Voussoir schrieb:Und dann kommt aus der einen politischen Ecke, sowas wie "Na dann stellen wir eben mehr Therapeuten ein, ziehen mehr Steuern ein und lassen die Reichen mehr bezahlen, damit alle versorgt werden." und aus der anderen Richtung kommt "Wozu der ganze Aufwand? Kontrolliert doch endlich besser, wer ins Land kommt und wer schon drin ist, wir haben doch gar nicht die Ressourcen, um alle so intensiv zu betreuen."
Ich finde, das ist eine Scheinalternative. Du gehst davon aus, dass strengere Kontrollen weniger Ressourcen benötigen. Aber warum eigentlich?
Mehr Grenzkontrollen, schnellere Asylverfahren, mehr Personal in Ausländerbehörden, mehr Abschiebungen, mehr Polizeipräsenz und gegebenenfalls mehr Abschiebehaft kosten ebenfalls Geld und Personal. Diese Ressourcen fallen ja nicht vom Himmel.
Vermutlich wirst du jetzt sagen, dass diese Ressourcen dort besser eingesetzt seien als für zusätzliche Therapieplätze oder Betreuung. Das ist eine legitime politische Priorität.
Aber dann sollte man es auch genau so benennen: Es geht nicht darum, dass die eine Seite mit Ressourcen rechnet und die andere nicht. Beide Konzepte kosten Ressourcen. Der eigentliche Unterschied liegt darin, wofür diese Ressourcen eingesetzt werden sollen. Das ist letztlich eine politische Abwägung und keine rein sachliche Feststellung.
Persönlich würde ich mir ehrlich gesagt beides wünschen: eine funktionierende Migrationssteuerung und gleichzeitig ausreichend Kapazitäten für Menschen, die hier therapeutische Hilfe brauchen. Wahrscheinlich werden wir beides nie in dem Umfang haben, wie es wünschenswert wäre – deshalb bleibt am Ende die Frage der Prioritätensetzung.