wobel schrieb:Das ist etwas, das mir nach wie vor unverständlich ist.
Hat sie wirklich so wenig Ahnung vom Wert des Geldes, dass ihr die hohen Kosten garnicht bewußt sind?
Ich kenne ja auch Leute, die noch nie in ihrem Leben gearbeitet haben und zu glauben scheinen dass a) alle anderen Menschen monatlich mindestens 5.000€ aufs Konto überwiesen kriegen und b) dass ihnen entsprechend ja dann auch 2.000-3.000€ zustehen würden auch wenn sie nicht arbeiten können... Aber normal ist das ja nun wirklich nicht.
Ich glaube ja. Jemand, der jeden Tag in einem Drogeriemarkt Regale einräumt wie Dorina weiß halt, wie viele Stunden er arbeiten muss, um 10 €, 100 € oder 1000€ netto auf dem Konto zu haben. Da überlegt man sich dann eher zweimal, ob diese oder jene Ausgabe jetzt wirklich sein muss. Geld kann man halt immer nur einmal ausgeben, dann ist es weg.
Für einen erwachsenen Menschen gehört es denke ich als Grundkompetenz zum Alltag, zumindest einen ungefähren Überlick zu haben, wie viel jeden Monat rein kommt und was davon an fixen, regelmäßigen Kosten gleich abgezogen werden muss.
Ich glaube, die Frau hat in ihrem Leben noch nicht viel für Geld gearbeitet und hat absolut keinen Bezug dazu, wie schwer es verdient werden muss.
wobel schrieb:Was (zumindest mir) so unverständlich ist, ist ja eher warum weder MR noch seine Mutter auch nur ansatzweise mitarbeiten möchten an der Aufklärung der Ermordung des eigenen Sohns bzw. Enkelsohns. Sollte das nicht weit über irgendwelchen angenommenen politischen Ansichten stehen? Also für ganz normale Menschen selbst in einer Gesellschaft, in der so einiges an Würde und Anstand klassenübergreifend längst verloren gegangen ist?
Ich glaube, dass man aus seinem Aussageverhalten nicht unbedingt schließen kann, dass ihm die Aufklärung des Mordes an seinem Sohn egal ist.
Ich vermute, er sieht in dem Gerichtsprozess eher einen Prozess gegen Gina - und die hält er für unschuldig. Er will also wahrscheinlich zuallererst nicht helfen, seine unschuldige Wieder-Freundin hinter Gitter zu bringen.
Natürlich ist das sehr kurz gedacht und verblendet. Sie wird es ihm so "erklärt" haben und er glaubt ihr. Er hat halt nicht das Wissen über Gerichtsprozesse, als dass er vestehen könnte, dass so ein Prozess eben auch dazu dienen könnte, die Wahrheit ans Licht zu bringen, also aufzuklären, wer die Tat - wenn es denn angeblich nicht seine Gina war - denn dann wirklich begangen hat. Er sieht darin halt ein abgekatertes Spiel, in dem von Vornherein feststeht, wer verurteilt wird.
Ich sehe darin den Grund, warum er so bizarr ausgesagt hat und warum er nicht als Nebenkläger teilnehmen will. Die Bezeichnung "Nebenkläger" und die Sitzordnung im Gerichtssaal impliziert ja schon irgendwie, dass man dann auf der Seite der Ankläger steht und er will halt nicht mithelfen, Gina H "unschuldig" zu verurteilen. Dass er als Nebenkläger sehr viel mehr hätte bewirken können, um ihre Unschuld zu darzulegen (wenn die denn vorhanden wäre, aber er glaubt ja dran), als mit seinem kruden Aussageverhalten, hat er denke ich nicht kapiert.
Die Mutter sehe ich einfach nur als von ihrem Sohn beeinflusst an. Ich denke, der war total durch, als er von seinen Aussagen nach Hause kam. Diese Gleichgültigkeit und Sturheit bei ihm war meiner Meinung nach auch ein bisschen ein Schutzschild.
Aber es ist naiv anzunehmen, dass diese Situation tatsächlich total an ihm abperlt: der Mann kommt in einen Saal, muss vorne auf dem Zeugenstuhl vor den 5 Richtern in schwarzen Roben Platz nehmen, rechts und links sitzen jeweils mehrere Leute auf der Angeklagten- wie auch der Anklägerseite, teilweise auch in schwarzen Roben und in seinem Rücken ein ganzer Sall gefüllt mit 80 Zuschauern und 50 Journalisten, von denen klar ist, dass sie jedes seiner Worte ggfls. per Live-Ticker in die Welt hinaus schicken. Und dann wird er vom Richter 8 Studen lang regelrecht gegrillt, bekommt provokante Textnachrichten vorgehalten, kritische Fragen gestellt.
Das wäre doch für jeden von uns eine mehr als nervös machende, Nerven aufreibende Situation. Und der Typ hat sich sicher noch nie im Leben näher damit beschäftigt, wie Gerichtsprozesse ablaufen und ist es vom Beruf her auch nicht gewohnt, vor größeren Menschengruppen aufzutreten und zu sprechen.
Ich will damit weder sein Ausageverhalten noch das seiner Mutter entschuldigen oder rechtfertigen. Aber ich denke, der ist total fertig nach hause gekommen, hat gemerkt, dass man ihm kaum ein Wort geglaubt hat, hat mitbekommen, dass gegen ihnErmittlungen wegen Falschaussage eingeleitet wurden und entsprechend wird er seine Mutter gebrieft haben, für die die Situation sicher genauso unerfreulich und angsteinflößend war.