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Das bedingungslose Grundeinkommen

Das bedingungslose Grundeinkommen

07.03.2018 um 21:44
Andante schrieb:Es werden künftig Pflegekräfte en masse dafür gebraucht. Nehmen wir die wachsende Zahl verhaltensauffälliger Kinder. Früher gab es pro Schulklasse einen Lehrer, fertig. Heute brauchen die neben dem Lehrer alle noch einen pädagogischen Mitarbeiter, sonst geht nichts.
Nicht jeder ist für den Pflegeberuf geeignet.

Mit einem BGE würde man jedoch auch wieder klassische Familienstrukturen ermöglichen bzw. stärken.


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Das bedingungslose Grundeinkommen

07.03.2018 um 21:58
Warum sollte ein BGE klassische Familienstrukturen fördern? Ich glaube nicht, dass es insignifikanter Größe Leute zum Kinderkriegen motiviert oder Scheidungen/Getrenntleben verhindert. Natürlich kann ich das nicht beweisen, niemand könnte das.

Sieht man sich aber mal an, welche gigantischen Summen dieser Staat jährlich an Sozialleistungen auskehrt, Tendenz immer steigend, nie abfallend (der Sozialhaushalt ist im Etat der Bundesrepublik Deutschland und der Bundesländer der weitaus größte), kann man sehen, wie wenig Geld allein im Laufe der letzten Jahre den Zerfall klassischer Familienstrukturen verhindert hat.


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07.03.2018 um 22:02
Andante schrieb:Es werden künftig Pflegekräfte en masse dafür gebraucht.
In der Tat, das ist bestimmt einer der wenigen Bereiche, wo es auch noch weiterhin höheren Bedarf geben dürfte, die Löhne sprechen dennoch eindeutig die übliche Sprache des Wertverlusts. Warum?
Andante schrieb:Nehmen wir die Statistiken der Krankenkassen: die meisten Krankheitstage werden heute - neben Muskel- und Skeletterkrankungen - durch psychische Störungen wie Depressionen etc verursacht.
Das sind doch in den allermeisten Fällen einfach Folgen von Stress durch höhere Arbeitsbelastung und Existenzängste etc. Mit ein wenig mehr sozialer Sicherheit, die ein BGE bringen würde, dürfte dieses Problem wohl eher rückläufig sein. Heutzutage ist es ja so, dass jemand, der aufgrund einer solchen oder auch einer anderen Erkrankung nicht mehr belastbar genug ist, um zu arbeiten, auch noch zusätzlich ins soziale Abseits rutschen kann. Das dürfte der Gesundung auch nicht unbedingt zweckdienlich sein.
Andante schrieb:Das BGE wird nicht unbedingt gebraucht, um den Konsum aufrechtzuerhalten. Arbeitslohn aus Arbeit, die nun mal verrichtet werden muss, heute zunehmend im sozialen Bereich, tut es auch.....
Dafür wird aber komischerweise kaum noch etwas gezahlt, schon jetzt. Nötig wäre das ja auch heute schon, wir reden hierbei schließlich nicht unbedingt nur über die Zukunft.


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Das bedingungslose Grundeinkommen

07.03.2018 um 22:25
Stimmt, was Arbeit im sozialen Bereich angeht, in der Alten- und Krankenpflege zum Beispiel, ist die Bezahlung ein Witz gegenüber dem, was beispielsweise ein Arbeiter bei VW, Daimler oder Porsche verdient.

Bei VW und Porsche wird halt viel verdient, weil die Nachfrage der Kunden nach den Produkten hoch ist und daher hohe Löhne gezahlt werden können. Im sozialen Sektor soll aber alles möglichst günstig sein, dafür soll halt, so die allgemeine Vorstellung, „der Staat“ (also wie immer der Steuerzahler natürlich) gefälligst sorgen.

Das wird aber künftig immer schwieriger. Wir werden uns daran gewöhnen müssen, ob wir wollen oder nicht, dass wir für den sozialen Bereich immer mehr Geld ausgeben müssen. Siehe Renten: wenn bald ein Erwerbstätiger einen Rentner finanzieren soll, wird man sich schleunigst was überlegen müssen. Ein BGE noch obendrauf: das wäre politisch nicht durchsetzbar. Deshalb wird es ja offiziell auch von keiner der etablierten Parteien propagiert.


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Das bedingungslose Grundeinkommen

07.03.2018 um 23:20
Andante schrieb:Wir werden uns daran gewöhnen müssen, ob wir wollen oder nicht, dass wir für den sozialen Bereich immer mehr Geld ausgeben müssen. Siehe Renten: wenn bald ein Erwerbstätiger einen Rentner finanzieren soll, wird man sich schleunigst was überlegen müssen. Ein BGE noch obendrauf: das wäre politisch nicht durchsetzbar.
Das ist eben der springende Punkt. Mit dem jetzigen System ist das gar nicht möglich. Was aber dabei gerne vergessen wird, ist, dass durch die Technologie die Produktivität ja gar nicht abnimmt, auch wenn weniger Leute beschäftigt sind, deshalb ist das System des Generationenvertrags ohnehin veraltet. Das hat man im Prinzip ja schon erkannt, dass das so nicht mehr geht und dann versucht, mit privater Vorsorge und solchen Mätzchen ein wenig vorzubauen, was aber schon daran scheitert, dass etwa ein Billigjobber kaum in der Lage ist, auch noch privat vorzusorgen, der fällt dann hinten runter, ist massiv von Altersarmut bedroht, letztendlich alles neoliberaler Unfug. Nein, wie man es dreht und wendet, es gibt keinen realen Zusammenhang zwischen Arbeit und Einkommen und im Sinne dessen muss neu gedacht werden.

Ich muss gestehen, dass ich den Thread nicht ganz gelesen habe, bzw. nur die letzten Seiten und bin davon ausgegangen, dass vorher schon geklärt wurde, was Grundzüge des BGE sind, offenbar geistern da immer noch eine Menge Mythen durch die Botanik, ist allerdings auch nicht immer ganz einfach, auch weil es unterschiedliche Ansätze gibt; in vielen ist aber so etwas wie eine gesetzliche Rente gar nicht vorgesehen. Prinzipiell ist es so, dass jeder Bürger Anrecht auf einen Grundbetrag von ca. 1000 Euro hat, das eben anders als ALG bedingungslos, also, dass man das nicht extra beantragen muss. Der Betrag aber entspricht so wie ALG dem, was man für das basale Leben braucht: Nahrung, Kleidung, Wohnung etc. Für Luxus geht man eben arbeiten. Es geht zumeist nicht in erster Linie darum, mehr Geld vom Staat zu bekommen, um die Sätze kann man dann immer noch streiten, sondern darum, dass man in jeden Fall abgesichert ist, was Grundbedürfnisse anbelangt und dadurch eine gewisse Freiheit hat, ohne nachher ins Amt kriechen zu müssen, wo die dann möglicherweise sagen: "Ja, hallo, hast ja noch'n Häuschen im petto, erstmal weg damit, dann könnwa weiterreden."
Andante schrieb:Deshalb wird es ja offiziell auch von keiner der etablierten Parteien propagiert.
Ist das ein Kriterium? Ich habe jedenfalls nicht unbedingt den Eindruck, dass irgendeine politische Partei vollumfänglich verstanden hätte, worum es dabei geht.


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Das bedingungslose Grundeinkommen

08.03.2018 um 02:24
Man sollte bedenken dass bei einem lebenslänglichen BGE auf staatliche Rente komplett verzichtet werden kann. Ebenso auf ALG I und II. Wem das BGE zu wenig ist, der muss eben zusätzlich privat vorsorgen.

Das BGEhat mehrere ganz große Vorteile:

Der Staat muss keine gesetzliche Rente bezahlen.
Der Staat muss kein Arbeitslosengeld bezahlen.
Der Staat muss kein Kindergeld zahlen.
Die staatliche Rentenversicherung kann abgeschafft werden.
Die Arbeitsämter können abgeschafft werden.
Wer nicht will, der muss nicht arbeiten.
Wer sich ein wenig mehr leisten will kann arbeiten.
Dadurch dass die Rentenbeiträge und die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung wegfallen sparen Arbeitgeber und Arbeitnehmer entsprechende Beiträge zur Sozialversicherung.
Die Löhne können fallen da die Menschen durch das BGE abgesichert sind (mit einem Job schafft man sich nur einen Zusatzverdienst zum BGE).
Niedrigere Löhne bedeuten wiederum dass z.B. im sozialen Bereich die Kosten gesenkt werden und gleichzeitig mehr Personal beschäftigt werden kann (was in unserer alternden Gesellschaft besonders wichtig ist).
Durch die niedrigen Lohnkosten erhalten sich möglicherweise auch in der Industrie bzw. im Handwerk Arbeitsplätze die unter anderen Bedingungen weggefallen wären.
Alleinerziehende Mütter/Väter sind besser gegen Armut abgesichert.

uvm.


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Das bedingungslose Grundeinkommen

08.03.2018 um 02:58
Die Löhne können fallen da die Menschen durch das BGE abgesichert sind
Was aber nur funktioniert wenn alle die jetzt arbeiten soviel Spaß an ihrer Arbeit haben das sie auch für weniger Lohn arbeiten obwohl sie es ja nicht bräuchten. Das bezweifel ich.
Ich denke eher das die Löhne ziemlich steigen werden. Nicht alle werden aus reiner Freude ihren Job weitermachen. Es werden Lücken entstehen. Irgendwie müssen die Arbeitgeber ja dann Leute anlocken. Und das geht eben am ehesten durch hohen Lohn.
Viele werden dann auch eher in Teilzeit arbeiten. Überstunden lohnen sich dann auch nicht mehr wirklich.
Höhere Löhne dürften dann auch zu höheren Preisen führen.
Frage mich sowieso wie man den Handel dran hindern will bei Einführung des BGE ihre Preise zu erhöhen.
Und würde bei mehr Geld im Umlauf ( durchs BGE) aber gleichbleibenden Preisen nicht eine starke Inflation entstehen?


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Das bedingungslose Grundeinkommen

08.03.2018 um 03:08
DerKlassiker schrieb:Prinzipiell ist es so, dass jeder Bürger Anrecht auf einen Grundbetrag von ca. 1000 Euro hat, das eben anders als ALG bedingungslos, also, dass man das nicht extra beantragen muss. Der Betrag aber entspricht so wie ALG dem, was man für das basale Leben braucht: Nahrung, Kleidung, Wohnung etc. Für Luxus geht man eben arbeiten.
Ich frage mich nur, wer diese ca. 1000 Milliarden Euro im Jahr dann erwirtschaften soll?

Ich dann auf keinen Fall mehr! Ich müsste mich zwar in meinem Lebenswandel etwas einschränken, aber mit 3000 Euronen für meine Familie käme ich gut über die Runden. Der Wechsel von selbstständig, 60-Stunden-Woche zur 0-Stunden-Woche würden mir und meiner Frau leicht fallen. Ach ja, Pech für meine 20 Mitarbeiter und nicht vorteilhaft für die Nahversorgung in unserer Gegend. Aber was solls, mir gings dann gut!

Für Luxus arbeiten? Ich bin mir sicher, ALLES wird zum Luxus werden, selbst die primitivsten Grundbedürfnisse. Dann würden alle wieder Arbeiten gehen, die Preise würden deutlich steigen, und zum Schluß wären wir wieder genau da wo wir heute schon sind, allerdings mit dem NAchteil, dass wir weltweit gesehen wirtschaftlich ein kleine Licht wären.


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08.03.2018 um 06:29
@itsnat So leicht ist es auch nicht, es gibt Rentenansprüche die höher sind als BGE und damit wirst du mit einem BGE erstmal nur die Grundsicherung ersetzen können. Die anderen Leistungen kommen weiterhin oben drauf und gleichzeitig bleiben die Verwaltungsstrukturen.


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08.03.2018 um 12:11
@itsnat
Vielen Dank für die Ergänzung!

@Suppenhahn
Suppenhahn schrieb:Ich frage mich nur, wer diese ca. 1000 Milliarden Euro im Jahr dann erwirtschaften soll?
Maschinen könnten schon jetzt den Großteil erwirtschaften. Wie ich vorher schon mal geschrieben habe, menschliche Arbeitskraft wird billig gehalten, damit das System Arbeit gegen Lohn aufrecht erhalten werden kann zum Preis der Verarmung von Arbeitnehmern. Es empfiehlt sich schon, vorherige Beiträge zu lesen, da habe ich das bereits sehr ausführlich beschrieben.
Suppenhahn schrieb:Ich dann auf keinen Fall mehr! Ich müsste mich zwar in meinem Lebenswandel etwas einschränken, aber mit 3000 Euronen für meine Familie käme ich gut über die Runden. Der Wechsel von selbstständig, 60-Stunden-Woche zur 0-Stunden-Woche würden mir und meiner Frau leicht fallen. Ach ja, Pech für meine 20 Mitarbeiter und nicht vorteilhaft für die Nahversorgung in unserer Gegend. Aber was solls, mir gings dann gut!
Das wäre dann deine freie Entscheidung. Du könntest deine Firma ja auch verkaufen. Die Mitarbeiter wären aber so oder so abgesichert, denn die haben dann auch ein BGE.

@alle
Es ist halt immer ein wenig schwierig, für etwas Neues einzutreten, für das es bislang noch keine praktischen Beispiele gibt. Da findet natürlich jeder irgendwas, warum das dann auf gar keinen Fall funktionieren kann, eben weil es das so noch nicht gibt. Auch ich habe durchaus Zweifel, z. B. stellt sich rein theoretisch die Frage, wie es im absoluten Modell, wenn es vlt gar keine menschliche Arbeit mehr gibt, möglich sein soll, zum Grundeinkommen etwas dazuzuverdienen? Das ist aber noch Zukunftsmusik, auch wenn die immer lauter wird. Das von vornherein perfekte Modell gibt es auch da nicht, kann es gar nicht geben, da man bei der Implementierung auch flexibel sein muss, um auf Verhältnisse, die sich ergeben, reagieren zu können. Ich sehe aber nicht, dass wir angesichts des zu erwartenden und bereits fortschreitenden Wertverlusts der menschlichen Arbeitskraft eine Wahl hätten, ohne das Risiko erheblicher sozialer Verwerfungen einzugehen. Hier könnte man genauso jedwedes Horrorszenario des Niedergangs entwerfen, derartiges hat es allerdings auch schon gegeben und gibt es sogar in der Gegenwart.

Ich stelle mir dabei vor, ich müsste anno 1770 die Menschen von der Demokratie überzeugen, als es so etwas eigentlich noch gar nicht gab. Abgesehen davon, dass ich damals dafür mit ziemlicher Sicherheit im Kerker gelandet wäre, hätten mir viele Bedenkenträger wahrscheinlich erzählt, dass das auf gar keinen Fall funktionieren kann, weil dann ja jeder einfach machen könne, was er will, ogottogottogott. Heute, mehr als 200 Jahre später, wissen wir eben, dass es dennoch irgendwie funktioniert und für die meisten ist es aus heutiger Sicht wohl eher nicht vorstellbar, dass man das absolutistische Prinzip von damals einfach beibehalten hätte. Von nichts kommt halt nichts, wenn sich aber Verhältnisse massiv und sichtbar verändern, das Industriezeitalter mit Arbeit für die Massen ist nun einmal vorüber, ist es an der Zeit, umzudenken und auch neue Wege zu gehen. Wenn jemand eine andere bessere Idee hat, bin ich dafür offen, alles wie gehabt wird jedoch leider nicht funktionieren, nicht in einer Phase rasanter äußerer Veränderungen, in der wir uns momentan zweifelsohne befinden.

Es geht mitnichten darum, von jetzt auf gleich die reine Lehre des BGE umzusetzen, das würde so auch nicht gehen, ist klar. Behutsam und schrittweise muss die Devise sein, die Möglichkeiten und Eventualitäten auslotend, begleitet von umfangreichen offenen Debatten, selbstverständlich muss jeder Bedenkenträger auch zu Wort kommen, das gehört dazu und hilft darüber hinaus, Fehler zu vermeiden. Par ordre de mufti ist nie eine gute Voraussetzung für Gedeihliches, das sehen wir momentan ja ganz deutlich an vielen Punkten, wo angeblich Alternativloses einfach von oben durchgesetzt wurde und uns nun um die Ohren fliegt.


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08.03.2018 um 12:58
@DerKlassiker

Während aber Demokratie eine gute Idee war, ist es das Besinnungslose Grundeinkommen sicher nicht. Das ist nicht einfach die nächste evolutionäre Stufe einer Gesellschaft, sondern ähnlich wie der Kommunismus an Abschottung und eine via Konsumsteuer durchgeführte Enteignung geknüpft. Enteignung würde ich es deshalb nennen, weil Menschen, die zB auf etwas gespart haben, ja plötzlich wesentlich mehr dafür ausgeben müssten. Damit würde eine Entwertung jeden Spareinkommens durchgeführt.

Während eine Demokratie eine Weg in eine freie Gesellschaft ebnet, ebnet ein BGE den Weg zu abgeschlossenen Wirtschaftsräumen (wenn wir davon ausgehen, dass nicht der ganze Planet mitmacht). Und es wird massiv in den Privatbesitz eingegriffen.

Gab es so was schon mal? Ja richtig, es nannte sich DDR. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen, ähem.


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Das bedingungslose Grundeinkommen

08.03.2018 um 15:36
sacredheart schrieb:Während aber Demokratie eine gute Idee war, ist es das Besinnungslose Grundeinkommen sicher nicht.
Das "Besinnungslose Grundeinkommen" klingt auch gut, es geht aber hier um das Bedingungslose Grundeinkommen und das ist zumindest nicht die schlechteste Idee. Von der Demokratie redest du jetzt aus heutiger Sicht, in meinem vorigen Beitrag habe ich beschrieben, dass das vor der Etablierung dieser Staatsform mangels einschlägiger Erfahrung bestimmt auch kritisch gesehen werden konnte.
sacredheart schrieb:ähnlich wie der Kommunismus an Abschottung und eine via Konsumsteuer durchgeführte Enteignung geknüpft.
Wenn man natürlich Steuern grundsätzlich als Enteignung betrachtet, muss ich dir recht geben. Aus dieser Perspektive leben wir jedoch ohnehin im Kommunismus. Komisch aber, dass außer ein paar wenigen verbliebenen Krümeln des Absolutismus (z. B. Monaco) offenbar kein Staat der Welt ganz ohne diesen "Kommunismus" auskommt.

Zur Konsumsteuer: In diesem Modell wird eine einmalige Steuer von 100% entsprechend der jetzigen Mehrwertsteuer auf Waren erhoben. Dabei muss man aber bedenken, dass sämtliche anderen Steuern, auch die Einkommenssteuer entfallen. Ob die Produkte damit tatsächlich maßgeblich teurer wären, ist die Frage, weil das Produkt vor Mehrwertsteuer schon billiger wäre. Dazu wollte ich nochmal anmerken, was ich vorher schon geschrieben habe, die Einführung wäre schrittweise, d. h. in diesem Fall würde die Quellensteuer nach und nach gesenkt werden und entsprechend die Verbrauchssteuer erhöht. Es wäre also nicht so, dass die Preise von heute auf morgen massiv steigen würden.
sacredheart schrieb:Gab es so was schon mal? Ja richtig, es nannte sich DDR. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen, ähem.
Der Kommunismus ist eine totalitäre Ideologie, die von vornherein keinerlei Raum für individuelle Freiheit lässt. Genau das ist das BGE ja eben nicht, ganz im Gegenteil, es ist dazu gedacht, die individuelle Freiheit explizit zu fördern. Im Prinzip ist es ja nicht viel mehr als eine Art neuartiges Steuersystem. Dieser absurde Vergleich mit dem Kommunismus geht von daher stets in die Hose.
sacredheart schrieb:ebnet ein BGE den Weg zu abgeschlossenen Wirtschaftsräumen (wenn wir davon ausgehen, dass nicht der ganze Planet mitmacht).
Ursprünglich lief das BGE ja auch unter der Bezeichnung "Bürgergeld", ein bisschen weniger bombastisch, ist aber auch so gemeint. Denn es würde eben in erster Linie die Bürger des jeweiligen Landes betreffen, selbstverständlich kann man es auch auf dauerhaft im Land lebende Ausländer ausweiten. Von einer Abschottung à la DDR kann also wohl kaum die Rede sein. Das Fernziel, dass der ganze Planet mitmacht, ist durchaus vorhanden. Beim derzeitigen System des Arbeitszwangs ist ja auch die ganze Welt mit von der Partie. Wieso nicht auch eines Tages bei der besseren Variante?
sacredheart schrieb:Das ist nicht einfach die nächste evolutionäre Stufe einer Gesellschaft
Bist du dir da jetzt immer noch so sicher?


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Das bedingungslose Grundeinkommen

08.03.2018 um 16:32
@DerKlassiker

Wir sind uns also einig, dass ein BGE Geld kosten würde, das versteht sich von selbst.

Wenn nun aber die Produkte, wie von Dir beschrieben gar nicht viel mehr Geld kosten würden, weil ja andere Steuern wegfallen, kommt ja gar nicht viel mehr Geld rein. Das wäre also schon mal nix. Falls doch viel mehr Geld reinkommt, müssen die Produkte auch massiv teurer werden. Das ist was anderes als eine 0,5% Punkt Erhöhung der Mehrwertsteuer, sondern eine drastische Abkehr, die dann Sparvermögen halbiert. Das nennt man Enteignung.

Und jetzt zur individuellen Freiheit: Wenn die in einem System mit BGE uneingeschränkt gegeben ist, kaufe ich meine Produkte im Nicht-BGE Ausland. Und nicht nur ich: Jeder der nicht mit dem Klammerbeutel gepudert ist, tut das dann auch.

Dann käme eben nicht mehr Geld rein, sondern wir hätten lediglich die Binnennachfrage auf 0 gedreht. Keine wirklich gute Idee. Um dies zu verhindern, müsste eine Art 'Festung um die BGE' entstehen und genau auf dem Weg gäbe es eine massive Abschottung. Also Freiheit ist dann auch schon platt.

Und von einem abgeschotteten Wirtschaftsraum incl der Verletzung aller Handelsabkommen und Freizügigkeitsabkommen etc zu einer totalitären Ideologie ist der Unterschied fast nur noch die Begrifflichkeit und der Gründungsmythos.

Also: Kein besinnungsloses Grundeinkommen.

Der Unterschied zu Kommunismus wäre dann nur noch, dass man in diesem zur Erlangung des Spielgeldes sich an einen mehr oder weniger sinngebenden Arbeitsplatz schleppen musste.

Ich sehe auch inhaltlich keinen Sinn darin, dass man Money for nothing bekommt. Die Idee, dass Menschen dann zum Zwecke der Selbstverwriklichung aktiv werden, sehe ich als Idee aus dem Elfenbeinturm.

Die meisten sind ja nicht Bildhauer oder Meeresbiologe oder Supermodell, sondern Briefträger, Lagerarbeiter oder machen GasWasserScheisse und bestimmt nicht wegen der Selbstverwirklichung im Abfluss.


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Das bedingungslose Grundeinkommen

08.03.2018 um 16:39
@sacredheart

verstehe ich nicht so ganz...warum führt ein BGE zu einem Bezug von Produkten aus dem Ausland? Ich meine ich komme ja auch nicht auf die Idee, jetzt wo ich was verdiene, ins Ausland zu fahren und die Kohle da auszugeben.
Und Geld auf dem Konto ist halt einfach nur Geld...egal ob jetzt BGE oder Nettolohn vom Arbeitgeber. kann ich also nicht so ganz nachvollziehen.
Das betrifft doch eh nur die Grenzregionen, aber doch nicht das gesamte Inland.
Heliamphora schrieb:Irgendwie müssen die Arbeitgeber ja dann Leute anlocken. Und das geht eben am ehesten durch hohen Lohn.
Viele werden dann auch eher in Teilzeit arbeiten. Überstunden lohnen sich dann auch nicht mehr wirklich.
eben! genau das dürfte der Effekt sein. jetzt gilt ja in vielen Branchen noch die Devise "na dann melde dich doch arbeitslos...eine Gehalterhöhung gibts nicht"....und man sucht sich halt jemand anders.

Das wäre mit einem BGE vorbei und man müsste zwangsweise mit dem Lohn hochgehen.


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Das bedingungslose Grundeinkommen

08.03.2018 um 16:44
@knopper

Das BGE führt nicht dazu, aber die verbreitete Schnapsidee, es durch eine 100% Konsumsteuer zu finanzieren. Wenn das neue Handy bei uns 1000€ kostet und im Nachbarland dann 520€, fahre ich dahin oder lasse es mir schicken.

Ich kaufe vielleicht noch Brötchen beim Bäcker, aber alles andere im Ausland.

Wenn ein Auto dann bei uns 60.000€ kostet und in Holland das gleiche 31.000€, kaufe ich es in Holland.

Die machen doch nicht automatisch alle mit bei dem Schwachsinn. Also wird es entweder auf eine Binnennachfrage wie 1929 hinauslaufen oder auf einen sehr scharf bewachten Grenzstreifen. Zu beidem sage ich: Nein danke.


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08.03.2018 um 16:54
Arbeitgeber müsssten keineswegs mit hohen Löhnen irgendjemanden anlocken. Die verschieben dann einfach die Standorte ins Ausland, das nicht bei dem Spielchen mitmacht. Auf dem Weg schafft man dann noch eine kaum mehr umzukehrende Rekordarbeitslosigleit. Die ist dann für 2 Monate gar nicht so schlimm, bis der Staat zahlungsunfähig ist, weil man ja durch die Konsumsteuer auch die Binnennachfrage zum Erliegen gebracht hat und damit die Einkünfte des Staates massiv zurückgegangen sind, obwohl man dank BGE ja viel mehr ausgeben muss. Dann werden uns griechische Finanzminister einen Sparplan diktieren und Parteien, die diesen Quatsch eingeführt haben, verschwinden in der Bedeutungslosigkeit. Die anderen müssen dann versuchen, die Katastrophe wieder zurückzuschrauben, aber bis dahin ist Deutschland dann das abgehängte Schlusslicht einer auseinandergebrochenen EU.

So ist das leider mit allen tollen Ideen, die mit 'Man müsste einfach...' anfangen. Der Herr, der sich den Quatsch ausgedacht hat, ist ja auch nur ein Bundestrainer im Fernsehsessel. Der hat bisher noch nicht mal einen Kiosk geleitet. Und einige beginnend Demente Ex Wirtschaftsbosse, die das für toll halten, sollen mir mal die Finanzierung unter Einbeziehung der Umgebungsparameter erläutern. Das funktioniert nie in einem offenen System.


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Das bedingungslose Grundeinkommen

08.03.2018 um 17:10
@sacredheart

ich weiß nicht...ich denke du siehst das viel zu negativ.
Beim Mindestlohn wurde genauso gewettert und auch allerhand Gegenargumente eingebracht, das es ja die Wirtschaft schwächt, mehr Arbeitslose usw... aber das Gegenteil war dann seltsamerweise der Fall.
Einen Standort ins Ausland zu verschieben bringt auch erstmal Kosten für ein Unternehmen mit sich + Unsicherheiten ob die Produktion da dann reibungslos weiterläuft...und noch ne Menge andere Dinge.

2 Monate sind hier eindeutig zu kurz gedacht.

Ich meine das Problem wurde ja schon n paar Beiträge vorher angesprochen. Die möglichen Szenarien wohin ein BGE führt sind alles graue Theorie und Planspiele. Durchgerechnet von Experten und Ökonomen, die ja alle studiert haben...ja ja kennt man ja. :D

Die Praxis sieht aber womöglich doch ganz anders aus.


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Das bedingungslose Grundeinkommen

08.03.2018 um 17:19
@knopper

Eine Konsumsteuer von 100% wäre eine Schockwelle für Wirtschaft, insbesondere Binnennachfrage. Wer kauft denn noch noch irgendeinen Artikel hier?

Der Vergleich mit dem Mindestlohn hinkt schon recht stark, der war völlig ok und hat natürlich nicht die Wirtschaft auf den Kopf gestellt.

Wenn man einen alten Opel hat, der Super braucht, kann man sich fragen: verträgt der auch Super E10. Vielleicht geht das gut, kann sein. Wenn man sich aber im nächsten Schritt fragt: Wenn das mit dem E10 geklappt hat, vielleicht fährt der auch mit Himbeermarmelade, beim E10 haben ja auch die meisten gesagt, das ginge nicht. Aber es wird nicht gehen.

Sowohl mit dem BGE als auch mit der Himbeermarmelade im tank.

Die relativierenden Vergleiche verkennen den grundsätzlichen Abschied von offenen Grenzen, Binnennachfrage und zahlreichen internationalen Abkommen. Den kann auch niemand wegirrationalisieren, außer an einem gemütlichen Schreibtisch in einer Uni nach dem dritten Glas Wasauchimmer.


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08.03.2018 um 17:23
sacredheart schrieb:Eine Konsumsteuer von 100% wäre eine Schockwelle für Wirtschaft, insbesondere Binnennachfrage. Wer kauft denn noch noch irgendeinen Artikel hier?
Das ist doch nur eine Variante und daher ist die Annahme nicht wirklich begründet, es wird nivht zwingend eine Konsumsteuer benötigt und wäre auch kontraproduktiv für das BGE.


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08.03.2018 um 17:47
taren schrieb:Das ist doch nur eine Variante und daher ist die Annahme nicht wirklich begründet, es wird nivht zwingend eine Konsumsteuer benötigt und wäre auch kontraproduktiv für das BGE.
Könntest Du mir Deine Rechnung mal ein bisschen näherbringen, wie das aussehen soll oder fangen wir wieder bei 0 an?


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