Lupo54 schrieb:Ganz spontaner Gedanke: Könnte das nicht auch für die Kosmologie gelten? Wobei die "verborgenen Variablen" hier die Dunkle Energie und die Dunkle Materie wären.
Vermutlich: Nein.
Ganz andere Baustelle, ganz anderer Mechansismus, ganz andere Theorie.
Die 'verborgene Variable' ist nicht dasselbe wie 'wir kennen den Mechanimus nicht'.
Es geht eher darum:
Ein Elektron hat einen Spin up oder down.
Den kann ich messen und bekomme ein Ergebnis.
Aber das Ergebnis steckt nicht vorher drin, es ist i.A. eine Superposition der beiden Zustände und die QM sagt uns, mit welcher Wahrschleinlichkeit wir was messen würden, wenn wir es denn tun.
Du kennst ja das berühmte Beispiel mit den beiden Raumstationen, beide diametral 1 Lj von der Erde entfernt.
Variante 1: Wir haben zwei identisch aussehende Kisten, ein paar Handschuhe, jeweils ein Handschuh kommt in eine der Kisten, dann vertauscht man sie, bis man nicht mehr weiß, in welcher Kiste welcher Handschuh steckt.
Obwohl die beiden Stationen von einander 2 Lj entfernt sind, weiß in der einen Raumstation, wenn er die Kiste öffnet, sofort, welcher Handschuh in der anderen ist,wenn dort einer die Kiste öffnet.
Variante 2: Zwei verschränkte Photonen, ein Spin +1. eins Spin -1.
Sobald in der einen Station die Messung gemacht wird. kann vorhergesagt werden, was man in der anderen misst.
Der Unterschied:
Variante 1 ist klassisch, der Handschuh ist schon prädestiniert, da ist ein rechter oder ein linker drin. Das steht schon beim Abschicken fest, das ist die verborgene Variable.
Variante 2 ist QM: Da wird erst durch den Messprozess des einen Teilchen festgelegt, welche Eigenschaften das andere hat. Es ist nicht vorherbestimmt, es gibt keine verborgenen Variablen.
Die Gemeinsamkeit:
Man kann damit keine Information übertragen.
So ganz grob, nicht das Beispiel überstrapazieren. :-)
Oder radioaktiver Zerfall:
Ein Teilchen zerfällt mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, Halbwertzeit kann messen und/oder berechnen.
Es gibt keine verborgene Variable, die dem freien Neutron zuflüstert: "Hömma, Alta, du zerfällst bitte in 34', ich sach den anderen Bescheid, die sollen schneller machen damit der Erwartungswert stimmt!" und das Neutron trägt diese verborgene Variable mit sich herum, bis nach Ablauf der Zeit der Quanten-Sensenmann I kommt, ein down-Quark in ein up-Quark und ein W- zerteilt und das W- gesagt bekommt: "Ei, hömma, diesmal nich' solange Zeit lassen, ne!? 1e-25s, mehr is' jetzt für dich nicht drin!' Das wiederum wartet auf den Quanten-Sensenmann II, der es in ein Elektron und in ein Antielektronneutrino zerteilt.
Noch lustiger:
Wenn man dauernd misst, dann kann man die Lebensdauer verlängern.
Der Quanten-Zeno-Effekt ist ein Effekt aus der Quantenmechanik, bei dem der Übergang eines quantenmechanischen Systems von einem Zustand in einen anderen, z. B. durch Lichtaussendung eines angeregten Atoms, durch wiederholt ausgeführte Messungen aufgehalten werden kann.
...
Insgesamt bekommt man somit bei häufiger Beobachtung eine Zerfallsrate, die deutlich unter der unbeobachteten Zerfallsrate liegt. Lässt man die Abstände der Beobachtungen gegen null gehen, was einer Dauerbeobachtung gleichkommt, so geht auch die Zerfallswahrscheinlichkeit gegen null, d. h. das dauernd beobachtete Atom sollte aufgrund dieser Beobachtung gar nicht mehr zerfallen.
Quelle:
Wikipedia: Quanten-Zeno-EffektPatient: "Herr Doktor, können sie mich bitte kontinuierlich messen? Ich möchte länger leben!"
Doktor: "Sind sie in einem angeregten Zustand?"
Patient: "Leider nein."
Doktor: "Tut mir leid, da kann ich nicht für sie tun."
Ich warte noch auf den nächsten Quantenesoteriker, der den Quanten-Zeno-Effekt verkauft. "Die Pille, die nachschaut. (Sie müssen nur genug davon nehmen, am besten mehrer pro Sekunde.)"
Grüße
Omega Minus