetkive Sicht auf unsere Welt und kann sich allerhöchstens bemühen objektiv zu sein, nicht mehr. Zudem ist auch nichts so schwarz und weiß wie es hier manchmal diskutiert wird. Weder sind alle Politiker und Journalisten gekauft und unterstehen dem machtgieriegem Regierungsapperat, noch sind alle Demonstranten latente rechte Trottel. Leute die die Realität verdrehen sind somit natürlich überall zu finden, das war schon immer so und so wird es auch immer sein. Aber viel zu oft habe ich das Gefühl das in der PEGIDA Versammlung Leute dabei sind, die sich von "Establishment" verarscht fühlen und sich deswegem dem nächst besten "Aufwiegler" anschließen. Und dazu kommt dann noch das wenn einige Leute erstmal diesen Schritt gemacht haben, sie sich nicht mehr großartig mit der Gegenseite auseinandersetzten. Mit Argumenten wie Lügenpresse und Vasallenstaat kann man alles so einfach totschlagen, aber das funktioniert natürlich auch andersrum, "Alles Nazis" etc.


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PEGIDA

23.12.2014 um 11:37
Mao1974 schrieb:Tja, so kann es halt kommen, wenn man Probleme verschweigt und jahrelang politisch korrekt übertüncht.
Richtig. Das ist das größte Problem. Das, was jetzt passiert, sind die Symptome einer fehlerhaften, vom Bürger entfremdeten Politik und eines kaputten Finanzsystems. Derartige Demonstrationen sind durch Medienhetze und Feuerleger angetriebene Bewegungen, die sich nun auf vermeintliche Feinde fokussieren, die eigentlich gar keine sind. Und es kommt, wie es kommt. Man geht sich gegenseitig an die Gurgel, anstatt zusammen die Ursachen anzupacken. Läuft also alles wie am Schnürchen.
Wolfshaag schrieb:Was meinst Du denn damit?
Ich meine damit, dass die Spaltung der Gesellschaft (ca.) an dem Punkt meines Erachtens nach irreversibel ist und das sich das in ganz Europa weiter hochschaukeln wird, kurz gesprochen. Ich bin der Meinung, dass es ab dem Punkt nicht mehr möglich sein wird, diese Probleme in den Griff zu bekommen, wenn sich nicht grundlegende, elementare Dinge ändern. Ich möchte hier zwar nicht den Untergangs-Prophet spielen, aber besser wird's meiner Meinung nach nicht mehr.


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PEGIDA

23.12.2014 um 11:39
Wir sitzen alle im selben Boot ( EU ), nur rudert jeder in eine andere Richtung.


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PEGIDA

23.12.2014 um 11:51
Aldaris schrieb:Ich meine damit, dass die Spaltung der Gesellschaft (ca.) an dem Punkt meines Erachtens nach irreversibel ist und das sich das in ganz Europa weiter hochschaukeln wird, kurz gesprochen. Ich bin der Meinung, dass es ab dem Punkt nicht mehr möglich sein wird, diese Probleme in den Griff zu bekommen, wenn sich nicht grundlegende, elementare Dinge ändern. Ich möchte hier zwar nicht den Untergangs-Prophet spielen, aber besser wird's meiner Meinung nach nicht mehr.
„Denk ich an Deutschland in der Nacht, / Dann bin ich um den Schlaf gebracht“
H.Heine 1844
...Damals befanden sich die mitteleuropäischen Staaten in einer allgemeinen vorrevolutionären Situation, die unter anderem in Deutschland und Frankreich zu den Revolutionen von 1848 führen sollte. In den deutschen Ländern regte sich politischer Widerstand gegen das vom Wiener Kongress eingesetzte repressive Regime und die Kleinstaaterei.
Quelle:
Wikipedia: Nachtgedanken


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Mao1974
ehemaliges Mitglied

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PEGIDA

23.12.2014 um 11:55
@NovaBaby

So ist es!
Weder sind alle Migranten ein Problem, noch gibt es keine Probleme mit bestimmten Gruppen. Integration ist keine Einbahnstraße, muss aber in beiden Richtungen funktionieren.
Viele Migranten leben eine gelungene Integration vor, viele aber auch das Gegenteil.
Eine zunehmende Besinnung auf Religion seitens einiger Einwanderer ist sicher hinderlich und daß das zunimmt für mich keine Frage.

Die Demonstranten in eine bestimmte Ecke zu stellen wird nach hinten losgehen. Ein Dialog wäre förderlich, aber der ist von einigen Politikern und Medien nicht gewollt!

Wie gesagt, die Spaltung in unserem Land, in der sich viele nicht gehört fühlen, ist beängstigend und dem kann man nicht begegnen, indem man ganze Bevölkerungsgruppen als "dumpf" und "dumm" aburteilt.


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Masterblunt
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PEGIDA

23.12.2014 um 12:00
Mao1974 schrieb: Ein Dialog wäre förderlich, aber der ist von einigen Politikern und Medien nicht gewollt!
@Mao1974
Ich dachte das ist von den Veranstaltern der Pegida genau so gewollt :) ….


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