Weil ich ein komisches Gefühl habe, habe ich mir die Artikel Jakob Hoffmann noch einmal angeschaut. Die Überschriften sind in sechs von seinen sieben Artikeln eindeutig auf PR-Linie von Block:
Tag 37 "Hier nur für Sie der Bericht, Smiley" (Jugendamt)
Tag 38 "Hätte die Polizei ihren Job gemacht, wären wir heute nicht hier" (Bott)
Tag 39 "Der Mossad wäre stolz auf das TiktTok-Verhalten seiner Agenten" (Rieks)
Tag 40 "Ich warte kurz, bis das Theater hier vorbei ist" (Bott)
Tag 41 "Das Haus wie ein Museum für eine Familie, die auseinandergerissen wurde" (Bott)
Tag 42 "Das perfekte Verbrechen gibt's nur im Kino" (vdM)
Tag 43 "Spannend, was für eine Zeugin die Nebenklage da aus dem Hut zaubert" (CB)
Auch seine Lead-Texte sind exakt auf Linie der Verteidigung, hier der vom letzten Prozesstag
Eine Nachbarin belastet Christina Block zunächst schwer, ihre Zeugenaussage gerät bei der Befragung aber gehörig ins Wanken. Das Bild von einer Polizei, die nicht genau erklären kann, was sie in der Silvesternacht tat, verfestigt sich.
Quelle:
https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/block-prozess-tag-43-nachbarin-vorwuerfe-polizist-sorgerechtDas entspricht nicht meiner Wahrnehmung von dem Tag. Hier weiter aus dem Artikel:
„Wichtige Details weichen aber voneinander ab: von der Medens Notizen sind dramatischer, es ist von "Anschreien" die Rede. Die Aussagen der Zeugin am Dienstag sind aber sehr viel vorsichtiger.“
Das würde ja bedeuten, dass die Zeugin vdM in seiner Befragung widersprochen hätte. Sie hatte aber alle seine genannten Notizen zum Telefonat mit Ihr bestätigt. Ich habe jedenfalls keine Erinnerung an solche Abweichungen.
„Unter den vielen Nachfragen der Verteidiger geraten ihre Aussagen gehörig ins Wanken. Plötzlich erinnert sie sich doch, dass Block öfter mal große Einkäufe selbst ins Haus getragen habe.“
Die Frage von IB war viel zu unspezifisch, die Richterin hatte IB doch auch erklärt er müsse zumindest den Zeitraum eingrenzen. Das war dann von 2000 bis 2026. Und darauf meinte die Zeugin natürlich, dass Sie CB auch in diesem Zeitraum mal gesehen habe, wie sie Einkäufe ins Haus getragen habe. Daraus zu drehen ihre Aussagen geraten gehörig ins Wanken und das sogar in den Lead zu übernehmen ist crazy. IB selbst hätte es ihm nicht besser diktieren können.
„Im Gegensatz zu ihrem Ex Hensel, der durch seine Kommentare und Grimassen regelmäßig mit der Verteidigung aneinandergerät, kann man manchmal schon beinahe übersehen, dass die Hauptangeklagte selbst auch jeden Tag im Gericht ist.“
Die Behauptung der Kommentare und Grimassen basiert auf Erklärungen von Verteidigern. Mein Eindruck bei dieser Formulierung ist, dass von den Kommentaren und Grimassen als (von Ihm erlebten) Fakt berichtet wird. Vielleicht ist es so, ich kann es aber nicht bestätigen. Ich glaube niemand vergisst, auch nicht beinahe, dass CB als Hauptangeklagte anwesend ist. Mag seine Meinung sein. Vielleicht sollte er seine Artikel zumindest als Kommentar kennzeichnen?
„Auf diese Mail alleine hatte sich die Polizei laut dem Zeugen in der Silvesternacht verlassen. Dabei heikel: An dieselbe Mailadresse der Polizei hatte Delling den Beschluss des Hanseatischen Oberlandesgerichts geschickt, mit dem es Block vorläufig das alleinige Sorgerecht zugesprochen hatte.“
Der Beamte vom Kriminaldauerdienst hatte mehrfach erklärt, dass er diese Mail nur zur Kenntnis genommen habe. Er wollte sich nicht mal drauf festnageln lassen diese gelesen zu haben, sondern er hätte sie eher überflogen (kein Zitat, erinnere ich nur noch sinngemäß). Jedenfalls hatte er verdeutlicht, dass weder diese Mail, noch die ihm mutmaßlich unbekannte Mail von Delling, Basis für sein Handeln waren bzw. gewesen wären. Er hat sich also nicht darauf „verlassen“. Das ist wieder genau das Wording der Verteidiger. Die Erklärung vom Zeugen, dass die Mails an die Adresse von mehreren Beamten bearbeitet werden und ein anderer Beamter vor ihm vermutlich die Mail von Delling bearbeitet hatte, lässt er dann weg und unterstützt lieber das Framing der Verteidigung, die Polizei sei auf einem Auge blind gewesen.
"Das Bild, das die Befragungen aller Kripo-Zeugen in den vergangenen Wochen ergeben haben, verfestigt sich damit: eine Polizei, die sich an kaum etwas konkret erinnern kann und sich schwertut, ihr eigenes Vorgehen in der hitzigen Silvesternacht zu erklären."
Das ist wohl seine Meinung und die Meinung der Verteidigung. Mein Eindruck ist, dass die Verteidigung die Beamten so in Details durchlöchert hat, dass jeder Mensch Erinnerungslücken aufweisen würde. Es wurden bestimmt auch Fehler gemacht. Aber es ging hier um Stunden in der Silvesternacht bei akuter Lage durch mit Gewalt entführter Kinder. Als ob sich einer vom Kriminaldauerdienst in Ruhe mit einem Juristen hinsetzt und erstmal den langen Sorgerechtsstreit studiert. Das hätte vielleicht ganz andere Fragen aufgeworfen.