Volvic schrieb:Du meinst, man hat früher kürzere Löschfristen favorisiert weil man davon ausging, dass Spuren, die in einen Zeitraum X nicht weitergeholfen haben, auch später nicht mehr relevant werden?
Nein, ich bezog mich nicht auf irgendwelche Fristen nach Richtlinien, sondern auf die damals noch nicht so ausgereiften Möglichkeiten der Kriminaltechnik.
Ein gutes Beispiel sind biologische Spuren wie Blut. Ich meine nicht als Formspuren sondern im Hinblick auf Rückschluss auf den Verursacher. Man konnte da damals noch nicht so viel daraus ableiten. Das ging erst Ende der 80er Jahre langsam los. Vorher konnte man vielleicht die Blutgruppe bestimmen, aber noch nicht eindeutig einer Person zuordnen, was ja heute nun doch schon recht lange Standard ist.
Die DAD beim BKA wurde erst aufgebaut; diese gibt es erst seit Ende der 1990er Jahre und musste ja auch erst mal bestückt werden. Bei vielen Straftätern wurden eine Speichelung von der Justiz angeordnet. Kriminalbeamte suchten oft JVA-Insassen auf und ließen sie "spucken". Heute wird das meist bei der erkennungsdienstlichen Behandlung gemacht, wenn das Delikt das hergibt und es verhältnismäßig ist.
Heute wird zum Glück so mancher Täter retrograd über DNA-Treffer identifiziert, vor allem auch auf dem Sektor der Eigentumsdelikte.
Bei Fingerspuren ist es auch so gewesen. Ganz früher wurden glaube ich erst nur 5 Merkmale (Minutien) bestimmt, dann wurden 8 europäischer Standard.
AFIS gab es vor der DAD.
Früher wurden die Fingerabdrücke, die noch mit schwarzer Farbe auf die Papierformulare abgerollt wurden, manuell beim LKA ausgewertet.
Heute werden die längst elektronisch genommen und auch automatisiert ausgewertet. Was natürlich erheblich schneller geht und das auch z.B. nachts oder so.
Volvic schrieb:Da wird der Täterschutz hierzulande viel zu sehr über den Opferschutz gestellt. Wenn die Rechte des Täters wichtiger sind als die eines (potentiellen) Opfers läuft etwas falsch.
Ja, das ist leider oft so. Schön ist das nicht.