ringelnatz schrieb:Meiner Meinung nach hat CB alle Möglichkeiten auf einen positiven Ausgang gekappt, als sie den begleiteten Umgang mit den Kindern im Childhouse abgelehnt hat - eine strategisch und menschlich verheerende Entscheidung!
Stattdessen hat sie den legalen Weg verlassen und die Gewalt gewählt - ihre Entscheidung, ihre Verantwortung!!
Das sehe ich grundsätzlich auch so. Niemand hat sie gezwungen, Sicherheitsunternehmen oder ausländische Söldnertrupps anzuwerben und sie eventuell - noch gilt die Unschuldsvermutung - dazu zu veranlassen, dem Vater Kinderpornos unterzuschieben und die beiden Kinder mit Gewalt zu entführen.
Trotzdem möchte ich persönlich Täter nicht nur aus von meiner Warte aus verurteilen, sondern auch ihre Beweggründe verstehen. Wie kam es zur Entscheidung?
Die Angeklagten in diesem Prozess sind keine Berufskriminelle oder gescheiterte Existenzen. Sie kommen aus einem wohlhabenden bzw. reichen konservativen Bürgertum, in dem eigentlich beruflicher Erfolg, gutes Benehmen, die Achtung von Konventionen, gesellschaftlichen Normen, Gesetzen und staatlichen Institutionen - wie auch Kirche - einen hohen Stellenwert haben. Die Kriminalitätsbelastung in diesem Milieu ist sehr gering, beschränkt sich vermutlich auf Steuerhinterziehung oder findet versteckt und unentdeckt hinter den Mauern ihrer Häuser statt. Warum - um Gottes Willen - wird aus einer solchen Schicht heraus ein Verbrechen begangen, dass all die hochgehaltenen konservativen Werte ad absurdum stellt?
Kommt es zu einer solchen Auseinandersetzung zwischen den Elternteilen - ich spreche von der Zeit vor 2021 - mit Drohungen, Verwünschungen, mit Hass und Häme, mit wenig sozialem Verhalten, dann ist das die Ursuppe, auf der die vorgeworfenen Straftaten gewachsen sind. Für mich ist die Sache mit dem bissigen Hund nach wie vor ein symptomatisches Signal, wie es schon 2015 um die familiären Beziehungen bestellt war. Oder dass zur Gerichtsverhandlung beim OLG Hamburg im Herbst 2021 beide Elternteile mit Sicherheitspersonal aufkreuzten (lt. Stephan Hensel hatte er nur einen Bodyguard, Christina Block habe mehrere gehabt). Wenn es soweit ist, dann ist auch der Weg nicht weit, das Sicherheitspersonal illegal einzusetzen. Dann dreht sich der Wahn schon, dann befindet man sich jenseits von Gut und Böse.
Es wird nicht mehr versucht, konstruktiv seine Ziele zu erreichen, sondern destruktiv. Die Gewalt, das Geld sollen es richten. In völliger Verkennung der Realität, was man daran sieht, dass für die Zeit nach der Entführung kein Plan herrschte, sich niemand überlegt hatte, wie ein Gericht das nur gut heißen könnte, wie die Öffentlichkeit darauf reagierte. Es kommt mir so vor, als habe jemand allen Beteiligten/Angeklagten "ins Hirn hineingesch..."
Verstehen wollen heißt nicht positiv bewerten, rechtfertigen oder entschuldigen wollen. Verblendung entbindet nicht von der strafrechtlichen Verantwortung. Aber es gehört zum Fall dazu.