Grillage schrieb:Allerdings passt das Bild so gar nicht zu dem Eindruck, den ich vorab von der Großmutter und dem Zusammenleben in Groß Breesen hatte. Klar, das beruhte nur auf sehr wenigen, kurzen Infos und duese sind nur indirekte Details in Vergleichbzu einem persönlichen Auftritt und Aussage.
Ich zitiere nur den kurzen Abschnitt von dir, gehe aber auf alles ein. Sonst wird der Beitrag viel zu lang.
Ich erinnere mich an Familie Ritter. Die Neonazi-Familie aus Köthen. Die Mutter bzw. Oma als fester Ankerpunkt und alle sind um sie herumgeschwirrt. Wie Planeten um die Donne.
Sie sagte oft genug, dass sie ihre Kinder hasst, die zu nichts taugen, nichts können, Abschaum sind. Sie sprach sehr oft sehr verächtlich über ihre Kinder. Gleichzeitig wurde sie aber von den (erwachsenen) Kindern auch als liebevoll charakterisiert. Die Mutter formte auch das Neonazi-Weltbild der nächsten Generationen. Kinder und Enkel sind auch gerne zu ihr gegangen, haben ein Käffchen mit ihr getrunken.
Die Interviewerin, die die Familie über viele Jahre lang begleitete, gibt mittlerweile selbst Interviews. Zeigt die Diskrepanz auf und sagt selbst "Ja, sie konnte liebevoll sein, selbst zu Kindern mit Migrationshintergrund, war aber auch grausam und demütigte andere. Sie stülpte den Nachfolgegenerationen ihr Weltbild auf, verachtete sie aber gleichzeitig dafür und hatte nicht viel Interesse am Schicksal ihrer Kinder und Enkel." (kein O-Ton, das ist die Quintessenz einiger Statements).
Ich will jetzt nicht sagen, dass das zu 100% auf die Familie von Matthias zutrifft. Es geht mir hier um die Dynamik. Kinder und Enkel gingen ein und aus, aber die Mutter/Oma war distanziert und verachtete alle.
Also Besuche als Akt der Liebe oder Zuneigung muss nicht gegeben sein. Kann auch einfach praktischer Natur sein.
Die Dynamik unter den Kindern kann auch wieder eine andere sein. Matthias hat vielleicht ein gutes Verhältnis zu seinen Geschwistern, aber eben ein gestörtes Verhältnis zur Mutter.
Auch wenn Gina dramatisiert und manipuliert, kann ich mir in dem Fall nicht vorstellen, dass ihre Beschreibungen über die Familie von Matthias komplett aus der Luft gegriffen sind. Matthias selbst bestätigte in einer Nachricht, dass man sich seine Familie nicht aussuchen kann. So eine Aussage von ihm zeigt doch, dass da definitiv was im Argen liegt.
Was auch wichtig ist: In dysfunktionalen Familien ist nicht immer alles zu 100% schlecht. Es gibt definitiv auch gute Momente. Momente, in denen man sich gesehen, gehört und geliebt fühlt. An die guten Momente klammert man sich. Genau dieselbe Dynamik trifft auch bei toxischen Beziehungen zu. Heißt aber nicht, dass das Verhältnis allgemein gut und liebevoll ist.
Ich glaube auch nicht, dass sie mega nervös und unsicher war. Angst um ihren Sohn glaube ich auch weniger. Sie war ja doch recht abgebrüht und wenn man die Videos von Journalisten zum Prozesstag sieht, sagen sie auch, dass sie recht kühl wirkte. Zwar manchmal leise und unverständlich war (das kann mehrere Ursachen haben), aber auch laut und vehement wurde. Auch ihre Verneinung zu der Frage, ob sie wissen will, was mit Fabian wirklich passiert ist, wirkte wohl sehr kalt und klar.
Ja, sie will Matthias womöglich ein Stück weit schützen. Sie sagte ja selbst, die Leute sollen aufhören, Mist über ihn zu erzählen. Das kann aber auch in dysfunktionalen Familie einfach nur ein Vorwand sein. Vorwand im Sinne von "Eigentlich geht es mir nur um meinen Ruf. "
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Wichtig: Sind nur meine Vermutungen und meine Perspektive. Ich sage nicht, dass es so in der Familie zugeht.