wobel schrieb:Das sagt sich so einfach, aber ein Teil der Betroffenen kapselt sich eher mehr und mehr ab...
ja klar. Da müsste man natürlich helfen, bevor es so weit ist.
Wenn jeder einfach etwas aufmerksamer wäre, mehr das Gespräch suchen würde - vielleicht könnte ein bisschen was gewonnen werden. Es wäre wenigstens wünschenswert und ein Versuch. Leider denken aber die Meisten nur an sich selbst und dann erstmal lange an nichts und irgendwann kommen dann die Nachbarn oder...
wobel schrieb:Mein Eindruck ist, dass sie mehr Zeit mit den Pferden verbracht hat als mit ihrem Sohn. Für den Sohn war's womöglich sogar besser als Hausaufgabenhilfe jemand zu haben der da kompetenter ist, aber irgendwie klingt das für mich im Ganzen schon recht minimalistisch.
Ich denke das auch und ja vermutlich war das für den Sohn besser so. Denn mit einer Mutter allein, die so tickt, ist es sicherlich keine gute Basis und so hatte das Kind vermeintlich die Chance auf ein halbwegs stabiles Umfeld, zumindest tagsüber.
Was aber die Pferde angeht: Der Umgang mit Pferden hat nachweislich eine positive Auswirkung auf den Charakter. Ich nehme an, dass ihre Beschäftigung mit ihren Pferden stark dazu beigetragen hat, dass sie noch so halbwegs funktionierte. Ohne dies wäre es vermutlich noch schlimmer gekommen!
Ich bin selbst von Tag 1 an alleinerziehend und habe auch Pferde - ich kann mir ein stückweit ihre Situation, was die täglichen Abläufe angeht, vorstellen (im Gegensatz zu ihr mache ich allerdings alles selbst und arbeite zudem), und kenne auch die finanzielle Belastung (für die sie ja einen aus ihrer Sicht gangbaren Weg gefunden hat). Und andererseits kenne ich auch aus dem nahen Umfeld eine Mutter, die mit ihrem Kind irgendwie offenbar so gar nichts anfangen kann und immer so organisiert, dass sie sich nicht oder wenig bzw. nie alleine kümmern muss.
Das bedeutet aber alles nicht, dass GHs Verhalten nachvollziehbar wäre. Wir stecken - glücklicherweise - alle nicht in ihrer Haut.
Boho schrieb:Ich sehe nicht, dass sie einen Job von sagen wir mal mind. 5-6 Stunden in freier Natur nicht ausüben könnte - z.B. irgendwas mit Gartenarbeit, im Forst oder so. Sie ist sicher null Teamfähig bzw. würde jedes Team zerschiessen, sie ist aber körperlich sehr fit und auch in der Lage, einen Tagesablauf zu koordinieren - wenn es ihren eigenen Ansprüchen dient. Sie kann Termine zur festgesetzten Zeit wahrnehmen, wenn sie es möchte (der Hufschmied oder die Tierärztin) und ist in der Lage, für ihre Finanzen zu sorgen (halt nicht aus der eigenen Tasche).
Das Potential ist da für Alles - nur geht sie halt den bequemen Weg und bisher hat ihr eben nie Jemand einen Riegel vorgeschoben.
"Gelegenheit macht Diebe" heißt es doch so treffend.
Wäre es auf dem Amt vielleicht anders gelaufen, der zuständige Mitarbeiter kreativer geworden, beispielsweise - vielleicht hätte sie einen solchen passenden Job finden können und wäre nicht in den Rentenbezug abgerutscht. Wir wissen es nicht. Aus eigener Erfahrung - ich war selbst mal arbeitssuchend gemeldet - kann ich nur sagen: die Mitarbeiter im Jobcenter sind nicht alle hilfreich und wenn man empfangen wird mit den Worten: "Sie sind über 40, alleinerziehend, mit minderjährigem Kind - vergessen Sie's einfach, sie werden, egal wie qualifiziert, nie einen Job finden!" - dann wundert mich überhaupt nicht, wie ein hochgradig manipulativer Mensch in einer ähnlichen Situation vielleicht auf die Tränendrüse drückt und es hinkriegt, in die Rente geschickt zu werden.
Auch damit muss unsere Gesellschaft leben. Es gibt immer "solche und solche". Die einen nutzen sowas in ihrem Sinne aus, die anderen sehen zu, dass sie den Arsch hoch kriegen und es trotzdem schaffen. Menschen sind verschieden.