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"Snapchat-Killer" Mordfall Liberty German & Abby Williams

3.970 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: USA, Mord, 2017 ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

"Snapchat-Killer" Mordfall Liberty German & Abby Williams

06.11.2022 um 12:01
Es gibt in der Kriminalgeschichte leider genügend Fälle, in denen ein einzelne Täter zwei oder mehr Menschen in seiner Gewalt hielt und dann auch tötete.
Richard Speck, nur ein Beispiel, der Fall in der Schweiz mit den zwei Radfahrerinnen und so viele mehr.
Ein zweiter Täter ist nicht zwingend.


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"Snapchat-Killer" Mordfall Liberty German & Abby Williams

06.11.2022 um 12:11
Zitat von Rick_BlaineRick_Blaine schrieb:Wie gesagt, das ist sehr ungewöhnlich, da müssen die Ermittler also schon recht überzeugend gewesen sein.
@Rick_Blane: Lies Dir bitte nachfolgenden verlinkten Artikel durch.
Ist das nicht auch eher ungewöhnlich ?

https://abc7chicago.com/amp/delphi-indiana-murders-update-judge-benjamin-diener/12414906/


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"Snapchat-Killer" Mordfall Liberty German & Abby Williams

06.11.2022 um 12:17
Zitat von cododerdrittecododerdritte schrieb:Kelsi German hat einmal in einem Interview gesagt, dass sie davon ausgeht, dass eines der Mädchen mit einem Messer bedroht wurde (also Würgegriff und Messer an den Hals gehalten), und das andere Mädchen so gezwungen wurde, mitzugehen ("Wenn Du wegläufst, bring ich Deine Freundin um!") und dass sie absolut sicher ist, dass keine der beiden die andere im Stich gelassen hätte.
So kann es durchaus gelaufen sein. Ich sehe da auch keine unbedingte Notwendigkeit für einen zweiten Täter. Mit einer Schusswaffe wäre es noch leichter gewesen. Vielleicht hatte er ja beides dabei.

Obwohl es schon naheliegend ist, dass mehrere zusammen gearbeitet haben, wenn sie sich schon das Profil geteilt haben. Aber das kann viel heißen. Kann sein, dass sie sich gegenseitig Tips gegeben haben oder Fotos zugeschickt oder dass sie auch operativ zusammen gearbeitet haben. Ich denke, das wird sich in den nächsten Monaten herausstellen. Auch ob den Klines bewusst war, dass ihr „Freund“ die Mädchen töten wird.


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"Snapchat-Killer" Mordfall Liberty German & Abby Williams

06.11.2022 um 12:26
Zitat von hoptimistinhoptimistin schrieb:Wobei wir natürlich nicht wissen ob ihn Leute als Verdächtigen gemeldet haben und die Polizei nur bislang keine Bewuse hatten. Wir wissen nicht wie lange er schon im engen Visier stand…
Es gibt ja mittlerweile mehrer kurze Berichte der Medien, wie geschockt die Einwohner von Delphi waren. U.a. hat der Nachbar, der Besitzer des Stammlokals und die Leitung der CVS-Filiale und auch ein oder zwei von deren Kunden verlautbaren lassen, dass sie niemals auch nur ansatzweise darauf gekommen wären, dass RA der Täter in dem Fall war.

Ich würde davon ausgehen, dass wenn wirklich mehrere Leute Hinweise auf ihn gemeldet hätten, und das schon vielleicht vor längerer Zeit (denn 5 1/2 Jahre sind eine lange Zeit, in der sich das Aussehen und die Statur eines Menschen stark verändern können, in denen aber auch der Mord immer mehr in den Hintergrund des Bewusstseins gerät, deshalb würde ich denken, dass wenn es Hinweise auf ihn gab, dass dies schon kurz nach der Tat war), dann wären diese Leute doch sicher als erste bei den Medien, um zu berichten, dass ihnen schon vor 5 Jahren aufgefallen war, dass dieser Mann genau wie der Mann auf der Brücke aussah.
Zitat von BundeskanzleriBundeskanzleri schrieb:Zumal in so einer Situation ja nicht rational gehandelt wird, sondern im Überlebensmodus. Man macht das, was sich in diesen Sekunden am besten anfühlt, am sichersten.
Und ich denke, dass sie beide davon ausgingen, zusammen da irgendwie rauszukommen. In dem Moment schien die Alternative zu sein, dass er eine von beiden sofort tötet.
Und man darf nicht vergessen, dass die beiden erst 13 und 14 Jahre alt, also noch Kinder, waren. Die sind in so einer Situation sicher noch weniger in der Lage, kühl und überlegt zu handeln und die Situation kritisch abzuwägen.

Und dass sich das ganze, also der eigentliche Überfall in wenigen Minuten abgespielt haben muss. Ich denke, der Täter hat sie sehr schnell vom weg weggebracht ("Down the hill!"), und dann befanden sie sich schnell in ziemlich uneinsehbarem und unwegsamen Areal. Weglaufen ist da nicht so einfach.


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"Snapchat-Killer" Mordfall Liberty German & Abby Williams

06.11.2022 um 12:32
Zitat von cododerdrittecododerdritte schrieb:Das erste veröffentlichte Phantombild, das von dem Mann mit Bart und Schiebermütze, wurde anhand der Aufnahmen auf dem Video angefertigt.
Das ist so nicht zutreffend. Als es 2017 veröffentlicht wurde, wurde explizit darauf hingewiesen, dass es auf der Basis von Zeugenaussagen angefertigt wurde:

Police unveil composite sketch of Delphi double homicide suspect:
Carroll County Sheriff Tobe Leazenby said the portrait was drawn by an FBI sketch artist and was based on "recent information" from a witness who saw the suspect about the time of German and Williams' deaths. "It relates to a dialogue between a witness and a sketch artist," he said. "That’s based upon an actual, real situation."
Andere Quelle: Witness aided in sketch of suspect in Indiana teens’ deaths


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"Snapchat-Killer" Mordfall Liberty German & Abby Williams

06.11.2022 um 19:55
Ich kann mir eher nicht vorstellen, dass so ein Tätertyp, der so brutal vorgeht und zusätzlich die Leichen drapiert, also höchst wahrscheinlich länger gehegte Fantasien auslebt, wie die EB nach der Tat vermuteten, Mitwisser einkalkuliert oder es eine Gemeinschaftstat war. Das klingt eher nach reiner Mordlust und großer Anonymität. Wenn er hingegen wirklich Mitnutzer dieses Grooming-Profils war, wie viele vermuten, wäre die Tat ja wohl auch eher sexuell motiviert. Darüber ist aber auch garnichts bekannt geworden, bisher, oder?


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"Snapchat-Killer" Mordfall Liberty German & Abby Williams

06.11.2022 um 20:03
Zitat von LARA43LARA43 schrieb:Denn wie sonst soll ein einzelner Mann zwei Teenager in Schach halten?
Die beiden Mädchen werden arg unter Schock gestanden haben u. höchstwahrscheinlich wollte keine die Andere zurücklassen.
Es gibt darüber hinaus noch mehr, was man dazu schreiben könnte, aber sollte man sich schenken.

Der Fall ist grausam genug.


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06.11.2022 um 20:43
Ich habe eine Frage. Das Video soll ja eigentlich 43 Sek lang sein, es wurde ja aber nur ein kurzer Teil veröffentlicht.
Meint ihr die Angehörigen kennen das gesamte Video bzw. dürfen das sehen obwohl es für die Öffentlichkeit zurückgehalten wird? Wie ist das auch mit anderen Informationen die Täterwissen beinhalten, dürfen das die Angehörigen erfahren, gibt's da Ausnahmen für Personenkreis?


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07.11.2022 um 00:27
Zitat von seneca22seneca22 schrieb:@Rick_Blane: Lies Dir bitte nachfolgenden verlinkten Artikel durch.
Ist das nicht auch eher ungewöhnlich ?

https://abc7chicago.com/amp/delphi-indiana-murders-update-judge-benjamin-diener/12414906/
Ungewöhnlich ja, aber nicht vollkommen unerhört. Wir haben es hier mit einer sehr ländlichen Gegend im Mittleren Westen der USA zu tun. In den USA ist die Justiz organisatorisch den Landkreisen zugeordnet, es gibt in jedem Landkreis ein Gericht. Strafverfahren werden in der Regel da verhandelt, wo die Tat geschah.

Der hier betroffene Landkreis Carrol hat gerade einmal 21,000 Einwohner, die Kreisstadt und der Gerichtssitz sind Delphi mit seinen 3000 Einwohnern.

Ich habe selbst mal in einem Städtchen dieser Grösse gewohnt, zwar kennt man nicht jeden, aber doch jeden, der irgendwie Einfluss hat. Nachrichten verbreiten sich blitzschnell aber durchaus nach dem "stille Post Prinzip." All das ist in den USA nicht viel anders.

Nun haben wir hier einen sehr spektakulären Fall, zu dem sicher jeder dort eine Meinung hat.

Im Strafverfahren wird aber vorausgesetzt, dass ein Angeklagter durch einen unvoreingenommen und fairen Richter und eine ebenso unvoreingenommene und faire Jury verurteilt oder freigesprochen wird. In den allermeisten Fällen ist das auch so.

Es gibt aber Fälle, da ist die Stimmungsmache in der Öffentlichkeit so extrem, dass es schwerzufallen scheint, unvoreingenommene und faire Prozessbeteiligte zu finden. Dann kann zweierlei passieren:

1) Einmal hat ein Richter das Recht und auch die Pflicht, von einem Fall zurückzutreten, wenn er meint, sein Amt nicht unvoreingenommen und unbelastet ausüben zu können. Das ist hier jetzt geschehen.

2) Sollte die Lage so erscheinen, dass in dem Landkreis kein störungsfreier, fairer Prozess durchgeführt werden kann, vor allem, keine unvoreingenommene Jury gefunden werden kann, kann das Gericht den Prozess in einen anderen Landkreis verlegen. Das erwarte ich in diesem Fall ganz stark. Entschieden wird darüber, wenn eine Hauptverhandlung festgesetzt wird.

Zu dem Richter, er braucht seine Entscheidung nicht begründen, und hat das wohl auch nur etwas kryptisch getan, mit dem unangemessenen Druck der Öffentlichkeit und deren "Hunger nach Informationen." Das ist ungewöhnlich, aber ich vermute, dass er sehr kritisiert wurde, weil er das bisherige Verfahren unter Verschluss hält. Nun ja, wir werden sehen, wie das weitergeht.
Zitat von dream-liadream-lia schrieb:Ich habe eine Frage. Das Video soll ja eigentlich 43 Sek lang sein, es wurde ja aber nur ein kurzer Teil veröffentlicht.
Meint ihr die Angehörigen kennen das gesamte Video bzw. dürfen das sehen obwohl es für die Öffentlichkeit zurückgehalten wird? Wie ist das auch mit anderen Informationen die Täterwissen beinhalten, dürfen das die Angehörigen erfahren, gibt's da Ausnahmen für Personenkreis?
Nein, das wäre ja nicht sehr hilfreich: wenn es um sogenanntes "Täterwissen" geht, dann eben um Dinge, die nur ein Täter wissen kann. Findet man dann eine Person, die um diese Dinge weiss, ist das eine Verifikation, dass es der Täter ist. Dies alles würde vergeblich werden, wenn noch andere Personen davon erfahren.

Nach einem Prozess ist das etwas anderes. Da kann es durchaus sein, dass Angehörigen Einblick in bestimmte Dinge gewährt werden, falls sie nicht sowieso schon im Prozess öffentlich wurden.


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07.11.2022 um 11:39
Zitat von dream-liadream-lia schrieb:Ich habe eine Frage. Das Video soll ja eigentlich 43 Sek lang sein, es wurde ja aber nur ein kurzer Teil veröffentlicht.
Meint ihr die Angehörigen kennen das gesamte Video bzw. dürfen das sehen obwohl es für die Öffentlichkeit zurückgehalten wird? Wie ist das auch mit anderen Informationen die Täterwissen beinhalten, dürfen das die Angehörigen erfahren, gibt's da Ausnahmen für Personenkreis?
Ich kann dazu nicht so viel zu den USA sagen, eher zum deutschen Rechtssystem. Aber viele der hinter den Regelungen stehenden Überlegungen sind übertragbar.

Zum einen ist zu bedenken, was @Rick_Blaine bereits geschrieben hat. Die Polizei hat bestimmte Informationen, die außer den Ermittlern nur der Täter kennen kann. Es kommt leider viel häufiger vor, dass Menschen einen Tat gestehen, z.B. weil sie sich wichtig machen wollen oder von anderen unter Druck gesetzt werden. Wenn die dann einen Tatablauf schildern, der mit den den Ermittlern vorliegenden Daten nicht in Deckung zu bringen ist, ist das ein starkes Indiz dafür, dass sie eben nicht der Täter waren.

Selbst wenn die Angehörigen Informationen unter der Verpflichtung der Verschwiegenheit von der Polizei bekommen würde, wäre doch nie 100% sicher davon auszugehen, dass sie nicht mit weiteren Personen darüber sprechen würden. Es muss nicht mal böser Wille oder Tratschsucht dahinter stecken, gerade wenn es um belastende Infos geht, kann es sein, dass sich sich dass einfach von der Seele reden wollen und müssen. Der Vertraute erzählt es dann dem nächsten und schon ist die Verbreitung der Information nicht mehr kontrollierbar.

Hinzu kommt auch, dass die Polizei natürlich eine Art Schweigepflicht hat. Es sind 70.000 Hinweise eingegangen, erst jetzt wurde ein Tatverdächtiger festgenommen. Unter den 70.000 Hinweisen waren also mit Sicherheit eine sehr große Anzahl an Falschverdächtigungen. Auch diese müssen ja gar nicht mal aus Gehässigkeit oder mit Absicht gemacht worden sein, um jemand anderem Probleme zu machen. Die Ermittler haben immer wieder darum gebeten, auch kleinste Auffälligkeiten zu melden und Hinweise nicht aus falscher Rücksichtnahme zurückzuhalten. Die Polizei bekommt lieber 1000 Hinweise, von denen 999 falsch sind, als dass der Täter weiter unentdeckt leben kann, weil jeder denkt, "der xy ist doch vor 3 Wochen so nett zu mir gewesen, denn kann ich doch nicht bei der Polizei melden". Die Überprüfung der Hinweise obliegt der Polizei, die die Hinweise erhärten oder die Personen als Tatverdächtigen ausschließen.

Wenn jetzt eine durch einen Hinweis benannte Person von der Polizei befragt wird, und z.B. durch ein Alibi belegen kann, dass sie nicht als Täter in Frage kommt, dann darf diese Person natürlich auch keine Nachteile haben. Und wenn diese Person als Alibi z.B. ein Treffen mit ihrer Geliebten oder einen Besuch bei einer Prostituierten, vielleicht noch während der Arbeitszeit angibt, dann geht da nun mal niemanden etwas an. Eben auch die Angehörigen der Opfer nicht, denn es kann sich z.B. um deren Verwandte, Nachbarn, Freunde oder, gerade in einem kleinen Ort wie Delphi, um Bekannte oder meinetwegen "lokale Prominenz" (Bürgermeister, Lehrer, Pfarrer etc.) handeln.

Insofern erhalten auch die Angehörigen keinen Einblick in die Ermittlungsakten. Das ist für diese gerade in ungeklärten Fällen oft nur schwer zu ertragen, weil sie manchmal eben selber einen Verdacht haben, den die Polizei nicht bestätigen konnte und dann schnell der Polizei Ermittlungsfehler und Vertuschungsabsichten unterstellen, oft sogar öffentlich über die Presse, wenn sie Akteneinsicht fordern, aber diese natürlich nicht bekommen.

Douglas Carter hat immer wieder betont, wie eng seine Verbindung zu den Familien der Opfer ist und auch die Opferfamilien haben das mehrmals öffentlich gesagt. Ich denke das die Familien regelmäßig über den Stand und Fortgang der Ermittlungen informiert wurden, allerdings nur sehr grob und keinesfalls im Detail und auch nicht informell. Natürlich werden sie über so wichtige Schritte, wie z.B. eine Verhaftung informiert, da man einfach auch davon ausgehen muss, dass sie aufgrund der hohen Aufmerksamkeit dieses Falles kurz nach dem Bekanntwerden von Reportern bestürmt werden. Aber sicher haben sie keine Info erhalten, ob und wen die Polizei auf dem Radar hat, wo und wann welche Durchsuchungen durchgeführt werden und was dabei gefunden wurde. Sie haben die Informationen als mit einem kurzen Zeitvorsprung im Vergleich zur Öffentlichkeit, aber eben nicht unbedingt mehr Informationen als die Öffentlichkeit. Insofern bin ich sicher, dass die Familie das Video von Libbys Handy weder in voller Lange gesehen hat noch dessen genauen Inhalt kennt.

In den USA wird sehr großer Wert auf Transparenz im Justizsystem gelegt, deutlich mehr als in Deutschland. Z.B. sind die Daten der in einen Gefängnis eingewiesenen Personen öffentlich abrufbar, selbst wenn es sich "nur" um einen Untersuchungshaft handelt. In vielen Staaten können Gerichtsverfahren von Journalisten aufgezeichnet werden, Angeklagte können mit vollem Namen benannt und unverpixelt gezeigt werden. Nach Abschluss des Gerichtsverfahrens werden alle Akten öffentlich gemacht. Dieser Grundsatz der Transparenz gilt dabei nicht nur für das Justizsystem, sondern auch für Wahlen und Verwaltungsakte. Es geht dabei um das Recht der Bürger auf Mitbestimmung und Kontrolle der öffentlichen Hand (sog. Sunshine Laws), um Korruption und Missbrauch zu verhindern.
Allerdings unterscheiden sich die Gesetze zur Offenlegung in den einzelnen Bundesstaaten erheblich im Ausmaß der Offenlegungspflicht. Und in der Regel können eben Richter aus begründetem Anlass die Offenlegung bestimmter oder aller Informationen zumindest für eine bestimmte Zeit verbieten und unterbinden (z.B. durch eine sog. "gag order" oder einen "publication ban").
ich gehe deshalb davon aus, dass viele der Informationen zu den Ermittlungen und auch zum Prozess öffentlich werden, sobald der Prozess angefangen hat, spätestens wenn es zu einer rechtskräftigen Verurteilung gekommen ist. Um dies Informationen dann auch weiterhin unter Verschluss halten zu können, braucht es in den USA schon sehr triftige Gründe.


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07.11.2022 um 12:57
Ein interessanter Aspekt zum Haus des Tatverdächtigen: Es liegt nur etwa 100 m vom Bridge Creek entfernt, der im Prinzip unter der Monon High Bridge in den Deer Creek mündet. Der Täter muss auf dem Weg vom Ende der Brücke mit den Mädchen zunächst "down the hill" zum Ufer des Deer Creek und dann durch das Gewässer auf die andere Flusseite gelaufen sein. Es scheint dort sehr flache Stellen zu geben, allerdings muss er dabei ja zwangsläufig nasse Hosenbeine/Schuhe bekommen haben. Zudem wurde von erheblichen Blutmengen am Tatort gesprochen, was die Möglichkeit eröffnet, dass der Täter seine Kleidung kontaminiert hat.

Um nicht mit nasser, blutiger Kleidung aufzufallen, hätte theoretisch auch die Möglichkeit bestanden, dass der Tatverdächtige vom Tatort immer am Bridge Creek entlang in etwa 40 Minuten nach Hause gegangen ist. War er ursprünglich mit dem Auto zur Brücke gefahren, entfällt das als Option aber vermutlich.


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"Snapchat-Killer" Mordfall Liberty German & Abby Williams

07.11.2022 um 15:02
Doug Carter hat in einem Interview mit einem lokalen TV-Sender erklärt, dass die Nichtveröffentlichung des "probable cause" nicht auf einen Vorschlag der Polizei zurückgeht, sondern auf eigenen / alleinigen Wunsch der Staatsanwaltschaft erfolgte. Carter spricht sich auch für eine alsbaldige Veröffentlichung aus.

Der "probable cause" ist der Antrag an das Gericht auf Haftbefehl bzw. Untersuchungshaft. aus hm ist ersichtlich, was genau man einem Beschuldigtem vorwirft und welche Beweise und Indizien man vorzulegen gedenkt.

Ob das abgesprochen war oder ob Carter da der Staatsabwaschtaft in den Rücken fällt, ist schwer zu sagen.

Hier ab etwa Minute 10.30:

Youtube: Delphi Murders Arrest | Special Report
Delphi Murders Arrest | Special Report
Externer Inhalt
Durch das Abspielen werden Daten an Youtube übermittelt und ggf. Cookies gesetzt.



Soweit ich das richtig verstanden habe, dient nach dem amerikanischen Selbstverständnis die Veröffentlichung dem Schutz des Beschuldigten: Die Öffentlichkeit soll sehen und - in Grenzen - selbst beurteilen können, ob es vernünftige Gründe gibt, jemanden in U-Haft zu stecken, oder ob da Willkür und Mauschelei dahinter steckt.

Zudem gibt die Veröffentlichung der vermuteten Tathandlungen und -abläufen etwaigen Entlastungszeugen die Möglichkeit ich zu melden.

In einigen US-Foren wird daher schon diskutiert, ob eine längere Nichtveröffentlichung nicht Berufungsgründe liefern könnte.

Carter sagt, er habe den "probable cause" mehrfach gelesen und dieser sei sehr überzeugend. Er sagt auch, die Veröffentlichung wird Freunden und angehörigen Schmerzen bereiten.


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07.11.2022 um 16:51
@Rick_Blane: Danke, gut umschrieben

Hier ein weiteres interessantes Zitat:
He is charged with two counts of murder. Under this specific Indiana criminal code, it would indicate he is accused of committing additional crimes.

Carter says the charges are appropriate but declined to go any further.

Dr. Maderia helped fill in the blanks.

“That indicates that he could have done something else. This is a fairly broad-based murder statute. It allows for charges of other offenses such as child molestation, sexual trafficking, kidnapping, those sorts of things,” said Maderia
Quelle: https://www.wishtv.com/news/i-team-8/police-likely-looking-for-additional-suspects-in-the-delphi-murders/

RA ist also zweifach angeklagt, sehr interessant. Einmal wegen der Morde und ein zweiter Punkt könnte etwas anderes sein, etwa sexueller Missbrauch, Kinderhandel oder Kidnapping.


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"Snapchat-Killer" Mordfall Liberty German & Abby Williams

08.11.2022 um 01:52
Zitat von seneca22seneca22 schrieb:RA ist also zweifach angeklagt, sehr interessant. Einmal wegen der Morde und ein zweiter Punkt könnte etwas anderes sein, etwa sexueller Missbrauch, Kinderhandel oder Kidnapping.
Na ja, da muss man wieder aufpassen, dass hier nicht journalistischer Übereifer ins Kraut schiesst. Das sind zunächst einmal "nur" zwei Mordanklagen, eine für jedes Opfer.

Ob da nun noch etwas dazu kommt oder nicht, ist keinesfalls sicher, schon gar nicht irgendeine Anklage, für die wir in der Öffentlichkeit noch keine Anhaltspunkte haben, z.B. Vergewaltigung usw.

Relativ wahrscheinlich ist ein weiterer Anklagepunkt, nämlich "kidnapping," in Deutschland würden wir es "Freiheitsberaubung" nennen, wenn sich darstellt, dass die Mädels gegen ihren Willen und auf grund von Drohungen von der Brücke geklettert sind.

Für den derzeitigen Verfahrensstand ist das noch unerheblich. In den USA ist es üblich, für jeden einzelnen möglichen Punkt angeklagt zu werden, auch wenn es sich beim Strafmass z.B. nicht unbedingt auswirken würde. Mord nach § 35-42-1-1 IC ist sicherlich die am weitestgehende Anklage, so kann sich die Staatsanwaltschaft hier etwas Zeit lassen.

Um eine Anklage nach dieser Vorschrift zu begründen muss entweder dargelegt werden, dass der Angeklagte einen Menschen vorsätzlich getötet hat ODER er im Zusammenhang mit einer weiteren Straftat, wie z.B. kidnapping getötet wurde, also dann auch ohne, dass der Täter das beabsichtigte.
IC 35-42-1-1 Murder
Sec. 1. A person who:

(1) knowingly or intentionally kills another human being;

(2) kills another human being while committing or attempting to commit arson, burglary, child molesting, consumer product tampering, criminal deviate conduct (under IC 35-42-4-2 before its repeal), kidnapping, rape, robbery, human trafficking, promotion of human trafficking, sexual trafficking of a minor, or carjacking (before its repeal);

(3) kills another human being while committing or attempting to commit:

(A) dealing in or manufacturing cocaine or a narcotic drug (IC 35-48-4-1);

(B) dealing in methamphetamine (IC 35-48-4-1.1);

(C) manufacturing methamphetamine (IC 35-48-4-1.2);

(D) dealing in a schedule I, II, or III controlled substance (IC 35-48-4-2);

(E) dealing in a schedule IV controlled substance (IC 35-48-4-3); or

(F) dealing in a schedule V controlled substance; or

(4) knowingly or intentionally kills a fetus that has attained viability (as defined in IC 16-18-2-365);

commits murder, a felony.
Quelle: https://law.justia.com/codes/indiana/2017/title-35/article-42/chapter-1/section-35-42-1-1/ Strafgesetz von Indiana

Das sollte man beachten, bevor man sich von der Presse wieder zu Spekulationen hinreissen lässt.


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08.11.2022 um 10:38
Zitat von OpLibelleOpLibelle schrieb:Soweit ich das richtig verstanden habe, dient nach dem amerikanischen Selbstverständnis die Veröffentlichung dem Schutz des Beschuldigten: Die Öffentlichkeit soll sehen und - in Grenzen - selbst beurteilen können, ob es vernünftige Gründe gibt, jemanden in U-Haft zu stecken, oder ob da Willkür und Mauschelei dahinter steckt.
Ja, so ist das. Transparenz und Kontrollmöglichkeiten durch die Bürger sind in den USA ein sehr hohes Gut. Während in Deutschland viel mehr über Datenschutz und Persönlichkeitsrechte diskutiert wird, ist es aus dem Blickwinkel dieses Selbstverständnis vielmehr auch für den Angeklagten einen Chance und ein Schutz, wenn sein Fall vor einer breiten Öffentlichkeit verhandelt wird.
Trotzdem hat ein Richter eben auch das Recht, in begründeten Fällen Informationen für eine gewisse Zeit (in seltenen, begründeten Ausnahmefällen auch auf Dauer) für die Öffentlichkeit zu sperren.

Und wenn die Ermittler bzw. der Ankläger sagt, dass dies nötig ist, damit in dem Fall eine Verurteilung nicht gefährdet wird, dann denke ich, dass die allermeisten Personen Verständnis dafür haben werden.
Zitat von OpLibelleOpLibelle schrieb:Ob das abgesprochen war oder ob Carter da der Staatsabwaschtaft in den Rücken fällt, ist schwer zu sagen.
Ich finde nicht, dass er irgendwie den Staatsanwalt kritisiert oder ihm in den Rücken fällt. Er war ja auch auf der Pressekonferenz und dem direkt danach gegebenen Interview sowie in den Interviews der letzen Tage sehr konsequent, wenn es um Fragen ging, zu denen er aufgrund des richterlichen Beschlusses keine Informationen nennen durfte.

Was mir an diesem Interview allerdings am meisten auffällt, ist, wie sicher er sich zu sein scheint, dass sie den richtigen Täter identifiziert und festgenommen haben. Er wird direkt danach gefragt, und bejaht das mit Nachdruck und sein Gesichtsausdruck spricht wirklich Bände.
In sofern stimmt mich das für den weiteren Verlauf des Verfahrens sehr optimistisch!


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08.11.2022 um 11:45
Zitat von cododerdrittecododerdritte schrieb:Was mir an diesem Interview allerdings am meisten auffällt, ist, wie sicher er sich zu sein scheint, dass sie den richtigen Täter identifiziert und festgenommen haben.
Das habe ich mir auch gedacht.
Was könnte Ihn so sicher machen?
Mein Verdacht liegt liegt auf ein positives DNA Abgleich. Angenommen die Mädels haben sich heftig gewehrt und ihn bei der Tat verletzt und er hat geblutet, dann hätten die Ermittler DNA zu Verfügung .
Natürlich kann auch Sperma eine DNA enthalten, nur hoffe ich, das er die beiden nicht vergewaltigt hat.
Das ganze ist schon schlimm genug.
Was ich mir auch noch vorstellen könnte, was Carter so sicher macht, könnten Fingerabdrücke sein, die am Tatort gefunden wurde.
Falls er zb das Handy von Libby berührt hat oder andere Gegenstände, worauf Fingerabdrücke gefunden wurden.
Eine Positive DNA oder Fingerabdrücke können nur vom Täter stammen und damit kann man jeden Tatverdächtigen Ding fest machen.


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08.11.2022 um 11:55
Zitat von LARA43LARA43 schrieb:Was könnte Ihn so sicher machen?
Meinst du nicht, dass die Filmaufnahmen zur Identifizierung taugen?
Spezialisten können mit spezieller Technik Identitäten sehr genau feststellen.

Ich gehe aber auch davon aus, dass der Täterspuren (DNS, Fingerabdrücke) gesichert werden konnten.
Man kann ja praktisch nicht eine Minute irgendwo stehen, ohne Hautschuppen zu hinterlassen.
Und weil diese Spuren mit den bisher Verdächtigten nicht übereinstimmten, konnten die schnell entlastet werden.


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08.11.2022 um 12:09
Zitat von frauZimtfrauZimt schrieb:Ich gehe aber auch davon aus, dass der Täterspuren (DNS, Fingerabdrücke) gesichert werden konnten.
Aber ich meine, dass es nie veröffentlicht wurde, ob die Polizei DNA-Spuren vom Täter hat. Allerdings kann ich mir fast nicht vorstellen, dass sie keine hat.
Auf der anderen Seite wurde es immer als Problem beschrieben, dass so viele Menschen damals nach den Mädchen gesucht haben. Es waren ja wirklich 100te Menschen in dem Gebiet unterwegs, die natürlich einmal Spuren kaputt gemacht haben - einfach, weil sie drauf getreten und drübergelaufen sind -, aber selber auch 1000de Spuren hinterlassen haben, z.B. weil sie Haare, Hautschuppen, Fasern verloren haben oder ganz banal, weil der ein oder andere mal irgendwohin gepinkelt hat, weil er nach stundenlanger Sucher mal dringend musste.

Als damals Ron Logans Anwesen untersucht wurde, hieß es in der Presse, dass es möglich sei, dass der Täter Fotos vom Tatort und den Leichen gemacht hat, die noch bei ihm gefunden werden könnten (also beim Täter, nicht bei Ron Logan). Eben weil die Leichen wohl auffällig drapiert waren und Täter, die aufgrund perverser Phantasien töten, ihre Taten gerne mit Hilfe solcher Foto wieder und wieder durchleben.


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08.11.2022 um 12:21
Zitat von cododerdrittecododerdritte schrieb:Es waren ja wirklich 100te Menschen in dem Gebiet unterwegs, die natürlich einmal Spuren kaputt gemacht haben - einfach, weil sie drauf getreten und drübergelaufen sind -, aber selber auch 1000de Spuren hinterlassen haben, z.B. weil sie Haare, Hautschuppen, Fasern verloren haben oder ganz banal, weil der ein oder andere mal irgendwohin gepinkelt hat, weil er nach stundenlanger Sucher mal dringend musste.
Das kann schon sein. Oder aber es wurden Spuren auf dem Körper der Mädchen, Kleidung oder an ihrem Schmuck usw gefunden?
Das könnte dann aber nur vom Täter sein.
Es gibt eine Menge Möglichkeiten, womit man Helfer ausschließen könnte und genauso eine Menge, um den Täter zu belasten.
Ich hoffe, das Carter sich absolut sicher ist und warte auf neue Informationen.


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08.11.2022 um 12:39
Zitat von LARA43LARA43 schrieb:Oder aber es wurden Spuren auf dem Körper der Mädchen, Kleidung oder an ihrem Schmuck usw gefunden?
Das könnte dann aber nur vom Täter sein.
@LARA43
Ich kann mir das gar nicht anders vorstellen. Die Mädchen wurden ja nicht aus einer Distanz getötet, sondern in direktem Kontakt.
Da wird man unterscheiden können, was sicher vom Täter stammt-ud was möglicherweise.
Zitat von cododerdrittecododerdritte schrieb:Aber ich meine, dass es nie veröffentlicht wurde, ob die Polizei DNA-Spuren vom Täter hat. Allerdings kann ich mir fast nicht vorstellen, dass sie keine hat.
@cododerdritte
Ich wollte damit sagen, dass man nicht eine Minute irgendwo stehen kann, ohne seine Spuren zu hinterlassen. (Auch wenn man gar nichts macht) Um so kräftiger sind die Spuren, wenn man unter Stress steht, körperlich auf Hochtouren läuft. Und der Täter wird
die Mädchen auch direkt berührt haben,- um es mal vorsichtig zu sagen.

Ausserdem gibt es das Bildmaterial, das professionell ausgewertet werden wird.


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