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Doppelmord Babenhausen

22.470 Beiträge, Schlüsselwörter: Mord, 2009, Nachbar, Toll, Schalldämpfer, Darsow, Doppelmord Babenhausen

Doppelmord Babenhausen

15.09.2019 um 10:14
Rüdiger schrieb:Bei der Prüfung der Erheblichkeit des Wiederaufnahmevorbringens wird die Richtigkeit der vorgetragenen Tatsachen und der den beigebrachten Beweismitteln zugedachte Erfolg unterstellt, es sei denn sie sind unwahr oder denkgesetzlich unmöglich.
Auch das sind sie, denkgesetzlich unmöglich, und unwahr, da es in einer Waffe zu keinem Rücksog a la WAV kommt und beide Gutachten auch mehrere Unwahrheiten enthalten.


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15.09.2019 um 10:20
Seite 56:

"Denn wie bereits ausgeführt stellt die Anleitung zum Bau des Schalldämpfers von der Seite Silencer.ch, die seitens der Polizei zum Nachbau genutzt wurde, nach den Angaben des Sachverständigen Pfoser keine im Detail ganz konkrete Beschreibung dar, sondern überlässt dem Verwender dieser Bauanleitung einen gewissen Spielraum, insbesondere was das ausgewählte Material (Bauschaumart, Verbindungsstück, sonstige Befestigung) für den Zusammenbau angeht. Daraus lässt sich schließen, dass die dämpfende Wirkung durchaus Abweichungen unterliegen kann, wenn der Zusammenbau nur allgemein nach der Anleitung, nicht jedoch vollkommen identisch durchgeführt wurde, was der Sachverständige Pfoser auch so bestätigte."

Dazu auch auf Seite 118:

"Mit der steigenden Anzahl der Schüsse seien grundsätzlich weniger Partikel bei den Schussabgaben entstanden, wobei auch hier keine einheitliche Verringerung gegeben gewesen sei, da beim Schuss 8 weniger und bei den Schüssen 9 und 10 dann auf einmal wieder mehr an Bauschaum als Partikel am Boden verteilt entstanden seien."

Für mich ist somit auch festgestellt, dass die Verteilung der Partikel je nach Bauart und zufälligem Bauendergebnis, in nicht mit Sicherheit bestimmbaren Varianzen erfolgen kann.
Letztendlich ist so ein Selbstbauschalldämpfer ein Überraschungsei.
Man hätte sich im Urteil vielleicht nicht so sehr auf die auch nachgewiesene Verringerung festnageln sollen.


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15.09.2019 um 10:26
Jeder kennt ja einige Schwächen des Urteils, auch stilistische Schwächen, wie die selig schlafende Tochter im DG.


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15.09.2019 um 10:42
AnNevis schrieb:Man hätte sich im Urteil vielleicht nicht so sehr auf die auch nachgewiesene Verringerung festnageln sollen.
Die Zunahme / Verringerung des Bauschaumauswurfs in der Folge der Schußabgabe ist eigentlich gänzlich unerheblich. Nicht nur, dass die Anleitung einen großen Spielraum für Abweichungen lässt. Ich halte es auch für gut möglich, dass bei Darsow die von seinen Gutachtern festgestellte Phase der Zunahme bereits vorbei gewesen ist, weil Darsow zuvor Testschüsse durchgeführt hat. Die ausgeworfene Menge des Bauschaums hat deswegen m.E. fast keinen Beweiswert. Entscheidend ist nur, dass am Tatort angeschmauchter Bauschaum gefunden worden ist, durch den Schmauch und durch die Fundorte (an den Orten der Schußabgabe, auf den Leichen, in den Wunden der Leichen) eindeutig tatrelevant.

Und dafür gibt es eben keine plausible Erklärung außer Eigenbauschalldämpfer, egal wie die Konstruktion im Detail ausgesehen haben mag. Mit diesen Gutachten war schlicht nichts zu holen.


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15.09.2019 um 10:46
Kurz noch angemerkt:
Ein Gutachten schreibt man doch zweckmäßig als Entwurf, und läßt es von einem andern Sachkundigen zuerst mal gegenlesen, um es im Text oder im Aufbau noch abändern zu können. Genau so hätte es auch Strate für seine eigenen Texte besser machen sollen.


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15.09.2019 um 10:53
Der große Staranwalt Strate glaubte aber, er habe das nicht nötig in den 4 Jahren, seitdem er das Mandat für eine Wiederaufnahme übernommen hat. "Der Berg kreiste, und eine Maus kam heraus", sagt ein altes Sprichwort dazu.


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15.09.2019 um 10:55
Mr.Stielz schrieb:Und dafür gibt es eben keine plausible Erklärung außer Eigenbauschalldämpfer, egal wie die Konstruktion im Detail ausgesehen haben mag. Mit diesen Gutachten war schlicht nichts zu holen
Sehe ich genauso, jedoch scheint Strate eben nun eine Chance über "formelle" Fehler zu sehen.
Es bleibt wohl doch noch ein klein wenig spannend.


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15.09.2019 um 11:03
Mein eigener Gegenleser sagte mir, das Sprichwort lautet so:

"der Berg kreißte und gebar eine Maus"
oder: "Es kreißen die Berge, zur Welt kommt nur ein lächerliches Mäuschen."

Also nicht nur um sich selber kreisen, Herr Dr. h.c. G. Strate.


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15.09.2019 um 11:22
@AnNevis
Auch die Seite 118 der Urteilsgründe referiert die "Schusskanalhypothese" ("grundsätzlich weniger..."), was nunmehr widerlegt ist.

Wir kommen nur mit Bauschaum (-spuren) auch nicht dazu, der Angeklagte sei überführt, weil er Tatmittel genau nach der vom Arbeitsplatz aus recherchierten Anleitung hergestellt habe. Das Gericht hatte ja, die dem Angeklagten zugerechnete Recherche mit den Tatortspuren verbunden. Im zweiten Fall über ein Kreisargument, weil fehlende PET-Partikel eine Konsequenz det in der Anleitung vorgegebenen Bohrung im Flaschenboden sei. Dem ist ja auch nicht so.


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15.09.2019 um 11:45
@Rüdiger
Wobei ich mir relativ sicher bin, dass mit zahlreichen weiteren Gutachten irgendwann auch das erfolgreich belegt werden kann (genauso, wie man wohl nach zahlreichen Versuchen es "erfolgreich" widerlegen konnte, da man entsprechend viel Zeit hatte), da so ein Schalldämpfer - in all seinen möglichen Ausführungsvarianten - alles andere als ein beliebig reproduzierbares Standardverhalten aufweist. Es wird somit (meiner Meinung nach) nicht mit Sicherheit "gutachterlich" ausgeschlossen werden können, dass das bei der Tat verwendete Zufallsprodukt, sich nicht doch nachweislich genau so verhalten hat, wie es sich eben verhalten hat.


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15.09.2019 um 11:52
Rüdiger schrieb:Das Gericht hatte ja, die dem Angeklagten zugerechnete Recherche mit den Tatortspuren verbunden.
Was auch nach wie vor zutreffend ist. Es wurde nachweislich ein Eigenbauschalldämpfer verwendet, wobei nachweislich Bauschaum eine Rolle gespielt hat. Alles andere ist rechtlich unerheblich.

Von Belang ist auch, dass der Verurteilte bis heute Recherche und Ausdruck der Anleitung leugnet, obwohl dies nicht einmal im WA-Antrag infrage gestellt worden ist. Warum lügt er denn, wenn Recherche und Ausdruck eine unverfängliche Bewandtnis haben sollen?


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15.09.2019 um 11:58
@AnNevis
Ja, so könnte es ausgehen. Aber diese Beweisaufnahme, bliebe wie gesagt einer erneuten Hauptverhandlung überlassen.


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15.09.2019 um 12:19
@Deus_ex_Machin
Sehe ich dann eben nicht mehr so, wenn ein nach Anleitung Silencer hergestellter Primitivschalldämpfer nicht erweislich ist.

Dann entfallen dadurch die Indizien um die Recherchehandlung und der Ausdruck der Anleitung Silencer vom Arbeitsplatz des Verurteilten. 

Vermeintliches (Täter-) Wissen um den (wahren) Durchsuchungsgrund der Polizei und dessen Leugnung in der polizeilichen Vernehmung.

Die bewusste Zerstörung des Computers am Arbeitsplatz durch den Verurteilten um mit der Entsorgung Datenspuren zu beseitigen.

Die Rechercehandlung selbst kann so unverfänglich sein, wie bei den über 400 weiteten Zugriffen auf dieses Dokument im Vorfeld und Umgebung der Tat.


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15.09.2019 um 12:24
Rüdiger schrieb:Die Rechercehandlung selbst kann so unverfänglich sein, wie bei den über 400 weiteten Zugriffen auf dieses Dokument im Vorfeld und Umgebung der Tat.
Warum hat es dann der Verurteile nicht offen zugegeben, sondern lügt bis heute?

Und dass ein Primitivschalldämpfer zum Einsatz kam, ist erwiesen und ergibt sich selbst aus den in der WA vorgelegten Gutachten.


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15.09.2019 um 12:37
Wenn die Richter die Videos sehen werden sie vermutlich merken dass sie falsch liegen. Das hat dr. Strate ja recht kompliziert dargelegt aber dann müssen sie es ja merken.


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15.09.2019 um 13:29
@Peterlee
Die Sache ist insoweit schon etwas kompliziert, da das Wiederaufnahmegericht bei der Zulässigkeitsprüfung verkennt, das es sich bei dem vorgelegten Gutachten zu den Beschussversuchen, auch um neue Tatsachen handelt und es insofern nicht auf die Neuheit der Beweismittel ankommt.

Dabei ist das Wiederaufnahmegericht schon von Verfassungs wegen gefordert, so umfassend zu prüfen, das die Effektivität des Rechsbehelf gewahrt wird.


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15.09.2019 um 14:22
Jetzt muß doch erst der Beschluß des OLG mal abgewartet werden. Ich prognostiziere: der wird ablehnend sein, ebenso der spätere Beschluß des BVerfG.
Sie alle dürfen mich auch später an diese Prognosen dann erinnern.


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15.09.2019 um 14:23
P-Beobachter schrieb:Sie alle dürfen mich auch später an diese Prognosen dann erinnern.
:) Das werden wir. Ich schliesse mich allerdings dieser Prognose an. Den Grund dafür findet man im Beschluss des LG Kassel.


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15.09.2019 um 14:24
Für den Fall einer Wiederaufnahme aber prognostiziere ich keinen Freispruch, falls nicht ein anderer Täter vorher noch überführt werden konnte.


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15.09.2019 um 14:59
Rüdiger schrieb:Dabei ist das Wiederaufnahmegericht schon von Verfassungs wegen gefordert, so umfassend zu prüfen, das die Effektivität des Rechsbehelf gewahrt wird.
Jein. Das Wiederaufnahmegericht muss so prüfen, wie es § 359 StGB vorsieht, nicht mehr und nicht weniger. § 359 StGB wiederum ist verfassungsgemäß.

Man muss nicht immer gleich die Verfassung bemühen, da steht nicht alles drin. Meistens reicht ein Blick ins (einfache) Gesetz.


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