6Sinn schrieb:Ihr macht im Grunde genau das, was man oft bei einem gutmütigen Lehrer in der Schule sieht. Gerade weil er nicht ständig laut wird oder zurückschlägt, wird an ihm besonders viel herumkritisiert, anstatt auch einmal anzuerkennen, was er richtig macht.
Stellt euch einmal vor, Deutschland hätte jemanden wie Trump. Der tritt ständig laut und aggressiv auf, macht Fehler, verschärft wirtschaftliche Probleme und stellt sich selbst in den Mittelpunkt. Trotzdem trauen sich viele bei solchen Persönlichkeiten viel weniger offen dagegenzuhalten.
Merz wehrt sich meiner Meinung nach verbal oft zu wenig. Genau deshalb wird auf ihm umso mehr herumgehackt. Leider funktioniert das in der Politik und teilweise auch im normalen Leben häufig so. Wer laut und aggressiv auftritt, wird eher respektiert, während ruhigere Personen leichter zum Ziel werden.
Ich bin jedenfalls froh, dass Merz nicht ständig versucht, jeden Fehler schönzureden oder anderen die Schuld zuzuschieben, zumindest nicht in diesem hohen Ausmaß von Trump. Er steht wirtschaftlich grundsätzlich für einen marktwirtschaftlichen und kapitalfreundlichen Kurs. Gerade Deutschland könnte meiner Meinung nach wieder deutlich mehr wirtschaftsliberales Denken gebrauchen, weg mit den Kommunisten und Marxisten, verpisst euch endlich!!!
Wenn man Merz jetzt einfach politisch abschreibt, heißt das noch lange nicht, dass danach jemand Besseres kommt. Dazu kommt, dass die allgemeinen Bedingungen derzeit extrem schwierig sind. Kriege, internationale Krisen, wirtschaftliche Unsicherheit und geopolitische Spannungen machen das Regieren heute wesentlich schwieriger als zu vielen früheren Zeiten, vor allen werden Unternehmen aus Deutschland massiv angegriffen, Daten gestohlen, runtergemacht wie zB. VW, von USA, China und vielen anderen mehr, das war auch schon vor Merz.
Auch seine Zeit bei BlackRock Deutschland sollte man dabei nicht einfach ignorieren. Er hatte dort eine verantwortungsvolle wirtschaftliche Position und kennt große Unternehmen und Kapitalmärkte aus eigener Erfahrung. Viele Politiker hätten unter denselben Bedingungen möglicherweise deutlich schlechter abgeschnitten.
Auch Politiker, die vor 20 oder 30 Jahren als besonders erfolgreich gelten, hatten teilweise wesentlich bessere wirtschaftliche und geopolitische Rahmenbedingungen. Deshalb sollte man heutige Politiker nicht so beurteilen, als würden sie unter denselben Voraussetzungen arbeiten.
Und nur weil jemand ein guter Gärtner ist, ist er automatisch auch ein guter Arzt oder wie? 😅
Die Argumentation mit BlackRock verstehe ich nicht ganz. Eine verantwortungsvolle Position in einem großen Vermögensverwaltungsunternehmen gehabt zu haben, bedeutet doch nicht automatisch, dass jemand deshalb ein guter Bundeskanzler ist. Das sind zwei völlig unterschiedliche Aufgaben mit völlig unterschiedlichen Anforderungen.
Nach der Logik könnte man ja bei fast jedem Lebenslauf sagen: „Der war in seinem vorherigen Beruf erfolgreich, also wird er vermutlich auch Deutschland gut regieren.“ So einfach funktioniert Politik dann leider doch nicht.
Die Argumentation ist schon spannend. 😅
„Merz wird so viel kritisiert, weil er zu gutmütig und zu ruhig ist.“ Oder ganz verrückte Theorie...ein Bundeskanzler wird kritisiert, weil Menschen mit seiner Politik, seinen Entscheidungen oder seinen Aussagen unzufrieden sind. Kritik an einem Regierungschef mit dem Schulhof und dem „gutmütigen Lehrer“ zu erklären ist schon eine ziemlich kreative Abkürzung.
Auch dieses „Seid froh, es könnte Trump sein“ überzeugt mich nicht wirklich. Seit wann ist der Maßstab für einen deutschen Bundeskanzler:
Hauptsache weniger schlimm als Trump? Nach der Logik müsste man praktisch jede Regierung loben, solange sich irgendwo auf der Welt ein schlechteres Beispiel finden lässt.
Dass die weltpolitische Lage schwierig ist stimmt natürlich. Aber schwierige Rahmenbedingungen bedeuten doch nicht, dass man einen Politiker deshalb weniger kritisch beurteilen darf?! Im Gegenteil...genau dafür möchte jemand Bundeskanzler werden, um unter schwierigen Bedingungen gute Entscheidungen zu treffen. Wenn alles bestens laufen würde, wäre das Amt vermutlich auch etwas einfacher.
Und „wenn Merz weg ist, kommt vielleicht jemand Schlechteres“ ist letztlich auch kein Argument für Merz. Das ist ungefähr so: „Das Essen schmeckt nicht, aber bestellt bloß nichts anderes, das nächste Gericht könnte noch schlechter sein.“
Man kann Merz gut finden und man kann seine wirtschaftspolitische Ausrichtung unterstützen. Aber dann sollte man konkret erklären welche Entscheidungen man gut findet und warum statt Kritik an ihm damit zu erklären, dass er angeblich einfach zu gutmütig für diese Welt ist.