Desperadoo schrieb:Letztendlich war es die deutsche Politik in ihrer Gesamtheit!
Ja.
Es ist eine lange und komplexe Geschichte.
Es ist aber durchaus so, dass die Weichen für die vollständige Abhängigkeit gelegt wurden unter Schröder/Fischer.
Beide wurden nach ihrem Ausscheiden zu Gas Lobbyisten, Schröder bei Gazprom, Fischer bei Nabucco.
Mit Merkel gab es dann keine substanzielle Korrektur - und dann kam auch noch Sigmar Gabriel.
Nachlesen kann man das alles im ersten Kapitel des Buches
Die Moskau-ConnectionDie beste freie Darstellung dieser langen Geschichte gibt es - als long read - im linken Guardian.
‘We were all wrong’: how Germany got hooked on Russian energy
This article is more than 3 years old
Germany has been forced to admit it was a terrible mistake to become so dependent on Russian oil and gas. So why did it happen?
By Patrick Wintour
Quelle:
https://www.theguardian.com/world/2022/jun/02/germany-dependence-russian-energy-gas-oil-nord-streamWo es auch geht um die Verzahnung von Energie und Ost-Politik - und deutschen Erzählungen (mein Leibthema). Am meisten dran hängt - an diesen Erzählungen - die SPD.
The SPD co-leader, Lars Klingbeil, has also insisted that Ostpolitik “was the basis for reunification and the end of the cold war. As a result, there has been a consensus in the federal republic for decades that conflicts can be defused through dialogue. We won’t let that be bad-mouthed.”
Yet a number of historians and writers believe that this rosy picture of Ostpolitik is misleading. “The idea that Willy Brandt’s policy of detente towards Moscow led in a straight line to the fall of the iron curtain and German unity is at least an over-simplification,” says the historian Jan Behrends. German journalist Thomas Urban, author of a new book critiquing Ostpolitik, believes its role in the fall of the wall and German reunification has been exaggerated: “It was military buildup by Reagan and the flooding of the market with cheap oil that led to the collapse of the Soviet Union,” he told me. The Russian government budget had grown so dependent on energy for its revenue, he said, that when the price of oil plummeted in the mid-1980s, Russia’s lifeline to external capital dried up. “Gorbachev could no longer fund the overseas wars and the Soviet Republics,” he said. “But this argument was entirely missing in the German debate, especially on the left.”
Urban argued that Ostpolitik’s theory of change suffered from two basic misconceptions: the belief that political change in eastern Europe could only come from engaging with the elite in power, rather than from civilian movements, and second, that “security must be the key to everything”.
By the turn of the century, the advocates of change through trade were in their pomp. Chancellor Schröder, with growing confidence, promoted the idea of a strategic partnership with Russia ...
Quelle: ebenda
Da, durch die Insistenz auf Dialog mit der Zivilgesellschaft (darauf insistierten sie noch im Koa-Vertrag von 21) und dann durch den Einfluss von Milan Kundera (hab da hier anderswo zu gepostet) haben sich die Grünen sehr positiv hervorgetan.
Um mal den Bogen zum Thema und zur Aktualität zu schaffen, momentan sieht es so aus, als ob die Grünen Cem Özdemir torpedieren, wo sie nur können
:ask:Zuerst mit dem Homöopathie-Dings. Klar irgendwann mussten sie das mal klarstellen, aber mehrere Kommentare sagten, es sei ein offenes Geheimnis, Cem wäre das nach der BW Wahl lieber gewesen.
Und nun auch mit dem (irrsinnigen) Mercosur Abstimmungs Verhalten.
In der SZ kann Henrike Roßbach das Abstimmungsverhalten der Grünen kaum fassen: Was für eine Steilvorlage für die Antieuropäer. "Dass ausgerechnet die Grünen sich so verhalten haben, die sonst bei jeder Gelegenheit und mit gutem Grund vor den Gefahren wackelnder Brandmauern warnen, ist ein Witz, bei dem einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Denn wenn die Kommissionspräsidentin das Mercosur-Abkommen nun vorläufig in Kraft setzt, wozu es keine vernünftige Alternative gibt, werden die Rechts-außen-Parteien das natürlich umgehend nutzen, um die EU und ihre Institutionen zu diskreditieren - als abgehobenen Machtapparat, der sich über das vom Volk gewählte Parlament hinwegsetzt."
Quelle:
https://www.perlentaucher.de/9punkt/2026-01-23.html