@saba_key Dazu passt
Locktown – Leben im Hochsicherheitstrakt
Von SUSANN-WITT-STAHL, 26. April 2013 -
.......... Während sich Politiker gegenseitig beim Formulieren von „Auge-um-Auge“-Imperativen überbieten, versuchen die amerikanischen Medien fieberhaft, die Bevölkerung in Angst in Schrecken, vor allem in Daueralarmbereitschaft zu halten. „Die Menschen sind nervös“, will USA Today beobachtet haben. Die Bombenattacken in Boston, die Giftbriefe ans Weiße Haus und den Kongress und der vereitelte Anschlag auf einen Passagierzug in Kanada, die darauf folgten – das alles habe den US-Amerikanern die Terrorgefahr wieder klar vor Augen geführt.
Die Vierte Gewalt hat offenbar ganze Arbeit geleistet: 75 Prozent sind sich laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Pew sicher, dass „gelegentliche Terrorakte künftig Teil des Lebens in den USA“ sein werden. Vor weniger als zwei Wochen lag die Zahl noch bei 64 Prozent. Die Bevölkerung sieht sich offensichtlich in einer ständigen Gefahrenlage – seit 2003 sank der Wert laut Pew niemals unter 50 Prozent.
Das Geschäft mit der Angst erweist sich politisch als äußerst profitabel. Kaum eine der völlig überzogenen „Vorsichtsmaßnahmen“, die jetzt in großer Zahl durchgewinkt werden, stoßen auf öffentliche Kritik. Der Bürger wird dazu konditioniert zu akzeptieren, dass ein immer größerer Teil seines eigenen Landes für ihn zur No-Go-Area wird. Eine Entscheidung mit hohem Symbolwert: Das Weiße Haus in Washington ist bis auf Weiteres für Besucher gesperrt und darf nur noch aus weiter Ferne betrachtet werden. Der sonst so belebte Fußgängerabschnitt der Pennsylvania Avenue vor dem Präsidentensitz ist geschlossen worden. Die unausgesprochene Botschaft solcher Maßnahmen laut: Der Staat ist in höchster Gefahr.
Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass der Regierung der USA und ihrer politischen Klasse auch nur ein Haar gekrümmt werden könnte. Aber das ficht die sich zur Hysterie steigernde öffentliche Meinung nicht an. Rationale Aufklärung – die Universität North Carolina beispielsweise hat errechnet, dass die Wahrscheinlichkeit für einen US-Amerikaner weitaus größer ist, vom Blitz getroffen zu werden, als von einem Terroristen getötet zu werden – findet kaum noch Rezipienten. Wer es wagt, die naheliegende Frage zu stellen, warum die Morde an 66 Menschen, die im vergangenen Jahr von völlig legal (dank der National Rifle Association und den von ihr gesteuerten Politikern) bis an die Zähne bewaffneten Amokläufern begangen wurden, nicht als Terrorismus eingestuft wurden, die 33 Tötungsdelikte, die in den vergangenen 12 Jahren durch islamistische motivierte Täter begangen wurden, hingegen schon, der wird unter dringenden Verdacht gestellt, ein „Terroristenversteher“, gar -Komplize zu sein. „Watch Your words!“, lautet seit 9/11 im „land of the free and home of the brave“ die unmissverständliche Warnung gegenüber allen, die noch kritische Überlegungen anstellen. ............
Ganzer Artikel:
http://www.hintergrund.de/201304262554/politik/welt/locktown-leben-im-hochsicherheitstrakt.html
robert-capa schrieb:in deutschland ist die bedrohungslage nunmal eine ganz andere als in den usa oder brasilien
@robert-capa Was für eine Bedrohungslage ist denn da vorhanden in den USA oder in Brasilien ?
Inwiefern ist die anders als in Deutschland ?