Fichtenmoped schrieb:Das alte Muster - so eine Behauptung ist schnell in die Welt gesetzt. Eine Widerlegung kostet Zeit und erreicht das gewünschte Klientel oft nicht.
Ich habe mir das mit den Zahlungen an die Ukraine noch mal angesehen. In den Medien ist dauernd von den zivilen und den militärischen Hilfen für die Ukraine die Rede.
Dadurch entsteht der Eindruck, der Westen übernimmt die militärischen Ausgaben für die Ukraine und dazu noch ein Teil der zivilen Ausgaben.
In der Gesamtheit ist das aber nicht der Fall.
Der Westen bezahlt rund 40% des ukrainischen Staatshaushalts. Dabei wird außer Acht gelassen, dass die ukrainischen Militärausgaben außerordentlich hoch sind, sie betragen rund 60% des ukrainischen Staatshaushalts (in Deutschland 15%). Also die westlichen zivilen und militärischen Hilfen zusammengenommen sind geringer als die ukrainischen Militärausgaben. Der Westen zahlt in etwa die Erhöhung der ukrainischen Militärausgaben seit Kriegsbeginn.
Dazu kommen für die Ukraine noch weitere Kosten durch die Kriegszerstörungen oder durch die Seeblockade Russlands.
Ich habe meine Annahme durch chatgpt überprüfen lassen.
Frage an Chatgpt:
kann man sagen, die militärhilfen und wirtschaftshilfen aus dem ausland zusammengenommen kompensieren in etwa die mehrausgaben des ukrainischen staates für den krieg?
Antwort
Ja, in grober Größenordnung kann man das sagen, aber man muss sauber unterscheiden zwischen Kriegskosten, Militärausgaben und gesamter staatlicher Mehrausgabe.
Für 2026 ist die Aussage sogar ziemlich plausibel:
Der ukrainische Staat hat für Verteidigung und Sicherheit zunächst 2,807 Billionen Hrywnja eingeplant – knapp 60 % der Haushaltsausgaben.
Im Juni wurde dieser Betrag wegen zusätzlicher Finanzierung um 1,56 Billionen Hrywnja auf 4,367 Billionen Hrywnja erhöht. Davon entfallen allein 2,297 Billionen Hrywnja auf Waffen und militärische Ausrüstung.
Gleichzeitig sind für 2026 45 Mrd. Euro externe Unterstützung durch die EU vorgesehen; insgesamt soll der externe Finanzierungsbedarf des ukrainischen Staatshaushalts bei etwa 2,079 Billionen Hrywnja liegen.
Damit ist der Zusammenhang ziemlich deutlich:
Ukraine finanziert ihre normalen staatlichen Einnahmen selbst, verwendet diese aber weitgehend für Krieg/Verteidigung. Das Ausland finanziert einen großen Teil der übrigen staatlichen Aufgaben und ermöglicht damit, dass die eigenen Einnahmen für das Militär eingesetzt werden können.
Das ukrainische Finanzministerium formuliert es für 2026 sogar ausdrücklich so: Alle eigenen Einnahmen und inländischen Kreditaufnahmen werden für die Verteidigungsfähigkeit verwendet.
Kann man also sagen:
„Die westliche Wirtschafts- und Finanzhilfe kompensiert ungefähr die zusätzlichen Kriegsausgaben des ukrainischen Staates.“
Ja, als grobe Beschreibung des Finanzierungsmechanismus ist das vertretbar. Aber nicht im Sinne einer exakten 1:1-Rechnung.
Denn zusätzlich zur Finanzhilfe erhält die Ukraine enorme Militärhilfe in Form von Waffen, Munition und Ausrüstung, die gar nicht als ukrainische Haushaltseinnahme erscheint. Umgekehrt sind ausländische Kredite keine kostenlose Finanzierung.
Ein besonders aussagekräftiger aktueller Wert: Der ukrainische Verteidigungsminister bezifferte im Juli 2026 den gesamten Verteidigungsbedarf 2026 auf etwa 136 Mrd. €, während der ukrainische Staatshaushalt davon nur etwa 53 Mrd. € selbst abdeckt.
Das bedeutet: Beim Militär selbst ist die Abhängigkeit vom Ausland sogar noch größer, als es der Vergleich mit dem Staatshaushalt vermuten lässt.
https://www.mof.gov.ua/uk/news/biudzhet-2026_100_dokhodiv__na_oboronu_kraini-5461?utm_source=chatgpt.comhttps://www.mof.gov.ua/en/news/ukraine_receives_eur_38_billion_from_the_eu__first_defence_tranche_under_the_ukraine_support_loan-5798?utm_source=chatgpt.comhttps://mof.gov.ua/en/news/zmini_do_derzhbiudzhetu-2026_parlament_priiniav_zakonoproiekt_u_tsilomu-5769?utm_source=chatgpt.com