Höhenburg schrieb:Eine Schlange kann mit einem guten Fang wochenlang problemfrei auskommen, ein Säuger überlebt das nicht oder geht total am Krückstock, falls er solange durchhält.
Ähm, das besagt nur was darüber, wie hoch die Aussterbewahrscheinlichkeit von Warmblütern gegenüber Kaltblütern ist, wenn im Zusammenhang eines Massenaussterbens die Nahrung knapp wird. So starben nach der über fossilworks abgegriffenen Datenbank unter den dort erfaßten kalt- bzw. warmblütigen Großgruppen von in der letzten Stufe vorhandenen Arten prozentual so viele aus:
KaltblüterLissamphibia: 76,92%
Sauropsida ohne Archosauria: 91,44%
Archosaurier ohne Ornithodira: 86,75%
WarmblüterOrnithodira (Ptero & Dino mit Avialae): 99,7%
(Avialae allein: 98,04%)
Mammalia: 94,78%
Ja, Warmblüter neigen zu häufigerem / wahrscheinlicherem Aussterben. Aber das sagt nichts darüber aus, wer danach im Evolutionslotto das große Los zieht und wer den Trostpreis. Nach Deiner Logik hätte nach dem Dinosterben nicht das Zeitalter der Säugetiere anbrechen können, so viele kaltblütige Sauropsiden (33 Spezies*) haben Chicxulub überlebt und nur so wenig warmblütige Therapsiden (6*). (* wie schon gesagt, nur nach der unvollständigen Datenbank, aber statistisch schon grundsätzlich aussagefähig, was die Mengenverteilung betrifft)
Aber während in der Trias die Kaltblüter nach der Perm-Trias-Katastrophe das Rennen machten, sah es nach der Kreide-Paläogen-Katastrophe genau andersherum aus:

Die Warmblüter ließen zwar wie auch beim Permsterben "mehr Federn", aber in der Folgezeit legten sie ungleich mehr vor an Neuspezies, im Ringen um die neuen ökologischen Nischen. Dabei müßte doch nach Deiner Erklärung wieder mal die Warmblüterwelt mit hungrigen Mägen die Zeit bei der Suche nach spärlicher Nahrung verplempern, wohingegen die Kaltblüter nicht so viel zum Draufrumkauen brauchten und also mehr Zeit fürs Rumevolvieren hatten.
Höhenburg schrieb:Es heißt, daß es 30 Millionen Jahre gedauert hat, bis wirklich nennenswerte Wälder neu entstanden waren.
Und was sagt das jetzt? Die Biodiversität in nährstoffarmer Umgebung ist oft größer, nur eben sind die Arten eher kleiner bzw. individuenärmer
Höhenburg schrieb:Pflanzenfresser mußten also mit spärlicher Kost und Kleinstwäldern auskommen. Für kaltblütige Diapsiden unschön, aber machbar. Für pflanzenfressende Synapiden und ihrem höheren Nahrungsbedarf eine riesige Hürde.
Die Zeit, die pflanzenfressende Synapsiden brauchten um sich auf diese karge Kost einzustellen, war lang genug um den kaltblütigen Diapsiden ausreichend Vorsprung zu geben um die meisten ökologischen Nischen zu besetzen.
Nochmals: am besten hat die Katastrophe eine Warmblüter-Gattung überlebt, und zwar eine pflanzenfressende, und zwar hund- bis schweinsgroße Viecherl, also in etwa das Größte (nahrungsintensivste), was überhaupt überlebt hat. Und dann sindse auch noch das mit Abstand Häufigste, was überlebt hat.
Und nicht nur das:

Von den über fossilworks anfang 2021 in der Datenbank erfaßten Lystrosauriden gab es nur wenige bereits im Perm, die das Massenaussterben weitestgehend nicht überstanden. Triassische Lystrosauriden gab es dagegen deutlich mehr, und diese entstanden ebenso weitestgehend erst nach dem Massenaussterben. Da hielten also nicht ein paar überlebende Hanseln karge Zeiten durch, sondern da feierte ne Überlebendengruppe fröhliche Urständ und legte ne ordentliche Radiation neuer Spezies hin! Jedoch nur eine Art (in dieser Liste), nur eine von elf, überlebte die erste Stufe, die erste Million Jahre nach der Katastrophe! Und die eine überlebte dann die zweite Stufe nicht. Die Lystrosaurier kamen mit der Katastrophe und den frühen Folgen klar, nicht aber mit dem dann einsetzenden "Alltag". Vielleicht nicht mit den Innovationen der Konkurrenz und der Freßfeinde. Doch aus dem kärgsten Kargen direkt nach der Katastrophe, damit kamen sie
am besten von allen Überlebenden klar.
Daher ist Dein ausgedachtes
Höhenburg schrieb:Die Zeit, die pflanzenfressende Synapsiden brauchten um sich auf diese karge Kost einzustellen, war lang genug um den kaltblütigen Diapsiden ausreichend Vorsprung zu geben um die meisten ökologischen Nischen zu besetzen.
einfach nur falsch.
Höhenburg schrieb:Für die Jäger unter den Synapsiden war die Situation nicht ganz so trostlos, schließlich kann man auch prima Diapsiden mampfen, aber der Teufel steckt im Detail. Der hohe Nahrungsbedarf bedeutete für die Synapsidenjäger, daß sie kopfstarke Beute brauchten. Davon, kopfstarke Spezien, dürfte es nach der Katastrophe für lange Zeit nur wenige gegeben haben.
Wie gesagt, spiel das mal mit dem letzten großen Massenaussterben durch.
Nein, Du erklärst mitnichten, wieso die Katastrophe die Synapsiden ausgebremst habe und den Sauropsiden einen Evolutionsschub verpaßte. Die Faktenlage der Fossilien sagt anderes, nämlich daß nicht die Katastrophe bzw. die direkte Folgeschädenzeit Schuld am "Herrschaftswechsel" vom Perm zum Mesozoikum war. Hier mal der Vergleich der drei Großgruppen-Artenzahl für die gesamte Trias, absolut und prozentual, sowie das Mengenverhältnis zwischen Sauropsiden und Synapsiden:

In der ersten Stufe liegt das Verhältnis Sauropsiden zu Synapsiden bei 1,33 zu 1. also noch verdammt dicht beieinander Doch schon in der Folgestufe verschiebt es sich massiv, und trotz aller Schwankungen gibt es stets weniger als halb so viel Synapsiden wie Sauropsiden. Daß der prozentuale Synapsiden-Anteil noch zwei Mal über 20% geht, ist nur dem massiven Einbruch des Anteils amphibischer Spezies von fast 50% auf unter 20% zu verdanken; auch in den 23 Stufen von Jura und Kreide geht der Synapsiden-Anteil nur noch zwei Mal auf über 20% (und der Anteil der Nichtamnioten an der gesamten Tetrapodenfauna bleibt niedrig).
Der wirkliche Einbruch des Synapsiden-Anteils erfolgte nicht mit dem Massenaussterben am Ende des Perm, sondern erst ab der zweiten Stufe. Die Frage nach dem Warum stellt sich also nicht über das Große Sterben, sondern über den folgenden Alltag. Und da wie gesagt nicht darüber, wie karg die Biotope sind.
Nie zuvor, im ganzen Phanerozoikum nicht, war es auf der Erde global so warm wie ab dem ausgehenden Perm und weit in die Trias hinein. Warmblütigkeit entstand unter eher kühlen Bedingungen; es könnte also sein, daß die Warmblüter mit den höheren Temperaturen schlechter klar kamen als die Kaltblüter. Für die wurde es auch "zu warm", aber die Warmblüter hatten nicht nur mit den äußeren Temperaturen zu kämpfen, sondern auch noch mit ihrer eigenen Wärmeproduktion. Hier wäre vielleicht ein Grund zu finden. Ich tippe aber vor allem darauf, welches Potential zum Hervorbringen neuer anatomischer Konzepte udgl. die verschiedenen Großgruppen besaßen. Innerhalb weniger Jahrmillionen diversifizierten sich die überlebenden Kaltblüter und brachten mehrere erfolgreiche Neugruppen hervor.
Schon sehr bald gingen mehrere Gruppen ins Meer und bildeten da in kurzer Aufeinanderfolge die Ichthyosaurier, die Sauropterygier (welche sich auch alsbald aufspalteten in Nothosaurier, Plesiosaurier und Placodontier.), Thalattosaurier und Schildkröten. An Land tobten sich diverse Gruppen aus; die Archosaurier, welche sich auch schnell in die Crurotarsi und Ornithodira aufspalteten und die Phytosauria sowie die Crocodylomorpha, die Pterosauria sowie die Dinosauria hervorbrachten. Auch die Lepidosauria (alle restlichen heutigen Echsen) entstanden, auch die teilten sich schon auf in Sphenodontia (Brückenechse) und Squamata (Rest). Es gibt noch weitere Diversifizierungen hin zu weiteren fürs Erdmittelalter relevanten, erfolgreichen Gruppen. Die Sauropsiden waren höchst potent im Hervorbringen neuer Formen, im Erobern neuer Nischen, und zwar gleich in den ersten zehn Millionen Jahren der Trias.
Die Therapsiden hingegen waren zu dieser Zeit nicht so innovativ. Es gab durchaus Veränderungen, wesentliche sogar. So wurde die Kieferanatomie weiter umgebaut, wesentliche Schritte auf dem Weg zum Säugerkiefer sowie zum Gehörapparat. Vielleicht fanden die Therapsiden auch Lösungen dafür, wie ihre Warmblütigkeit nicht nur bei Kälte, sondern auch bei Hitze nützlich laufen kann. Doch jene Art Innovationen, welche den Sauropsiden half, neue Anatomien zu gewinnen und neue Nischen auszufüllen, die fehlt.
Nach Chicxulub sah es dann anders aus. Hier explodierte dann die Formenfülle der Säuger, nicht die der Squamata, Testudines oder Crocodylia.
Wieviel Nahrung jeder braucht und findet, daran lag es nicht.