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Ist Antisemitismus wieder "in"?

3.623 Beiträge, Schlüsselwörter: Islam, Judentum, Antisemitismus, Neonazis, Kärnten

Ist Antisemitismus wieder "in"?

02.04.2019 um 22:01
Whoracle schrieb:Und als Europäer hat die schon gar niemand angesehen von denen.

Und genau danach richtet sich der Begriff auch heute noch.

Juden
Und nur weil Hitler nach Polen einmarschiert ist, sollen wir das auch machen?

Der Begriff ist sprachlich und inhaltlich falsch. Es handelt sich um Judenhass. Sonst wäre ein Libanese, der antisemitisch ist, gleichzeitig gegen sich selbst, ist er aber nicht, er hasst lediglich Juden. (es mag auch nette Libanesen geben, nur falls sich jemand angegriffen fühlt: sry)


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02.04.2019 um 22:03
paranomal schrieb:Nein, aber Rassismus setzt den Begriff und eine Vorstellung von Rasse voraus. Das es durchaus vorher schon ethnische Säuberungen, Progrome und Diskriminierung gab, ist eine Tatsache.
Also war die Sklaverei in den USA die längste Zeit nicht Rassistisch da es noch kein Rassekonzept gab?


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02.04.2019 um 22:06
Frühlingshaft schrieb:Der Begriff ist sprachlich und inhaltlich falsch. Es handelt sich um Judenhass.
Als der Begriff im 19 Jhrh. geprägt wurde, hat sich in Europa niemand für Muslime interessiert.
Die einzigen relevanten Semiten in Europa waren damals Juden.


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02.04.2019 um 22:07
@parabol
Europäische Juden sind und waren nie Semiten. Es waren und sind weiße/europäer.


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02.04.2019 um 22:12
@Frühlingshaft

Das ist ein Begriff der Linguistik und keiner der Abstammung oder sowas.
Darüber sind wir vermutlich seit knapp 100 Jahren hinaus...oder sollten wir.

Leute sind keine Semiten sondern sprechen semitische Sprachen.

Und die Nazis sind selbst von dem Begriff abgerückt, weil sie die restlichen "semitischen Völker" nicht subsummieren wollten.


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02.04.2019 um 22:14
@Whoracle
Da sagt der Duden aber etwas anderes.

Ich zitiere:

Se·mit
/Semít/
Substantiv, maskulin [der]

Angehöriger einer sprachlich und anthropologisch verwandten Gruppe von Völkern besonders in Vorderasien und Nordafrika


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02.04.2019 um 22:15
@Frühlingshaft

Der Begriff Antisemitismus hat sich halt durchgesetzt.

Bei Google konkurrieren zwar noch die Begriffe Judenfeindschaft und Antisemitismus
https://www.google.com/search?q=judenfeindschaft&oq=judenfeindschaft&aqs=chrome..69i57j0l5.4307j0j8&sourceid=chrome&ie=U...

...aber bei Wikipedia (und auch im Ausland) hat sich der Begriff Antisemitismus durchgesetzt.

Wir wissen aber, was gemeint ist.


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02.04.2019 um 22:17
@Frühlingshaft

Mir ist vollkommen gleich, was der Duden sagt...wenn du es bis dahin schaffst, wirst du wohl auch einen Wiki-Artikel finden.


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02.04.2019 um 22:17
@Realo
Ok. Danke. Ich finde es trotzdem falsch, die falschen Begriffe zu nutzen, auch wenn man das richtige meint.


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02.04.2019 um 22:20
Frühlingshaft schrieb:@Realo
Ok. Danke. Ich finde es trotzdem falsch, die falschen Begriffe zu nutzen, auch wenn man das richtige meint.
Der Begriff klingt sowas von falsch in mehrfacher hinsicht. Der sollte ersetzt werden.


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02.04.2019 um 22:24
epikur schrieb:Der Begriff klingt sowas von falsch in mehrfacher hinsicht. Der sollte ersetzt werden.
In der Forschung wird auch mit genaueren Begriffen gearbeitet - für den Alltag und als Mantelbegriff hat sich Antisemitismus eben durchgesetzt. Der Begriff ist etabliert, jeder weiß, was damit gemeint ist. In den allgemeinen Diskussionen außerhalb der akademischen Antisemitismusdiskussion haben eigentlich nur Antisemiten Interesse an einer Begriffsverwirrung, um sich von Vorwürfen reinzuwaschen.


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02.04.2019 um 22:25
bgeoweh schrieb:In den allgemeinen Diskussionen außerhalb der akademischen Antisemitismusdiskussion haben eigentlich nur Antisemiten Interesse an einer Begriffsverwirrung, um sich von Vorwürfen reinzuwaschen.
Das ist ja lächerlich. Worauf fußt Deine Annahme?


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02.04.2019 um 22:27
Frühlingshaft schrieb:Das ist ja lächerlich. Worauf fußt Deine Annahme?
Die Annahme fußt darauf, dass sich beispielsweise Bewegungen wie die Hamas oder BDS mit großem Aufwand als antiisraelisch, aber nicht antisemitisch darzustellen versuchen, aber andauernd antisemitische Klischees reproduzieren, bis hin zu Sprechchören wie "Juden ins Gas" oder den Märchen vom jüdischen Brunnenvergifter.


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02.04.2019 um 22:29
Frühlingshaft schrieb:Das ist ja lächerlich. Worauf fußt Deine Annahme?
Glaubst du, der antisemitische Libanese aus deinem Beispiel könnte nicht ebenfalls auf den Gedanken kommen, zu sagen "Ich bin doch selbst Semit"?
Frühlingshaft schrieb:Sonst wäre ein Libanese, der antisemitisch ist, gleichzeitig gegen sich selbst, ist er aber nicht, er hasst lediglich Juden. (es mag auch nette Libanesen geben, nur falls sich jemand angegriffen fühlt: sry)


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02.04.2019 um 22:32
@bgeoweh
Da ist nicht die Hamas, sondern das sind palästinensische Idioten in Berlin, die "Hamas, Hamas, Juden ins Gas" gerufen haben. Nicht dass die Terroristen der Hamas besser wären....

Ich dachte, Du meinst mich, weil ich die Begriffsnutzung falsch finde - sry.


Es ist oft ein Problem, Antizionismus von Judenhass abzugrenzen. Aber hey, an Purim haben zig streng religiöse Juden auf der ganzen Welt Israel-Flaggen verbrannt. Aber deren Antizionismus beruht auf ihrem Glauben. Und besoffen waren sie auch.

Manchmal habe ich auch den Eindruck, dass unter dem Mantel der Israel-Kritik viele ihrem Judenhass oder ihrer Abneigung oder den Vorurteilen aus dem Mittelalter (Brunnenvergifter, christliches Menschenblut-Trinker) und aus dem 21. Jhdt (Juden regieren die Welt, Juden sind alle reich/haben das Geld unter Kontrolle) fröhnen.


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03.04.2019 um 10:13
Frühlingshaft schrieb:Du kannst nicht Jude werden, so wie Du (recht einfach) Christ oder Muslim werden kannst.
Bei meinem früheren Landesrabbiner, dem von mir hoch geschätzten Walter Rothschild, scheint das allerdings zu funktionieren:

Acht Schritte zum religiösen Juden

"Erstens: Das Telefon schellt. „Shalom“ – eine Frau grüßt und vereinbart mit Rothschild einen Gesprächstermin. Sie will zum Judentum übertreten. Er soll sie leiten, er jubelt nicht. Reibt sich stattdessen die Augen wach und notiert den Termin.

Zweitens: Die erste Begegnung. „Es wird nicht warm und freundlich sein“, sagt Rothschild. „Ich will wissen, welches Problem der Mensch hat, warum er Jude werden will.“ Manche suchten ihre Identität, haben einen jüdischen Vater oder wollen einen direkten Weg zu Gott finden. Andere haben nur einen Film über das Judentum gesehen und sind von vielen Dingen begeistert. „Dann muss man nicht jüdisch werden, dann kann man sich lieber die Rosinen rauspicken“, so Rothschild.

Er will nicht missionieren. „Von neuen Juden wird mehr erwartet als von geborenen Juden. Bei Atheisten, Homosexuellen oder Menschen, die ohne ihren Partner konvertieren wollen, bin ich zuständig, zu mahnen und abzulehnen - denn sie werden wahrscheinlich Probleme in der Gemeinde bekommen.“

Drittens: Bei Zustimmung des Rabbiners soll der Kandidat bis zu ein Jahr lang regelmäßig eine Synagoge besuchen. Rothschild: „Es ist wie im Fußball, ich muss erst trainieren, um in das Team zu kommen.“

Viertens: Werben – um die Akzeptanz in der Gemeinde. Eine Probezeit für beide Seiten. „Es geht um die Persönlichkeit, auch um das Aussehen, wie man riecht. Schlicht um Sympathie“, so der Rabbiner. „Vor Jahren kam eine Frau, die konvertieren wollte, mit einem Kreuz um den Hals in die Synagoge.“ Er schüttelt den Kopf. „Gott muss dumme Menschen lieben, er hat soviele davon gemacht, habe ich gehört.“

Fünftens: Taten sprechen lassen. Es wird erwartet, gegebenenfalls aus der Kirche auszutreten. Kopien der Geburtsurkunde und des Personalausweises werden archiviert. Bei religiösen Namen (Christian) wird eine Änderung gefordert. Die Beschneidung jedoch ist erst zu einem späteren Zeitpunkt notwendig.

Sechstens: Rabbiner und Gemeinde geben ihr Einverständnis für das Liturgische Jahr. Neben einem Gemeindebeitrag (ca. 30 Euro monatlich) werden auch Unterrichtsgebühren (ca. 20 Euro pro Sitzung) eingefordert. Eine wöchentliche Unterrichtseinheit dauert zwei Stunden. Rothschild stellt keine Hausaufgaben.

Siebtens: In einem persönlichen Gespräch legt der Konvertit seine Bereitschaft zum Übertritt dar.

Achtens: Beit Din, der Gerichtshof – drei Rabbiner prüfen den Konvertit, testen seinen jüdischen Glauben. Eine halbe Stunde lang. „Rabbiner haben nicht viel Zeit“, sagt Rothschild. Der Prüfling liest auf Hebräisch, zitiert religiöse Textstellen oder trägt sein Lieblingsgebet vor – und begründet seine Wahl. Folgt aus der Konversion eine „Mischehe“, muss der Partner anwesend sein und sein Einverständnis geben, dass er im Todesfalle gemeinsame Kinder jüdisch erzieht.

Zum Abschluss erhält der Konvertit ein Zertifikat, einen hebräischen Namen. Rothschild: „Er ist nun unser Bruder.“ Bei allen jüdischen Strömungen werden Konversionen durchgeführt. Allerdings erkennen orthodoxe Juden die Konversionen bei liberalen Rabbinern nicht an."

Von mir gekürzt, ganzer Artikel hier:
Diskussion: Aus dem Judentum austreten? Kultur vs Religion (Beitrag von Doors)
Ursprüngliche Quelle, von 2013, www.Spree-Aviv.de, offenbar nicht mehr online.



Ein paar Beiträge zu den anderen und von anderen genannten Aspekten:

Wer Jude ist, bestimmt wer?

"Das Judentum" ist so ein albernes und falsches Konstrukt wie "Der Islam" oder "Das Christentum". Jede Aberglaubensgemeinschaft hat ihre Strömungen, radikale und liberale, orthodoxe und weltliche, fundamentale und banale. Das gilt nicht nur für die Monotheisten.

Grundsätzlich gibt es "das" Judentum eben nicht. Die Aussagen von Ultra-Orthodoxen, Orthodoxen, Traditionalisten, gemässigten Liberalen, Radikal-Liberalen, Progressiven, Reformern etc. sind so unterschiedlich wie die, die sie tätigen. Innerhalb des Judentums, ja, sogar innerhalb einzelner Gemeinden, toben heftige Auseinandersetzungen zwischen den Fraktionen. Dagegen sind Muslim (Schiit) und Muslim (Sunnit) ja noch ein einig Volk von Brüdern.

Wer glaubt eigentlich, dass "alle Juden" quasi zwangsläufig Zionisten seien? Warum und wozu gibt es eine Friedensbewegung, soziale Bewegungen und solche, die sich gegen die Orthodoxen richten? Israel ist kein geschlossener monolithischer Block. Nicht umsonst tobt dort seit Jahren ein heftiger Streit um die Rolle der Ultra-Orthodoxen, was z.B. die Sabatruhe, die Verschleierung der Frau, die Befreiung von der Wehrpflicht und die Geschlechtertrennung in öffentlichen Verkehrsmitteln angeht.

Israel ist eben kein homogener "jüdischer Staat" - vielleicht nach dem Verständnis seiner Gründerväter und einiger Ultras - aber nicht nach der gelebten Realität. Aber beim Stichwort "Jude" hat jeder Rassist, egal, ab als Nazikamerad oder als Muslimbruder, gleich das Bild eines monolithischen Blocks im Kopf, der aus lauter Klischeejuden besteht. Das hat die Nazipropaganda nachhaltig in hohle Köpfe gepflanzt.




Zur Kritik an Israels Regierungspolitik und ihrer Verknüpfung mit Antisemitismus

Ist Kritik an der Politik der BRD schon antideutsch? Oder gar antichristlich?

Zwischen der Regierung und der Bevölkerung sollte man eben so fein unterscheiden wie zwischen einem Staat und einer Religion.

Israel ist politisch ebenso vielfältig wie andere Staaten auch. Es gibt eine Regierung, die man nicht unbedingt mit dem ganzen Volk oder auch nur einem Aberglaubensclub gleichsetzen sollte.

Auch in Israel gibt es eine starke Friedensbewegung, eine politische Opposition, Bürgerrechtsbewegungen etc. - das wird von aussen gern zugunsten einer pauschalisierenden Gleichsetzung von Regierung/Volk/Religion ausser Acht gelassen. Da macht es sich der Einfache gern einfach.

Hinzu kommt, dass nicht alle Bewohner Israels Juden sind. Es gibt Muslime und Christen jeweils in unterschiedlichen Schattierungen - ebenso wie es natürlich Unterschiede zwischen Ultraorthodoxen und liberalen Juden gibt.

Zwischen klar umrissener Kritik an israelischer Regierungspolitik und tumben Antisemitismus gibt es schon gewaltige Unterschiede - auch wenn mancher gern beides zusammenfasst, gern unter dem Schlagwort: Die Juden sind die wahren Faschisten!

Da geben sich den "Linke" wie Rechtsradikale, verkappte bürgerliche Antisemiten und fanatische Muslime die Hand zum gemeinsamen Draufhauen.


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03.04.2019 um 10:35
Frühlingshaft schrieb:Kann er noch so viel wissen und weit mehr yiddish leben als ein geborener Jude. Er bleibt Konvertit.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es geborene Juden gibt.
Denn ich wurde "als Christ geboren". Das heißt: So lange ich denken kann, weiß ich "dass ich Christ bin,denn ich wurde getauft", als ich es gedanklich noch gar nicht erfassen konnte.
Also bin ich in Wahrheit überhaupt kein geborener Christ,auch kein nachträglicher.
Gott ist für mich der Schöpfer des Universums aller Geschöpfe des Universums.
Deshalb mein notwendiger Kirchenaustritt.
Leider... ---> Hätte nur niemand je über mich bestimmt!
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es geborene Juden gibt.


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03.04.2019 um 10:36
Doors schrieb:Wer Jude ist, bestimmt wer?
Tora, eigentlich Mischna, frag mich aber nicht nach dem Traktat.

Was Du beschreibst, bestätigt meine Worte. Danke dafür, nett gemeint.


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03.04.2019 um 10:39
eckhart schrieb:Ich kann mir nicht vorstellen, dass es geborene Juden gibt.
Es ist unerheblich, was Du Dir vorstellen kannst. Das ist jüdisches Gesetz. Jude ist jemand, der von einer jüdischen Mutter geboren wurde. Oder ein Konvertit, wobei es da wie gesagt einige Problemchen gibt. Die liberalen, die sogar Frauen als Rabbiner haben, akzeptieren jeden, auch Leute mit einem jüdischen Vater, die gar nicht jüdisch sind. Und die streng religiösen (Orthodoxie ist ein Begriff der Nicht-Juden für gläubige Juden) Juden, die akzeptieren in der Regel nur die aus der eigenen Strömung.


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03.04.2019 um 10:40
Frühlingshaft schrieb:Es ist unerheblich, was Du Dir vorstellen kannst
Wahre Worte von Dir! :)


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