@Heribert @Shadow1970 Der entscheidende Punkt ist mMn nicht, ob, oder wie, so eine Tat geplant werden kann.
Entscheidend ist doch in meinen Augen, dass jemand überhaupt eine sich, wie auch immer, für ihn ergebende Möglichkeit, sich des Kindes zu bemächtigen, erkannt und in genau jenem Moment in seinem Sinne genutzt hat.
Das bedeutet für mich, dass da ein Wille zur Tat, das Für-sich-Entschiedenhaben "ich greife mir das Kind" bereits vorgelegen haben muss.
Das mag im Ergebnis keinen Unterschied ausmachen, aber es sagt doch viel über einen Täter und seine grundsätzliche Haltung zur Tat aus.
Da ist dann niemand, der überlegt, wie könnte für ihn eine Situation entstehen, oder herbeiführbar sein, in der er unbemerkt ein Kind unter seine Gewalt bekommt, sondern derjenige war schon länger, und latent, zur Tat bereit, wenn sich nur irgendwann eine geeignete Gelegenheit für ihn ergeben würde.
Also jemand, der innerlich längst einen Tatenschluss gefasst, und diesen in sein Selbst- und Weltbild integriert hatte, es gar als günstigen Wink des Schicksals auffasste, als sich am bewussten Tag die Gelegenheit zur Tat geboten hat.
Das würde auch erklären, warum ihn Außenstehende nicht anhand seines Verhaltens oder seines Auftretens entlarvt haben mögen - da ist nicht der planende Täter, der hoffen muss, dass sein Plan aufgehen möge - nein, es ist die Tat selbst, die ihn darin zu bestätigen schien, dass seine tage-, wochen- oder monatelange gedankliche Befassung mit der Tat nunmehr zu einer Art "Hauptgewinn" geführt hat.
Es ist vermutlich die Denkweise gewöhnlicher Menschen, die dem Täter Aufregung, Unsicherheit, Ungewissheit, Panik etc. unterstellt. Er fühlte sich möglicherweise gar nicht als das, was er wirklich war, als ein mieser Charakter, der sich an Kindern vergreift, sondern als eine Art Lottokönig. Sein Los wurde gezogen.
Wie komme ich zu einem solchen Bild des Täters?
Ich werde nie das Grinsen des Täters im Fall Julia Hose vergessen, am Ende des Fernsehinterviews. Keine Reue, keine Scham, kein Erschrecken über das Monströse des eigenen Tuns, sondern - Genugtuung. Alle Welt suchte zu der Zeit das verschwundene Kind, und er gab im Fernsehen den Biedermann.
In diesem Licht wird man mMn den Täter sehen müssen - kein genialer Planer, sondern ein Opportunist, der eine ihm sich bietende Gelegenheit ausgenutzt hat.
Wie der Täter im Fall Hose, könnte er selbst Kinder haben, sich sozial unauffällig verhalten. Wie jener, könnte auch er ein Fenster zum Tatort gehabt haben, wo er mit Aschenbecher auf Beobachtungsposten saß. Oder einen anderen Warteort, vielleicht auch einen geparkten Pkw.