Interested schrieb:Wir kennen das Verhältnis zwischen den Frauen nicht und sie war Zeugin der Verteidigung (nicht Anklage, wie ich fälschlich geschrieben habe, im Eifer des Gefechts).
Es gibt im deutschen Prozessrecht keinen "Zeugen der Verteidigung". Zeugen werden vom Gericht vorgelesen. Alles Prozessparteien können per Beweisantrag die Ladung weiterer Zeugen beantragen, müssen dazu aber darlegen, welche Tatsachen sie mit der Befragung des jeweiligen Zeugen beweisen wollen.
Hinzu kommt, dass jede Prozesspartei jeden Zeugen befragen darf und natürlich der Richter sowieso.
Einfach nur verlangen, dass jemand kommt, der negatives zu den Lebensverhältnissen des Opfers erzählen soll, ist also nicht.
Diese Zeugin wollte das Gericht mit großer Sicherheit sowieso hören, weil sie eben über den Tag vor dem Tattag berichten konnte. Dann darf die Verteidigung, die ihre Aussagen ja schon aus den Akten kennt, aber eben auch fragen, was sie für wichtig hält.
Interested schrieb:Meine Mutter hätte das sicherlich nirgendwo so geschildert, aber die Aussage wurde dennoch getroffen.
Als Zeuge die Wahrheit zu sagen bedeutet auch, nicht bewusst etwas wegzulassen. Vielleicht muss man nicht jedes Detail erwähnen, aber wenn man gefragt wird, was dieses Mädchen über ihr Zuhause erzählt hat, darf man es nicht einfach verschweigen. Und diese Zeugin ist direkt zu konkreten Eindrücken gefragt worden.
Suppengespenst schrieb:Ich weiß, dass er seine Mama liebt und ich weiß auch, dass mein Nudelsalat wirklich gut ist.
An die große Glocke würde ich das nie hängen, nicht mal wenn Freunde meiner Kinder mit Mutter Flodder beschenkt worden wären.
Keine Angst, Du wirst sicher nie in die Verlegenheit kommen, dass dich ein Richter als Zeugin danach befragt, ob das Kind Deinen Nudelsalat dem seiner Mutter vorzieht.
Es geht bei Zeugenaussagen eben nicht um solche Banalitäten und ich finde schon, dass auch die Aussagen der Mutter eben etwas prinzipielles über Fabians Alltag aussagen.
wobel schrieb:Aber die 9min sind sooooooo "sportlich" dann auch nicht.
Ja finde ich auch. Vor allem wirken die 9 Minuten aus der Nachschau wenig, aber sie ist ja nicht in dem Bewusstsein zur Wohnung gegangen, dass das ganze in 9 Minuten durchgezogen sein muss. Sondern sie hätte sich ja auch einfach 15 oder 20 Minuten Zeit nehmen können, wenn es nötig gewesen wäre.
Aber sie hat es offenbar in den knappen 9 Minuten hinbekommen.
Es ist halt anzunehmen, dass Gina H bei ihm einige wunde Punkte genau kannte. Wenn ich höre, dass die Freundesmutter ausgesagt hat, Fabian habe immer Hunger gehabt und gesagt, seine Mutter sei froh, wenn er nicht da ist, und dann lese, dass Gina H der Frisörin erzählt hat, Dorina L habe nicht für ein ordentliches Mittagessen gesorgt, dann zeigt das für mich, dass sie sich der Knöpfe, die sie bei ihm drücken kann, ganz genau bewusst war.
Solche Menschen wie Gina H haben einfach sehr sensible Sensoren für die wunden Punkte anderer Menschen.
Insofern wird es ihr entsprechend leicht gefallen sein, das umzusetzen.
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