Rassismus
17.07.2020 um 12:31Ein interessantes Interview mit dem amerikanischen Bestseller Autor I. Kendi zum Thema, gibt es hier:
https://amp.cnn.com/cnn/2019/09/22/us/kendi-book-anti-racist-blake/index.html
als auch Täter sein könnenkontermann schrieb:Sehr gerne. Dann kann man auch noch die Russlanddeutschen, Spätaussiedler (was meist dasselbe ist) oder ausländische Gastarbeiter(-kinder) mit rein nehmen. Die erleben auch jeden Tag auf ihre eigene Art Rassismus. Das weiß ich sehr gut, ich bin selber Kind von Spätaussiedlern. Alltagsrassismus ist nicht nur auf die wenigen Gruppen begrenzt, die hier bisher im Thread genannt wurden.
Dass Menschen sowohl Opfer auch Täter sein können, und das auch gleichzeitig, sollte eigentlich jedem klar sein.stupsi123 schrieb:Ich glaube, wenn man sich zumindest darauf verständigen könnte, dass ein Mensch gleichzeitig derjenige sein kann, der von anderen diskriminiert wird, als auch derjenige, der andere diskriminiert, wäre schon sehr viel erreicht. Man denke nur an die erwähnten Spätaussiedler, die sowohl Opfer
als auch Täter sein können
https://taz.de/Gastbeitrag-Spaetaussiedler-und-AfD/!5538348/
Artikel beschreibt es gut.Groucho schrieb:Schade, dann weiß man ja nicht so genau, was du da diskutieren willst.
Rassismus ist real. Er ist ernst und lässt sich nicht ignorieren. Rassisten diskriminieren, verfolgen und töten andere Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft, ihres „Andersseins“. Die brutale, enthemmte Gewalt des amerikanischen Polizisten gegen George Floyd wühlt auf und erzeugt Wut. Zu Recht führen solche Vorfälle dazu, die eigene Haltung, die eigene Gesellschaft zu hinterfragen. Zu Recht lösen sie Debatten aus. Das ist lebensnotwendig für die Demokratie...
Keinen anderen Ansatz im Kampf gegen Rassismus kann es geben als den einer breiten Diskussion über das Phänomen selbst, seine Ursachen und die Einstellungen dazu.
Doch in den Debatten zeigen sich auch Schieflagen. Teils genügen Codes, Memes, einzelne Worte, um Hass oder Ablehnung und Denkverbote zu aktivieren. In Teilen der Linken gleicht jegliche differenzierte Betrachtung der Polizei einem Verrat.
Wer, wie ich, strukturellen Rassismus in der Polizei als nicht existent wahrnimmt und große Unterschiede in der Ausbildung der Polizei zwischen der USA und Deutschland sieht, ist für sie „rechts“, ein Onkel-Tom Migrant oder ein Haussklave, wer auf Diskriminierung von Minderheiten durch andere Minderheiten hinweist, wird abqualifiziert und diffamiert. Nach diesem Muster verlaufen Debatten über Integration, Frauenrechte im Islam und viele andere Diskussionen.
Schwarze berichten von ihren Alltagserfahrungen, das ist gut und richtig. Doch einige erteilen dabei nichtschwarzen Leuten Sprechverbote: Als Privilegierte könnten sie nie nachvollziehen, was es bedeutet, wegen der Hautfarbe angestarrt oder ausgegrenzt zu werden. Geht es dabei tatsächlich nur um das Bekämpfen von Rassismus? Oder eher darum, Thesen und Theorien zu untermauern und etwa den eigenen Opferstatus festzuschreiben?
Maulkorb für Nichtschwarze
Im Namen der Toleranz kann eine Menge Intoleranz entstehen – gegenüber anderen Meinungen, anderen Gruppen, selbst wenn diese vom eigenen moralischen Kompass nur wenige Millimeter abweichen und heilige Figuren der Szene kritisch berühren.
Rassismus von Nichtweißen darf in diesem Weltbild nicht vorkommen, da kann nur „der weiße alte Mann“ Rassist sein. Doch die Abwertung von „anderen“ und die irreale Fantasie der „homogenen Gruppe“ kommt rund um den Globus vor. Rassismus ist keine Einbahnstraße, die nur von den „Weißen“ in Richtung anderer Gruppen führt. Diskriminierung aufgrund von Glauben, Nationalität, Hautfarbe, sexueller Orientierung, Bildung oder sozialer Schicht ist universell.Quelle:
Sie trifft Geflüchtete, Muslime, Schwarze, LGBTQ-Gruppen, „Ungläubige“ oder auch Hartz IV-Empfänger…die Liste ließe sich unendlich fortsetzen. All diesen Herausforderungen begegnen moderne, diverse Gesellschaften im Zeitalter der Globalisierung. Kein Dogma, kein Sprechverbot schafft sie aus der Welt – nur der couragierte, offene und herrschaftsfreie Diskurs. Wird er im Namen einer falschen Toleranz unterbunden, dann verliert der Begriff Toleranz seine Substanz.
„Ich war dumm. Heute halte ich jede Religion für gleichwertig und gut. Hauptsache, der Mensch glaubt. An Gott. Ich bin unter Türken und Arabern aufgewachsen. Da werden Juden nicht gemocht. Es gibt ja auch keine dort. Ich will Ihnen verraten, wie ein 16jähriger Offenbacher tickt: Für den ist alles, was mächtig ist und reich, aus seiner beschränkten Sicht jüdisch. Er hängt mit anderen 16jährigen herum. Sie hassen alles. Deutsche sind für sie Kartoffeln. Davon habe ich mich freigemacht.“Quelle:
Ja, das sollte es - aber ist es das auch?kontermann schrieb:Dass Menschen sowohl Opfer auch Täter sein können, und das auch gleichzeitig, sollte eigentlich jedem klar sein.
Der Artikel beschreibt etwas, diskutiert aber nicht.lilit schrieb:Artikel beschreibt es gut
Mit Lösungsansätzen kann ich leben. Lösen werden wir es hier nicht können.Streuselchen schrieb:Nein, der Diskurs sollte zu einer Lösung bzw mehreren Lösungsansätzen führen.
Diskutieren um des diskutieren Willens ist gerade beim Thema Rassismus völlig deplatziert.
Und wenn man schon permanent dabei bleiben muss, dass Wort Rassismus zu "bediskutieren" statt das wahre Problem dahinter einfach anzuerkennen und Lösungen dafür/dagegen zu finden - dann beschäftigt man sich mE. lieber mit Laberei die zu nichts führt außer das man sich hübsch unterhalten hat.
Das ist der Sinn von allen Meinungsthreads in Allmy. Wenn man Glück hat bekommt man Ansichten und Meinungen anderer Menschen in anderen Lebensverhältnissen sozusagen frei Haus, kann sie mit der eigenen Meinung abgleichen und wenn nötig selbst eine Paradigma-Änderung machen. Man kommt aus der Diskussion als ein anderer heraus als man hinein gegangen ist.kontermann schrieb:Wie es gesagt, es ich schon ein Erfolg, wenn man auch nur einen Menschen hier dazu bewegen kann, über sein eigenes Verhalten nachzudenken und es ggf. in Zukunft zu ändern.
Es ist Rassimus.Dr.Plöke schrieb am 17.07.2020:Wie nennt man eigentlich das was Medienmensch und Multimillionär Nick Cannon vor seinen knapp 5 Millionen Followern im Video hier ablässt? Biologistische Vorurteile? Rassekunde Enthusiasmus (geht das)? Rassismus geht ja nicht.
Die Psychologin und Autorin Grada Kilomba erklärt dies nachvollziehbar folgendermaßen:Tussinelda schrieb:Betroffenen wird Betroffenheit nicht zugestanden, Betroffene haben gefälligst zu verstehen, dass man es keinesfalls irgendwie rassistisch meinte, es ist zu viel des Guten, alte lieb gewonnene Bezeichnungen aus dem eigenen Wortschatz zu vertilgen, Betroffene stellen sich an, übertreiben, es zählt nur, was der rassistisch sprechende/handelnde Mensch denkt, wenn er denkt, was er macht/sagt, ist nicht rassistisch gemeint, dann ist das so. Die Wirkung ist scheiss egal.
Man hat doch Freunde, Bekannte, da wurde man NIE kritisiert......also muss man auch nix reflektieren. Ist eh alles übertrieben, Betroffene sehen das nämlich gar nicht so, sondern nur die, die für Betroffene sprechen und sie andauernd zu Opfern machen......diesen scheiss muss man hier ständig lesen, da wird einfach ignoriert, dass Betroffene verlinkt werden, sich auf Aussagen Betroffener bezogen wird, man Institutionen Betroffener, Vereinigungen etc. verlinkt hat. Egal.
In jeder Gesellschaft gibt es ein sogenanntes "rassistisches Wissen", das aus Vorurteilen, Stereotypen oder Vorstellungen über „Andere“ besteht. Über diese Vorurteile herrscht ein (mehrheits)gesellschaftlicher Konsens, etwas "ist so" - das ist rassistisches Wissen. Dieses rassistische Wissen zieht sich quer durch alle Schichten und Gesellschaftsbereiche. Es ist nicht nur an den Stammtischen anzutreffen, sondern auch in der Politik. Damit ist nicht gemeint, dass jedes Individuum dieser Mehrheitsgesellschaft per se rassistisch ist. Es bedeutet vielmehr, dass es über Institutionen wie Schule und Massenmedien eine gemeinsame Sozialisation gibt, durch die rassistische Vorurteile vermittelt und über Generationen gefestigt werden. Dies prägt sich dann in unterschiedlicher Form und Intensität aus: sowohl im Handeln von Individuen, als auch in institutionellen Praktiken.und weiter:
Für den Alltagsrassismus, mit dem viele in Deutschland lebende Menschen ständig konfrontiert werden, ist (gesellschaftliche) Macht sehr entscheidend. Die Mehrheitsgesellschaft entscheidet, was "normal" ist – und hinterfragt diese Normalität in der Regel nicht. Sie hält eine historisch gewachsene, (weiße) Normalität aufrecht. Sie hat Gestaltungsmacht: Sie legt fest, wer sich wie zu integrieren oder anzupassen hat. Sie hat Repräsentationsmacht und entscheidet, wer wie dargestellt wird. Und sie hat Entscheidungsmacht und bestimmt, wer wie welche Entscheidungen treffen darf oder – das ist ihre Definitionsmacht - wer wie was deuten oder sagen darf.https://www.bpb.de/dialog/194569/offensichtlich-und-zugedeckt-alltagsrassismus-in-deutschland
Eben!Tussinelda schrieb:Es geht doch im Grunde darum, wer Rassismus wie definiert, es will sich hier eben niemand damit konfrontiert sehen, rassistisch zu handeln und/oder zu sprechen. Wenn es da schon hapert, kann man sich im Grunde den „Diskurs“ sparen, da man ja offenbar nicht mal bei sich selbst anfangen kann.
Du hast also verstanden, dass die Frage nach der Herkunft rassistisch sein kann, aber nicht muss.borabora schrieb:Natürlich ist, je nachdem wie eine Frage gestellt wird, kein Rassismus vorhanden, komm damit mal endlich klar!
Und stell du dir vor, es gibt Betroffene, die sich sehr betroffen fühlen.borabora schrieb:Stell Dir mal vor, es gibt Betroffene, die sich gar nicht betroffen fühlen (bei einer Frage nach Wurzeln).
;-)borabora schrieb:komm damit mal endlich klar!
Das ist mit Verlaub gesagt, im Kern was die gute Frau meint und als schlechtes Gewissen hinstellen möchte, Blödsinn. Diesen Satz kann man auf alles anwenden. Wenn ich z.B. in die Türkei oder China auswandern würde, dann muss ICH mich integrieren und anpassen. Die Chinesen werden sich sicher nicht an mich anpassen, warum auch. Und das kann ich noch kleiner runterbrechen. Wenn ich eine neue Arbeit beginne, werde ich mich in die Gruppe neuer Kollegen integrieren müssen, nicht umgekehrt, ich bin als Letzter gekommen. Und das hat mit Rassismus nichts zu tun, sondern mit Respekt, Anstand und Benehmen den Menschen gegenüber, damit sie mich überhaupt integrieren können.tudirnix schrieb:Sie legt fest, wer sich wie zu integrieren oder anzupassen hat.
Tussinelda schrieb:noch nicht kapiert?
Ich verstehe weit mehr als euch bewußt ist. Da hier nur mit Unterstellungen als Akt der Hilflosigkeit gearbeitet wird, bin ich auch wieder weg. Netten Abend noch!tudirnix schrieb:um das zu verstehen