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Asentreue / Asatru

1.052 Beiträge, Schlüsselwörter: Odin, Asatru, Asentreu
chobie
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Asentreue / Asatru

25.08.2013 um 15:20
Vermutlich meint tris den Stamm der Goten.


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Asentreue / Asatru

25.08.2013 um 15:38
@Asche
Asche schrieb:Eine Quelle dafür zu finden, was die Germanen damals dachten, wird schwer möglich sein. Es ist dir sicher nichts Neues, wenn ich sage, dass sie nicht sonderlich gerne geschrieben haben.
Und sie haben bestimmt nicht in Runenschrift auf einem Schwert vermerkt "Ich kämpf für meinen Hof".
Wenn es keine konkrete Quelle gibt, muss man sich an das halten, was man weiß.
Man weiß, dass sich germanische Stämme immer wieder mit den Römern verbündeten. Eine prinzipielle Ablehnung der Römer an sich kann also nicht bestanden haben.
Man weiß, dass sich Germanen bei römischen Siedlungen niedergelassen haben. Eine prinzipielle Ablehnung der römischen Lebensweise kann somit nicht bestanden haben. Dies erkennt man auch daran, dass etwa Marbod sich in seinem Reich stark an dem römischen orientierte.
Und wir wissen (zu den genauen Quellen gleich), dass die Germanen dann schließlich auch in die römischen Städte gingen, als die Römer weg waren. Es gab also auch von ihrer Seite aus ein Interesse an der Aufrechterhaltung eines Stadtlebens über ein "Wir hocken uns daneben und profitieren davon, dass die Römer eine Siedlung gebaut haben" hinaus.

Angesichts dessen, dass all diese Sachen ganz explizit GEGEN eine prinzipielle Ablehnung des Stadtlebens sprechen, kann es garnicht richtig sein, dies den Germanen zu unterstellen.
Asche schrieb:So, da hätte ich jetzt aber gerne eine Quelle :D
Colonia Augusta Treverorum (Trier), im 5. Jahrhundert entgültig von den Franken erobert. Müssen sich wohl auch dort angesiedelt haben, sonst hätten die Wikinger 300 Jahre später nichts zu zerstören gehabt.

Castra Regina (Regensburg), nach Aufgabe als militärischer Stützpunkt eine Zivilsiedlung und ab dem 5. Jahrhundert der Hauptsitz der Agilolfinger.

Antunnacum (Andernach), war ein Königssitz der Merowinger.

Augusta Vindelicorum (Augsburg) war auch nach Abzug der Römer durchgängig besiedelt.

Colonia Claudia Agrippinensium (Köln), im 5. Jahrhundert von den Franken erobert und Sitz von König Sigibert von Köln, "dem Lahmen".

Sind mal die, die mir so spontan eingefallen sind, gibt vermutlich noch mehr. So ziehmlich jede römische Siedlung und Stadt wurde nicht platt gemacht, woraufhin sich die Germanen wieder in die Wälder verzogen hätten, sondern sobald die Römer weg waren, blieb man in den Städten.
Als Quelle dient so ziehmlich jedes Buch über die Germanen, dass sich auch mit der Zeit nach Vertreibung der Römer befasst sowie über die Geschichte der einzelnen Städte.


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Asentreue / Asatru

25.08.2013 um 15:44
Bei Köln fehlt natürlich das Ara, also Colonia Claudia Ara Agrippinensium. Leider zu spät zum bearbeiten.


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Asentreue / Asatru

25.08.2013 um 15:57
@tris
Dann möchte ich lediglich einwerfen, dass du immer davon sprichst, dass die Römer "weg waren". Ist aber nicht der Fall. Weder haben sie sich in Luft aufgelöst, noch haben sie sich nach Afrika geflüchtet, noch wurden sie von den Germanen restlos niedergemetzelt und ausgerottet. Diese Städte die du nennst, gehen zum Großteil von der These aus, dass sie ja nicht unbewohnt waren. Richtig, denn die Römer lebten dort auch weiterhin. Dass dort auch Germanen lebten, bestreite ich gar nicht. Immerhin waren all die Könige des HRRDN Nachfolger der Germanen.

Aber wir sollten uns vielleicht auf eine datliche Eingrenzung einigen. Die Germanen um 800 n. Chr. werden weniger Abneigungen gegen Städte gehegt haben als jene um 1.000 v. Chr.


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Asentreue / Asatru

25.08.2013 um 16:06
@Asche
Asche schrieb:Dann möchte ich lediglich einwerfen, dass du immer davon sprichst, dass die Römer "weg waren".
Damit meine ich, dass die Römer nicht mehr die Vormachtstellung in den Städten innehatten. Denn damit fiel der m.M.n. wichtigste Grund für die germanische "Ablehnung" von Städten weg.
Richtig, denn die Römer lebten dort auch weiterhin. Dass dort auch Germanen lebten, bestreite ich gar nicht.
Zum einen starben wohl auch viele Römer bei den regelmäßigen Eroberungen und Rückeroberungen. Einige dürften auch nach Italien gegangen sein. Insbesondere die unzähligen Begleiter der römischen Truppen zogen wohl zu einem nicht unerheblichen Teil mit diesen ab. Dagegen fehlte es an römischem Nachzug.
Es lebten dort dann nicht auch Germanen, sondern es lebten dort in erster Linie Germanen und dazu halt die Reströmer.
Asche schrieb:Die Germanen um 800 n. Chr. werden weniger Abneigungen gegen Städte gehegt haben als jene um 1.000 v. Chr.
Da wir von den Germanen von 1000 v. Chr. nicht wissen, ob sie eine persönliche Abneigung gegen Städte hatten oder einfach aufgrund von Umgebung und Technik keine gebaut haben, können wir dazu keine Aussage treffen. Halbwegs Aussagen treffen können wir nur ab der Zeit als die Römer Interesse an ihnen gewannen. Und da ist, wie oben skizziert, keine prinzipielle Abneigung gegen Städte zu erkennen.


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Asentreue / Asatru

25.08.2013 um 18:08
Okay ich beende die Diskussion hiermit, da sie sich auf beiden Seiten nur auf Spekulationen beruft. Du kannst Recht haben - wer weiß. Das werden wir wohl nie erfahren.


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chobie
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Asentreue / Asatru

25.08.2013 um 18:25
@Asche

Ich schließe mich an :)

Vielleicht kann man sich jetzt wieder über Asatru unterhalten. ;)

Zum Beispiel, welches Fest demnächst ansteht. :)

http://www.berel-am-ries.de/seiten/Chronik/Forschungen-bis-808-nChr/germanische-feste.htm


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Asentreue / Asatru

25.08.2013 um 18:56
@Asche
Es handelt sich um Germanen, genaueres als Spekulation ist garnicht möglich, dazu fehlen die Fakten. Aber zumindest widerprechen meine Spekulationen nicht den belegten Tatsachen. Es stört mich halt einfach, wenn die Germanen zu Projektionsflächen für Wünsche und Sehnsüchte degradiert werden.

Aber gut, das ganze ist eltztlich eh ins arge OT abgerutscht.


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chobie
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Asentreue / Asatru

25.08.2013 um 19:23
@tris

So langsam werde ich sauer!

Was maßt du dir an, uns sowas zu unterstellen?
Ich z.B. empfinde weder Wunsch noch Sehnsucht nach den "Germanen" und ich degradiere sie auch nicht!
Warum suchst du nicht Zoff mit den Christen und lässt uns zufrieden?


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Asentreue / Asatru

25.08.2013 um 21:23
Na na, wir wollen doch nicht streiten.
Es wäre wirklich angebracht, wieder etwas über Asatru zu quatschen.
Klar sind die Querelen zwischen Rom und Germania ein wichtiger Fakt um die geschichtliche Entwicklung der Religion, aber beide Themen kann man separat betrachten. Die Christianisierung unserer Gefilde ging ja erst nach Rom los...


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chobie
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Asentreue / Asatru

25.08.2013 um 21:51
@Grymnir

Ja nun, tris unterstellt Dinge, die einfach nicht stimmen! Irgendwann ist auch mal gut!
"Hundemenschen ", Degradierung der Germanen usw. Mit uns kann man es ja machen, oder was?

Ich bin erstmal Off!


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Asentreue / Asatru

25.08.2013 um 22:50
Diskutieren ist gut, was mich allerdings auch nervt, ist wenn einem ständig unter die Nase gerieben wird, dass meine/unsere Vorstellung über Germanen falsch sei und nur die eigenen Wünsche widerspiegle.

Ach, letztendlich ist es mir relativ gleichgültig. Ich glaube nicht, dass ich/man seine heutigen Ideale an den Germanen festmachen muss. Sie hatten großartige Tugenden, Götter usw., aber nur weil Germanen Freitags keine Haselnüsse aßen, muss ich damit doch nicht auch anfangen, oder? So in der Art.


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Asentreue / Asatru

26.08.2013 um 15:33
@Asche
Asche schrieb:Diskutieren ist gut, was mich allerdings auch nervt, ist wenn einem ständig unter die Nase gerieben wird, dass meine/unsere Vorstellung über Germanen falsch sei und nur die eigenen Wünsche widerspiegle.
Es stand euch frei die von mir aufgelisteten Sachen zu widerlegen. Das einzige, was widerlegt wurde, war meine ungenaue Aussage "als die Römer weg waren". All die anderen Punkte wurden nicht beachtet bzw. bestenfalls mit einem "Nein, das war nicht so" bedacht.

Es besteht nunmal ein Widerspruch zwischen historischen Fakten und der Auffassung, die Germanen wären überzeugt naturverbundene Stadtverächter, denen es nie um Macht ging, gewesen.
Woher soll die konsequente Nichtbeachtung dieser Fakten ohne auch nur die kleinste belegbare Gegendarstellung sonst kommen, wenn nicht um sich sein liebgewonnenes Germanenbild zu bewahren?


Und das ist, um auf das Thema zurückzukommen, ein Problem, was sehr verbreitet bei wiederbelebten Religionen wie Asatru ist: Eine gewisse Rosinenpickerei. Man nimmt sich das aus der alten Kultur und Religion, was einem am besten gefällt, was den eigenen Wünschen entspricht.
Nicht falsch verstehen, das ist nicht das Problem, da hat jeder das gute Recht dazu, es zu tun. Problematisch wird es erst, wenn diese Neuinterpretation eines Glaubens und einer Religion auf den Ursprung zurückübertragen wird und als historischer Fakt betrachtet wird.

Das gibt es bei Asatru, das gibt es auch bspw. bei den Neokelten. Hatte da mal eine Diskussion mit einem, der tatsächlich glaubte, die heutigen Druiden wären mit den damaligen vergleichbar gewesen. Von den Menschenopfern wollte er erst recht nichts hören.

Ein Teilproblem ist da das mit der Naturverbundenheit. Habe ja den Artikel verlinkt, indem dargestellt wird, dass die Naturverbundenheit der Indianer ein neuzeitliches Märchen ist. Woanders auf der Welt sah das auch nicht anders aus. Sobald Technik und Umgebung es hergaben, haben die Menschen Städte gebaut. Im fruchtbaren Mesopotmien ging es früher los, in Amerika etwas später und in Germanien kamen die Römer, bevor die Germanen selber die Technik hatten, Städte zu errichten und vor allem von den doch recht kargen Böden einen Ertrag zu erwirtschaften, mit dem eine größere Menschengruppe zusätzlich zu den Bauern selber versorgt werden kann.


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Asentreue / Asatru

26.08.2013 um 16:00
@tris
Können wir das Thema fallen lassen? :D


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Asentreue / Asatru

26.08.2013 um 16:03
@Asche
Du musst ja nicht darauf antworten.


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chobie
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Asentreue / Asatru

26.08.2013 um 16:15
@Asche

Das Thema an sich ist mit aufgeschlosseneren Diskussionspartnern schon interessant.
Jetzt faengt tris auch noch an über die Wiccaner und Druiden zu lästern. Dabei hat es in GB nie so eine Verfolgung wie bei uns gegeben und diese Traditionen wurden weiter gepflegt. Sogar Churchill soll ein Druide gewesen sein.

Es ist schönes Wetter, ich gehe raus in die Natur ;)


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Asentreue / Asatru

26.08.2013 um 16:47
@chobie
Sag mal... liest du überhaupt, was ich schreibe?

Wenn ich auf einen von @Asche verwendeten Vergleich von Katzen- bzw. Hundemenschen eingehe und diesen weiterverwende, bildest du dir ein, ich würde die Germanen irgendwie beleidigen.

Weise ich darauf hin, dass gerne mal heutige Interpretationen auf die damaligen Ursprünge übertragen werden, dass es nicht auf Asatru beschränkt ist und ich ein konkretes Beispiel erlebt habe, verdrehst du das entweder unabsichtlich oder böswillig zu einer "Lästerei".


Was die keltischen Traditionen und die fehlende Verfolgung angeht: Tut mir Leid, dich enttäuschen zu müssen, das ist historisch so nicht korrekt.

Es gab auf den britischen Inseln deswegen weniger Verfolgungen, weil die Bevölkerung viel schneller und viel widerstandsloser das Christentum übernommen haben. Das war so ziehmlich die erste europäische Region außerhalb der römischen Kerngebiete, in denen das Christentum weite Verbreitung fand. Dementsprechend war es auch das Hauptherkunftsgebiet der europäischen Missionare.

Sonderlich überdauert hat da keine keltische Tradition. Ein paar Feste, die christlich umgedeutet wurde, ja. Aber tatsächlich bewusst war es so gut wie niemandem, dass es ursprünglich heidnische Traditionen waren. Das änderte sich erst so im 17. Jahrhundert, als man begann, Interesse für die keltische Vergangenheit zu entwickeln. Ab da rückte die keltische Herkunft bspw. eben verschedener Feste wieder etwas mehr ins Bewusstsein. Eine explizite keltische Tradition oder Kultur blieb aber nicht durch die Zeiten erhalten, die wurde ab dann erst rekonstruiert. Und das vermutlich mehr als schlecht als recht, da die Kelten keinerlei Aufzeichnungen hinterließen, man orientierte sich also auch wieder an Fremdquellen und interpretierbaren Funden und füllte die großen Lücken mit Selbsterfundenem.

Bestes Beispiel sind da "Ossians Gesänge", die für echte alte gälische Lieder ausgegeben wurde, aber tatsächlich erst Mitte des 18. Jahrhundert entstanden.


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Asentreue / Asatru

26.08.2013 um 17:27
@tris
ich lese deine Beiträge hier sehr gerne, auch wenn mir die Zeit fehlt aktiv mit zu diskutieren. Ich finde du differenzierst die Sache hier ganz wunderbar (etwas das mir vorher irgendwie hier fehlte) sodass ich mittlerweile wieder sehr gerne diesen thread lese. Daumen hoch.


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chobie
ehemaliges Mitglied

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Asentreue / Asatru

26.08.2013 um 17:48
@tris

Die römische Inquisition gab es erst, nachdem das Christentum Religion war.
Auf den britischen Inseln gab es keine Inquisition. Deshalb war das Heidentum nie so richtig verschwunden.
Ich weiß auch nicht so richtig, wieviel Druidentum im Christentum steckt, da die Missionierung von ehemaligen Druiden, die zu christlichen Mönchen wurden, ausging. Der Heilige Patrick soll auch ein Druidenschueler gewesen sein und ich halte es auch für wahrscheinlich, dass Taranis der römische Gott Jupiter, also Zeus, damit der christliche Gott, ist.

Sicherlich gibt es bei Wicca einiges, wo man sagen könnte "naja, wer weiß" aber beim Druidentum liegt die Sache anders. Gardner soll auch ein Druide gewesen sein!


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Asentreue / Asatru

26.08.2013 um 18:49
@Dimetrodon
Dimetrodon schrieb:ich lese deine Beiträge hier sehr gerne, auch wenn mir die Zeit fehlt aktiv mit zu diskutieren. Ich finde du differenzierst die Sache hier ganz wunderbar (etwas das mir vorher irgendwie hier fehlte) sodass ich mittlerweile wieder sehr gerne diesen thread lese. Daumen hoch.
Ich habe auch keinen größeren Anspruch als die differenzierte Darstellung. Ich will bestimmt niemandem seinen Glauben madig machen. Das Neokeltentum, Asatru und was es sonst noch gibt, sind samt und sonders moderne Interpretationen. Sie berufen sich auf alte Religionen und Kulturen. Nicht mehr und nicht weniger. Wie @Asche schon schreibt, nur weil die Germanen freitags keine Haselnüsse aßen, muss man das nicht nachmachen.
Aber man darf halt auch nicht den Fehler begehen und denken, dass, nur weil man als Asatru-Anhänger freitags Hasselnüsse ist, hätten die Germanen das auch gemacht.
Die heutigen Interpretationen der Religionen und Kulturen lassen sich halt nicht 1:1 auf die Urheber übertragen.

@chobie
chobie schrieb:Die römische Inquisition gab es erst, nachdem das Christentum Religion war.
Auf den britischen Inseln gab es keine Inquisition. Deshalb war das Heidentum nie so richtig verschwunden.
Die römische Inquisition ging in erster Linie gegen christliche Abweichler, also Ketzer, vor, die die Macht der Kirche tatsächlich gefährden konnte. Bestes Beispiel die "Ur-Ketzer", die Katharer, denen weite Teile des südfranzösischen Adels angehörten. Mit dem Heidentum hatte die römische Inquisition nichts zu tun.
Auch die Hexenprozesse, die in der landläufigen Vorstellung der Inquisition zugeordnet, waren in erster Linie weltlich. Tatsächlich lässt sich im Schnitt sagen, dass es weniger Hexenprozesse gab, je stärker die Inquisition in einem Gebiet war. Denn es passte der Inquisition garnicht, dass ihre für den Kampf gegen Ketzer entwickelte Vorgehensweisen von letztlich Bauernpack für paranoide (Nachbarschafts-)Streitigkeiten missbraucht wurden.

Wie gesagt, die Inquisition hatte mit dem Heidentum nichts am Hut. Insofern lässt sich allein von ihrem Bestehen oder Nichtbestehen in bestimmten Regionen kein fortbestehen eines Heidentums ableiten. Dazu kommt noch, dass die römische Inquisition erst 1542 gegründet wurde, also geschlagene 1000 Jahre nach der Christianisierung Britanniens und 13 Jahre nach der Gründung der Anglikanischen Kirche.
chobie schrieb:Ich weiß auch nicht so richtig, wieviel Druidentum im Christentum steckt, da die Missionierung von ehemaligen Druiden, die zu christlichen Mönchen wurden, ausging. Der Heilige Patrick soll auch ein Druidenschueler gewesen sein und ich halte es auch für wahrscheinlich, dass Taranis der römische Gott Jupiter, also Zeus, damit der christliche Gott, ist.
Wenn dies allerdings hier der Fall war, dass keltische Elemente in das Christentum Einzug fanden, dann bedeutet das auch, dass nach einiger Zeit niemand mehr weiß, dass es was keltisches war. Wenn das aber niemand mehr weiß und die übernommen Traditionen christlichen belegt wurden, wie kann man da noch von einer durchgehenden keltischen Tradition sprechen? Gerade weil etwas übernommen wurde, gab es nie einen Schnitt, an den jemand gedenken könnte. Es war ein schleichender Übergang. Anfangs mag man sich noch daran erinnert haben, wieso man ursprünglich dies und jenes zu dies und jenem Fest gemacht hat. Dann aber gab es in der Bevölkerung ausschließlich die christliche Konnotation.
Und erst recht bei einem Zeitraum von über 1000 Jahre, die es dauerte, bis sich in Großbritannien mal wieder jemand für die Kelten interessierte. Umso mehr, als dass es von den Kelten keine schriftlichen Überlieferungen gibt.
chobie schrieb:Sicherlich gibt es bei Wicca einiges, wo man sagen könnte "naja, wer weiß" aber beim Druidentum liegt die Sache anders. Gardner soll auch ein Druide gewesen sein!
Wie gesagt, für die Kelten hat sich mehr als 1000 Jahre lang niemand interessiert. Und dann war alles, was man hatte, Quellen von Außenstehenden und ein paar Funde, bei denen man natürlich völlig frei war, wie man diese interpretiert. Und viel, viel Phantasie.

Das waren quasi die ersten Neokelten, die - der Mode der Renaissance entsprechend - sich für alte Kulturen interessierten und von diesen fasziniert waren. Diese hatten aber keinerlei wissenschaftlichen Anspruch, sie nahmen, was sie fanden, und interpretierten es letztlich nach Gutdünken. Und da es - im Gegensatz zu bspw. bei der altrömischen oder -griechischen Kultur - keine Aufzeichnungen gab, haben sie großen Wissenslücken mit dem gefüllt, was für sie gut klang.

Und darauf, auf dieser keltischen Romantik, fußt letztlich das neuzeitliche Druidentum.
Manchen ist das klar, siehe hier die Vorstellungsseite des Deutschen Druiden-Orden VAOD e.V.: http://www.druiden-orden.de/113.html
Aber bei vielen ist das noch nicht durchgedrungen, sie denken tatsächlich, die Phantasie von vor 300 Jahren wäre eine jahrtausendealte Tradition.


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Asentreue / Asatru

26.08.2013 um 20:42
Zu der Naturverbundenheit muß ich anmerken: Das bei einer Religion, die die Vorgänge der Natur beschreibt, eine größere Verbundenheit mit dieser als bei einer "himmlischen" Religion vorhanden sein muß, liegt auf der Hand. Das hat erstmal nichts mit den Lebensumständen zu tun.

Und daß ein Neo-Asatru-Jünger sich den Aspekt der Naturverbundenheit auf die Fahnen schreibt, ist ja nicht verwerflich. @tris hat schon recht, daß sich die Neuheiden die Übrigbleibsel der alten Religion sicherlich so zusammenschustern können, wie es ihnen am besten gefällt. Aber das ist ja nichts neues: Auch im Christentum gibt es hunderte Strömungen, die sich alle auf die Bibel beziehen, aber diese völlig anders interpretieren.


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Asentreue / Asatru

26.08.2013 um 22:02
Okay, ich merke, ich sollte dazu auch noch etwas sagen: @tris hat wohl insofern Recht, dass wir den Germanen nicht nachsagen sollten, Haselnüsse zu essen, wenn wir es tun (um dein bzw. mein Beispiel wieder aufzugreifen).
Er hat auch insofern Recht, dass uns viele Fakten fehlen.

Allerdings stimme ich auch @Grymnir zu (das war wohl der Punkt, um den es mir ging und den er so treffend formuliert hat), dass die Germanen naturverbunden gewesen sein müssen. Eine persönliche Spekulation ist, dass es mit der Naturliebe erst aufhörte, als das Christentum die Oberhand gewann. Aber das ist nur eine eigene Meinung/Vermutung.

Ich glaube, man kann allgemein sagen, dass Germanen Respekt (ob Angst oder Ehrfurcht) vor der Natur empfanden. Eine Schlussfolgerung daraus kann sein, dass sie daher Dörfer den Städten gegenüber bevorzugten. Wer weiß.

Letztlich glaube ich nicht, dass ein heutiger Asatru mit den damaligen Heiden zu 100% übereinstimmen muss und kann. Es scheitert allein schon an unserer gegenwärtigen Zeit.
Während ich beispielsweise finde, dass ein heutiger Heide Umweltverschmutzung vorbeugen muss, war das damals schätzungsweise noch kein Thema.


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Asentreue / Asatru

26.08.2013 um 22:52
@Grymnir
Zu der Naturverbundenheit muß ich anmerken: Das bei einer Religion, die die Vorgänge der Natur beschreibt, eine größere Verbundenheit mit dieser als bei einer "himmlischen" Religion vorhanden sein muß, liegt auf der Hand. Das hat erstmal nichts mit den Lebensumständen zu tun.
Vielleicht gehen da auch einfach unsere Definitionen von "Naturverbundenheit" auseinander.
Ich verstehe darunter eine tatsächliche Verbundenheit zur Natur als solche auf persönlicher oder spiritueller Ebene. Letztlich das klischeehafte "Die Indianer jagen nur soviel wie sie zum essen brauchen und haben einen prinzipiellen Respekt der Natur und allen Lebewesen gegenüber."
Zwar nicht auf dem Niveau von "Wir dürfen die Natur nicht verschmutzen", aber zumindest eine bewusste Auseinandersetzung für das "große Ganze". Und das kann ich nicht wirklich erkennen, weder bei den Germanen, noch bei irgendeinem anderen Volk. Sobald man die Möglichkeit hatte, hat man die Natur platt gemacht. Man hat Städte gebaut und sich bewusst von der Natur und ihren Einflüssen entfernt. Man hat (um wiedermal auf den Artikel zurückzukommen) ganze Büffelherden auf Schluchten zugetrieben, um nur so viel mitzunehmen, wie man brauchte und den großen Rest verrotten zu lassen. Spricht m.E. nicht wirklich für einen ausgeprägten Respekt vor der Natur (in welcher Form auch immer).

Zudem hat, wie gesagt, jedes Volk, das über die der Umgebung entsprechende Technik verfügte, Städte gebaut. Ich wüsste zumindest keines, das trotz entsprechender Werkzeuge die Natur vorgezogen hat. Das ist der Hauptgrund, wieso ich nicht so recht an eine echte Naturverbundenheit irgendeines Volkes glauben kann. Sobald man Städte bauen konnte, hat man das getan und sich von der Natur entfernt. Naturnahe Religion hin oder her.
Eher dürften die Lebensumstände die bestehende Religion verändert haben, als dass die bestehende Religion eine Veränderung der Lebensumstände verhindert hätten. Man nehme nur mal die altitalienischen Naturgottheiten Picus und Faunus, die irgendwann hinter dem griechisch orientierten Pantheon zurückstanden. Die Römer entfernten sich von der Natur und damit auch von den mit ihr verbundenen Göttern und übernahmen stattdessen die ihren neuen (städtischen) Lebensumständen eher entsprechenden griechischen Gottheiten, die sie aus dem Kontakt mit den griechischen Kolonien in Süditalien kannten. Die kamen natürlich auch nicht gänzlich ohne Naturbezug aus, aber sind doch nicht mehr wirklich als Naturgottheiten zu bezeichnen.


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Asentreue / Asatru

27.08.2013 um 09:50
tris schrieb:Colonia Augusta Treverorum (Trier), im 5. Jahrhundert entgültig von den Franken erobert. Müssen sich wohl auch dort angesiedelt haben, sonst hätten die Wikinger 300 Jahre später nichts zu zerstören gehabt.
Das ist soweit richtig. Nachdem die Römer die Stadt vor Christus gründeten, war Augusta Treverorum lediglich ein Stadtteil der heutigen Stadt Trier. Erst im Laufe der Zeit wurde der Stadtteil als Inbegriff der Stadt bekannt, da die wichtigsten Einrichtungen, wie z.B die http://portanigra.net/ , oder der Marktplatz. Das Colonia im Namen ist nichts anderes eine Gebietsbezeichnung, in welchem sich die Stadt befindet. Selbst die massiven Stadtmauern, konnten wie du schon sagtest den Franken im 5.Jahrhundert nichts entgegensetzen.


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Asentreue / Asatru

27.08.2013 um 11:43
@tris

Ich lese zwar auch im Internet, meistens lese ich aber in erster Linie Sachbücher und beziehe mich darauf.
Im Netz steht zwar vieles, aber nicht alles und manchmal auch mit Fehlern.

Wenn ich schreibe, dass das Druidentum nie ganz verschwunden war und du das anzweifelst, dann empfehle ich dir zu einem langen, intensiven Studium von Büchern.

Natürlich gab es früher kein Internet, aus dem man Informationen bezog, oder eine Fahrkarte zum nächsten Druidentreff zu holen und mit dem Zug oder dem Flugzeug loszudüsen.

Selbst den Christen spreche ich eine Naturverbundenheit zu, siehe die Klostergärten, Pfadpfinder etc.

Aber auch die Bücher von Karl Heinz Deschner sollte man gelesen haben. Von wegen ohne Inquisition keine Hexenprozesse.


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